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Interviews schneiden

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Im letzten Artikel „Interviews drehen“ haben wir gezeigt, wie man am besten Interviews aufnimmt. Die Interviews werden dann im nächsten Schritt (Postproduktion) geschnitten und in die finale Form gebracht. Hierfür sollte man sich Zeit nehmen.

Aussagen sortieren

Wir haben ja schon erläutert, dass wir in der Regel etwas mehr Material aufnehmen bei Interviews. Daher ist eine gute Projektstruktur enorm wichtig. Überblick und Ordnung haben oberste Priorität.

Zunächst synchronisieren wir die verschiedenen Kameras mit PluralEyes und sichten das Material dann in Premiere. Beim Sichten machen wir direkt in Premiere mit Markern Notizen zu den Aussagen. Man kann die Dauer der Marker anpassen und eine Beschreibung hinzufügen, so sieht man dann direkt über der Timeline, welche Aussage hier gesagt wird. Man kann auch Aussagen, die man auf jeden Fall verwenden will, in einer eigenen Sequenz sammeln und von da aus weitermachen. Beim Sortieren und Sichten geht es darum, erst einmal einen Überblick über das Material und die Aussagen zu bekommen. Je besser man das Material kennt, desto besser kann passende Aussagen zusammenfügen und das Interview interessant aufbauen.

Auf die Stimme achten

Man sollte nie eine Aussage abschneiden, bei der die Stimme am Schluss nach oben geht. Der Zuschauer denkt, dass hier noch etwas folgt. Bei Nachrichten sieht man das sehr oft und es nervt sehr, wenn die Aussagen einfach abgeschnitten werden. Klar, im TV kommt es auf jede Sekunde an, daher wird hier rigoros geschnitten. In einem Imagefilm sollten die Aussagen aber alle gut klingen und abgeschlossen sein. Wenn eine Aussage zu Ende ist, dann geht man automatisch mit der Stimme etwas nach unten. Wir sollten also bei den Interviews aufpassen, dass unser Interviewpartner am Ende seines Statements mit der Stimme nach unten geht.

Pausen verwenden

Pausen sind wichtig in der Sprache. Durch Pausen bekommen bestimmte Worte und Aussagen mehr Gewicht. Man sollte also nicht versuchen, in einen Zwei-Minuten-Film so viele Aussagen wie möglich zu quetschen, sondern lieber etwas weniger Aussagen verwenden und dafür mehr Pausen einbauen. Die Aussagen sollen nicht gehetzt wirken. Pausen kann man auch verwenden, wenn ein neuer Aspekt im Interview angesprochen wird.

Stückelungen vermeiden

Füllwörter wie „Äh“, „Mh“ sollte man herausschneiden, der Sprecher wirkt dadurch besser. Diese Schnitte sollte man nicht im Interview hören. Hier muss man auf das Frame genau schneiden. Alle Füllwörter kann man nicht entfernen, manche Menschen sprechen sehr schnell und verbinden mehrere Wörter, hier bekommt man die Füllwörter nicht mehr raus. Manchmal kann es aber auch sein, dass eine Aussage zu lang ist, hier kann man dann auch bestimmte Teile der Aussage herausschneiden. Hier müsst ihr wieder auf die Stimme achten. Unsere Interviews sind keine Nachrichten, daher müssen wir diese Auslassungen nicht kennzeichnen. Da wir mit zwei Kameras und BRoll beim Interview arbeiten, können wir diese Schnitte sehr gut kaschieren.

Das neue Premiere Pro CC 2015 bietet die Möglichkeit von einem MorphCut, bei einem Schnitt kann man diese spezielle Überblendung einfügen und Premiere berechnet automatisch, wie das Gesicht des Sprechers gemorpht werden muss, damit man diesen Schnitt nicht sieht. Das hört sich sehr unglaubwürdig an, aber Premiere ist hier überraschend gut bei bestimmten Interviews. Leider ist dieses Feature noch nicht komplett ausgereift, oft erkennt es keine Gesichter oder man sieht den Gesichtsmorph zu deutlich.

Soundbrücken

Der Ton bei einem Interview ist sehr wichtig. Wir meinen hier aber nicht unbedingt die Tonspur von unserem Interviewpartner, sondern eher die Atmosphäre. Hier sollte man darauf achten, dass immer ungefähr die gleiche Geräuschkulisse im Hintergrund zu hören ist. So wirkt das Interview flüssiger. Das bedeutet, wenn während des Interviews plötzlich Bauarbeiten (kam leider schon öfters bei uns vor) anfangen und man die Geräusche vom Schlagbohrer auf dem Ton hört, dann sollte man während der Aufnahme bereits darauf achten und gegebenenfalls die Aufnahme kurz anhalten. Wir haben dann immer die Bauarbeiter gefragt, ob sie evtl. für ca. 1h mit dem Bohren aufhören können. In der Regel war dies kaum ein Problem. Andere Störquellen können Verkehrsgeräusche sein. Diese kann man aber sehr gut in der Nachbearbeitung etwas herausfiltern. Nun kommen wir zu den Soundbrücken, wenn wir unterschiedliche Aussagen zusammenschneiden, dann kann es sein, dass wir auch unterschiedliche Hintergrundgeräusche zusammenschneiden. Hier sollte man darauf achten, dass dies nicht zu sehr auffällt. Am besten nimmt man dann das Hintergrundgeräusch ohne Stimme und mischt es unter die Aufnahme. Während der Aufnahme kann man dieses Hintergrundgeräusch aufnehmen. Am Anfang oder am Ende des Interviews, nimmt man einfach noch die Atmosphäre des Raums ohne den Interviewpartner auf. Eine Minute reicht meistens aus.

Dies sind unsere Tipps zum Schnitt von Interviews. Nehmt euch einfach beim nächsten Interview etwas mehr Zeit für den Schnitt und verwendet unsere Tipps. Eure Interviews werden auf jeden Fall besser werden.

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