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Bildgestaltung

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In diesem Artikel geht es um die Bildgestaltung. Die Bildgestaltung ist ein enorm wichtiges Instrument für jeden Kameramann, Fotografen oder visuellen Künstler:
Wie und warum werden die Objekte im Bild platziert?
Wollen wir Spannung oder Balance ausdrücken?
Zwei Personen sind in einem Dialog. Eine Person soll schwächer erscheinen. Wie kann ich dies durch die Bildgestaltung verdeutlichen?
All dies kann die Bildgestaltung ausdrücken und ist somit ein wichtiger Bestandteil des Filmens.

Einführung

Eine fundamentale Erkenntnis für die Bildgestaltung ist, dass Wahrnehmung und Sehen der Menschen durch das Gehirn unterbewusst und bewusst gesteuert wird. Wenn wir alles wahrnehmen würden, was wir sehen, würden wir in kürzester Zeit durchdrehen, weil unsere Umwelt einfach zu viel Reize bietet. Die Kamera kann nicht differenzieren, was der Zuschauer sehen soll und was nicht. Sie nimmt einfach alles auf, natürlich hat sie nicht die hohe Auflösung und das Kontrastverhältnis wie das menschliche Auge, dennoch muss man aufpassen, was im Bild zu sehen ist und was nicht. Besonders totale Perspektiven können auf dem Fotos und im Film besonders unordentlich wirken und sind daher sehr schwer gut zu gestalten. Daher versucht man mithilfe der Bildgestaltung den Blick des Betrachters zu lenken.
Eine weitere Erkenntnis ist, dass Film und Foto auf einer zweidimensionalen Fläche (Fotografie, Leinwand, Bildschirm, etc.) abgebildet werden. Wir Menschen sehen aber durch unsere beiden Augen ein dreidimensionales Bild. In der Bildgestaltung versucht man daher zusätzlich eine räumliche Wirkung zu schaffen.

Grundlagen

Eine dreidimensionale Wirkung entsteht, wenn eine gewisse Tiefe im Bild ersichtlich wird. Maler haben sich schon immer mit der Tiefenwirkung eines Bildes beschäftigt. Ein typisches Stichwort ist Verblauung oder Farbperspektive. Wenn man sich draußen eine Landschaft anschaut, dann scheint die Landschaft, je weiter man in die Ferne schaut, immer blauer zu werden. Dies hat mit der Brechung vom Licht zu tun. In der Malerei kann man nun die Elemente im Hintergrund viel blauer malen als die Elemente im Vordergrund.

In der Malerei, Fotografie und im Film versucht man oft, verschiedene Bildebenen zu schaffen, Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Mit mehreren Ebenen wird das Bild interessanter, das Auge des Betrachters kann wandern und das Bild erforschen.

Eine weitere Möglichkeit, Tiefe zu schaffen, ist mit der Schärfe zu arbeiten. Mit einer geringen Schärfentiefe kann man den Vordergrund vom Hintergrund absetzen und hat somit zwei Ebenen. Entscheidend ist, dass man mit einer hohen Schärfentiefe und mit einer geringen Schärfentiefe Bildebenen schaffen kann. Gerade heute filmt fast jeder mit einer DSLR und meint, der Hintergrund muss nur noch unscharf sein, um ein schönes Bild zu erhalten. Empfehlung: Schaut euch mal den Film Citizen Kane an. Hier wurde bewusst mit einer hohen Schärfentiefe und Deep Staging gearbeitet. Beim Deep Staging werden die Schausteller auf verschiedenen Bildebenen platziert. Bei Citizen Kane sind aber alle Bildebenen scharf, heutzutage würde man hier mit Schärfeverlagerungen arbeiten.

Als nächstes wollen wir uns die Perspektive etwas genauer anschauen. Die lineare Perspektive ist eine Möglichkeit, ein dreidimensionales Objekt auf einer zweidimensionalen Ebene darzustellen. Die Größe von Objekten ist hierbei ein wichtiges Element. Falls zwei gleiche Objekte (zum Beispiel zwei erwachsene Personen) unterschiedlich groß auf dem Bild sind, dann nimmt das Auge an, dass sie unterschiedlich weit vom Betrachter entfernt sind. Diesen Effekt hat sich Peter Jackson in Der-Herr-der-Ringe-Trilogie zu nutzen gemacht. Die Schauspieler wurden unterschiedlich weit weg von der Kamera im Set platziert. Durch geschicktes Setdesign und Kameraposition sieht es aber so aus, als würden beide Schauspieler genau gleich weit von der Kamera entfernt sein, dadurch konnten die Schauspieler unterschiedlich groß erscheinen (siehe Hobbits im vgl. zu Menschen).

