Blackmagic Pocket4K mit ProRes RAW

ProRes RAW für die Blackmagic Pocket 4K und DaVinci Resolve

Ein spontaner Blogartikel. Blackmagic hat diese Woche ein Update für Software DaVinci Resolve und ein Firmware Update für die Blackmagic Pocket 4K veröffentlicht.

Beides verwende ich seit Jahren.

Erstmal sind solche Updates natürlich nichts ungewöhnliches, aber bei ProRes RAW ist es schon etwas besonderes. Seit Jahren gibt es das RAW Format von ProRes und Resolve hat das Format einfach nicht unterstützt. REDRAW und ARRIRAW konnte man aber immer in Resolve verwenden, obwohl Blackmagic natürlich einen eigenen RAW-Codec BRAW hat. Man munkelt, dass es Unstimmigkeiten zwischen Atomos und Blackmagic gab, aber das sind soweit ich weiß, nur Gerüchte.

Nachdem jetzt Apple in den neuesten iPhone (iPhone 17Pro) ProRes RAW ermöglicht, veröffentlich Blackmagic das besagte Update für Resolve. Schon ein komischer Zufall *ZwinkerSmiley*

ProRes RAW in der Pocket4k

Ich habe ein paar Tests mit der Pocket4K gemacht und die unterschiedlichen Codecs und Komprimierungsvarianten mal wieder miteinander verglichen. Vor ein paar Jahren habe ich das ja schon mit CDNG, BRAW und ProRes gemacht.

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Weitere Informationen

Zum Verständnis

Um zu verstehen, warum dieses Update besonders bemerkenswert ist, ist ein Blick zurück nötig:

  • Apple entwickelte ProRes RAW gemeinsam mit Atomos. Atomos hatte Recorder, die über HDMI oder SDI Rohsignale externer Kameras aufzeichnen konnten und mit ProRes RAW arbeiten.

  • Viele Kameras haben mittlerweile RAW-Ausgabe, aber das vollständige Format ProRes RAW war lange eine Domäne von Apple + Atomos. Andere RAW-Formate wie CinemaDNG, RED RAW, ARRI RAW waren und sind etabliert, besonders in professionellen Produktionen. BRAW war Blackmagics eigenes komprimiertes RAW-Format, das seit Jahren für eigene Geräte und Workflows optimiert wird.

  • Blackmagic hat mit BRAW eine starke Stellung: hoher Dynamikumfang, gute Kompression, schneller Workflow in Resolve, Zugriff auf Features wie Highlight Recovery, Gyrodaten, etc. Das macht BRAW attraktiv. Daher bestand für Blackmagic wenig Anreiz, ProRes RAW zu ignorieren – aber auch Hemmnisse (Lizenz, Stand der Technik, strategische Überlegungen) dürften eine Rolle gespielt haben.

Der Streit: Atomos, Apple, Blackmagic & Lizenzen

Atomos war lange einer der wenigen Hersteller, die ProRes RAW in ihren Recordern unterstützt hat. Das hat die Position von Atomos gestärkt, weil man eben über HDMI oder SDI ein RAW Video Format bei Kameras, ohne internes RAW, aufnehmen konnte.

Wenn ein Hersteller intern komprimiertes RAW in der Kamera aufzeichnen will, kam sofort RED mit einer Klage um die Ecke. Das hat natürlich viel Innovation auch gebremst. Blackmagic hat das mit dem BRAW-Codec gelöst, weil teilweise das raw-Format schon in der Kamera debayered wird (so habe ich es zumindest verstanden).

Strategische Fragen für Blackmagic: BRAW ist ein wichtiger Teil von allen Blackmagic Kameras. Mittlerweile können die neueren Kameras auch überhaupt kein ProRes mehr aufnehmen, sondern setzen auf BRAW und H265 Proxies.
Wenn Blackmagic ProRes RAW stark unterstützen würde, könnte das BRAW in bestimmten Fällen ersetzen oder zumindest Konkurrenz sein. Manche Features, Performance oder die Kontrolle über Daten/Metadaten könnten dann schwieriger sein zu optimieren. Auch Fragen von Lizenzkosten gegenüber Apple vs. dem eigenen Entwicklungsaufwand spielen eine Rolle. Es geht nicht nur um Technik, sondern um Geschäftsmodell und Unabhängigkeit. Diese Gründe könnten erklären, warum Blackmagic bisher gezögert hat.

Was bringt das Update – und was sind die Grenzen?

Jetzt kam das Update 20.2 für Resolve und unterstützt nun ProRes Raw. Das heißt, dass man den RAW-Codec nicht mehr umständlich konvertieren muss, das spart Zeit.

Die Pocket 4K (mit Camera 9.8 Beta) bekommt intern ProRes RAW – das heißt, man kann direkt in der Kamera ohne externes Recording arbeiten. Man kann so unter Umständen besser das Material aus eine Pocket4k mit Sony oder Apple Material verschneiden, weil man bei allen mit dem gleichen Codec aufnehmen kann (Natürlich haben die unterschiedlichen Sensoren eine eigene Farbe, aber mit ColorChecker und etwas Übung sollte man das gut angleichen können).

Was gibt es dann für Probleme? 

ProRes RAW ist kein sparsamer Codec. Es gibt nur zwei Komprimierungsstufen und diese verbrauchen mehr Speicherplatz wie ein BRAW 12:1. 4K 50p kann dann ganz schnell mal zu einem Performance-Problem am Rechner führen.
Eine Minute ProRes RAW HQ sind ca. 8GB bei 25p und 4K DCI.

Wie bereits geschrieben und im Video erwähnt, hat man bei der Aufnahme mit ProRes RAW keine Highlight-Recovery und keine Gyro-Daten. Die Highlight-Recovery ist ein willkommenes Feature von BRAW bei den Kamera von Blackmagic und man kann hier teilweise ausgebrannte Lichter noch retten.

Das Update für die Pocket4K befindet sich noch im Beta-Stadium, das bedeutet, dass es zu Performance Problemen kommen kann.

Fazit

Im Video habe ich schon erklärt, warum mich ProRes RAW in der Pocket4K nicht wirklich umhaut. Die Highlight-Recovery und die Gyro-Daten im BRAW Codec sind schon enorm wichtige Features für mich.

Einen Test habe ich aber vergessen, ich habe alle meine Aufnahmen in 4K DCI gemacht. Ich möchte auch noch alles mit FullHD durchtesten. Bei BRAW croppt man ja hier auf den Sensor rein, da weiß ich nicht was bei ProRes RAW passiert. Eigentlich sollte ProRes RAW auch auf den Sensor reincroppen, aber getestet habe ich es nicht.
Das werde ich noch nachliefern.

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Josef Sälzle DIE LICHTFÄNGER

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