DLF 4 Tipps für einen besseren Ton

4 Tipps für einen besseren Ton bei der Videoaufnahme

In diesem Artikel gebe ich euch vier Tipps, wie ihr besseren Ton bei euren Filmaufnahmen aufzeichnen könnt. Einen schlechten Ton verzeiht man nämlich nicht so schnell, wie ein „schlechtes“ Bild. Konzentriert euch also nicht nur auf den visuellen Inhalt eines Films, der hörbare Inhalt eines Films ist genauso wichtig.

Inhaltverzeichnis:

  1. Interne Kameramikrofone könnt ihr fast vergessen
  2. Mikrofon näher an das Subjekt
  3. Mikrofonposition
  4. Mikrofoncharakteristik beachten
  5. Zusammenfassung

1. Interne Kameramikrofone könnt ihr fast vergessen

Mittlerweile haben die meisten Kameras ein eingebautes Mikrofon. Ich sage bewusst die meisten, weil meine Canon C300 von 2012 kein internes Mikrofon hatte. Viele Cinema Cameras haben auch erst in den letzten Jahren ein internes Mikrofon bekommen. Hier lagen die Prioritäten einfach anders. Bei einer Cinema Camera sind die meistens Hersteller davon ausgegangen, dass man mit einem Tonmenschen auf dem Set arbeitet. Mittlerweile sind aber deutlich mehr Filmemacher alleine unterwegs und müssen sich um alles kümmern. 

Auch wenn die meisten Kameras ein internes Mikrofon haben, heißt das nicht, dass man mit diesem auch guten Ton aufnehmen kann. Das interne Mikrofon reicht maximal für einen Sync-Track. Durch die Bauart ist es einfach sehr klein und klingt dementsprechend auch klein und eher blechern. Außerdem werden oft die Kamerabediengeräusche mit aufgezeichnet. 

Ich verwende das interne Mikrofon in der Regel als Sync-Track. Das bedeutet, dass ich die Tonspur der Kamera zum Synchronisieren mit der Tonspur des Fieldrecorders nehme. 

Wenn ihr einen etwas besseren Ton direkt in die Kamera haben wollt, dann könnt ihr euch ein externes Mikrofon für die Kamera holen. Hier gibt es unterschiedliche Hersteller, zum Beispiel Rode, Deity oder Sennheiser. Wenn ihr ein Mikrofon für die Kamera wollt, dann holt euch ein Shotgun-Mic. Auf die unterschiedlichen Mikrofon-Charakteristiken gehe ich in meinem Artikel: Filmen mit DSLR: Audio genauer ein. In diesem Artikel gebe ich aber einen groben Überblick. Ein Shotgun-Mic nimmt eher Geräusche von Vorne auf und vernachlässigt die Seiten. Vergesst aber nicht, dass Shotgun-Mics auch Geräusche von Hinten aufnehmen. 

Zusätzlich zum Mikrofon solltet ihr auch auf eine passende entkoppelte Mikrofonhalterung achten. Bei vielen Mikrofonen ist bereits eine entkoppelte Halterung im Lieferumfang enthalten. Man kann natürlich auch noch passende Halterungen nachkaufen. Die entkoppelte Halterung sorgt dafür, dass nicht jede Kamerabewegungen vom Mikrofon aufgenommen wird. Außerdem solltet ihr auch einen Windschutz für das Mikrofon haben. Durch den Windschutz (Deadcat) werden ungewollte leichte Windgeräusche herausgefiltert. Verlasst euch aber nicht komplett auf den normalen Windschutz (der meistens auch im Lieferumfang enthalten ist). Bei sehr starken Windstärken und Böen hilft der normale Windschutz auch nicht mehr. Hier braucht man dann meistens eher einen Windkorb.

2. Mikrofon näher an das Subjekt

Mit einem externen Mikrofon auf der Kamera kann man die technische Tonqualität schon deutlich verbessern. Man hat einfach weniger Störgeräusche im Signal. Wenn wir aber jetzt ein Interview von einer Person aufnehmen und die Kamera 2-3m entfernt von der Person steht, hört sich der Ton aber immer noch nicht klar an. Die Schallquelle ist einfach sehr weit entfernt und jetzt müsste man das Tonsignal verstärken (Tonpegel). Hier bekommt man das typische Rauschen im Ton, weil hier einfach nicht genügend Schallinformationen vorhanden sind. 