In der Fotografie und im Film bestimmen auch die gewählten Objektive den Eindruck vom Bild. Ein Weitwinkel verstärkt die Relation zwischen Vordergrund und Hintergrund. Bewegungen auf der Z-Achse werden verstärkt und der Raum wird visuell vergrößert. Dagegen staucht ein Teleobjektiv den Raum. Bewegungen auf der Z-Achse werden stark verringert. Bei der Raumwirkung durch Objektive wollen wir kurz auf den Dollyzoom oder Vertigoeffekt eingehen. Der Vertigoeffekt wurde von Alfred Hitchcock in Vertigo eingesetzt, um die Höhenangst des Hauptdarstellers zu verdeutlichen. Um den Effekt generieren, muss die Kamera auf einem Dolly plaziert werden, außerdem braucht man ein Zoomobjektiv. Nun fährt man mit dem Dolly zurück und zoomt gleichzeitig mit dem Objektiv heran. Hierdurch wird der Raum gestaucht. In der entgegensetzten Richtung wird der Raum gestreckt. Dieser Effekt wirkt dadurch so stark auf uns, weil wir ihn mit natürlichen Mitteln nicht generieren können, denn unsere Augen sind keine Zoomobjektive.

Im zweiten Abschnitt haben wir bereits kurz die Farbperspektive erläutert. In der Malerei kann man sehr einfach auf die Farbperspektive einwirken. In der Fotografie und im Film ist dies nicht so einfach. Gerade bei Innenaufnahmen ist es sehr schwierig, zusätzliche Tiefe zu schaffen. Aber man kann hier mit Tricks arbeiten. Je weiter ein Objekt vom Betrachter entfernt ist, desto mehr Luft ist zwischen dem Objekt und dem Betrachter. Die Luft (insbesondere die Partikel in der Luft) filtert Kontraste und Farbinformationen über die Entfernung. Das Auge kann weniger Details erkennen. Bei Innenaufnahmen könnte man also mit Rauch, Nebel und Dunst arbeiten um im Hintergrund weniger Details zu zeigen. Regen ist eine weitere Möglichkeit Tiefe zu schaffen.

Im nächsten Abschnitt geht es konkret um unterschiedliche Techniken der Bildgestaltung.

Bildgestaltung I

Im Artikel Grundlagen ging es grob darum, wie unser Auge Dinge in der Welt sieht und wie man dieses Wissen in der visuellen Kunst anwenden kann. In diesem Artikel geht es konkret um bestimmte Bildgestaltungsregeln.

Drittel Regel
Eine der bekanntesten Regeln ist die Drittel Regel. Man drittelt das Bild vertikal und horizontal. Das Hauptmotiv wird dann auf einer dieser Drittel-Linien platziert. In der Mitte platzierte Motive werden oft als langweilig empfunden. Es gibt hier jedoch einige Ausnahmen, die wir später näher betrachten werden.
Der Ursprung der Drittel-Regel ist der goldene Schnitt. Das Bild wird nach einem bestimmten Verhältnis geteilt. Der goldene Schnitt und die Drittel-Regel unterscheiden sich nur sehr gering, daher wird oft die Drittel-Regel verwendet, da man das Bild einfach leichter unterteilen kann.

Die Drittel-Regel kann man sehr gut mit Tiefenwirkung kombinieren. Das Hauptmotiv wird in den Mittelgrund auf die linke Drittel-Linie gesetzt. Im Vordergrund rechts könnte man noch etwas unscharf einen Teil der Kulisse platzieren. Der Hintergrund nimmt den Rest des Bildes ein. So kann man durch geschickte Platzierung der einzelnen Elemente eine räumliche Wirkung erzielen.
Durch die Drittel-Regel kann man aber nicht nur eine räumliche Wirkung erzielen, man kann auch Emotionen transportieren. Wenn man eine Person am linken Bildrand platziert und sie nicht in das Bild (nach rechts), sondern aus dem Bild schauen lässt, dann entsteht ein vollkommen anderer Eindruck. Zusammen mit dem Inhalt des Film kann die Person eingeengt oder sogar verloren wirken. Auf der anderen Seite kann ein Bild, welches mit allen Regeln des goldenen Schnitts aufgenommen wurde, zwar harmonisch wirken, jedoch könnte die Bildgestaltung nicht zum Inhalt passen und so das Bild ruinieren. Der goldene Schnitt oder die Drittel-Regel sind nur Hilfslinien und keine Garantie für einen guten Bildausschnitt.

