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Kamerafilter

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Kamerafilter sind ein oft diskutiertes Thema, braucht man sie oder nicht? Viele Filmemacher und Fotografen schwören auf Filter, manche verwenden sie überhaupt nicht mehr.
Mit der Einführung der digitalen Kameratechnik sind viele Kamerafilter obsolet geworden. Vieles kann man nun einfach in der Postproduktion machen. Manche Filter (ND-Filter, Polfilter) sind aber immer noch nicht wegzudenken. In diesem Artikel geben wir euch eine Übersicht über unterschiedliche Kamerafilter und deren Einsatzzweck.
Zunächst unterscheidet man zwischen zwei unterschiedlichen Filterarten, die Schraubfilter (runder Filter) und rechteckige Filter für den Einsatz in einer Mattebox (Kompendium). Schraubfilter werden in der Regel eher im Fotobereich eingesetzt und weniger im Filmbereich. Beide Arten haben ihre eigenen Vor- und Nachteile, die wir in diesem Artikel auch erläutern werden.

Runde Filter

Die meisten werden die typischen runden Schraubfilter kennen. Jedes Objektiv hat vorne ein Gewinde. Hier kann man die runden Schraubfilter einschrauben. Die meisten Schraubfilter haben dann selber vorne auch noch einmal ein Gewinde, so können mehrere Filter übereinander verwendet werden. Schraubfilter haben folgende Vorteile, man braucht kein zusätzliches Equipment, wie eine Mattebox. Sie sind sehr leicht und kompakt. Leider ist man nicht so flexibel wie man denkt, das Gewinde des Filter muss mit dem Gewinde des Objektives übereinstimmen. Wenn das nicht der Fall ist, muss man mit sogenannten Step-Up-Ringen arbeiten. Der Wechsel auf andere Objektive ist hier mit einem Zeitaufwand verbunden, man muss zunächst den Filter und evtl. den Step-Up-Ring abschrauben und dann auf ein anderes Objektiv aufschrauben und womöglich einen anderen Step-Up-Ring verwenden. Man kann hier schnell durcheinander kommen. Am besten beschriftet man alle Objektive, Filter und Hüllen mit den entsprechenden Maßen und man sollte sich die möglichen Kombinationen auch aufschreiben.

Wie wählt man die richtige Größe aus?
Messt einfach eure Objektive nach und wählt dann die Größe vom Filter nach dem größten Objektiv aus. Wenn ihr zwei Objektive habt, zum Beispiel ein Canon 85mm und ein Canon 16-35mm 2.8, dann kauft einen Filter mit der Größe 82mm und einen Step-Up-Ring von 58mm auf 82mm (für das 85mm Objektiv). Der Filter sollte immer größer oder gleichgroß wie das Objektiv sein, wenn der Filter kleiner ist, dann deckt der Filter nicht mehr das gesamte Glas des Objektivs ab und vignettiert.

Rechteckige Filter

Neben den runden Filtern gibt es noch rechteckige Filter. Diese werden in der Regel immer in Kombination mit einer Matte-Box verwendet. Eine Matte-Box hat sogenannte Filterhalter. In den Filterhaltern werden die Filter befestigt und dann in die Matte-Box eingeschoben. Es gibt hier auch mehrere Größen, gebräuchliche Größen sind aber 4×4, 4×5,65 und 6×6. Die Angaben sind in Zoll. Der umständliche Wechsel durch das Schrauben fällt hier weg, man zieht einfach den Filterhalter aus der Mattebox und legt einen anderen ein. Das Arbeiten mit einer Matte-Box macht aber auch das Kamera-Rig etwas größer und unhandlicher. 

Wie wählt man die richtige Größe aus?
Die Größenwahl hängt stark von der verwendeten Kamera ab, wenn man mit einer RED Epic arbeite und in 6K mit einem Weitwinkel dreht, dann braucht man sehr große Filter, um möglichst auch die Ränder abzudecken. Hier sollte man 6×6 Filter verwenden. Wenn man noch, wie wir, auf Canon Linsen unterwegs ist, aber für die Zukunft sicher sein will, sollte man sich 4×5,65 Filter holen. Die Preise darf man auch nicht vernachlässigen, die großen rechteckigen Filter sind etwas teurer als die Schraubfilter.

Filterarten

Jetzt stellen wir euch noch die unterschiedlichen Arten von Filtern vor.

ND-Filter
Einer der wichtigsten Filter ist wahrscheinlich der ND-Filter (Neutral-Density-Filter). Mit diesen kann man das Licht, das auf den Sensor trifft, reduzieren. Wenn man zum Beispiel bei strahlendem Sonnenschein mit einer Blende von 2,8 drehen will, dann braucht man einen ND-Filter. Die Bilder pro Sekunde sind bei 25fps und der Shutter bei 1/50 (180°-Shutter), die ISO bei 800 (native ISO der Kamera), ohne ND-Filter müsste man hier wahrscheinlich mit Blende 22 drehen. In unserem Artikel zum Tiffen-Variable-ND-Filter haben wir das schon etwas genauer erläutert.

