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Canon C300 – Ein Rückblick

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In diesem Artikel geht es um die Erfahrungen, die wir mit der Canon C300 gemacht haben.
Inhaltsverzeichnis:
Ergonomie
Bild
Autofocus Upgrade
Anschlussmöglichkeiten
Fazit nach 5 Jahren

Wir können uns noch gut an den Anfang von 2013 erinnern, als wir die C300 von einem Fotofachgeschäft in Aalen abgeholt haben. Im Laden hieß es, dass noch nie jemand so eine teure Kamera bei ihnen gekauft hätte.

Zurück im Büro haben wir die Kamera natürlich sofort ausgepackt und direkt auf einen Schulterrig gebaut. Wir waren sofort begeistert von der Haptik und Ergonomie. Bis jetzt hatten wir meistens nur mit DSLRs und ab und zu mit geliehenen Kameras (Sony FS100, Sony EX3, etc.) gearbeitet. Die erste eigene Filmkamera ist dann schon etwas Besonderes.

Die Canon C300 wurde bei der Vorstellung belächelt und viele fanden die Kamera zu teuer für die Features. In kürzester Zeit hat sich die C300 aber als beliebteste Kamera bei den Verleihern für kleine Filmproduktionen und Dokumentarfilme etabliert. Unserer Meinung auch zu recht. Die Kamera überzeugt einfach in jeder Hinsicht.

Ergonomie

Bevor wir die Canon C300 gekauft haben, haben wir uns natürlich unterschiedliche Kamerasysteme angeschaut und getestet.

In Frage kam dann schlussendlich die Canon C300 und die Sony FS700. Wir hatten die FS700 ein paar Mal ausgeliehen und auch bezahlte Jobs mit der Kamera gemacht. Was uns immer gestört hat, war die Ergonomie der Kamera. Die FS700 ist einfach nur ein schwarzer unhandlicher Klotz. Für die Arbeit auf dem Stativ ist sie ok, aber Handheld oder auf der Schulter ist sie unbequem und nicht gut zu bedienen. Der Monitor ist fest auf der oberen Seite verbaut. Man braucht also für die Arbeit auf der Schulter zwingend einen externen Monitor. Außerdem ist die Kamera sehr lang, wenn man sie mit einem DJI Ronin verwendet möchte, dann muss man extra Extensions anbringen, damit die Kamera überhaupt im Gimbal verbaut werden kann. Die Buttons sind komisch platziert und bei der Bedienung der Kamera hat sich Sony auch nicht mit Ruhm bekleckert.

Die C300 ist auf keinen Fall perfekt, sie ist gewöhnungsbedürftig hoch für eine Kamera, wenn man den Griff und die Monitoreinheit montiert hat, wird sie noch höher. Aber das System ist deutlich durchdachter. Die Buttons sind alle leicht zu erreichen und auch logisch platziert.

Die Monitoreinheit kann individuell platziert und gedreht werden, dadurch kann man die Kamera mit einem Schulterrig sehr gut auf der Schulter ohne zusätzlichen Monitor verwenden. Beim Handheld kann man entweder auf den Griff und die Monitoreinheit verzichten und den sehr guten Sucher verwenden, oder man montiert den Monitor direkt auf der Kamera ohne Griff. Auf einem Gimbal sollte man ohne Monitor und Griff arbeiten, da sonst die Kamera zu hoch wird. Durch das gesparte Gewicht tut man sich aber auch hier leichter.

Wir haben die Kamera meistens auf der Schulter, mit Handheld, auf dem Stativ oder auf dem Kran verwendet und hatten meistens kaum Umbauzeiten. Die Kamera ist sehr vielseitig einsetzbar und man kann sie sehr gut alleine oder in einem größeren Team verwenden.

Eines unserer Lieblingssetups für kleine Handhelddrehs war die C300 ohne Monitor und Griff mit einer lichtstarken 35mm oder 50mm Festbrennweite. Die Kamera ist so sehr klein und handlich und man kann locker den ganzen Tag so arbeiten.

Ein weiterer Vorteil der Canon C300 sind die frei belegbaren Buttons. Man kann an der Kamera und auf der Monitoreinheit bestimmte Buttons mit eigenen Funktionen belegen. Dadurch kann man die Kamera noch mehr an seine eigenen Bedürfnisse anpassen. Wir haben zum Beispiel an der Monitoreinheit zusätzlich die Funktionen Shutter, CLOG AN/Aus, ISO und das Custom Menü hinzugefügt um beim Dreh schneller zu werden. Mit dem Custommenü kann man übrigens einen zusätzlichen Menütab mit ein paar wichtigen Funktionen erstellen und so auf oft genutzte Funktionen schnell zu greifen.