Im Zusammenhang mit dem goldenen Schnitt gibt es noch die Fibonacci Spirale. Fibonacci hat eine Zahlenreihe entdeckt, die in der Natur vorkommt und viele Bereiche gestaltet. Man sieht sie z. B. im Wirbel einer Galaxie, im Blütenstand einer Sonnenblume oder in der Spirale eines Schneckenhauses. Diese Fibonacci-Spirale wird als besonders harmonisch gesehen, die Spirale scheint fest in unserem Bewusstsein verankert zu sein.

Linien
Linien im Bild führen das Auge. Besonders bei Architekturfotografie arbeitet man viel mit Linienführung. Es gibt symmetrische Linienführung (Zentralperspektive) und eine asymmetrische Linienführung.
Bei der Zentralperspektive werden zwei auf den Horizont zulaufende Linien im Bild platziert. Hier gibt es eine Ausnahme der Drittel Regel. Man kann bei Zentralperspektive das Hauptmotiv zentral im Bild platzieren und das Bild wirkt trotzdem nicht langweilig. Wenn man eine vertikale Linien in der Mitte durch das Bild zieht, dann sind beide Seiten gleich. Das Bild kann gespiegelt werden. Das Bild wirkt dadurch sehr harmonisch und gibt dem Motiv Gewicht. Bürogebäude oder öffentliche Gebäude wie Rathäuser und Museen können so in Szene gesetzt werden. Stanley Kubrick hat im Film The Shining sehr viel mit Zentralperspektive gearbeitet, obwohl hier das Bild eher düster und unheimlich wirkt.

Bei der asymmetrischen Linienführung kann das Bild nicht gespiegelt werden. Die Linien gehen zu einer Seite und lenken unseren Blick in eine bestimmte Richtung. Dadurch wirkt das Bild sehr dynamisch.

In der Montage kann man nun gezielt bestimmten Objekten oder Motiven durch den Einsatz von symmetrischer und asymmetrischer Bildgestaltung eine bestimmte Wirkung geben.

Rahmen
Eine weitere interessante Möglichkeit der Bildgestaltung sind Rahmen im Bild, auch Bild im Bild genannt. Man sucht sich einen natürlich vorkommenden Rahmen und platziert darin das eigentliche Motiv. Ein Beispiel hierfür ist, wenn man durch ein Fenster eines dunklen Raums nach draußen filmt. Bis auf die Szene im Fenster könnte das Bild sehr dunkel sein. Unser Blick wird somit automatisch auf das Geschehen im Fenster gelenkt.

Kadrierung
Bei der Drittel-Regel sind wir schon kurz auf die unterschiedliche Wirkung eines Bildes eingegangen. Ein Bild kann trotz eingehaltener Drittel-Regel harmonisch oder nicht harmonisch wirken. Dies hat mit der Kadrierung zu tun. Kadrierung ist die Platzierung der Objekte und Elemente im Raum in den unterschiedlichen Einstellungsgrößen (CloseUp, Totale, etc.). Vereinfacht kann man sagen, dass es offene und geschlossene Kadrierung gibt. Bei der offenen Kadrierung geht das Bild über das Format hinaus, der Betrachter kann nicht alles sehen. Die Handlung kann außerhalb des Bildes passieren. In einem weiteren Bild könnte nun die Handlung gezeigt werden, die der Zuschauer zunächst nicht sehen konnte. So kann man Spannung schaffen. Bei der geschlossenen Kadrierung ist das Bild abgeschlossen, die Handlung kann im Bild stattfinden.

Bildgestaltung II

Bildformat
Es gibt unterschiedliche Bildformate. Viele kennen wahrscheinlich noch von den alten Röhrenfernsehern das 4/3 Format. Mit jedem Bildformat kann man Bildgestaltung machen und jedes Bildformat ist für bestimmte Einstellungsgrößen und Regeln besser oder schlechter geeignet. Es gibt nicht unbedingt das beste Bildformat. Derzeit befinden wir uns im Filmbereich eher im Breitbild. Wir haben bewusst das Bildformat 9/16 mit aufgenommen, da viele Menschen mit ihrem Mobiltelefon im Hochformat filmen. Mit dem Youtube-Video VVS wollten die Macher auf das falsche Bildformat aufmerksam machen und die Menschen animieren, im Landscapemode zu filmen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Verfechter des 9/16-Formats, da man hierdurch eindeutig Amateurmaterial erkennt. Früher wurde in den Nachrichten Amateurmaterial gekennzeichnet, dieses Material zeichnet sich in der Regel durch sehr wackelige Aufnahmen und schnelle, unmotivierte Zooms aus. Heute sieht man in vielen Kinoproduktionen die berühmte Wackelkamera und seit MTV sind die unmotivierten Zooms auch salonfähig.

