FollowFocus

Heute stellen wir euch ein wichtiges Tool für Kameramänner und Focuspuller vor, den FollowFocus. Ein FollowFocus ermöglicht die präzise Einstellung der Schärfe und genaues Nachziehen des Schärfepunkts beim Filmen. FollowFocus
Aber warum braucht man überhaupt einen FollowFocus, die Kamera hat doch einen Autofocus und kann die Schärfe selbst steuern?

Für viele Kamera im Einsteigerbereich aber auch für bestimmte Profimodelle stimmt diese Aussage, der Autofocus macht einem oft das Arbeiten leichter und schneller. Aber wie so oft gilt, man darf der Technik nicht komplett vertrauen, da sie auch unter bestimmten Verhältnissen versagt (bei schlechtem Licht oder schwachen Kontrasten) und man somit ein unscharfes Bild hat. Viele kennen bestimmt das hektische Arbeiten des Autofocus, das Pumpen, wenn er versucht die Schärfe richtig einzustellen, es aber nicht funktioniert. Deswegen gilt für viele Kameras und Situationen: einmal die Schärfe einstellen und dann die Kamera auf „manuell Fokussieren schalten“.
Im Zuge der DSLR-Revolution ist der Autofocus zunächst komplett verschwunden, bei den ersten DSLRs musste man immer manuell Fokussieren. Man konnte zwar mit einem Knopf einen Punkt automatisch scharf stellen lassen, aber die Schärfe wurde dann nicht mehr verändert. Gerade wenn man mit einer geringen Tiefenschärfe arbeitet, bringt einem diese sogenannte Push-to-Auto-Funktion fast nichts mehr. Die neuen DSLRs (Canon 70D) haben einen durchgehenden Autofocus (bei Canon nur mit bestimmten Objektiven), der auch sehr gut funktioniert. Eine vollkommene Schärfenachjustierung schafft man aber nur per Hand, und hier kommt der FollowFocus ins Spiel.
FollowFocus
Die Funktionsweise ist einfach: über Zahnräder wird die Schärfeneinstellung vom Objektiv entkoppelt und umgelenkt. Man muss also nicht mehr direkt das Objektiv beim Scharfstellen anfassen und somit Erschütterungen riskieren. Am Focusrad kann man nun die Schärfe präzise einstellen und auch nachführen. FollowFocus 03FollowFocus 04Ein FollowFocus hat noch einen weiteren Vorteil. Auf der sogenannten MarkingDisc (die weiße Scheibe, siehe Bild) können bestimmte Fokuspunkte angezeichnet werden, somit weiß man, bei welchem Bereich auf der Disk der entsprechende Bildbereich scharf ist. Gerade beim szenischen Arbeiten geht man oft so vor.Followfocus 05

Viele FollowFocus-Systeme können rechts oder links an der Kamera angebracht werden. Bei einigen Herstellern kann auch die Richtung des FollowFocus verändert werden. Man darf nicht vergessen, Canon- und Nikonobjektive haben genau entgegen gesetzte Nah- und Unendlichgrenzen am Objektiv. Wenn man also bei einem Canonobjektiv auf Unendlich fokussiert, stellt man bei einem Nikonobjektiv die Schärfe mit der gleichen Drehbewegung auf Nah. Wenn man also unterschiedliche Optiken verwendet, sollte man über einen Reversible FollowFocus nachdenken.

Nun zu den Anschaffungskosten. Wie bei allem Zubehör für Kameras gibt es sehr günstige Systeme ab 130€ (Walimex Pro Follow Focus Schärfezieheinrichtung). Wir verwenden derzeit noch einen FollowFocus der Firma DFocus. Die günstigeren Modelle reagieren bei weitem nicht so präzise wie die teureren Vertreter (oft wird hier vom Backlash gesprochen). Die Zahnräder haben einfach etwas Spiel und reagieren nicht sofort auf die Bewegung am Fokusrad. Ob es jetzt der Arri FollowFocus für knapp 1500€ sein muss, muss jeder selber für sich entscheiden. Wahrscheinlich lohnt es sich, mit einem günstigeren System einzusteigen und erst upgraden, wenn man wirklich nicht mehr mit dem günstigen FollowFocus auskommt und einige Shots nicht mehr klappen. Der FollowFocus von RedrockMicro ist ein guter Kompromiss zwischen Qualität und Leistung. Man sollte beim Kauf eines FollowFocus nicht nur darauf achten, wie viel Spiel er hat (wenig ist gut), sondern auch darauf, wie er an die Kamera angeschlossen wird. 15mm Rods haben sich als Industriestandard etabliert. Wir verwenden eine Schulterstütze von Zacuto und der FollowFocus lässt sich hier ohne Probleme anbringen.FollowFocus 09

Wer viel mit der Spiegelreflex oder einer anderen Großsensorkamera (z. B. Canon C300 oder Sony FS100) arbeitet, der sollte sich über die Investition in einen FollowFocus Gedanken machen.