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Praxisbeispiel – Der UZIN Ripper

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In diesem Artikel stellen wir euch den Werbefilm „Der UZIN Ripper“ von der Marke UZIN der Uzin Utz AG vor. Es handelt sich, wie auch der Artikel über den neuen Skatepark in Ulm, wieder um ein Praxisbeispiel. Der Artikel ist also etwas länger, dafür bekommt ihr Einblicke in unsere Arbeitsweise und ein paar Tipps für die Filmproduktion. Für das Verständnis haben wir noch eine Menge Bilder aus dem Moodboard, direkt aus der Kamera und vom fertigen Film eingefügt.

Für die Marken der Uzin Utz AG, codex, Wolff, RZ und Lavanior haben wir bereits einige Anwendungsfilme produziert. Uzin kam mit dem neuen Produkt Uzin Ripper auf uns zu und wir sollten einen werbewirksamen Anwendungsfilm drehen. Mit dem UZIN Ripper kann man Spachtelmassensäcke einfach, bequem und nahezu staubfrei öffnen. Dies sollte mit dem Anwendungsfilm vermittelt werden. Nach einem Gespräch kristallisierte sich heraus, dass ein Werbefilm besser zum Produkt und zur Strategie von UZIN passen würde.
Der Werbefilm sollte dem Zuschauer die Funktionsweise des Produkts mit einer einfachen Story näher bringen. Durch den Namen kommt man natürlich sofort auf Jack the Ripper, der im viktorianischen London Frauen verfolgt und getötet hat. So blutrünstig sollte es bei uns nicht werden und wir haben uns lediglich auf die Verfolgung konzentriert. Man könnte es auch einen typischen Krimi nennen. Am Ende soll sich natürlich alles auflösen und das Produkt gezeigt werden. Der Plot war da, aber diesen muss man natürlich noch zu Ende denken.

Wie soll der Film wirken?

Wir haben uns für eine düstere Grundstimmung entschieden. Diese wird später durch eine helle Auflösung ersetzt. Der Film wird hauptsächlich bei Nacht gedreht, wir haben also von Natur aus viele Schatten (durch die Straßenlaternen) und Dunkelheit. Für die Erstellung von den Moodboards haben wir uns eine Menge Film Noir Bilder und Filmclips angeschaut. Charakteristisch für Film-Noir sind harte Schatten, Silhouetten, Nebel, dunkle Gassen und Verfolgungsjagden – die perfekte Stimmung für unseren Ripper-Film. Die Szenen im Haus sollten hell und freundlich wirken. Hier haben wir helle, warme Bilder mit weichem Licht für das Moodboard gesucht. Der Wechsel von der dunklen Stimmung zur hellen ist durch die Story gegeben. Unsere Hauptperson flüchtet aus der Dunkelheit in ein helles Gebäude. Das Licht und die Stimmung müssen die Story unterstützen und sollten nicht wahllos eingesetzt werden.

Moodboards, Drehbuch und Storyboard

Mit Hilfe der Bilder und Clips haben wir dann ein Moodboard erstellt. Mit einem Moodboard kann man schnell die Grundstimmung eines Filmes und auch schon bestimmte Einstellungsgrößen und Schnittabläufe vermitteln. So kann man zusammen mit dem Kunden die grundsätzliche Ausrichtung des Films näher bestimmen.