9/16

1.33:1 (4/3)

1.78:1 (16/9)

1.85:1 (Academy)

2.35:1 (Anamorphic)

Jedes Bildformat hat wieder eine besondere Wirkung. Bei großen Filmen mit vielen atemberaubenden Landschaftsszenen bietet sich 2.35:1 an. Es lässt Landschaften noch weiter wirken. Heute wird dieses Format leider viel zu unbedacht eingesetzt, gerade in der Werbebranche wird 2.35:1 inflationär eingesetzt, da man einen Look bekommen will, der mehr an Kino erinnert. Das „Fake-Anamorphic“ bekommt man besonders leicht im Schnitt. Man dreht einfach im 16/9 Format und fügt dann oben und unten im Bild die schwarzen Balken hinzu. Beim Export des Film, kann man dann einfach das Bildformat auf 2.35:1 stellen und schon hat man ein anamorphwirkenden Film. Kenner sehen natürlich sofort, dass es sich um kein echt anamorphes Bild handelt, da die Unschärfe und die Lensflares nicht mit echtem anamorphem Material übereinstimmen.
Ein Film, der sehr viel mit unterschiedlichen Bildformaten spielt, ist The Grand Budapest Hotel von Wes Anderson. Es wird öfters zwischen 4/3 und 1,85:1 und 2,35:1 gesprungen, hierbei springt die Geschichte in unterschiedlichen Zeitepochen. So werden diese Zeitsprünge auch durch die Sprünge im Bildformat vermittelt. Dieser Film ist übrigens auch ein Beispiel dafür, dass Kino nicht unbedingt Breitbild sein muss, die 4/3-Passagen sehen nicht weniger cineastisch aus.

Einstellungsgrößen
Film gibt uns die Möglichkeit, unterschiedliche Einstellungsgrößen innerhalb eines Mediums zu verwenden. In der Malerei oder bei der Fotografie ist man immer auf eine Einstellungsgröße festgelegt, ein Portrait ab der Brust bleibt ein Portrait ab der Brust. Bei einem Film können wir von einer Totalen zu einer Close-Up schneiden oder alles in einem Shot machen. In diesem Kapitel gehen wir kurz auf die verschiedenen Einstellungsgrößen ein und erklären kurz eine mögliche Wirkung. Die Einstellungsgrößen lassen sich nicht genau an einem Punkt abgrenzen, viel mehr verschwimmen die Übergänge.

Panorama/Weite: Personen nehmen in der Weite eine eher unwichtige Rollen ein, sie ist kaum zu sehen. Die Person ist klein und unwichtig in dieser Welt und könnte zum Beispiel noch einen weiten Weg vor sich haben. Wurde sie in eine Ecke des Bildes gesetzt, wirkt sie noch einsamer und verlassener auf der Welt. Dazu wird die Landschaft, die im Mittelpunkt steht, rund um die Person gezeigt, wo befindet sich die Person, ist es eine Zivilisation oder mitten im Urwald. Sie drückt Gefühle wie Einsamkeit, Isolation, Fremdheit und/oder Gefahr, aber auch Freiheit und Unendlichkeit aus.

Totale: Zeigt die Situation, in der sich die Person befindet, was vor ihr liegt und was ansteht. Sie zeigt gleichzeitig auch den Handlungsraum, in der sich der Charakter befindet. Sie ist also ein Shot, der Überblick verschafft und wird oft als Establishing Shot verwendet. Die Landschaft steht nicht mehr dominierend im Mittelpunkt, jedoch wirkt die Person im Bild noch relativ unwichtig.

Halbtotale: Kann die erste Reaktion einer Person zeigen, zeigt den Handlungsspielraum, was könnte die Person jetzt tun, welche Richtung wird sie gehen. Hat jedoch eine geringere Raumtiefe. Hebt ein Objekt aus der Beliebigkeit heraus und setzt es mit seiner direkten Umgebung in Verbindung. Hierbei ist aber auch die Gestik wichtiger als Dialoge.

