Fotografie Bildgestaltung: Drittel Regel

Bildgestaltung für Anfänger: 4 Regeln für bessere Fotos

In diesem Artikel meiner Serie zur analogen Fotografie geht es jetzt mal nicht um die Technik, sondern um die Bildgestaltung. Zur Bildgestaltung im Filmbereich habe ich ja schon einen sehr ausführlichen Artikel geschrieben. Hier möchte ich euch ein paar konkrete Tipps geben, so dass eure Bilder nicht nur „technisch korrekt“, sondern auch „schön“ sind. Ich habe bewusst die Adjektive in Anführungszeichen gesetzt, weil diese Begriffe auch sehr variabel sind und jeder etwas anderes darunter versteht.

Gerade bei der analogen Fotografie sollte man vor jedem Bild kurz nachdenken. Im Artikel über das Entwickeln und Scannen hast du ja schon gelernt, dass ein Bild ca. 1 € kostet und in einem Film hast du 36 Bilder (ich schaffe teilweise auch 38 …).

Inhaltsverzeichnis:

  1. Warum drei Sekunden vor dem Abdrücken alles verändern
  2. Die Drittel-Regel
  3. Vordergrund und Hintergrund
  4. Linien und Horizont
  5. Weniger ist mehr
  6. Fazit

1. Warum drei Sekunden vor dem Abdrücken alles verändern

Die Technik sollte jetzt passen. Du hast eine Kamera ausgewählt, einen Film ausgewählt und dich für eine App zum Lichtmessen entschieden. Du hast die App eingestellt und die Werte auf deine Kamera übertragen. Trotzdem solltest du dir am Anfang vor dem Abdrücken noch einmal ein paar Sekunden Zeit nehmen.

In der digitalen Fotografie hat sich leider der Satz „Spray and Pray“ durchgesetzt. Ich kenne viele, die sehr bewusst fotografieren und sich schon eher zurückhalten und trotzdem pro Motiv dann mehrere Belichtungen und Kompositionen machen. Man will ja schließlich auch üben.

Ich habe auch unzählige digitale Bilder gemacht, weil ich einfach sehen wollte, wie es aussieht. Dafür ist digital auch gut, da kann analog nicht mithalten. Aber sobald man die Bilder begrenzt, ist man oft viel wählerischer. Ist es das Foto jetzt wirklich wert? Ich denke, dass man über diese Reduktion über kurz oder lang besser wird. Verpasst man Bilder? Natürlich, ich verpasse aber auch digital Bilder. Man verpasst am laufenden Band Bilder. Mehr Bilder ist in unserer heutigen Zeit nicht mehr zielführend.

2. Die Drittel-Regel

Die einfachste Regel ist die Drittel-Regel. Das Raster kann man sich auf dem iPhone anzeigen lassen und digitale DSLMs können das natürlich auch. Bei der analogen Kamera muss man es sich vorstellen. Teilweise habe ich es schon gehört, dass sich Fotografen die Linien mit einem dünnen Stift direkt auf die Mattscheibe zeichnen. Muss man aber wollen. Die Drittel-Regel hilft einem dabei, das Subjekt aus der Mitte zu rücken und so das Bild spannender zu machen. Funktioniert fast immer, Ausnahmen können symmetrische Motive sein.

Fotografie Bildgestaltung: Drittel Regel
Hier habe ich bewusst die Speisekarte auf dem Tischgelassen. Die Rote Tasse ist mir minimal zu mittig, aber die rote Speisekarte gleicht es etwas aus.
Fotografie Bildgestaltung: Drittel Regel
Ich mag die Augen oberhalb der oberen Drittel Linie. Ich entscheide immer spontan wieviel Headroom ich den Personen gebe.
Fotografie Bildgestaltung: Drittel Regel
Hier habe ich den Kirchturm bewusst relativ weit oben gesetzt, so dass man noch etwas mehr von der geplasterten Straße sieht.
Fotografie Bildgestaltung: Drittel Regel
Mein Frau ist bewusst rechts platziert, weil die Sonne hier links ist. Das weiße Auto stört mich etwas, vielleicht hätte ich ein paar Schritte weiter nach links gehen müssen, aber so im schnellen Laufen ist das nicht immer möglich, wenn man das Bild nicht verpassen will.
Fotografie Bildgestaltung: Drittel Regel
hier habe ich dem Bild sehr viel Raum nach oben gelassen und den Horizont bewusst auf die untere Linie platziert. So kann das Münster nach Oben atmen.
Fotografie Bildgestaltung: Drittel Regel
Hier habe ich den Horizont bewusst etwas nach oben gesetzt, damit das Auge über die Felder wandern kann. Ich hätte noch einen Schritt nach rechts gehen soll, damit das Schild aus dem Bild ist.
Fotografie Bildgestaltung: Drittel Regel
Der Baum ist bewusst auf der linken Linie platziert. Die Sonne zieht den Blick natürlich auch stark nach links.

3. Vordergrund und Hintergrund

Einer der ersten Merksprüche in der Fotografie: „Vordergrund macht Bild gesund“. Kann funktionieren, muss aber nicht. Bei klassischen „gestellten“ Portraits verwende ich diesen Tipp nicht wirklich. Wenn ich Menschen in Bewegung oder Aktion fotografiere, schon eher. Landschaften können von etwas Unscharfem im Vordergrund auch profitieren. Das Bild wirkt nicht mehr ganz so platt.

