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7 Tipps für die Selbstständigkeit

7 Tipps für die Selbstständigkeit

Eigentlich wollte ich diesen Artikel schon 2019 im April schreiben. Aber irgendwie musste das Thema dann doch noch eine Weile bei mir im Kopf reifen. Aber hier kommen sie nun, meine 7 Tipps für die Selbstständigkeit.

Inhaltsverzeichnis:

Einführung

Nein zur Festanstellung

Ende März 2019 habe ich meine Festanstellung wieder beendet und bin seitdem wieder komplett selbstständig. Ich muss leider sagen, dass mir die Festanstellung sämtliche Lust am Filmemachen genommen hat. Man ist einfach in einem Trott drin und produziert die ganze Zeit Werbung. Davor hatte ich viel mehr Motivation freie Projekte zu machen. In der Festanstellung habe ich dann meine freie Zeit eher mit Skateboard fahren oder Playstation spielen verbracht. Ich hatte einfach keine Motivation mehr, mich dann auch noch mit dem Filmemachen oder meinem Blog zu beschäftigen.

Ein Neustart

Seit etwas über einem Jahr konzentriere ich mich wieder komplett auf meine eigenen Filme bei DIE LICHTFÄNGER. Durch die Pause in der Festanstellung konnte ich genauer über mein eigenes Unternehmen nachdenken und die Sachen ändern, die mich immer gestört haben.

Seitdem habe ich bei mehreren Kurzfilmen als Beleuchter oder Kameramann mitgewirkt, schreibe wieder regelmäßiger im Blog, gerade auch mein erstes E-BOOK oder entwickle neue Konzepte für Image–  und Werbefilme und natürlich auch eigene Kurfilme. Zusätzlich gehe ich noch regelmäßig zum Schwimmen, fahre öfters Skateboard und bilde mich mit Büchern weiter.

Freie Zeiteinteilung in der Selbstständigkeit

Dies soll nicht heißen, dass eine Festanstellung etwas Schlechtes ist. Natürlich kann man hier auch seine Erfüllung finden. Für mich war es einfach nicht das Richtige. Ich habe mich eingeengt gefühlt, ich konnte meinen Tag nicht mehr frei planen. Hier habe ich festgestellt, dass ich gerade die freie und selbstbestimmte Zeiteinteilung bei der Selbstständigkeit sehr schätze.
Vielleicht hatte ich aber auch nicht der richtigen Arbeitgeber.

Für wen ist dieser Artikel?

Dieser Artikel ist für alle Selbstständigen, die vielleicht gerade erst angefangen haben oder vielleicht auch für die, die schon ein paar Jahre dabei sind und etwas die Motivation verloren haben. Außerdem ist der Artikel auch für mich selber. Er soll mich daran erinnern, dass ich mich in der Selbstständigkeit wohlfühle.

Sich selbst treu bleiben

Ich habe gemerkt, dass ich mich zu Beginn meiner Selbstständigkeit viel zu viel verbogen habe. Man versucht in der Businesswelt mitzuschwimmen und vergisst dabei, wer man eigentlich ist. Bei mir habe ich das festgestellt, dass ich versucht habe meinen Kleidungsstil anzupassen, um „seriöser“ zu wirken – also hab ich eher schickere Schuhe getragen, statt Sneaker. Obwohl es beim Filmemacher eher kontraproduktiv ist, da man den ganzen Tag in unbequemen Schuhen steckt.

Ich sage nicht, dass man keine schicken Schuhe tragen soll. Wer sich darin wohlfühlt, der soll das machen. Für mich war das nichts. Man sollte ehrlich auftreten und sich nicht verstellen. Daher halte ich auch nichts vom Anzug tragen … Mag ja sein, dass das in der Businesswelt so gemacht wird, aber wer sagt das überhaupt? Wir haben hier eine klassische Konvention, die einfach von vielen mitgemacht wird und nicht hinterfragt wird.

