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Praxisbeispiel – OGRÓD – Wisła

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Jetzt war es einige Zeit etwas ruhiger im Blog. Ich hatte einfach keine Zeit, jede Woche einen Blogartikel zu veröffentlichen. Kaum macht man dann etwas weniger am Blog, ist das Jahr fast schon wieder halb vorbei.

Diese Woche gibt es dafür wieder einen etwas ausführlicheren Artikel über unser Musikvideo Wisła vom Album OGRÓD. OGRÓD ist das neue Album von Maciej Kulesza, den ihr ja bereits von unserem ersten gemeinsamen Projekt Materie kennt.

BEGINN DES PROJEKTES

Kurz nach der Veröffentlichung von Materie im April 2016 habe ich bereits an neuen Bildern und mit neuen Materialien gearbeitet. Maciej hat mir parallel dazu immer wieder neue Musikschnipsel geschickt. Zunächst hatte ich mich auf Klangbilder mit Wasser konzentriert. Hier kann man sehr schnell schöne Ergebnisse erzielen, es sieht alles sehr regelmässig aus und man kann schnell die Figuren wechseln. Leider kam ich hier mal wieder auf keinen grünen Zweig. So schön die Bilder auch sind, ich habe einfach keine Geschichte (oder Zusammenhang) in den Bildern gesehen.

Nach Wasser kam Sirup und ein Heißluftfön. Der Sirup hat eine schöne rötliche Farbe und mit dem Heißluftfön kann man individuell Blasen vergrößern (die Blasen entstehen durch die Hitze) und so die Masse in Bewegung setzen. Hier muss man wirklich aufpassen, dass man mit hitzebeständigem Material und auf hitzebeständigen Unterlagen arbeitet. Ich habe kurz nicht aufgepasst und meine Arbeitsglasplatte in zwei Teile gesprengt. Zum Glück ist nicht mehr passiert.
Ich trage bei solchen Experimenten in der Regel immer eine Schutzbrille, man weiß ja nie. Die Objektive haben auch immer einen reinen Glasfilter aufgeschraubt, damit hier kleinere Sachen abgehalten werden können.

Ein paar Monate habe ich dann das Projekt ruhen lassen, ich habe einfach keinen richtigen Einstieg gefunden und Maciej hatte gemeint, dass er den Sommer über an einem neuen Album arbeitet. Im September 2016 kam er dann wieder auf mich zu und hatte mich gefragt, ob ich ein Musikstück von seinem neuen Album vertonen möchte.
Ich habe natürlich gleich zugesagt.
Maciej hat mir zwei Titel zur Auswahl gegeben und ich habe mich für Spacious (der damalige Titel von Wisła) entschieden. In der ersten Version war Spacious noch sehr roh und mit über 4 Minuten auch noch sehr lange für ein Musikvideo, dass nur auf abstrakten Visuals basieren soll. Aber ich habe die Herausforderung angenommen.

WAHL DES MATERIALS

Trotz meiner eher mageren Ausbeute mit Flüssigkeiten bei früheren Testaufnahmen habe ich mich wieder für das Medium Wasser entschieden. Ich hatte irgendwie im Gefühl, dass das sehr gut zu der Musik passen würde. Ich musste mich einfach durchbeißen. Anfang 2015, als ich mit den Makroaufnahmen angefangen habe, habe ich bereits mit Flüssigkeiten in Petrischalen gearbeitet. Die Blickrichtung war aber immer von Oben. Ich dachte mir, wie sieht das eigentlich von der Seite aus. Nach ein paar Testaufnahmen bin ich schnell auf die Kombination von Wasser, Alkohol und Tinte gekommen.

ARBEITSFLÄCHE

Ich habe ein kleines Aquarium mit Wasser gefüllt und die Tinte dann in verschiedenen Farbkombinationen mit einer Pipette in das Wasser geträufelt. Die Kamera hat das Geschehen dann von der Seite oder auch manchmal von unten und oben aufgenommen. Die Hauptrichtung war aber definitiv von der Seite.

KAMERA + OBJEKTIV

Den letzten Film habe ich ja noch mit der BlackMagic Pocket gefilmt. Aber bei diesem Film war mir sofort klar, dass ich deutlich mehr Bilder pro Sekunde machen musste, um die Bewegungen der Tinte möglichst schön erfassen zu können. Im Spätsommer 2016 haben wir uns für die Arbeit mit dem DJI Ronin M Gimbal eine Sony A6300 geholt. Die kleine Sony kann bis zu 100fps (PAL) bei FullHD (mit einem leichten Crop) und ohne Crop 50p in FullHD aufnehmen, und bei Bedarf sogar noch 25p in 4K.
Als Objektiv kam wieder unser geliebtes Canon 100mm zum Einsatz. Das 50mm als Reservelinse habe ich dieses Mal nicht verwendet, bei einigen Testaufnahmen ist mir schnell klar geworden, dass die Fokussierung fast unmöglich ist. So habe ich mich nur auf das 100mm beschränkt.