Halbnah: Die Person ist Bildfüllend, kann auch leicht angeschnitten sein, vor allem die Beine. Dieser Shot betont wieder die Gestik und die Gefühlsregung der zu handelnden Person.

Amerikanisch: Die Person ist bis zum „Colt“ sichtbar, zeigt eine mögliche Handlungsmotivation und betont die Gestik. Entspricht am ehesten einer Einstellungsgröße, bei der ein außen stehender Betrachter eine Gesprächsgruppe beobachten würde. Die Unterhaltung ist dabei vom Betrachter akustisch mitverfolgter. Die Bezeichnung Amerikanisch kommt vom klassischen Western. Beim sogenannten Showdown, dem Duell der Widersacher auf dem Höhepunkt der Geschichte, wird die Figur von oben bis zum Coltansatz gezeigt.

Brustbild/Nah: Läutet gerne den Charakter ein, wird oft als erstes Zeigen eines Charakters verwendet, um ihn zum ersten mal von vorne zu zeigen, In diesem Shot kann man sich ein Bild über die Person verschaffen, sie versuchen einzuschätzen. Sie betont auch die Mimik der Person.

Groß/ Portrait: Person ist wie bei einem Ausweisfoto sichtbar, kann aber auch angeschnitten sein. Diese Einstellungsgröße betont die Mimik wie auch Blicke. Person wirkt nah, jedoch nicht unnatürlich.

Italienisch: Die italienische Einstellung ist eine besondere Art der Detailaufnahme. Dabei werden nur die Augen des Darstellers gezeigt. Diese Einstellung hat ihren Ursprung im Italo-Western. Die wohl bekanntesten Beispiele ist der Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ von Sergio Leone oder „The Good, the Bad and the Ugly“.

Tipp:
Ein häufiger Wechsel der Einstellungsgrößen in einer Szene wirkt spannender, während ein seltener Wechsel beruhigend oder sogar langweilig wirken kann.
Man sollte sich bei jeder Einstellungsgröße bewusst sein, was diese beim Zuschauer vermitteln kann, z.B. Interesse, Angst, Neugierde usw.
Der Wechsel von unterschiedlichen Einstellungsgrößen verstärkt die Bedeutung der einzelnen Einstellungen. Außerdem muss man die verschiedenen Einstellungsgrößen nicht unbedingt auf Personen reduzieren. Ein Auto kann auch in einer Totalen das Hauptobjekt sein.

Detail: geht näher an die Person heran, zeigt vielleicht sogar Makel oder Macken der Person, unruhige Hände, zupft sich immer das Ohrläppchen, die Tiefe der Augen, Reaktion des Mundes. Entblößung des Charakters, der Zuschauer ist sehr nah an ihm dran und erlebt das, was hinter dem Charakter steckt, erfährt dadurch Intimes oder auch Abstoßendes. Betont vor allem auch Blicke oder die Mimik, wirkt aber unnatürlich nah.

Was sieht die Kamera
OTS (Over-the-Shoulder) Einstellung
Die Over-The-Shoulder-Einstellung wird sehr oft bei Dialogen zwischen zwei oder mehreren Personen verwendet (natürlich kann man eine OTS auch mit einer Person, zum Beispiel vor dem Spiegel machen). Bei der OTS sieht man die sprechende Person in einem Teil des Bildes und im anderen Teil sieht man noch den Hinterkopf und die Schulter des Gesprächspartners. Dadurch fällt es uns leichter, dem Gespräch zu folgen, da wir immer genau wissen, mit wem die Person jetzt gerade spricht. Mit der OTS kann man auch die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern vermitteln, falls eine Person immer alleine im Bild gezeigt wird und die andere Person immer mit der Schulter im Bild, dann haben beide eine unterschiedliche Wirkung. Die Person, die alleine im Bild gezeigt wird, könnt isoliert,einsam oder ein Einzelgänger sein, da der zweite Mensch im Bild fehlt.

POV (Point of View) Einstellung
Bei der POV-Einstellung befindet man sich im Charakter und sieht durch seine Augen. Die typische „Wackelkamera“ von der Schulter suggeriert sehr oft die POV einer Person.

Besondere Einstellungen
SnorriCam-Einstellung
Bei der SnorriCam wird ein Gestell am Darsteller befestigt und die Kamera am Gestell befestigt. Die Kamera wird auch den Darsteller gerichtet und verfolgt jede Bewegung. Ihr könnt euch das wie eine Art großen Selfie-Stick vorstellen, nur dass der Darsteller die Kamera nicht selber halten muss und dadurch die Hände frei hat. Durch die eigenartige Bewegung der Kamera ergibt sich ein interessanter Effekt. Die SnorriCam wird oft bei Traum- oder Rauschsequenzen verwendet. Man sollte diesen Effekt nicht zu viel einsetzen, da es sehr befremdlich auf den Zuschauer wirkt.