Der sehr rudimentäre Plot „Eine Frau wird vom Ripper verfolgt“ muss natürlich noch ausgebaut werden. Wann und wo läuft die Person? Wohin läuft die Person? Diese grundlegenden Fragen klärt das Drehbuch. Da wir keine Dialoge haben, fällt das Drehbuch eher kurz aus und es wird nur der Weg der Frau und ihre Stimmung beschrieben. Wir haben bewusst auf Dialoge im Film verzichtet und wollten alles rein visuell darstellen. Zum einen arbeiten wir mit keinen professionellen Schauspielern und zum anderen sollte der Film schnell für ein internationales Publikum adaptierbar sein. Bei gesprochener Sprache hätte man entweder eine Synchronisierung gebraucht oder die Darsteller hätten die Aufnahmen mehreren Sprachen abliefern müssen. Wir standen aber auch unter Zeitdruck, der Film sollte bis spätestens Mitte November 2015 (Die Anfrage von UZIN kam im August) fertig sein, da hier eine Pressekonferenz von UZIN stattgefunden hat. Drei Monate für die Filmproduktion klingt erstmal nach einer Menge Zeit, aber die kritischen Faktoren waren die beiden Drehtage, da es sehr schwierig war, für alle Beteiligten einen gemeinsamen Termin zu finden. Der Verzicht auf Dialoge war hier die beste Wahl.
Das fertige Drehbuch wird dann in Kombination mit dem Moodboard in ein Storyboard umgewandelt. Bis jetzt war das Drehbuch ja nur eine textliche Beschreibung des Films. Das Drehbuch wird dann in Szenen und Shots unterteilt, so kann man mit der Vorbereitung der Kamera beginnen. Bei den einzelnen Shots kann man nun festlegen, wo und wie diese in der Kamera festgehalten werden. Hier kann man auch schon die Einstellungsgrößen der Kamera festlegen.
Ohne die Drehorte vorher gesehen zu haben, kann man den Film natürlich nicht so genau planen. Daher haben wir noch einige Locationscouts gemacht.

Locationscouting

Für die genaue Bestimmung der Drehorte und um die Planung zu verfeinern muss man die Drehorte besichtigen und alles bestmöglich dokumentieren. Außerdem sollte man auch die Locations zu der Zeit besichtigen an der man auch den Dreh plant. So kann man das Licht deutlich besser einschätzen. Folgende Fragen sollte man sich außerdem stellen: Wie wandert die Sonne, gibt es Stoßzeiten mit besonders viel Verkehr (Autos, Passanten), darf man überhaupt an dem Platz drehen, etc.
Da wir sowieso nur bei Nacht drehen wollten, sind wir auch in der Nacht zum Locationscouting gegangen. Die erste Location war in der Weststadt von Ulm, dort gibt es Unterführungen, Treppen, Tankstellen und lange Straßen. Zusammen mit unserer Test-Darstellerin haben wir unterschiedliche Szenarien mit der Kamera festgehalten, z. B. Treppen rauf- und runterlaufen, ängstliches Umdrehen, etc. Für diesen ersten Mini-Test haben wir nur Fotos mit der Canon 7D gemacht. Wir haben uns bewusst für die 7D entschieden, um unserer C300 möglichst nahe zu kommen. Beide verwenden einen APS-C Sensor. Die 5D hätte hier das Bild verfälscht, einmal weil sie einen Vollformatsensor hat und zum anderen weil sie lichtstärker ist.

In einer Besprechung mit dem Marketingteam von UZIN haben wir diese Location und das fertige Drehbuch vorgestellt. Im Gespräch ergab sich jedoch, dass die gezeigten Locations dann doch zu modern wirken. UZIN wollte dann doch eher Kopfsteinpflaster. Die Weststadt sieht zwar nicht mega modern aus, aber der normale Asphalt auf der Straße lässt sie dann doch eher neuer aussehen. Wir haben dann das Fischerviertel als möglichen Drehort vorgeschlagen. Gleich nach dem Meeting am selben Abend sind wir zu einem weiteren Locationscout losgezogen. Diesmal war unser Ziel das Fischerviertel.
Wir haben mehrere Stationen im Fischerviertel durchgemacht und mögliche Drehorte festgelegt. Wir hatten unseren Lichtmesser dabei und haben direkt bei jeder Location das vorhandene Licht mit eingemessen. So kann man schon einmal grob den Lichteinsatz planen. Wieder zurück im Büro haben wir dann die besten Drehorte für den Film ausgewählt und mit den Ergebnissen den finalen Drehplan erstellt. Zusätzlich zum Drehplan haben wir noch eine GoogleMaps-Karte mit den Drehorten erstellt und die Laufwege zwischen den einzelnen Drehorten eingetragen. Das Gesamtteam bestand nicht komplett aus Ulmern und so konnte man besser die Koordination zwischen den Darstellern und den Drehorten abstimmen.

