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DIE LICHTFÄNGER Businesswissen Filmemacher Investitionen planen

Businesswissen für Filmemacher: INVESTITIONEN PLANEN

Heute gibt es mal wieder einen Businesswissen für Filmemacher Artikel für euch. Konkret erkläre ich heute, wie man Inventionen planen kann. 

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Wir Filmemacher sind etwas besondere Selbstständige unter den Kreativen. Wir brauchen einfach die meiste Technik. Grafiker, Designer oder 3Dler brauchen ja „nur“ einen leistungsfähigen Computer und einen Schreibtisch (manchmal nicht mal den) und können direkt loslegen. 

Fotografen, haben natürlich noch die Fotokamera, Stativ, Blitze, etc. 

Wir Filmemacher brauchen dann aber oft noch zusätzlich zum leistungsfähigen Computer, Kamera, mehr Licht, größere und schwerere Stative auch noch Tonequipment. Irgendwann kommt dann noch ein Lager hinzu, ein größerer Transporter und und und. 

Daher ist es sinnvoll sich als Filmemacher Gedanken zu den jeweiligen Investitionen zu machen. 

Natürlich sollte sich generell jeder Gedanken zu Investitionen machen und alles sinnvoll planen. Aber in diesem Artikel gehe ich speziell auf Filmemacher ein. Es heißt ja auch Business-Wissen für Filmemacher. 

Investitionen planen

Machen wir uns nichts vor, die meisten Filmemacher (besonders die Anfänger …) lieben Technik und möchten immer den neuesten Shit auf dem Markt haben. Versteht mich nicht falsch, ich liebe auch Technik und mich mit Technik zu beschäftigen. Aus dieser Begeisterung ist ja auch der Filmemacher-Blog entstanden. 

Und wenn man etwas bestellt hat und der Postbote klingelt, dann hüpfe ich auch freudig zur Türe. 

Aber genau diese Freude ist gefährlich, man kann schnell in eine Art Kaufrausch geraten, weil man immer wieder Pakete bekommen will, damit man wieder neue Technik auspacken kann und damit spielen kann. Stichwort GAS (Gear Acquisition Syndrom).

Am Ende sieht das Büro aus, wie ein Amazon Lager. Überall stapeln sich Kisten mit Technik. Man hat plötzlich viel zu viel Equipment, verwendet nur die Hälfte und versteht nur ein Viertel davon. 

Wie so oft gilt, plant eure Investitionen.

Investitionen sinnvoll planen

Natürlich braucht man zu Beginn der Karriere einen Grundstock an Equipment. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass man etwa Geld auf der Seite hat (entweder weil man aus einer Festanstellung kommt, oder weil man einfach spart), sodass man diese Grundinvestition tätigen kann. Man braucht eine Kamera, ein Objektiv (Zoom oder Festbrennweite), ein Licht (Betonung auf ein), ein Mikrofon (bei Produktfilmen aber auch nicht unbedingt), ein Stativ und einen Computer. 

Mit dieser Grundausstattung kann man schon eine Menge Jobs erledigen und erst einmal wieder Geld verdienen. Bei den ersten Jobs wird man feststellen, welches Equipment jetzt noch fehlt. Jetzt sollte man nicht sofort das hart verdiente Geld wieder in neues Equipment investieren, Finger weg vom Kaufen-Button und erst einmal nachdenken und kalkulieren. 

Rücklagen für Equipment einplanen

In meinem Bankkonten-Artikel habe ich euch schon erklärt, dass ich ein Konto für Steuern und Rücklagen habe. In diesen Rücklagen sind auch die Investitionen für neues Equipment eingeplant. 

Für die Investitionsrücklagen überlegt man sich einfach wie oft man wirklich eine neue Kamera, neue Optiken oder anderes braucht. Und seid wirklich ernst mit dieser Überlegung. Braucht man wirklich alle paar Monate eine neue Kamera? Ist diese neue Kamera wirklich so viel besser? 

Meine Canon C300 hatte ich von 2012 bis 2017 und habe mit dieser Kamera unzählige Jobs gemacht, die C300 hat den Anschaffungspreis locker wieder eingespielt. 

Diese Rücklagen für neues Equipment kann man prozentual festlegen. Zum Beispiel 20 % von jedem Job werden für Equipment zurückgelegt. 

Rücklagen über Armotisierung

Man muss auch nicht unbedingt einen festen prozentuellen Anteil zurücklegen. Man kann auch den Anschaffungspreis von einer Investition nehmen und rückwärts dann zu den monatlichen Kosten kommen. So sieht man, was diese einzelnen Investition an Geld reinbringen muss. 