BELICHTUNG

Zunächst habe ich mit dem SLOG2 der Kamera gearbeitet und das Bild auch dementsprechend belichtet. Laut einigen Aussagen aus dem Internet muss man SLOG2 ca. 2 Blenden überbelichten. Aber irgendwie war mir nicht wirklich wohl bei der Sache und ich war auch nicht wirklich mit der Qualität zufrieden. Ich habe dann beschlossen, lieber mit einem normalen Bildprofil zu drehen und mich später mit SLOG2 zu beschäftigen.

Ich habe dann fast ausschließlich nach dem externen Monitor und WYSIWYG (What you See is what you get) belichtet. Ich bin eigentlich ganz gut damit gefahren, aber ich konnte ja auch das Licht immer so anpassen wie ich es wollte. Noch kurz zu den einzelnen Parametern der Kamera. Die ISO lag meistens zwischen 500 und 1600, über 1600 war mir das Rauschen einfach zu hoch. Bei der Belichtungszeit hielt ich mich meistens an die 180°-Regel. Bei 50p war die Belichtungszeit also 1/100. Die Blende war meistens sehr geschlossen bei f11 oder f16. Mit offener Blende konnte man einfach nicht arbeiten, weil man nur mit Schärfeziehen beschäftigt war.

OBJEKTIVADAPTER

Das 100mm haben wir mit einem Commlite-Adapter (Sony auf EF) gemacht. Mit ca. 60€ handelt es sich um einen eher günstigeren Adapter, aber er tut das was er soll. Da es sich um einen elektronischen Adapter handelt, kann man auch die Blende über den Adapter an der Kamera steuern. Leider hängen die Blenden ab und zu und verstellen sich. Die Blende wird zwar auf dem Display angezeigt, aber manchmal stimmt die Anzeige einfach nicht. Wenn dieses Problem auftrat, haben wir dann meistens erstmal komplett aufgeblendet und dann wieder auf die gewünschte Blende abgeblendet.
Der Adapter kann im Fotomodus auch Autofokus und im Videomodus „Push-to-Focus“ unterstützt aber keinen permanenten Autofokus.

LICHT

Das Lichtsetup wurde wieder relativ einfach gehalten und bestand lediglich aus zwei Lampen. Dieses Mal habe ich aber statt LED und Leuchtstoffröhren normales Arri Kunstlicht (2x Arrilite 700W) verwendet. Ich habe mich bewusst für die Arris entschieden, da dieser Lampentyp einfach immer noch die besten Farben wiedergibt und dieser Film nicht in schwarz-weiß ausgestrahlt werden sollte.

Den Hund auf dem Bild braucht man übrigens nicht unbedingt für das Setup.

DREHARBEITEN

So das wars mit den technischen Details. Der Rest ist einfach Fleißarbeit. Da man mit Flüssigkeiten arbeitet, kann man in der Regel nichts reproduzieren. Wenn eine besonders schöne Bewegung der Tinte unscharf ist, dann bleibt dies meistens so. Wenn man den Shot genau so wiederholen möchte, dann sieht es immer etwas anders aus. Bei vielen Shots bin ich fast verzweifelt, da die Tinte sich nie 100% so verhalten hat wie ich wollte. Ein anderes Problem waren die Veränderungen der Umwelt und mit Umwelt meine ich das Wasser im Aquarium. Da ich die Lampen sehr nahe am Aquarium hatte und die Arris sehr viel Hitze ausstrahlen, hat sich das Wasser auch erwärmt. Die Tinte hat sich daher am Anfang der Dreharbeiten bei kaltem Wasser etwas anders verhalten als am Ende mit warmen Wasser.
So haben sich ca. 90 Gigabyte verteilt über 14 Drehtage angesammelt. Natürlich ging ein Drehtag keine 8 Stunden. Aber mit Aufbau, Abbau und Putzen war ich meistens ca. 4h beschäftigt.

POSTPRODUKTION

Der Schnittprozess war fast wie immer: Material sortieren, Material sichten, aussortieren, nochmal sortieren, Material grob zusammenbauen, Feedback von Maciej einholen, neu beginnen, …
Am Ende hatten wir acht Rohschnitte und darauf aufbauend vier Feinschnitte für Wisła. Es gab wieder eine sehr produktives Hin- und Her zwischen Maciej und mir. Er gab mir Feedback und hat das Musikstück immer weiter verfeinert. Mit dem verfeinerten Musikstück konnte ich dann wieder den Schnitt genauer darauf abstimmen.

FARBKORREKTUR

Die Farbkorrektur war auch relativ schnell gemacht. Da ich ja bereits den Look durch das Licht kreiert hatte, musste ich nur noch hier und da ein paar Anpassungen machen. Vor allem habe ich den Kontrast angepasst (S-Kurve) und die Sättigung ab und zu erhöht, damit die Farben noch etwas kräftiger erscheinen.

FAZIT

Am Anfang habe ich gedacht, dass ich mit Flüssigkeiten überhaupt nicht zurecht komme, es wollte einfach nie richtig klappen. Aber wie so oft muss man sich dann einfach wieder durchbeißen und eine Deadline macht das Ganze dann noch einmal produktiver.

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