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Farbkorrektur bei mehreren Kameras

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In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit der Farbkorrektur von verschiedenen Kameras.

Durch den DSLR-Boom und die günstigen Kameras von BlackMagic Design kann man mehrere Kameras besitzen und auf den Filmproduktionen einsetzen. Wir haben ja schon oft gesagt, dass jede Kamera einen bestimmten Einsatzzweck und bestimmte Stärken und Schwächen hat. Daher kann man bei vielen Drehs mehrere Kameras einsetzen. Ein Beispiel? Bei einem großen Imagefilm könnte die Hauptkamera eine Canon C300 sein, für Luftaufnahmen wird die BlackMagic Pocket verwendet und für bestimmte SlowMotion Shots die Sony FS700. Jede Kamera hat hier einen ganz bestimmten Einsatzzweck und kann so ihre Vorteile ausspielen.
Wir verwenden in der Regel zwei oder drei Kameras bei Interviews, dadurch erhält man mehrere Perspektiven und kann somit das Interview interessanter gestalten.
In der Zeit von 4K kann man zwar auch nur mit einer 4K-Kamera filmen und bei einem FullHD-Film auch ohne Verlust digital hineinzoomen, aber dies wird niemals den gleichen Look einer zweiten Kamera haben. Wenn man nur digital hineinzoomt und direkt ohne BRoll von einer Totalen zur einer Close springt, dann entsteht unter Umständen ein JumpCut, da sich die Perspektive nicht ändert. Daher ist für uns die zweite Kamera bei einem Interview unerlässlich.
Im Schnitt werden die drei Kameras synchronisiert und das Interview wird geschnitten. Wenn ihr mehr über die Produktion von Interviews erfahren wollt. Dann schaut euch unsere entsprechenden Artikel hierzu an.

Nun zur Farbkorrektur. Der Film sollte einen einheitlichen Look haben, da man sonst als Zuschauer zu sehr aus dem Film gerissen wird. Nehmen wir folgendes Beispiel, Kamera A wurde mit einem Weißabgleich von 3500K aufgenommen und Kamera B mit 5000K, wenn wir nun diese Verschiebung nicht anpassen und öfters zwischen beiden Kameras springen, dann achtet der Zuschauer immer mehr auf die unterschiedlichen Farbtemperaturen und kann sich nicht mehr auf das Interview konzentrieren. Wir sollten als ein möglichst homogenes Bild haben.

Identische Kameras

Wenn man mit zwei identischen Kameras (z. B. 2x 5d Mark III) gefilmt hat und exakt die gleichen Einstellungen (ISO, Weißabgleich, PictureStyle) verwendet hat, dann kann man ohne Probleme einen einheitlichen Look mit der primären und sekundären Farbkorrektur erreichen. Beide Kameras verhalten sich beim Dreh und in der Farbkorrektur gleich. Lediglich die Perspektive ist etwas verschieden, so muss man hier etwas aufpassen. Unter Umständen kann man sogar die Farbkorrektur von einer Kamera direkt auf die andere Kamera kopieren.

Gleicher Hersteller

Interessant wird es, wenn man unterschiedliche Kameras des gleichen Herstellers verwendet. Bei uns ist es die Canon C300 und die Canon 5D Mark 3. Man muss hier etwas auf die schlechtere Kamera achten, die C300 ist in Sachen Dynamik der 5D bei weitem überlegen. Man sollte also gerade mit der Spitze bei der Lichtsetzung aufpassen, weil hier die 5D schneller zum Ausbrennen neigt. Man kann natürlich auch mit der 5D etwas unterbelichten, beliebig weit nach unten belichten funktioniert aber nicht, irgendwann sind die Schatten dann abgesoffen und nicht wiederherstellbar. Beim Aufnehmen sollte man darauf achten, identische Farbprofile zu verwenden. Die C300 hat ein spezielles EOS Standard Picture Profile, mit diesem kann man die Farbprofile einer Canon DSLR nachahmen. Wir empfehlen jedem, der sich nicht so stark mit der Farbkorrektur beschäftigen will, dieses Profil. Die C300 liefert ein gutes Bild und sieht ähnlich wie die 5D aus. Wir filmen in der Regel mit dem speziellen Canon C-Log und müssen die 5D hierauf abstimmen. Am Anfang haben wir mit den Canon DSLRs immer im Cinestyle gefilmt, mittlerweile sind wir aber wieder zurück auf den neutralen Picturestyle mit reduzierter Sättigung und Schärfe. Der Cinestyle sieht zwar schön flach aus, aber durch den schwachen h264-Codec gehen dann doch eher Informationen verloren, hier hilft auch der Cinestyle nicht viel. Beim Weißabgleich muss man auch etwas aufpassen, die C300 und 5D verhalten sich hier nicht gleich. In der Regel stellen wir bei der 5D den Weißabgleich um 200Kelvin niedriger ein. Am besten testet man mit beiden Kameras unterschiedliche Einstellungen für den Weißabgleich bei einem einheitlichen Motiv. So sieht man genau, wie beide Kameras reagieren. Bei den beiden folgenden Bildern handelt es sich um die unkorrigierte Version direkt aus den beiden Kameras.