Fotografie Bildgestaltung: Vordergrund
Hier habe ich gewartet bis ein Vogel genau an diesem Punkt ist. Den Brunnen habe ich mit Absicht reingenommen, weil ich es interessant fand. Ich muss aber sagen, dass man den Brunnen hier im Vordergrund nicht unbedingt braucht und eher sogar ablenkt.
Fotografie Bildgestaltung: Vordergrund
Hier gibt der Vordergrund dem Bild Tiefe und erzeugt auch Kontext. Man sieht, dass es sich um eine Interview Situation handelt.
Fotografie Bildgestaltung: Vordergrund
Vogelhaus auf dem Schnittpunkt der drittel Linien. Und noch etwas Gestrüpp im Vordergrund.
Fotografie Bildgestaltung: Drittel Regel
Hier habe ich bewusst den rechten Baum im Vordergrund etwas angeschnitten und den hellen Baum vor die rechte Drittel Linie gesetzt.

4. Linien und Horizont

Das kontrolliere ich am meisten, wenn ich vor dem Bild ein paar Sekunden anhalte. Die Drittel-Regel und die Vordergrund-Regel mache ich schon instinktiv. Beim Horizont muss ich aber immer extra nachkontrollieren. Mich selbst stören aber auch Bilder mit einem schiefen Horizont. Außer es sind wieder eher Bilder mit Schnappschuss-Charakter (kann gewollt oder ungewollt sein), hier kann ein schiefer Horizont auch die gewollte Dynamik bringen.

Fotografie Bildgestaltung: Drittel Regel
Der Gehweg mit dem Laub ist sehr mittig platziert und hier weiche ich bewusst von der Drittel-Regel ab.

5. Weniger ist mehr

Was ich bei vielen Anfängerbildern sehe, ist der fehlende Motivfokus. Ich spreche hier nicht von der Schärfe, sondern davon, was uns das Bild sagen will. Teilweise ist einfach viel zu viel im Bild. Hier hilft es, wenn man vor dem Fotografieren einfach noch eine Weile durch den Sucher schaut und das Bild erkundet. Also bewusst bestimmte Dinge in das Bild mit reinnehmen und andere Dinge rausnehmen. Das kann man über die Drittel-Regel machen oder über die Vordergrund-Regel. Manchmal muss man auch laufen oder in die Hocke gehen.

6. Fazit

Bildgestaltung ist kein Talent. Man wird mit der Zeit besser. Ich treffe natürlich nicht jedes Bild. Gerade bei der analogen Fotografie habe ich auch noch viel zu lernen. Aber ich weiß, dass ich mit dem bewussten Innehalten meine Bilder für mich besser machen kann.

Die Bildgestaltung ist der letzte Baustein in meinem System. Jetzt weiß ich, dass es nicht nur funktioniert (ich habe ein belichtetes Bild), sondern ich weiß, dass ich hier ein Bild gemacht habe, das Potenzial hat. Warum weiß man nicht, ob das Bild einem gefällt? Da muss ich sagen, dass ich das wirklich erst weiß, wenn ich das Bild sehe und dann weiß ich es oft auch noch nicht ganz genau. Teilweise funktionieren Bilder auf dem Monitor nicht und wenn man sie ausdruckt und in den Händen hält, dann ist man begeistert. Man lernt hier natürlich nicht aus und ich möchte natürlich die Anzahl der guten Bilder pro Rolle erhöhen. Das ist aber auch ein langer Prozess.

Genau darum geht es in EINFACH ANALOG: Kamera, Film, Belichtung, Labor und Bildgestaltung. Nicht nur so als einzelne lose Punkte sondern als ein System in der richtigen Reihenfolge, an das ich mich selbst halte, damit pro Film mehr Bilder werden, die sich nach etwas anfühlen.

Und wenn du merkst, dass dich das Thema wirklich packt: Nach „das Bild funktioniert und ist gut gestaltet“ kommt noch eine Stufe – das Licht. Licht sehen, Licht lesen, den Look bewusst formen. Das ist der Punkt, an dem aus soliden Bildern deine Bilder werden. Aber das ist ein eigenes, größeres Thema – dazu bald mehr.

Weitere Artikel zum Lesen

*es handelt sich um Fotokoch-, Amazon-, EBay-, SmallRig oder Thomann-Affiliate Links.
Das bedeutet, ich bekomme eine Miniprovision, wenn jemand etwas kauft,
das Produkt wird dadurch nicht teurer.

Josef Sälzle DIE LICHTFÄNGER

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über die Theorie des Filmemachens,
schaue mir die Technik an und gebe euch Tutorials zu unterschiedlichsten Themen.

Ich möchte betonen, dass meine Artikel kostenlos sind und ich auf meinem Blog ausschließlich
Werbung für meine eigenen Produkte mache. Wenn ihr mich und meinen kostenlosen Blog
unterstützen möchtet, kauft gerne meine Produkte.

Mit meiner Filmproduktion DIE LICHTFÄNGER mache ich Filme
für Unternehmen sowie für Selbstständige.
Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

Wenn euch der Artikel gefallen hat, dann abonniert doch einfach den RSS Feed