Zusätzlich zum Dreh im Fischerviertel kam noch der Dreh auf der Baustelle. Hierfür hat UZIN ein kleines Haus in Burlafingen vorgeschlagen. Hier laufen einige Langzeittests der Marke UZIN und die Techniker können auf Testflächen die Produkte ausprobieren. Wir haben uns die Location angeschaut und waren zunächst nicht wirklich begeistert. Leider war alles sehr eng und ohne viel Charme. Andererseits sieht es so auf einer Baustelle aus, der Ort war also autentisch. Der beschränkte Raum machte uns etwas Sorgen. Man konnte nicht wirklich gezielt Licht setzen und die Wände waren einheitlich in einem hellen Lila gestrichen, man bekommt also von überall Licht. Da wir in der Kürze der Zeit keine bessere Location für die Baustelle auftreiben konnten, haben wir uns für das Haus in Burlafingen entschieden.

Rechtliches

Nachdem die Locations für den Film festgelegt waren, konnten wir auch den rechtlichen Aspekt klären. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Ordnungsamt von Ulm hatten wir bereits eine positive Rückmeldung. Wir brauchen keine „große“ Drehgenehmigung, da wir keine Straßen für den Dreh sperren müssen. Eine kurze Mail an Herrn Türke vom Ordnungsamt drei Tage vor dem Dreh reichte hier aus. Hier fiel uns natürlich ein Stein vom Herzen, oft denkt man ja, dass einem die Behörden das Leben schwer machen und man zunächst tausende von Formularen ausfüllen muss. Aber nein, es geht auch unkompliziert. Hier noch einmal ein Lob an die Stadt Ulm.

Testdreh

Für eine optimale Drehvorbereitung empfiehlt sich ein Testdreh. Hier werden alle Shots des Films schon einmal geprobt. Hierdurch lernt man die Location noch einmal besser kennen und kann die genauen Positionen der Kamera, Darsteller und Lichter beim Drehplan eintragen und so beim eigentlichen Dreh enorm viel Zeit sparen. Außerdem bekommt man beim Durchspielen der Szenen ein Gefühl für den Film und erkennt auch gleich etwaige Fehler im Drehbuch. Mit den Ergebnissen aus dem Locationscouting und dem Drehbuch haben wir den Drehplan erstellt. Wir haben fünf Locations für fünf Szenen im Fischerviertel ausgesucht. Der Testdreh dauerte insgesamt ca. sechs Stunden, eine Stunde waren wir bei uns im Büro und haben die Szenen auf der Baustelle nachgestellt und fünf Stunden waren wir im Fischerviertel und haben die Verfolgung geprobt.