Für wen möchte man arbeiten?

Sich selbst treu bleiben fängt aber bei der Kleidung erst an. Darüber hinaus geht es auch um konkrete Jobs. Möchte man

für ein Rüstungsunternehmen arbeiten? Am Anfang denkt man natürlich, dass man jeden Job annehmen muss. Hauptsache es kommt Geld rein. Aber sollte man hier seine Prinzipien verraten?

Ich habe diesen Fehler auch gemacht und bei bestimmten Projekten bitter bereut.

Netzwerk pflegen und kooperieren

Alle schreiben es – ihr müsst mehr netzwerken. Hier muss ich selber noch sehr viel lernen, weil ich nicht unbedingt der große Netzwerker bin. Für mich bedeutet netzwerken aber eher, sich mit Gleichgesinnten oder ähnlich tickenden Menschen auszutauschen. Was nützt es mir, in einem großen Netzwerk zu sein, wenn ich mit den Ansichten von fast allen Mitgliedern nicht übereinstimme. Möchte ich dann mit diesen Leuten arbeiten? Eher weniger.

Sein Netzwerk pflegen heißt auch mit anderen zusammenzuarbeiten.

Wir haben uns früher bei DIE LICHTFÄNGER deutlich zu stark von den anderen Filmern und Fotografen abgeschottet. Diesen Fehler mache ich nicht mehr. Man muss sich mit anderen austauschen und am besten auch zusammenarbeiten.

Manche Kunden nerven

Diese Überschrift ist sehr drastisch formuliert, aber leider ist es einfach so. Oft merkt man schon beim ersten Telefonat, dass man wahrscheinlich nicht auf einen Nenner kommen wird. Bei diesen Kunden wird man als notwendiges Übel betrachtet – man braucht ja heute unbedingt einen Film und da man sich selber nicht so recht auskennt, braucht man jemanden der einfach „bissle“ die Kamera draufhält und das zusammenschneidet.

Oft wird man direkt mit sehr geringen Budgets konfrontiert. Der Sohn/Neffe/Bekannte aus dem Urlaub macht auch Filme und eigentlich wollte man ihm 1000 € für den Imagefilm geben. Aber man glaubt, dass man beim Imagefilm dann doch jemanden braucht, der das professionell macht. Normale Preise möchte man dann aber nicht bezahlen. Der Sohn/Neffe/Bekannte aus dem Urlaub würde es ja auch für 1000 € machen.

Am Anfang meiner Selbstständigkeit hatte ich noch nicht das Selbstvertrauen zu sagen, dass man für 1000 € keinen Imagefilm machen kann und das dies Dumpingpreise sind, die die Branche kaputt machen. Es geht hier auch nicht unbedingt um die Summe von 1000 €. Diese Summe steht sinnbildlich für falsche Erwartungen des Kunden an den Filmemacher.

Kunden erziehen

Was ich auch schon erlebt habe. Ein Kunde ruft Samstag um 18 Uhr an und beschwert sich dann auf meiner Mailbox, warum sich meine Arbeitszeiten sich nicht mit seinen decken. Hallo? Hier war ich wirklich baff. Vor allem, weil es sich überhaupt nicht um ein Eilprojekt gehandelt hat. So eine Dreistigkeit hatte ich bis dahin auch nicht erlebt. Am Anfang seiner Karriere nimmt man dies einfach so hin und sagt nichts. Heute würde ich dem Kunden sagen, dass dies so nicht geht. Auch, wenn man den Kunden dann verlieren sollte. Mit dieser Art von Mensch möchte man sowieso nicht zusammenarbeiten. Aber hier geht es wieder darum, wie man vom Kunden gesehen wird. Als Partner oder Handlanger.

Der besagt Kunde, der mich Samstagabend angerufen hat, hat sich übrigens nach diesem Job nie wieder gemeldet. Und wir haben keinen schlechten Job abgeliefert oder etwas anderes vermasselt.