Investitionsbeispiel

Man könnte also sagen, man möchte alle 4 Jahre eine neue Kamera. Wir gehen jetzt von einer mittleren Investition aus und sagen, dass die Kamera im Durchschnitt dann ca. 8000 € kosten wird. Mit Zubehör wie Akkus, Speicherkarten, Cage. Man muss dann ca. 166 € pro Monat für die Kamera zurücklegen (8000 € durch 4 durch 12). Man sieht somit auch schnell, was die Kamera im Monat einbringen muss, damit sie sich rechnet. Oder besser, wann hat sich die Anschaffung einer Kamera amortisiert. Die 8000 € sind hier nur ein Beispiel, natürlich könnt ihr auch festlegen, dass ihr nicht mehr als 4000 € für eine neue Kamera ausgeben wollt. Schaut euch am besten noch meinen Artikel Kameras zum Filmen an, wenn ihr einen Überblick über die einzelnen Kamerasysteme braucht. 

Diese Rechnung macht man natürlich nicht nur mit der Kamera, sondern auch mit allen anderen Investitionen. 

Im nächsten Schritt kann man die Inventionen priorisieren, was braucht man am dringendsten und was nicht so dringend. Hier sollte ihr natürlich sehr ehrlich mit euch selber sein. 

Nach einer Zeit bekommt man ein ganz gutes Gefühl, was man einnehmen muss, um sich bestimmte Dinge leisten zu können. 

Zusätzlicher Puffer für Investitionsrücklagen

Natürlich kann man noch einen weiteren Puffer bei seinen Investitionsrücklagen einplanen, das können zum Beispiel 10 % bei der Kamerainvestition sein. In unserem Beispiel also 16,6 €. Diese fügt man dann noch bei den 166 € hinzu und kommt somit auf 182,6€. Der Puffer ist einfach nochmal ein Sicherheitspolster für die Investitionen. Manchmal wird ja eine Investition doch etwas teurer, weil man etwas nicht bedacht hat. 

Investitionsrücklagen jährlich anpassen

Die Rücklagen sollte nicht unbedingt statisch bleiben, an sich muss man ja auch die Inflation einplanen. Somit kann man auch die Rücklagen je nach Jahr um einen Prozentsatz erhöhen. 

Die Technik (bei Kameras) entwickelt sich ja auch rasend schnell weiter und vielleicht wird die zukünftige Kamera aber auch deutlich günstiger. So kann man die Rücklagen natürlich auch verringern. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass man über die Jahre eher mehr in bestimmte Dinge investiert, besonders wenn man sich nicht den günstigsten Schrott kaufen will. Einige Kamerasysteme werden auch immer teurer, ich habe das ja auch schon in einem anderen Artikel erwähnt. Die Sony A7S hat bei der Einführung 1700 € gekostet, die neue A7S Mark 3 kostet dagegen unglaubliche 4500 €. 

Equipment für Jobs kaufen

Es gibt aber auch die Möglichkeit Equipment für bestimmte Jobs zu kaufen. Nehmen wir einmal an, das man einen größeren Werbefilm als Auftrag erhält und man hierfür jetzt einen größeren Raum ausleuchten muss. Mit einem Licht (aus unserem Eingangsbeispiel) kommt man hier nicht weit, man braucht mindestens 3 Lampen. 

Jetzt kann man natürlich das benötigte Equipment extra für diesen Job kaufen. Stop, nicht gleich übermütig werden. Internet aus und Kopf an. 

Erst einmal sollten wir schauen, ob das benötigte Equipment sowieso auf unserem Investitionsplan steht. Wenn man sowieso die Sachen eingeplant hat, dann könnte es Sinn machen direkt das benötigte Equipment zu kaufen. 

Außerdem sollte man sich fragen, ob man die drei zusätzlichen Lampen auch für zukünftige Jobs verwenden kann oder ob es sich um eine spezielle Anschaffung für diesen einen Werbefilm handelt. 

Die 3 Lampen sind hier nicht unbedingt das passende Beispiel, da man mehr Lampen in der Regel immer gebrauchen kann. Wenn wir aber von einer speziellen Optik oder Slowmotionkamera reden, ist es sinnvoll zu hinterfragen, ob es sich hier nicht um eine sehr spezielle Investition handelt. 

Bei speziellen Investitionen sollte man zunächst prüfen, ob man das Equipment auch leihen kann. Auf Leihen vs. Kaufen gehe ich in einem separaten Artikel noch genauer ein. 

Ok, gehen wir davon aus, dass wir die drei zusätzlichen Lampen für weitere Filmprojekte verwenden können und diese sowieso auf unserem Investitionsplan stehen. Dann kann man diese Investition tätigen. Am besten natürlich erst, wenn man schon die Auftragsbestätigung oder noch besser, eine Anzahlung für den Job hat. So kann man die Investitionskosten auch wieder etwas abfangen und belastet sein Konto nicht direkt so stark. Man sollte aber auch nicht unbedingt die kompletten Einnahmen eines Jobs in neues Equipment investieren. Und besonders nicht die Bruttoeinnahmen! Die Umsatzsteuer gehört euch nicht! 

Wenn man die kompletten Nettoeinnahmen von Jobs in Equipment investiert, dann hat man plötzlich wieder zu viel Equipment und kann seine Miete oder andere Fixkosten nicht mehr bezahlen. Daher auch meine Empfehlung mit einem festen Prozentsatz (>100 %, besser <50 % von den Nettoeinnahmen). 

