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Dance Mile – Behind the scene

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Bewegung trifft auf Licht! Dance Mile
In diesem Artikel wollen wir euch Bilder, Eindrücke und einen kurzen Behind the scene Film zeigen.

Ich (Fabian) komme aus einer Familie von Balletttänzern. Ich selbst habe 20 Jahre lang Ballett getanzt und bin somit mit der Welt des Tanzens gut vertraut. Mit Tanz als Bewegungssprache erzählt man von Gefühlen, Emotionen und Handlungen auf eine sehr stilvolle und über Sprachgrenzen erhabene Art. Bei der klassischen Ballettvorführung wird diese Sprache immer schon durch eine entsprechende Bühnenbeleuchtung verstärkt, nur die Perspektive bleibt dabei immer gleich. Durch einen Tanzfilm wird noch mehr Tiefe in die Choreografie der Tänzerin oder des Tänzers gebracht.
Wir von die lichtfänger leben für Filme, die begeistern. Aus diesem Grund wollten wir unbedingt einen Tanzfilm drehen. Nicht nur da uns die Kunst des Tanzes sehr gut gefällt, sondern auch weil wir dank meiner klassischen Ballettausbildung über „Insiderwissen“ verfügen und uns daher Regieanweisung leichter fallen als es bei Themenfremden der Fall ist.

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Vorbereitung
Nach einer Hauptrolle mussten wir nicht lange suchen. Meine Schwester Elena hat eine Ausbildung zur Bühnentänzerin und Tanzpädagogin absolviert und war damit die Idealbesetzung für diesen Film.

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Die Herausforderung für die Tänzerin/ den Tänzer sind hierbei nicht zu unterschätzen. In der Regel wird eine Choreografie im Ganzen getanzt oder zumindest Blockweise. Bei einem Videodreh müssen oft einzelne Bewegungen mehrfach wiederholt werden, dies ist bedeutend anstrengender und reist den Tänzer gedanklich aus der Choreografie raus. Bei der Musik wollten wir auf eine Mischung aus klassischer und moderner Musik zurückgreifen. Hier wurden wir bei der Künstlerin Sunny Choi fündig. Eine freundliche Anfrage per E-Mail und schon hatten wir die Erlaubnis, Ihre Musik zu verwenden – manchmal muss man einfach nur fragen.

Etwas schwieriger stellte sich die Suche nach einer passenden Location heraus. Tanzchoreografien sind meist sehr raumeinnehmend und zusätzlich wird noch Platz für Lampen und sonstiges Equipment benötigt. Daher suchten wir einen sehr großen Raum. Hier unterstützte uns die Minkov Tanzakademie, indem sie uns ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Nachdem Elena die Choreografie erstellt hatte, trafen wir uns, um diese Choreografie abzufilmen. Wir filmten die Choreografie aus mehreren Perspektiven, um ein möglichst detailliertes Bild von der Choreografie zu bekommen. Auf dieser Grundlage machten Josef und ich uns Gedanken, welche Perspektive und Brennweite wann zum Einsatz kommen sollte. Danach musste nur noch ein Termin gefunden werden, um den Film zu drehen.


Dreh
Wir kannten die Location bereits von Bildern und einem Video. Jedoch staunten wir nicht schlecht als wir dort eintrafen, denn die Location bot uns einige Überraschungen – Details, die so auf den Fotos und auf dem Video nicht ersichtlich waren: Eine halb hochgezogene Wand, hinter welcher Requisiten bis weit über die Oberkante dieser Wand gestapelt waren, war eine davon. Wir konnten diesen Stauraum aber nicht komplett ausräumen, also mussten wir uns damit arrangieren und die Wand meiden, bzw. entsprechende Einstellungen wählen, um diese zu verstecken.