Dreh

Am Wochenende hatten alle eine kurze Pause. Montagabend ging dann der zweite Dreh los. Wir haben uns alle gegen 20 Uhr im Fischerviertel getroffen und sind mit dem gesamten Team alle Stationen abgelaufen. So wusste jeder, welche Szene wo und wie gedreht wird. Gegen 21 Uhr haben wir dann in einer Gasse mit dem Dreh begonnen. Die Herausforderung lag hier weniger bei der Arbeit mit der Kamera sondern eher auf der Seite der Darstellerin. Sie musste mit hochhackigen Schuhe auf Kopfsteinpflaster grazil und locker laufen. Einige Takes mussten wir hier wiederholen, da die Darstellerin bei dem unebenen Kopfsteinpflaster ab und zu etwas wackelig auf den Beinen stand. Hier noch einmal ein Lob an Marijanna, der Boden war wirklich nicht geeignet für diese Schuhe und sie hat es megagut gemacht. Eine weitere Herausforderung war die Umgebung an sich, wir wollten die Anwohner nicht übermäßig stören und mussten daher immer sehr leise am Set sein, man konnte dann natürlich auch nicht unbedingt laut den Darstellern Kommandos geben und so musste Fabian sehr oft zwischen den Darstellern und der Kamera hin und her laufen. Am Anfang mussten wir noch ein paar Szenen von neugierigen Passanten abschotten. Der Film spielt ja in der Nacht und unsere Hauptdarstellerin ist alleine unterwegs, da wären Passanten im Hintergrund etwas schlecht für die Gesamtstimmung. Wir haben den Dreh im Fischerviertel so geplant, dass wir am Anfang, wenn es noch nicht so spät ist, in den eher bewohnteren Ecken sind und gegen später in den unbewohnten Ecken. Bei der ersten Szene mit Marijanna im Film sieht man etwas Nebel im Bild. Hier hatten wir auch einige Probleme. Wir wollten an sich den kompletten Film mit Nebel drehen und haben hier auch nach Nebelmaschinen recherchiert, leider brauchen die wirklich guten Maschinen immer Strom, Akkubetriebene gibt es nur sehr wenige auf dem Markt und die Akkus halten auch nicht wirklich lange. Akku-Nebelmaschinen sind eher für den Studiobereich gedacht. Wir hatten leider kein Strom auf dem Set, die Erklärung steht im Punkt „Licht“. Wir haben dann Rauchbomben gekauft und diese auch beim Testdreh ausprobiert. Die Rauchbomben funktionieren sehr gut, leider kann man den Rauch nicht wirklich gut dosieren. Beim richtigen Dreh haben wir dann abgewägt, ob wir wirklich den gesamten Film mit dem sehr präsent wirkenden Rauch drehen sollen und haben uns dagegen entschieden. Bei der ersten Szene passt es ganz gut, weil unsere Darstellerin praktisch aus dem Nebel kommt. Die Gegen 3:00 waren wir dann auch mit diesem Dreh fertig.

Am Wochenende hatten alle eine kurze Pause. Montagabend ging dann der zweite Dreh los. Wir haben uns alle gegen 20 Uhr im Fischerviertel getroffen und sind mit dem gesamten Team alle Stationen abgelaufen. So wusste jeder, welche Szene wo und wie gedreht wird. Gegen 21 Uhr haben wir dann in einer Gasse mit dem Dreh begonnen. Die Herausforderung lag hier weniger bei der Arbeit mit der Kamera sondern eher auf der Seite der Darstellerin. Sie musste mit hochhackigen Schuhe auf Kopfsteinpflaster grazil und locker laufen. Einige Takes mussten wir hier wiederholen, da die Darstellerin bei dem unebenen Kopfsteinpflaster ab und zu etwas wackelig auf den Beinen stand. Hier noch einmal ein Lob an Marijanna, der Boden war wirklich nicht geeignet für diese Schuhe und sie hat es megagut gemacht. Eine weitere Herausforderung war die Umgebung an sich, wir wollten die Anwohner nicht übermäßig stören und mussten daher immer sehr leise am Set sein, man konnte dann natürlich auch nicht unbedingt laut den Darstellern Kommandos geben und so musste Fabian sehr oft zwischen den Darstellern und der Kamera hin und her laufen. Am Anfang mussten wir noch ein paar Szenen von neugierigen Passanten abschotten. Der Film spielt ja in der Nacht und unsere Hauptdarstellerin ist alleine unterwegs, da wären Passanten im Hintergrund etwas schlecht für die Gesamtstimmung. Wir haben den Dreh im Fischerviertel so geplant, dass wir am Anfang, wenn es noch nicht so spät ist, in den eher bewohnteren Ecken sind und gegen später in den unbewohnten Ecken. Bei der ersten Szene mit Marijanna im Film sieht man etwas Nebel im Bild. Hier hatten wir auch einige Probleme. Wir wollten an sich den kompletten Film mit Nebel drehen und haben hier auch nach Nebelmaschinen recherchiert, leider brauchen die wirklich guten Maschinen immer Strom, Akkubetriebene gibt es nur sehr wenige auf dem Markt und die Akkus halten auch nicht wirklich lange. Akku-Nebelmaschinen sind eher für den Studiobereich gedacht. Wir hatten leider kein Strom auf dem Set, die Erklärung steht im Punkt „Licht“. Wir haben dann Rauchbomben gekauft und diese auch beim Testdreh ausprobiert. Die Rauchbomben funktionieren sehr gut, leider kann man den Rauch nicht wirklich gut dosieren. Beim richtigen Dreh haben wir dann abgewägt, ob wir wirklich den gesamten Film mit dem sehr präsent wirkenden Rauch drehen sollen und haben uns dagegen entschieden. Bei der ersten Szene passt es ganz gut, weil unsere Darstellerin praktisch aus dem Nebel kommt. Die Gegen 3:00 waren wir dann auch mit diesem Dreh fertig.