Bei ND-Filtern kann man noch einmal zwei Varianten unterscheiden, ND-Filter mit einer Stärke und variable ND-Filter. Wir haben ja bereits unseren Tiffen Variable ND-Filter vorgestellt. Bei variablen ND-Filtern kann man die Stärke des Filters durch Drehen variieren. Das macht diese Art der Filter sehr flexibel, da man schnell auf wechselnde Lichterverhältnisse reagieren kann. Leider haben variable ND-Filter nicht die gleiche hohe Qualität wie Einstärken-ND-Filter. Ihr könnt euch das wie bei Objektive vorstellen, Zoomobjektive sind flexibler und Festbrennweiten haben eine höhere Qualität.

Wir geben euch hier noch eine Tabelle mit den ND-Werten, oft wir nämlich nicht die Blendenreduktion angegeben, sondern die Stärke des Filters und man muss dann erst umständlich umrechnen.

ND-Wert optische Dichte Reduktion der Blende
ND2 0,3 1
ND4 0,6 2
ND8 0,9 3
ND16 1,2 4
ND32 1,5 5
ND64 1,8 6
ND128 2,1 7
ND256 2,4 8

Zusätzlich zur ND-Tabelle schreiben wir euch noch kurz die Belichtungszeiten-Belichtungsgrad-Tabelle bei 25fps auf.

Belichtungszeit Shutterangle
1/25 360°
1/32 281,25°
1/48 187,5°
1/50 180°
1/60 150°
1/100 90°
1/120 75°
1/200 45°
1/500 18°
1/1000

Polfilter
Der Polarisationsfilter (Pol-Filter) blockiert, einfach gesagt, bestimmte Lichtwellen. Wir wollen hier nicht genau auf die Physik eingehen, weil für uns nicht unbedingt die Funktionsweise interessant ist, sondern eher die Resultate. Viele wissen wahrscheinlich schon, dass man mit dem Polfilter das Blau im Himmel etwas hervorholen kann. Im heutigen digitalen Zeitalter ist dies nicht mehr so relevant wie vor 30 Jahren. Ein weiterer Effekt ist aber noch die Reduktion von Reflexionen. An sich ist das der gleiche Effekt wie beim Himmel. Dies können Reflexionen im Wasser sein, aber zum Beispiel auch Autoscheiben oder auch Reflexionen im Gesicht. Jedes Objekt, das wir sehen, reflektiert Licht, sonst würden wir es nicht sehen. Da ein Polfilter jede Reflexion abmildern kann, kann man auch die Reflexion der meisten Objekte mit dem Polfilter beeinflussen. Man sollte aber beachten, dass der Polfilter kein „Immerdrauf-Filter“ ist, er sollte mit Bedacht eingesetzt werden und muss bei jedem Shot neu justiert werden.

IR-Cut-Filter
Den IR-Cut-Filter haben wir ja bereits in unserem Artikel BlackMagic Pocket IR Filter – IR Pollution vorgestellt und auf die Notwendigkeit hingewiesen. Oft wird der IR-Cut-Filter mit einem ND-Filter kombiniert.

Effektfilter
Effektfilter sind im heutigen digital Zeitalter auch nicht mehr so relevant wie noch zu Analog-Zeiten. Roger Deakins hat gesagt, seit dem er digital filmt, verwendet er überhaupt keine Effektfilter mehr, andere Kameramänner handhaben dies aber auch anders und verwenden immer noch Effektfilter. Es gibt unzählige Effektfilter, wir stellen hier nur ein paar vor.

Weichzeichner
Mit dem Weichzeichner kann man das Bild etwas absoften. Viele berichten zum Beispiel, dass ihnen das digitale Bild im allgemeinen zu scharf ist und sie deshalb immer mit einem leichten Weichzeichner-Filter arbeiten.

Sternfilter
Mit einem Sternfilter kann man bei Lichtern einen Sterneffekt erzeugen ohne mit geschlossener Blende zu filmen

Farbfilter
Es gibt unzählige Farbfilter (Gelb, Grün, warm Weiß, Blau, etc.) um dem Bild bereits einen bestimmten Look zu geben

Kontrastfilter
Mit den Kontrastfiltern kann man den Kontrast reduzieren, um mehr Bildinformationen zu erhalten. Ähnlich arbeitet auch die Aufnahme mit LOG. Der Tiffen Pro-Mist ist einer der beliebtesten Kontrastfilter, er schwächt nicht nur den Kontrast ab, sondern macht das Bild etwas weicher und gibt den Highlights noch einen Schein. Kontrastfilter gibt es meistens auch in unterschiedlichen Stärken.

Zusammenfassung

Das war unsere kleine Übersicht über die unterschiedlichen Kamerafilter. Wir sagen, dass der ND-Filter der wichtigste Filter ist, da wir ihn wirklich fast bei jedem Dreh einsetzen, unsere C300 hat bereits interne ND-Filter und so müssen wir nicht unbedingt immer den variablen ND-Filter von Tiffen mitnehmen.

Viele der genannten Filter kann man auch über die Farbkorrektur nachahmen, den Effekt des Polfilter und des IR-Cut-Filters kann man aber nicht durch die Farbkorrektur erreichen. Hier muss man wirklich die Filter auch einsetzen.

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