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DIE LICHTFÄNGER BUSINESS WISSEN TAGESSATZ

Business-Wissen für Filmemacher: TAGESSATZ BERECHNEN

Ich bekomme öfters von anderen Filmemachern die Frage, „Wie viel kann ich eigentlich als Tagessatz verlangen?“ oder „Wie viel muss ich eigentlich verlangen?“ Diese Fragen hatte ich natürlich auch zu Beginn meiner Selbstständigkeit. Habe natürlich auch versucht Kollegen zu fragen, aber damals war ich auch noch nicht so gut vernetzt und so habe ich mir auch viel selber aneignen müssen. Mit diesem Artikel passiert euch das nicht. Nach diesem Artikel sollte ihr ganz genau euren Tagessatz berechnen können.

Inhaltsverzeichnis:

Unterschied zwischen Tagessatz und Stundensatz

Der Unterschied zwischen dem Tagessatz und Stundensatz ist selbsterklärend. Was kostet ein Tag und was kostet eine Stunde. Mir geht es aber hier viel mehr um das Prinzip, das hinter beiden Sätzen steht.

Stundensatz

Man sollte versuchen, keine einzelnen Stunden zu verkaufen. Zum einen hat man hier einen sehr hohen Verwaltungsaufwand, da man sehr viele Rechnungen für die geleisteten Stunden erstellen muss. Das kostet Zeit.

Zum anderen wird man bei der Stundenabrechnung für schnelleres und effektiveres Arbeiten monetär bestraft. Man wird ja mit der Zeit schneller und effektiver bei der Arbeit. Kann aber weniger abrechnen, da man ja weniger Stunden geleistet hat.

Zu Beginn der Selbstständigkeit hat man wahrscheinlich nur wenige Aufträge hat und kann daher nur wenige Stunden verkaufen. Man sollte aber so schnell wie möglich schauen, dass man auf den Tagessatz umstellt.

Tagessatz

Wie der Name schon sagt, ist der Tagessatz der Betrag, der ein Selbstständiger für einen Tag berechnet.

Ein Tag Filmschnitt kostet dann eben X Euro. Wenn man schneller mit dem Schneiden fertig ist, dann wird trotzdem der komplette Tag abgerechnet. Diese Schnelligkeit hat man sich ja über Monate oder Jahre antrainiert und hier Erfahrungen gesammelt. Hier möchte man sich ja auch wieder nicht selber für schnelleres, effektiveres Arbeiten bestrafen.

Tagessatz berechnen

Schauen wir uns, wie man den Tagessatz berechnen kann. Zunächst schreibt man sich alle Kosten auf. In der Betriebswirtschaft gibt es Fixkosten und variable Kosten. Fixkosten sind zum Beispiel Büromiete, Versicherungen oder sonstige wiederkehrende Kosten. Variable Kosten sind Kosten, die sich gleichzeitig mit der Ausbringungsmenge ändern. Heißt, je mehr Produkte verkauft werden, desto mehr Rohstoffe braucht man. Ist für uns im Dienstleistungsbereich erstmal weniger relevant.

Ich sehe als Filmemacher die variablen Kosten eher als Reinvestionskosten oder Kosten für Weiterbildung. Man kann natürlich auch einen festen Betrag für die Reinvestitionen und Weiterbildungen einplanen und so haben wir wieder Fixkosten.

Ok genug Begriffe jongliert. Wie berechnet man jetzt den Tagessatz?

Schreibt euch einfach alle Kosten auf

  • Miete
  • Versicherungen (Krankenversicherung, Unfallversicherung, Haftpflicht, Equipment)
  • Auto
  • Kommunikation (Internet, Telefon)

Hieraus bildet man die Summe und schaut was herauskommt. Wenn man jetzt diesen Betrag im Monat verdient, dann hat man eine schöne Null am Ende des Monats auf dem Papier. Wunderbar.

Natürlich nicht. So kann man natürlich nicht wachsen. Hinzukommen noch:

  • Reinvestitionen
  • Weiterbildung
  • Marketing
  • Gewinn

So kann das Unternehmen schon gut wachsen. Aber wir wollen ja schließlich auch etwas mit unserer Selbstständigkeit verdienen. Jetzt addiert man noch den Betrag, den man auch verdienen möchte. Der Betrag sollte hierbei höher als in einem entsprechenden Angestelltenverhältnis sein. Sonst könnte man sich ja auch anstellen lassen und hätte nicht den ganzen Mehraufwand mit dem Unternehmertum.

Man sollte auch nicht den Gewinn mit dem eigenen Gehalt verwechseln. Für das Finanzamt ist zwar der Gewinn das Einkommen des Selbstständigen, aber vielleicht möchte man einen Teil vom Gewinn anders investieren.