Kleiner Dreh im Studio

Wir haben den letzten Shot von Marijanna auch fast am Schluss vom ersten Drehtag gedreht. Sie war schon etwas erschöpft, hat aber noch alles gegeben. Später hat sie uns dann angerufen und gefragt, ob sie die letzte Szene noch einmal spielen kann, sie war am Drehtag nicht wirklich mit ihrer Leistung zufrieden. Wir haben dann eine ähnliche Lichtsituation bei uns im Studio nachgebaut und die letzte Szene noch einmal mit ihr gedreht. Diesmal hat alles besser geklappt und die letzte Szene rundet den Film noch einmal besser ab.

Kamera

Bei den Kameras kamen unsere zuverlässige Canon C300 und die BlackMagic Pocket zum Einsatz. Das meiste haben wir mit der C300 gedreht. Einige Shots haben wir mit der BMPCC und dem Nebula4000 Gimbal gedreht. Es erstaunt uns immer wieder, wie gut sich die BMPCC für den Dreh eignet. Sie ist klein, leicht und funktioniert wunderbar auf dem Nebula und das Material passt wunderbar zum Material der C300.

Kurz zu den Kameraeinstellungen. Die C300 lief mit unserem angepassten CLOG, die BMPCC mit dem Film-Profil von BlackMagic. Die ISO bei der C300 war auf der Baustelle zwischen 850 und 1600 und im Fischerviertel zwischen 1600 und 3200. Die Blende war zwischen 2.8 und 5.6. Die Pocket lief in der Nacht mit einer ISO von 1600 (das Maximum bei der BMPCC) und einer Blende von 2.6.

Licht

Kurz zum Licht. Auf der Baustelle haben wir für die meisten Szenen unsere beiden Kinoflos und die HMI verwendet. Die HMI haben wir über einen Diffusor etwas abgesoftet. Wir haben ja schon beim Locationscout erwähnt, dass bei der Baustelle überall helle Wände waren, man bekommt also von überall rundum Licht. Bei Szenen, bei denen wir etwas mehr Schatten im Gesicht arbeiten wollten (Ripper schnellt auf die Kamera zu), haben wir zusätzlich mit einer Flag gearbeitet und so Negativ-Fill erzeugt. Durch das Abschatten entstehen mehr Schatten im Gesicht und somit wirkt die Szene noch dramatischer. Die Außenaufnahmen haben wir mit einer Arri T1, zwei Arrilite 700 und den beiden Kinoflos ausgeleuchtet. Die T1 hat die harten Schatten auf der Wand erzeugt. Die beiden Arrilites haben wir von innen gegen die Scheiben leuchten lassen. Die Baustelle sollte nicht dunkel sein (man flüchtet ja nicht in ein dunkles Haus). Die beiden Kinoflos haben die Türe von innen beleuchtet. Zu Beginn hatten wir auch schon überlegt, ob wir auf der Baustelle erst das Licht anschalten sollen, damit wir bei der Stolperszene noch ein dramatisches Licht beibehalten können. Wir haben uns dann aber dagegen entschieden, aus dem gerade schon genannten Grund, man flüchtet nicht in ein dunkles Haus.