Generell kann ich empfehlen bei größeren Aufträgen immer Abschlagszahlungen zu verlangen, in der Baubranche ist dies ganz normal. Im Kreativbereich leider nicht. Gehirnarbeit scheint hier nicht wirklich als Arbeit zu gelten … die ganzen armen Leute in der Forschung und Entwicklung … Nur bei echten Handwerkern gilt Arbeit noch als Arbeit. Aber das ist ein anderes Thema, dass ich in einem Artikel besprechen werde. 

In hochwertiges Equipment investieren

Generell kann ich euch empfehlen, direkt in hochwertiges Equipment zu investieren. Es gibt ja auch den Spruch „Wer billig kauft, kauft zweimal“. Dieser Spruch trifft es schon ganz gut. Natürlich kann man zum Beginn seiner Karriere noch nicht das beste Zeug kaufen. Daher empfehle ich ja den Investitionsplan und außerdem steht ja die Leihoption oft zur Verfügung. 

So jetzt mal konkret, investiert euer hart verdientes Geld eher in gute Linsen, statt Kamerabodies. Die Kamera wechselt man häufiger als die Linsen. Außer natürlich, wenn man einen Systemwechsel macht. 

Investiert auch eher in hochwertige Lichtstative, ich vertraue mehr einem 80 € Manfrottostativ statt einem 20€ Neewerstativ. Bei einem Galgenstativ gilt dieses Prinzip noch deutlicher. Hier geht es auch schnell um Sicherheit am Set und wenn hier ein billiges Stativ bricht und dadurch Schaden (hoffentlich kein Personenschaden) entsteht, dann habt ihr wirklich an der falschen Stelle gespart

Bei den C-Stands ist es ähnlich, hier investiere ich auch eher in Avenger oder Matthews statt Neewer. 

In meinen Tipps zur Arbeit mit dem Stativ Artikel habe ich ja auch schon erwähnt, dass ich mein Sachtler Videostativ seit Beginn meiner Selbstständigkeit (2009) verwende und es noch wie am ersten Tag funktioniert. 

Ein hochwertiger Bürostuhl kostet auch Geld, schont aber euren Rücken und spart euch somit teure Krankengymnastik. 

Aller Anfang ist schwer

Natürlich braucht ihr am Anfang erst einmal einen Grundstock an Equipment, um überhaupt Aufträge abwickeln zu können. Zu Beginn meiner Karriere musst ich auch öfters das günstigere Zeug kaufen, damit ich überhaupt drehen konnte. Das macht auch nichts, aber macht lieber früher statt später einen Investitionsplan. Und investiert frühzeitig in hochwertige Sachen, ihr habt wirklich länger was davon. 

Externe Expertise statt Equipmentkauf

Dieses Prinzip könnt ihr bei allen Investitionen durchziehen. Evtl. könnt ihr aber auch direkt auf externe Expertise zurückgreifen. Anstatt in hochwertiges Audioequipment (Mikrofon, Angel, Mischer, Kopfhörer, etc.) zu investieren, könnt ihr euch auch für jeden Job einen Tonmensch dazubuchen. Zum einen habt ihr somit direkt einen Experten am Set (ihr müsst euch also nicht auch noch mit Ton rumschlagen) und zum zweiten habt ihr dann direkt den besseren Ton durch das bessere Equipment. Es kommt natürlich auch immer auf die eigene Spezialisierung an, ich bin Kameramann und Beleuchter und möchte mich nur noch bedingt mit dem Ton auseinandersetzen. 

Mit Beleuchtern geht das natürlich auch. Ich helfe auch öfters bei anderen Kameraleuten als Beleuchter aus und diese profitieren dann direkt von meiner Expertise und meinem Equipment. 

Standard in der Branche

Auf einen Punkt bin ich noch überhaupt nicht eingegangen, wenn man in hochwertiges Equipment investiert. Oft hat man hier nämlich direkt den Branchenstandard. Bei den RGB Röhren haben sich zum Beispiel die Titantubes von Astera durchgesetzt. Wenn ihr euch jetzt diese Tubes holt, dann habt ihr direkt den Branchenstandard. Wenn ihr jetzt mit anderen Beleuchtern oder für andere Kameraleute als Beleuchter arbeitet, dann können die euer Equipment direkt bedienen und brauche nicht erst noch eine lange Einweisung. 

Der Verkaufswert für hochwertiges Equipment ist auch höher. Oft bekommt man für gebrauchte hochwertige Dinge noch 50-70 % vom Anschaffungspreis, bei billigeren Anschaffungen liegt der Gebrauchtpreis deutlich unter 50 %.  

Zusammenfassung

Beim Kauf von Equipment kann man viele Probleme mit dem Kopf lösen. Macht euch einfach zunächst Gedanken, was ihr braucht und was ihr nicht braucht. Investiert dann sinnvoll und nachhaltig in euer eigenes Unternehmen. 

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die lichtfänger Josef Sälzle
Josef Sälzle // Gründer und Filmemacher

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über Kamera– , Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
DIE LICHTFÄNGER machen Imagefilme, Werbefilme und Produktfilme. Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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