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Auflösungswahn mit 4K, 6K, 8K

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Einführung

Immer mehr Auflösung, immer schärfere Bilder. Buzzwords wie 4K, HDR oder sogar 8K beherrschen die Fachzeitschriften, Webseiten und die technikaffinen Filmschaffenden.
Witzigerweise hat RED seinen neuen MONSTRO 8K Sensor, während ich diesen Artikel vorbereitet habe, vorgestellt. Schon allein das Wort MONSTRO zeigt, wie diese Firma Aufmerksamkeit generieren will. Ich habe nichts gegen RED, aber das Marketing von RED ist schon sehr gewöhnungsbedürftig
Monatelange beschäftigt man sich mit einer bestimmten Kamera und wägt die Vor- und Nachteile genau gegenüber anderen Modellen ab. Gerüchte verhärten sich, dass bald das Nachfolgemodell erscheinen wird und jetzt möchte man natürlich keine Kamera mit alter Technik mehr kaufen und das Spiel beginnt von neuem. Recherche, Abwägen und Warten.

Aber ist eine höhere Auflösung grundsätzlich sinnvoll? Anhand von zwei Kameraherstellern kann man den Auflösungswahn gut verdeutlichen: ARRI und RED.
Arri hatte schon immer auf bessere Dynamik gesetzt und ist vergleichsweise spät auf den 4K-Zug aufgesprungen. RED hat sich schon sehr früh als Hersteller mit hohen Auflösungen positioniert und propagiert, dass es bei einer Kamera nur auf die Auflösung ankommt.

Mitte des Jahres hat der Kameramann Steve Yedlin einen interessanten Test gemacht. Er hat mal wieder mehrere Kamerasysteme miteinander verglichen. Im Grunde hat er die gleiche Szene mit unterschiedlichen Kameras abgefilmt und alle Kameras in der Post identisch gegraded und dann das Bild mit einer gemeinsamen Auflösung von 4K verglichen. Das Ergebnis? Man erkennt keinen Unterschied. Das klingt erstmal nicht so aufregend, weil ja alle Bilder identisch gemacht wurden. Aber die Kamerahersteller erzählen uns, dass man nur mit ihrem System ein besonderes Bild bekommt.

Wir haben auch schon öfters geschrieben, dass Canon schönere Hauttöne als Sony hat. Aber an sich gilt diese Aussage oft nur für das Bild, welches direkt aus der Kamera kommt und keine Farbkorrektur gemacht wird. Was passiert, wenn man aber das Canonbild überbelichtet hat? Und was passiert mit dem Sony SLOG Bild, wenn man es unterbelichtet hat? Dann trifft die Aussage „Canon hat die schöneren Hauttöne“ nicht mehr zu.

Die Aussage „Die Kamera ist nur ein Werkzeug und die Person hinter der Kamera macht das Bild“ bekommt, je länger man in der Branche ist, immer mehr Gewicht. Zu Beginn lässt man sich von der Auflösung und den technischen Details blenden und konzentriert sich nur auf die Kamera. Je länger man aber Bilder kreiert, desto wichtiger wird dann die Lichtgestaltung, das Setdesign, das Kostüm und vor allem die Performance der Darsteller. An sich ist jedem dieser Umstand klar, aber keiner will es wahr haben.

Wenn man ein paar Jahre den Auflösungswahn mitgemacht hat, dann wird einem klar, dass man sich für das System entscheiden sollte, mit dem man gut arbeiten kann. Wie ist die Bedienung der Kamera? Verstehe ich die Kamera? Kann ich die Kamera blind bedienen? Kann ich das 4K oder 6K Material überhaupt gut auf meinem Rechner bearbeiten?