Die Szenen im Fischerviertel haben wir mit zwei Lupolux DAYLED 1000 und zwei LED-Panels ausgeleuchtet. Beide wurden mit V-Mount-Akkus betrieben. Hier liegt auch deutlich der Vorteil bei der Ausleuchtung mit LEDs, man kann mit Akkus arbeiten und braucht keine externe Stromquelle. Das war für uns eine Voraussetzung für den Dreh im Fischerviertel, da wir wegen der Lärmbelästigung nicht mit einem Generator drehen wollten. Außerdem sind die Lupolux exzellent von der Qualität des Lichts und nicht mit billigeren LEDs zu vergleichen. Ein weiterer Vorteil durch die Akku-betriebenen Lampen ist die Mobilität, man ist schneller beim Umbau und kann mit den Lampen auch neben den Darstellern herlaufen. Das haben wir auch bei einem Shot an der Donau gemacht. Wir sehen unsere Darstellerin vor den Verfolgern weglaufen, wenn sie zwischen zwei Straßenlaternen ist, ist sie im Schatten. Natürlich haben wir dies mit den LEDs simuliert und die LED während des Laufens zu ihr hin und weg von ihr gedreht. Hier ist wichtig, dass man auch die Laternen im Bild sieht, dadurch wirkt das Licht realer.

Schnitt

Wir haben, wie immer, zunächst das Projekt in Premiere mit unserer bekannten Projektstruktur angelegt und das Material importiert und sortiert in die einzelnen Szenen. Hier wünschen wir uns wie immer eine bessere Sortierungsmöglichkeit in Premiere. Man sollte die einzelnen Clips wie in Lightroom mit Sternen bewerten können, so könnte man schneller nur die gewünschten Szenen auswählen und den Schnitt deutlich beschleunigen.

Der erste Rohschnitt ging auch relativ schnell, da wir mit einem Storyboard und Shotlist gearbeitet haben, konnten wir zunächst den Rohschnitt genau nach dieser Vorlage anlegen. Nach einem ersten Feedback von UZIN haben wir dann den Schnitt noch etwas verkürzt und zackiger gemacht. Ein paar Szenen mussten dadurch weichen und man hätte sich diese beim Dreh sparen können, aber so ist das beim Film. Nach einem weiteren Feedback von einem externen Kollegen haben wir den Schnitt noch einmal optimiert. Wir waren hier bereits im Feinschnitt und so haben wir Frame genau gearbeitet. Manchmal entscheidet wirklich ein Frame, ob der Schnitt passt oder nicht.

Farbkorrektur und Grading

Bei der Farbkorrektur haben wir uns im ersten Teil für das typische Film-Noir Schwarz/Weiß entschieden. Bei der Ausleuchtung haben wir sowieso schon mit starken Kontrasten und harten Schatten gearbeitet. Jetzt geht es darum, den Look noch in der Farbkorrektur zu verfeinern. Zunächst haben wir hierfür das Material der C300 und der BMPCC in Premiere mit der Lumetri-Engine angeglichen. Die neue Lumetri-Engine in Premiere ist wirklich sehr mächtig und man kann sehr schnell einen grundlegenden Look für den Film erstellen. Im zweiten Schritt haben wir den Schwarz-Weiß-Look für den ersten Teil kreiert. Hierfür haben wir den Kontrast noch einmal etwas mehr verstärkt und das Schwarz etwas abgesenkt. Die Sättigung haben wir komplett herausgenommen und dann noch etwas mit den RGB-Kurven das Schwarz-Weiß-Bild angepasst. Viele vergessen oft, dass Schwarz-Weiß nicht nur „keine Sättigung“ bedeutet. Gerade mit den RGB-Kurven kann man dem Schwarz-Weiß noch einen bestimmten Look verpassen.

Der zweite Teil des Films sollte hell und freundlich wirken. Wir haben die Kontraste etwas angehoben und das Bild etwas wärmer gemacht. Mit PowerWindows kann man noch bestimmte Teile des Bildes bearbeiten.