Großartige Kunden

Natürlich gibt es auch genau das Gegenteil und ich bin froh, dass ich mittlerweile eher die Guten anziehe. Hier möchte ich auch mal meine großartigen Kunden erwähnen. Viele geben einem viel Spielraum und verlassen sich auf meine Erfahrungen im Filmbereich.

Mehr machen

Das Schöne am Internet ist, dass man zu allem etwas findet und immer etwas Neues lernen kann. Das Schlimme am Internet ist, dass man zu allem etwas findet und immer was Neues lernen kann.

Jeden Tag bekommen wir neuen Content und können wieder etwas lesen, hören und schauen. Ich bin der Meinung, dass man sich hier auch bewusst beschränken sollte und Zeiten für YouTube, Blogs und Co. fest in den Kalender eintragen (mehr dazu im Abschnitte Zeitmanagement). Das Problem bei dem ganzen Content ist, dass man plötzliche nur noch konsumiert und überhaupt nichts mehr selber macht. Mir geht es ja selbst so, man schaut ein paar YouTube Videos zu einer bestimmten Technik (sei es Kamera oder Licht) und plötzlich sind zwei Stunden vergangen und man ist so erledigt vom ganzen Schauen, dass man überhaupt keine Lust mehr hat, das Gesehen auch umzusetzen.

Ich kann nur empfehlen, dass man sich feste Zeiten fürs Machen in der Woche einplant. Das „Machen“ kann alles sein, ein Blogartikel schreiben, ein Mini-Showreel schneiden, ein Lichtsetup ausprobieren. Man sollte einfach mehr machen.

Philipp (Regisseur von Der Aussenseiter) und ich haben ein Motto festgelegt – „Lieber machen, als nicht machen.“ Hört sich erstmal banal an, aber wir gehen oft einfach raus und setzen eine Idee um. Das kann einfach nur ein Foto sein, aber auch ein kleiner Film. Wenn es nicht so ist, wie wir gedacht/erhofft haben, haben wir trotzdem etwas daraus gelernt. Und wenn es uns gefällt, dann haben wir eine neue Referenz oder schon eine Grundidee für ein größeres Projekt.

Sich inspirieren lassen

Man muss nicht immer das Rad selbst neu erfinden. Früher habe ich gedacht, dass man eine Filmidee einfach so aus dem Nichts schafft. Ich habe mir zwar sehr viele Filme von anderen Filmemachen angeschaut, aber nicht wirklich konkret zu bestimmten Projekten. Mittlerweile schaue ich mir für Projekte sehr viele ähnliche Filme an, sammle Fotos (für Moodboards) und höre Musik um im Stimmung zu kommen. Man kann die Beispielfilme analysieren und schauen wie diese Aufgebaut sind und warum sie funktionieren. Die passenden Erkenntnisse kann man dann für seine eigenen Projekte verwenden. Natürlich sollte man andere nicht plump kopieren.

Zeitmanagement und Zielsetzung

Eine realistische Tagesplanung hat mir enorm bei meinem Alltag als Selbstständiger geholfen. Am Anfang meiner Selbstständigkeit habe ich viele Tage nur auf mich zukommen lassen. Ich habe grob meinen Tag geplant und die anfallenden Aufgaben erledigt. So kann es aber passieren, dass die Arbeit auf einen Einstürzt, weil man mit bestimmten Sachen einfach nicht gerechnet hat.

Mittlerweile versuche ich meine Tage mehr im vorauszuplanen. Feste Drehtermine kann man schon Wochen vorher im Kalender eintragen und die Vorbereitungen für diesen Dreh auch. Zu den Vorbereitungen zählt zum Beispiel die Planung des Equipments und das Einladen des Equipments ins Auto.

Recherche, Konzeption, E-Mails, Blogartikel schreiben, E-Book schreiben, Marketingmaßnahmen können alle im Voraus geplant und terminiert werden.