In der Post müssen nun beide Kameras angeglichen werden. Hier muss man wieder den schwächeren Codec der 5D beachten, man kann nicht so stark in die Farben und Kontraste eingreifen, wie bei der C300. Das Bild der 5D fällt sonst sehr schnell auseinander. Auseinander fallen bedeutet, dass das Bild sehr schnell komisch aussehen kann, wenn die Kontraste zu stark angezogen werden, verlieren die Schatten Zeichnung und die Lichter brennen aus.

Außerdem hat die 5D sehr stark gesättigte Rottöne, diese kann man auch etwas zurücknehmen. Mit etwas Zeit und Erfahrung kann man beide Kameras gut aneinander anpassen. Man wird immer einen kleinen Unterschied sehen, da die C300 ein deutlich schärferes FullHD-Bild wie die 5D gibt.

Verschiedene Kameras von verschiedenen Herstellern

Mit der größte Aufwand in der Post ist, zwei oder mehrere unterschiedliche Kameras von unterschiedlichen Herstellern anzugleichen. Jeder Hersteller verwendet einen eigenen Algorithmus, um das Bild zu berechnen. Canon legt sehr viel Wert auf die Hauttöne, BlackMagic versucht ein filmisches Bild zu erreichen und RED setzt auf Schärfe. Es reicht also nicht im Dreh, den gleichen Weißabgleich zu setzen, um die gleichen Farben zu bekommen. Natürlich sollten wir den Weißabgleich ähnlich halten, wenn wir mit Kunstlicht drehen, dann sollte auch bei beiden Kameras ungefähr Kunstlicht eingestellt sein. Wir testen beide Kameras bei gleichen Lichtverhältnissen mit unterschiedlichen Weißabgleicheinstellungen und können so die optimale Kombination feststellen.

In der Post müssen wir jetzt beide Kameras aneinander anpassen, hier ist deutlich mehr Erfahrung nötig. Oft muss man die Werte von der Sättigung, Kontrast etc. sehr gering anpassen und manchmal sieht man dann überhaupt keinen Unterschied mehr, weil sich unsere Augen bereits an das Bild gewöhnt haben (Tipp: Öfters mal die Farbkorrektur ein- und ausschalten, damit man den Unterschied sieht). Man sollte sich zusätzlich noch die Kontrollmonitore als Hilfswerkzeug dazu schalten. Wie gesagt, die Augen gewöhnen sich sehr schnell an bestimmte Farben oder Kontraste und manchmal stellt man alles plötzlich zu stark ein, weil man in einem dunklen Raum sitzt. Mit den Kontrollmonitoren kann man immer einen konstanten Kontrast halten. Bei der Korrektur beginnen wir zunächst mit der Hauptkamera, dann passen wir die B- und C-Kamera darauf an. Mittlerweile ist die 5D weniger im Einsatz, daher müssen wir hier nicht so auf den schwachen Codec achten.

Bei unserem Menschen in Ulm Film über Bernhard Gerstner kamen die Canon C300, die Canon 5D Mark 3 und die Black Magic Pocket zum Einsatz:

Ein homogenes Bild ist sehr wichtig im Film. Es hält den Film zusammen und gibt dem Film einen einheitlichen Look. Daher sollten wir in der Postproduktion besonders hierauf achten. Noch eine kleiner Anmerkung, nicht nur die Kameras geben Farben unterschiedlich wieder, sondern auch die Objektive. Zeiss-Objektive haben zum Beispiel einen eher kühleren Look. Wenn ihr mehr über Objektive zum Filmen erfahren wollt, dann lest unseren Artikel zu Film-Objektiven aus der Serie Filmen mit Spiegelreflex.
Bei der Equipment-Wahl kann man auch schon auf die Objektive achten und nur Objektive von einem Hersteller verwenden. Wenn man hier mit unterschiedlichen Kameraherstellern arbeitet, dann muss man die Objektive mittels Adaptern an den unterschiedlichen Kameras anbringen.

Und nun viel Spaß bei der Farbkorrektur von verschiedenen Kameras.

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