Musik und Soundeffekte

Bei der Musik und den Effekten sind wir Schritt für Schritt vorgegangen. Da wir keine Musik produzieren lassen sollten, haben wir uns für eine Stockmusik entschieden. Hier sucht man natürlich einige Zeit, bis man die passende Musik gefunden hat. Besonders schwierig ist es natürlich, wenn die Musik während des Filmes wechseln soll. Natürlich wäre hier eine speziell für den Film produzierte Musik noch einmal besser gewesen, aber das Budget hat es einfach nicht mehr hergegeben. Nach einer exzessiven Suche in den Stockmusikarchiven haben wir eine passende Musik für die Verfolgungsszenen gefunden. Sie baut sich langsam auf und hat den Höhepunkt genau da, wenn der Ripper „zuschlägt“. Perfekt für uns. Danach sollte der Film die Situation aufklären. Die erste Musik fadet aus und die zweite etwas rockige Musik beginnt.
Die Effekte sind auch meistens aus einer Effektlibrary. Bei den Schritten und dem Atmen der Darstellerin handelt es sich um den Originalton, natürlich haben wir bei mehreren Szenen die gleichen Schritte verwendet. Den dunklen Bass, der zu hören ist, immer wenn der Ripper zu sehen ist, haben wir aus einer Soundeffektbibliothek. Diesen haben wir natürlich noch etwas anpassen müssen, damit er komplett auf den Film passt. Den Wechsel der Musik haben wir etwas mit dem „Fall-Sound“ und dem hohen Pfeifen kaschiert. Es passt aber auch zur Story, die Darstellerin ist etwas benommen vom Sturz und hört die Umgebung daher nur dumpf.
Die Musik und die Effekte haben wir dann noch abgemischt, die Musik sollte nicht all zu präsent wirken und mehr den Effekten (Schritte, Atmen) Raum lassen.
Bei der Schlussanimation haben wir die Bass-Drop-Effekte aus einer Soundeffektbibliothek. Hier haben wir mehrere der Effekte übereinander gelegt, um dem Aufschlagsound etwas mehr Tiefe und Vielfalt zu geben. Hier muss man genau arbeiten, damit der Ton genau dann zu hören ist, wenn die Schrift auf dem Boden aufschlägt.

Outroanimation

Bei der Outroanimation wollte wir noch einmal den Film mit einem Highlight abrunden, die Idee für die Animation kam uns beim Dreh. Wenn man den Ripper verwendet um den Sack zu öffnen, dann deckt der Sack automatisch den Eimer ab und dadurch staubt es nicht so. Bei der Animation sind wir ähnlich vorgegangen. Der Titel trifft auf dem Boden auf und löst eine Staubwolke aus. Die Wolke verzieht sich aber sehr schnell und das Bild bleibt staubfrei. Die Animation ist eigentlich sehr einfach, man animiert den Text über die Z-Ebene, durch Motionblur und eine angepasste Bewegungskurve bekommt der Text noch einmal mehr Kraft. Die Staubanimation ist ein Stockmaterial von VideoCopilot. Wir haben die Staubanimation aber noch übereinander gelegt und mit unterschiedlichen Überlagerungen experimentiert, bis wir den gewünschten Look hatten. Erst diese kleinen Details runden die Animation ab.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass es immer wieder faszinierend ist, wie ein Film entsteht. Am Anfang gibt es eine rudimentäre Idee. Man versteht sie, aber sie ist noch nicht auf dem Papier. Nach ein paar Stunden Arbeit (Drehbuch, Moodboard, Recherche, Storyboard, Drehplan, Shotlist, Besprechungen) haben wir dann einen Plan, wie man die Idee in bewegte Bilder umsetzen kann. Nach den Dreharbeiten haben wir dann die Idee als Film umgesetzt. Manche Sachen haben nicht so funktioniert, wie wir uns das Gedacht haben, aber das spannende beim Film ist, wie man diese Probleme lösen kann. Manchmal muss man um das Problem herumarbeiten (Location passt nicht 100%, ok dann drehen wir halt etwas anders), in anderen Fällen muss man sich von einer Idee komplett verabschieden. Aber man kommt immer an ein Ziel. Der Film war wirklich eine Herausforderung für uns, wir sind aber vom Ergebnis begeistert.

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