Am Ende eines Arbeitstages versuche ich die Aufgaben für den nächsten Tag bereits in den Kalender einzutragen. Ich lasse dabei aber noch genügend Puffer für Unvorhersehbares.

Auf den ersten Blick sieht der Kalender dann sehr voll aus, aber mir hilft das, alle Aufgaben im Überblick zu behalten. Außerdem sieht man am Ende einer Woche was man alles in dieser Woche erledigt hat.

Ziele definieren und terminieren

Zusätzlich zu den Aufgaben kann man auch Ziele und Milestones in den Kalender eintragen. Zunächst muss man natürlich seine Ziele definieren. Hier muss ich auch noch mehr an meiner Zielsetzung arbeiten.

Diese Ziele werden dann in den Kalender eingetragen. Natürlich braucht man dann auch die entsprechenden Aufgaben, mit denen die Ziele erfüllt werden können.

Technikwahn

Kampf gegen GAS (Gear Acquisition Syndrome)

Als Filmemacher sollte man zunächst mit dem Arbeiten, was man hat. Natürlich braucht man einen Grundstock an Equipment. Aber braucht man zum Beispiel vier ähnliche DSLMs und einen Cinemacamcorder? Oder braucht man die neueste LED, die es auf dem Markt gibt? Reicht vielleicht auch ein etwas älterer Kunstlichtscheinwerfer?

Wenn man mit den Sachen arbeitet, die man hat, dann lernt man auch sein eigenes Equipment sehr genau kennen und weiß, was man alles damit machen kann. Man wird außerdem sehr kreativ, wenn man Lösungen finden muss.

Ich kenne ein paar Filmemacher, die immer das neueste Equipment sofort kaufen müssen. Die haben bereits so viel, dass sie den Überblick darüber verloren haben. Zusätzlich kennen sie sich auch nicht mehr mit den Sachen aus.

Ein sehr schwieriges Thema. Viele Filmemacher, mich eingeschlossen, sind begeistert von Technik. Man informiert sich am laufenden Band über neue Kameras, Objektive, Lichter und alles was das Filmemachen angeht. Aber wie bereits beim Punkt „mehr Machen“ vergisst man bei der ganzen Recherche das Machen. Man denkt, dass man nur mit einer bestimmten Kamera einen bestimmten Shot machen kann oder dass man erst gute Filme machen kann, wenn man das oder jenes Equipment im Schrank liegen hat.

Mein letzter Fehlkauf

Ich muss mich hier auch an erster Stelle an der eigenen Nase fassen.

Ein Beispiel? Ich habe gedacht, dass ich unbedingt die Laowa Probe Lens brauche, um beeindruckende Makroaufnahmen machen zu können. Ich verwende die Optik aber nicht genug, dass sich ein Kauf gerechtfertigt hätte. Theoretisch hätte ich die Linse auch für bestimmte Shots ausleihen können. Habe die Optik jetzt seit ca. einem Jahr und bei noch keinem bezahlten Job oder Kurzfilm eingesetzt.

Schluss

Das war jetzt mein kleiner Artikel zu meinen Tipps aus ein paar Jahren Selbstständigkeit. Wer es bis hierhin geschafft hat, kann mir ja gerne eine Email zu seinen Erfahrungen aus der Selbstständigkeit schreiben. Vielleicht habt ihr ja ähnliche Erfahrungen gemacht, oder seid noch ganz am Anfang der Selbstständigkeit.

Praxisbeispiel – Filme über BauvorhabenDIE LICHTFÄNGER Bauvorhaben film Biberachdie lichtfänger Blackmagic Pocket Cinema Camera 4KVerbesserungsbedarf bei der Blackmagic Pocket 4K
die lichtfänger Josef Sälzle
Josef Sälzle // Gründer und Filmemacher

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über Kamera– , Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
DIE LICHTFÄNGER machen Imagefilme, Werbefilme und Produktfilme. Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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