Bild

Das Bild der C300 gehört zu den besten 1080p-Bildern seiner Zeit. Zwar hat man nur 8bit Farbtiefe, aber immerhin werden die Farben mit 4:2:2 abgetastet. Die C300 hat einen Super35mm 4K Sensor. Der Sensor hat 3940×2160 Bildpunkte, die jeweils einen vollen HD RGB Readout (1x Rot, 1x Blau und 2x Grün) ermöglichen. Daher ist das FullHD Bilder der Canon C300 so detailreich und rauscharm. Der RollingShutter-Effekt ist zu vernachlässigen, da der Sensor sehr schnell ausgelesen wird.

Mit dem CLOG Bildprofil stehen ca. 11 Blendenstufen an Dynamik zur Verfügung. Heute klingt dies natürlich eher mager, aber damals war dies enorm. Wir kamen ja von der DSLR Welt und hier stehen meistens nur 8-9 Stufen zur Verfügung. Zwei Blenden zusätzlich haben uns schon begeistert. Folgende Bilder sind direkt aus der C300 mit CLOG, ohne Farbkorrektur.

Schon bei den ersten Testaufnahmen waren wir vom Bild begeistert, kein verwaschenes 1080p-DSLR-Bilder mehr, sondern ein knackscharfes FullHD mit Kinoflair. Auch in der Farbkorrektur hat uns die Kamera überzeugt. Bei den ersten paar Aufnahmen haben wir die Kamera etwas unterbelichtet, wir konnten die Aufnahmen aber noch leicht in der Farbkorrektur retten und waren vom Ergebnis erstaunt. Trotz 8Bit lässt sich hier noch einiges herausholen. Man muss sich natürlich mit der Belichtung von LOG-Material beschäftigen und nicht einfach darauf losfilmen, wenn man in LOG dreht. Hierfür kann man dann, mit etwas weniger Dynamik, das normale EOS-STD-Profil nehmen.

Autofocus Upgrade

Nach der Vorstellung der C100 MK2 mit Dual Pixel Autofokus, konnte man seine C100 und C300 mit dem gleichen Upgrade ausstatten. Mit Dual Pixel Upgrade hatte man die Möglichkeit, einen brauchbaren Autofokus zu verwenden. Der Autofokus konnte ein sich in der Mitte des Bildes befindliches Objekt zuverlässig verfolgen. Dies war die Grundlage vom Autofokussystem der 1DX MK2 und Canon C200, das in der Branche immer noch ungeschlagen ist. Wir haben das Autofokus Upgrade nicht gemacht, weil wir meistens szenisch gearbeitet haben und so die benötigen Shots geplant haben und so auf zuverlässig selbst die Schärfe ziehen konnten.

Anschlussmöglichkeiten

Hier lässt die C300 fast keine Wünsche offen. Es stehen Timecode In/Out, Genlock, Sync Out, SDI-Out und HDMI-Out am Body zu Verfügung. Die XLR-Anschlüsse befinden sich an der Monitoreinheit. Dies ist auch ein kleiner Nachteil, wenn man die Kamera ohne Monitoreinheit verwendet, man hat dann nämlich nur einen Klinkeneingang für ein Mikrofon.

Ein weiterer Nachtteil in Sachen Ton bei der C300 ist ein fehlendes internes Mikrofon. Wenn man kein Mikrofon an der Kamera angeschlossen hat, dann hat man überhaupt keinen Ton. Ein kleines Mikrofon wäre hier schon nett gewesen.

Fazit nach 5 Jahren

Mittlerweile ist die Canon C300 natürlich in vielen Gesichtspunkten veraltet. Angefangen von der fehlenden Möglichkeit, echte 50p Slowmotion aufzunehmen bis hin zu 4K Aufnahme. Hier hat die Sony FS700 in Kombination mit einem Odyssey 7Q noch die Nase vorne und hält mit aktuellen Kameras immer noch mit. In Sachen Ergonomie finden wir die C300 aber immer noch zeitgemäß und wenn man ein sehr gutes 1080p Bild haben möchte und in den nächsten Jahren noch kein 4K haben möchte, der sollte sich die C300 auf dem Gebrauchtmarkt suchen. Gute Angebote gibt es oft schon für unter 2000€. Die FS700 mit Odyssey gibt es auch schon für knapp über 2000€. Die FS700 konnte also ihren Preis trotz des zukunfssicheren Bildes auch nicht besser halten als die C300. Natürlich war die FS700 auch nicht so hoch in den Anschaffungskosten.

Wer unbedingt noch 50P braucht, der sollte sich vielleicht eine gebrauchte Canon C100 MK2 holen. Der Sucher und die Monitorplatzierung der C100 MK2 sind zwar nicht so gut wie bei der C300, aber das Bild und die Verarbeitung der Kamera sind hervorragend.

Bei uns hat die Canon C300 ihr Rentenalter erreicht. Mittlerweile produzieren wir fast nur noch in 4K und somit kann die C300 leider nicht mehr mithalten. Sie wird aber immer einen Ehrenplatz in unserer Kamerahitliste behalten.