Stefan Weiss (Selbstständiger Cutter und Coach) empfiehlt mindestens einen Tagessatz von 400 € netto zu nehmen, wenn man eher weniger in der Altersarmut landen will. Mit der Betonung auf weniger.

Mit seinem Tagessatzrechner kann man sich ungefähr seinen Tagessatz ausrechnen.

Man sollte trotzdem immer noch einmal seine eigene persönliche Situation anschauen und genau auf seine individuellen Kosten achten. Der Tagessatzrechner berechnet ja nur einen Durchschnittswert.

Über den Tagessatz hinaus

Neben dem Stunden- und Tagessatz gibt es natürlich noch andere Methoden einen Preis für seine Leistung zu bestimmten. Eine Methode ist es, den Preis basierend auf dem Wert, den man selber hat und dem Kunden gibt, zu bestimmen.

Als Filmemacher kreiert man mit seinen Filmen einen hohen Wert für seine Kunden. Mit den Filmen können mehr Leute erreicht werden, mehr Produkte verkauft werden oder die Marke an sich gestärkt werden.

Ein Beispiel: Mit dem neuen Produktfilm für Produkt X (Preis 500 €), werden nicht mehr nur 10 Produkte im Monat verkauft, sondern im nächsten Monat 50. Der Umsatz beim Unternehmen ist dann von 5000 € auf 25000 € gestiegen.

Der Tagessatz-Filmemacher hat zwei Tage für den Produktfilm gewerkelt und hierfür 2000 € abgerechnet.

Der Wertorientierte-Filmemacher hat sich überlegt, welche Umsatzsteigerung er durch den Film generieren kann und hat dementsprechend keinen Tagessatz berechnet, sondern 8000 € für den Produktfilm angesetzt. Er war sich des Wertes eindeutig bewusst.

Natürlich könnte man jetzt sagen, dass dieser Preis aber viel zu teuer ist, weil der Tagessatz-Filmemacher nur 2000 € abgerechnet hat. Aber der Tagessatz-Filmemacher war sich einfach nicht bewusst, welchen Wert er für das Unternehmen generiert.

Das ist natürlich ein fiktives Beispiel. Oft ist es sehr schwer, den Wert eines Filmes direkt mit dem Mehrumsatz zu verbinden. Man muss hierfür auch ein paar Daten messen. Was ist zum Beispiel mit den Besucherzahlen auf der Webseite passiert, sobald das Video hochgeladen wurde. Wo und wann wird der Film gezeigt? Auf Messen, im Vertrieb. Hier braucht man viel Erfahrung.

Aber die Tools in diesem Bereich werden auch immer besser, so kann man sich bei Youtube und Vimeo die genauen Zuschauerzahlen (und noch mehr Daten) anschauen und auswerten.

Ich habe festgestellt, dass gerade im deutschen Markt (vielmehr auch in Ulm) die wertorientierte Preisgestaltung sehr schwierig umzusetzen ist. Viele sprechen einem dagegen, da sie einfach den Begriff Wert nicht verstehen.

Natürlich muss man sich als Filmemacher auch erstmal diesen Wert erarbeiten. Man kann seine Karriere nicht unbedingt direkt mit diesem Preismodell beginnen.

Brutto vs. Netto

Noch ein kleiner Tipp für Brutto und Netto Tagessatz. Wenn ihr mit Unternehmen sprecht, dann könnt ihr euren Nettotagessatz (ohne USt.) nennen, die meisten wissen bereits, dass es sich hier um den Nettobetrag handelt. Für Unternehmer ist der Nettobetrag auch wichtiger.

Wenn ihr Privatpersonen arbeitet, dann nennt immer den Bruttotagessatz (mit USt.). Privatpersonen haben in der Regel kein Verständnis für Brutto und Netto und gehen in der Regel vom Endpreis aus. Da bei Privatpersonen die Umsatzsteuer in der Regel kein durchlaufender Posten ist, ist der genannte Betrag für sie immer der Endbetrag.

Fazit

Jeder Filmemacher sollte sich erst einmal eine solide Basis mit seinem Tagessatz aufbauen. Alle Kosten, Versicherungen, Reinvestition, Steuern, Gehalt usw. sollten mit dem Tagessatz eingenommen werden. Sobald der Wert des Filmemachers mit Erfahrung steigt, sollte auch der Tagessatz steigen.

Tappt nicht in die Falle und berechnet den Tagessatz ohne alle anfallenden Kosten zu kennen. Wer sich mehr für das Thema interessiert, der empfehle ich das Buch Parcour von Sophia Muckle.

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die lichtfänger Josef Sälzle
Josef Sälzle // Gründer und Filmemacher

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über Kamera– , Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
DIE LICHTFÄNGER machen Imagefilme, Werbefilme und Produktfilme. Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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