POV-bei-Objekten
Es gibt noch einige besondere POV-Einstellungen. Wenn ein Darsteller zum Beispiel durch ein Fernglas schaut, dann werden oft die Umrisse vom Fernglas unscharf am Rand hinzugefügt. So sieht der Zuschauer gleich, dass man jetzt durch das Fernglas schaut. Eine weitere Anwendung ist der Türspion, hier kann man zum Beispiel ein FishEye-Objektiv verwendet um den Türspion zu simulieren. Dadurch ergibt sich auch ein komisch wirkender Verzerrungseffekt.

Horizontlinie
Mit der Horizontlinie bestimmt man, wo der Horizont im Bild zu sehen ist. Durch die bewusste Platzierung des Horizonts lassen sich unterschiedliche Wirkungen erzielen. Ein zentrierter Horizont lässt das Bild sehr ausgeglichen wirken. Durch die bewusste Dezentralisierung kann man wieder Spannung im Bild schaffen.

LowerThird
Der Horizont ist näher an der unteren Bildkante, man bekommt also mehr Weitblick. Diese Art der Horizontplanierung eignet sich, wenn man eine gewissen Leere vermitteln möchte.

Center
Eine balancierte Komposition des Horizonts. Das Bild wirkt sehr harmonisch durch die genaue Teilung des Bildes.

UpperThird
Hier wird der Fokus auf den Vordergrund gelegt. Der Horizont ist an der oberen Bildkante, der Vordergrund kann also deutlich mehr Raum im Bild einnehmen. Wenn man besonders den Vordergrund hervorheben möchte, dann kann man diese Art der Horizontplazierung verwenden.

Kamerahöhe
Die Höhe der Kamera ist ein weiteres Element, mit dem man spielen kann. Bei einem Film, wollen wir die Zuschauer in eine andere Welt entführen, oft reicht hierfür schon ein anderer Blickwinkel. Wir sehen die Welt in der Regel auf Schulterhöhe, da wir durch die Stadt meistens aufrecht laufen und nicht kriechen (ab und zu kriecht man wahrscheinlich aus einer Bar). Wenn wir jetzt die Sehgewohnheit von uns durch die leichte Änderung der Kamerahöhe ändern, erhält der Zuschauer einen neuen Eindruck. Die Höhe der Kamera beeinflusst außerdem, wie unser Objekt wirkt. Wenn wir die Person leicht von unten aufnehmen, dann wirkt sie heroischer und dominanter, bei einer Person die leicht von oben aufgenommen wird, haben wir den umgedrehten Effekt. Die Person wirkt schwächer und wird verniedlicht (ein typisches Element der Kinderfotografie oder bei Selfies).

Froschperspektive: Lässt den Charakter riesig wirken, bedrohlich, den Zuschauer als nichtig und unwichtig.

Vogelperspektive: macht eine Person sehr klein, unwichtig in der Welt, unmündig.

Diese beiden Perspektiven sind die extremsten bei der Kamerahöhe und sollten nicht zu oft verwendet werden, sie nutzen sich sehr schnell ab.

Augenhöhe
Gerade bei sehr nahen Einstellungen sollte man die Kamera auf Augenhöhe haben, so kann man die Augen schön an der oberen Drittel-Linie ausrichten.

Schulterhöhe
Je weiter man mit der Kamera entfernt ist, desto niedriger wird der Standpunkt, so kann man immer leicht nach oben auf das Subjekt filmen. Bei einer Close-Up ist die Kamera ungefähr auf Schulterhöhe.

Hüfthöhe
Bei der Halbnahen oder Amerikanischen Einstellung kann die Kamera auf Hüfthöhe sein.

Kniehöhe
Bei der Halbtotalen oder Totalen kann die Kamera auf Kniehöhe sein. Die Person wirkt wieder sehr erhaben und wichtig im Bild.

Zusammenfassung

Dies war nur ein kleiner Ausflug in die Bildgestaltung und je mehr man sich mit der Thematik beschäftigt, desto mehr Ausnahmen und Regeln wird man finden. Am Ende gilt, je mehr man die Regeln anwendet und sie auch versteht, desto mehr kann man auch experimentieren.

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