Eigentliches Thema

Eigentlich bin ich ganz anders auf dieses Thema gestoßen. Ein paar Bekannte von mir haben sich wieder eine alte Sony VX2100 für Skateboardfilme zugelegt und ich dachte mir, woher kommt wieder der Wille, in SD zu filmen.
Ein kurzer geschichtlicher Exkurs: Die Sony VX1000 und später der Nachfolger die Sony VX2100 galten in den frühen 90igern bis in die 2000er als die Skateboard und Actionsportkameras schlechthin. Eine Henkelkamera mit einem angenehmen Gewicht, ein 3CCD-Chip mit knallenden Farben, ND-Filter, ein gutes Richtmikrofon und vieles mehr. Heute hauen diese Daten niemanden mehr vom Hocker. Da ich selbst früher mit einer VX1000 zum Filmen gekommen bin, hat mich wieder die Nostalgie gepackt und ich habe den alten Schinken aus dem Keller geholt.
Jetzt musste ich die Kamera nur wieder flott machen.
Meine VX1000 hatte nach einer Zeit das typische Problem der VX1000s – der Sucher hat nach ein paar Jahren Benutzung nicht mehr richtig funktioniert und ist dann irgendwann komplett ausgefallen. Leider hat die Kamera hier einen Designfehler. Den Sucher kann man vertikal nach oben stellen, so dass man von oben auf die Kamera in den Sucher schaut. In dieser Stellung kommt aber sehr viel Druck auf das Flachbandkabel, das das Signal von der Kamera zum Sucher überträgt. Wenn man den Sucher viel hin- und herbewegt, dann wird das Kabel irgendwann spröde und überträgt keine Daten mehr.

Reparatur der Kamera

Es gibt unzählige Anleitungen zum Reparieren im Internet und natürlich auch für die VX1000. Ich bin großer Fan von ifixit und versuche in der Regel alles zu reparieren, wenn es mit einem normalen Aufwand und normalen Kenntnissen möglich ist. Leider werden alle neuen technischen Geräte nicht mehr wirklich reparaturfreundlich gebaut …

Zurück zur Reparatur der VX1000. An sich gestaltet sich die Reparatur des Flachbandkabels recht einfach. Das Flachbandkabel habe ich auf Ebay von einem kanadischen Händler bestellt. Eine Woche später war das Kabel bei mir und die Reparatur konnte beginnen. Zunächst entfernt man das seitliche Gehäuseteil, die Rückklappe, den Griff und den Sucher. Dann muss man nur noch den kleinen Monitor aus dem Sucher herausbauen, das alte Kabel abschließen und das neue Kabel anschließen und mit der Hauptplatine verbinden. Die Verbindung mit der Hauptplatine ist etwas schwieriger, weil man das Kabel erst vom Sucher zur Platine führen muss. Dies ist etwas fummelig. Aber nach ca. 1h war die komplette Reparatur abgeschlossen und ich konnte die Kamera wieder zusammenbauen. Ein erster Test hat mir auch sofort ein Bild im Sucher gegeben. Die VX1000 ist wieder einsatzbereit.

Warum SD?

Der Reiz von SD liegt in der Unvollkommenheit. Natürlich sind heutige HD-Bilder auch nicht vollkommen. Aber SD hat hier nochmals einen eigenen Charme. In der Regel filmt man mit 4/3, die Auflösung sieht für unsere HD oder 4K verwöhnten Augen sehr schlecht aus und die Dynamik haut einen auch nicht vom Hocker, auf den ersten Blick.
Aber man kann durchaus schöne Bilder mit SD produzieren. Die Bilder erinnern mich an meine Jugend.
Durch den CCD-Chip der VX1000 hat man auch keinen RollingShutter Effekt. Schnelle Schwenks sind überhaupt kein Problem. Perfekt für Actionsport. Durch die Beschränkung der Auflösung und der Dynamik muss man sich bei der Bild- und Lichtgestaltung noch mehr Gedanken machen, als bei HD. Ab und zu habe ich das Gefühl, dass oft nur die Schärfe eines HD-Bildes beurteilt wird und das Bild dadurch automatisch als gut empfunden wird. Aber ein gutes Bild ist nicht nur scharf. Es ist wie beim analogen Film. Gerade das leicht unscharfe und das filmische Rauschen geben dem Bild etwas Besonderes.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen, dass es meiner Meinung nach nicht auf die Auflösung ankommt. Die Auflösung ist nur ein kleiner Teil vom Bild. Vielmehr sollte man einfach weniger Pixelpeeper sein und einfach Filme machen.

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