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Problematisch war jedoch, dass sich diese Wand direkt gegenüber der Spiegelwand befand. Tanzsäle haben meist Spiegelwände, diese sind nützlich zum Trainieren, allerdings extrem störend für Dreharbeiten, da dies eine der Perspektiven nahezu komplett ausschließt. Auch konnte nicht einfach auf höhere Brennweiten ausgewichen werden, denn bei einem Spagatsprung des Tänzers mit nach oben getreckten Armen in einer Höhe von ca.150cm, funktioniert eine Telebrennweite nur bei einer extremen Raumtiefe, um einen geeigneten Abstand dafür zu wählen – was uns jedoch nicht zur Verfügung stand. So mussten wir uns einfach mit den gegebenen Umständen anfreunden und etwas improvisieren.

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Bei der Ausleuchtung wollten wir ein extremes Kontrastlicht mit viel Schatten und hellen Konturen erzielen. Das bedeutet, wenig Grundlicht und gezieltes Licht von der Seite. Das Gebäude der Tanzakademie war früher einmal ein Fabrikgelände und verfügte über lichtspendende Oberlichtfenster. Angenehm hell und perfekt für Trainingszwecke. Wir wollten das Licht jedoch aussperren. Dafür mussten wir die hellen Oberlichtfenster abdunkeln, was sich als eine extrem schweißtreibende Arbeit herausstellte: der Molton war zu lichtdurchlässig, weshalb auf schwere Gymnastikmatten ausgewichen werden musste. Diese haben wir mit GaffaTape an den Fenster befestigt.

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Unsere geplante Lichtstimmung stellte uns ebenfalls vor eine Herausforderung. Der Raum war knapp bemessen, wodurch die Lampen nicht mit dem geplanten Abstand zur Protagonistin aufgestellt werden konnten. Zustätzlich war Elenas Tanzradius gefühlt deckungsgleich mit den Raummaßen – je mehr Raum einem Tänzer zur Verfügung steht, desto mehr Raum wird von diesem auch eingenommen. Hier eine gerichtete Lichtsituation zu wählen, war rückblickend vielleicht etwas sehr gewagt und machte uns das Drehen nicht unbedingt leichter. Man muss einfach flexibel sein, wenn man merkt, dass die vorliegenden Begebenheiten nicht ideal zu dem Konzept passen, jedoch wollte wir auf diesen kontrastreichen Look auf keinen Fall verzichten. Kontraste sollten sich sowohl in der Choreografie, in der Musik als auch im Bild widerspiegeln.

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Zum Schluss wurde nur noch die Atmo-Aufnahme benötigt, also die Aufnahme aller „Tanzgeräusche“. Elena bekam für die Zeit der Aufnahme Kopfhörer, sodass sie die Musik hören und dazu tanzen konnte, die Musik aber nicht von unserem Aufnahmegerät aufgenommen wurde. So konnten wir eine saubere Aufnahme erzielen und sie in der Post unabhängig von der Musik pegeln.


Post
Bei dem Rohschnitt empfiehlt sich die Anwesenheit des Tänzers. Das Bewegung-Musik-Timing ist nicht unbedingt leicht zu interpretieren und nichts ist für die Tänzer und Choreografen schlimmer, als Bewegungen, die sich nicht exakt auf den dafür gedachten Ton befinden. Aus diesem Grund haben sich Elena und Josef gemeinsam an den Rohschnitt gemacht und jede Bewegung exakt definiert.
Bei der Farbkorrektur haben wir die vorherrschende Lichtstimmung etwas verstärkt. Wir wollten ja das starke Kontrastlicht und haben die einzelnen Szenen auch schon so ausgeleuchtet.


Was lernen wir daraus?
Selbst bei freien Projekten ist es zwingend erforderlich, die Location davor zu besichtigen. Wir dachten, anhand von Fotos und Videoaufnahmen die Fahrtzeit und -kosten einsparen zu können, jedoch ist und bleibt ein vorheriger Locationbesuch unersetzlich. Die Produktion eines Tanzfilms macht unglaublich viel Spaß. Wir haben jetzt schon wieder ganz viele neue Einstellungsideen für einen weiteren Tanzfilm. Jedoch gibt es auch einige Herausforderungen. Man muss sich erstmal an die ungewohnt schnellen und raumeinnehmenden Bewegungen gewöhnen. Sowohl für das Handling mit der Kamera, vor allem aber für die Lichtsetzung ist dies von großer Bedeutung.

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