Lichtsetzung: Weißabgleich und Farbkontrast
In diesem Artikel schauen wir uns jetzt das Thema Weißabgleich und Farbkontrast bei der Lichtsetzung an. Mit dem Weißabgleich in der Kamera legt ihr fest, wie warm oder kalt eine Szene wirken kann. Mit Bi-Color oder RGB LED Lampen könnt ihr auch noch einmal die Farben auf dem Set und in der Kamera beeinflussen. Interessant wird es, wenn man den Weißabgleich bewusst „falsch“ setzt und teilweise auch mit den Lampen einen anderen Weißabgleich wie das Tageslicht macht.
Inhaltsverzeichnis:
Einführung
Als Anfänger hat man es nicht so leicht mit dem Weißabgleich. Es gibt Leute, die einem empfehlen, nur mit der gleichen Farbtemperatur bei allen Lampen zu arbeiten und dann gibt es Leute, die einem sagen, dass man immer mit einem Farbkontrast arbeiten muss. Wer hat jetzt recht? Dazu mehr in der Zusammenfassung.
Am Anfang meiner Karriere habe ich versucht, das „böse“ Mischlicht zu vermeiden. Mir wurde von vielen älteren Fotografen und Filmemachern gesagt, dass man Mischlicht unbedingt vermeiden soll und man hört ja oft auf die Kollegen*innen, die mehr Erfahrungen haben. Ich war damals auch ein eiserner Verfechter der Graukarte und habe bei jeder Aufnahme die Graukarte in das Bild gehalten. Aber meine Aufnahmen wurden dadurch sehr steril und hatten oft nicht so viel Tiefe. Das hatte teilweise mit dem Weißabgleich zu tun, aber auch sehr viel mit der eigentlichen Lichtsetzung und Belichtung, aber das ist ein anderes Thema.


Die beiden oberen Beispiele (vor gut 10 Jahren) zeigen einen eher schlecht gewählten Weißabgleich, die Bilder sehen eher langweilig aus. Beim zweiten Beispiel kann die Location noch viel gut machen. Aber mit einem besseren Weißabgleich und einer besseren Lichtsetzung hätte ich das Bild hier ansprechender gestalten können.
Ich habe mich dann viele Jahre mit der Lichtsetzung beschäftigt und natürlich viele Werbefilme, Kurzfilme oder Langfilme gemacht. Ich habe dann festgestellt, dass man mit dem Weißabgleich und dem bewusst „falsch“ eingestellten Weißabgleich den Look eines Filmes stark beeinflussen kann.

Dieses Beispiel ist auch vor gut 10 Jahren entstanden, aber hier sieht man was der eher falsch gesetzte Weißabgleich und der daraus resultierende Farbkontrast ausmachen kann. Damals wusste ich noch nicht so viel über die Lichtsetzung und ich konnte nicht genau erklären, was mir bei diesem Bild damals schon so gut gefallen hat.
Kein Farbkontrast
Schauen wir uns als Erstes ein Beispiel ohne Farbkontrast an. Bei dieser Szene kommt natürliches Tageslicht, an einem bewölktem Tag durch das Fenster und die Person (also ich) wird mit einer Tageslichtlampe ausgeleuchtet.

Leichter bis starker Farbkontrast
6500K



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4000K



3200K



2700K




Zusammenfassung
Zurück zur Frage aus der Einführung. Wer hat jetzt recht? Sollte man eher mit Mischlicht drehen oder immer bei allen Lichtquellen den gleichen Weißabgleich haben?
Hier muss ich sagen, dass es ganz auf das Projekt ankommt. In der Regel leuchte ich zum Beispiel bei Werbefilmen eher mit einem Farbkontrast arbeite, damit das Subjekt (Person oder Produkt) vom Hintergrund heraussticht. Bei szenischen Projekten habe ich aber teilweise schon komplett auf Farbkontraste verzichtet, damit die Person in der Umgebung untergeht, weil es einfach zur Geschichte gepasst hat.






Eure Aufgabe als Filmemacher*in ist es immer, die Geschichte mit euren Bildern zu unterstützen und das kann es heißen, dass ihr teilweise mit Farbkontrasten arbeitet und teilweise nicht. Hier gibt es meiner Meinung nach keine „One fits all“ Lösung, man muss viele Dinge ausprobieren, testen und sich selbst eine Meinung bilden. Mit mehr Erfahrung beim Drehen von Filmen bekommt man natürlich ein Gefühl für den „richtigen“ Weißabgleich und den „richtigen“ Farbkontrast für die Szenerie und das gesamte Projekt.