Wir müssen das Mikrofon näher an die Schallquelle bringen. Hier haben wir oft zwei Möglichkeiten. 

Tonangel verwenden

Mit einer Tonangel kommt man sehr nah an die Schallquelle heran. Das externe Mikrofon wird an der Angel befestigt und wenn es eine kabelgebundene Lösung ist, wird das Audiokabel dann entweder direkt in die Kamera eingesteckt oder in einen Fieldrecorder. Bei einer Funklösung muss natürlich der Audioempfänger auch mit der Kamera oder einem Fieldrecorder verbunden werden. Das Kabel, das dann evtl. auf dem Boden liegt, fällt dann weg. 

DLF 4 Tipps für einen besseren Ton

Ich arbeite eigentlich fast immer mit einer Tonangel, wenn ich Interviews aufzeichne. Auch, wenn ich alleine unterwegs bin. In der Regel hat man genug Zeit für den Aufbau des Interviews. Hier baue ich dann eben nicht nur die Kamera und das Licht auf, sondern zusätzlich noch ein Stativ (kann ein C-Stand sein) für die Angel. Achtet hier aber darauf, dass das Tonstativ genauso mit einem Sandsack gesichert ist, wie andere Lichtstative. Die Tonangel hat einen enormen Hebel und kann schnell mal ein Stativ umwerfen, wenn man sie verdreht. Ich verwende zusätzlich noch eine Tonangel-Halterung. Hier kann man die Tonangel bequem einhängen und muss sich keine abenteuerlichen Halterungen selbst bauen. 

DIE LICHTFÄNGER Bauvorhaben film Biberach

Die Angel platziere ich dann möglichst nah an der Person an der oberen Bildkante. Wenn man das Stativ mit der Angel sehr nah an der Kamera platziert, kann man die Höhe der Tonangel anpassen, während man das Bild im Auge behält. Natürlich solltet ihr darauf achte, dass die Angel möglichst nicht von der Keylight-Seite kommt (Schatten der Angel auf der Person). 

Lavaliermikrofon verwenden

Die zweite Möglichkeit, wie ihr das Mikrofon näher an die Person bekommt, ist, ein Ansteckmikrofon (Lavalier) zu verwenden. Das Ansteckmikrofon wird zum Beispiel am Kragen einer Person befestigt. Das Kabel, das zum Sender geht, könnt ihr unter der Kleidung legen. Beim Anbringen eines Ansteckmikrofons solltet ihr aber unbedingt auf mögliche Störgeräusche achten. Es darf keine Kleidung oder Haut am Mikrofon reiben, es entstehen sonst sehr starke Störgeräusche, die nicht mehr wirklich herausgefiltert werden können. 

Ein Mikrofon störungsfrei und unsichtbar bei einer Person anzubringen, ist eine Kunst für sich. Aus diesem Grund arbeite ich auch hier eher mit externen Tonmenschen zusammen. Die können das einfach. 

Wenn ich alleine arbeite und weiß, dass das Mikrofon im Bild sein darf, befestige ich das Ansteckmikrofon außen an der Kleidung und führe das Kabel dann unter der Kleidung zum Sender. Hier reibt aber dann keine Kleidung oder Haut am Mikrofon. Teilweise gibt es aber auch noch Störgeräusche durch das Kabel, hier also auch auf die Platzierung aufpassen. Am besten kontrolliert ihr den Ton vor der Aufnahme sehr genau. Der Interviewpartner soll dann ein paar Sätze sprechen und sich vor allem bewegen. Hier merkt ihr dann schnell, ob es Störgeräusche gibt. 

Der Anschaffungspreis von kabellosen Ansteckmikrofonen (Funkstrecke) ist mittlerweile auch nicht mehr so hoch. Für sehr hochwertige störungsfreie Systeme zahlt man natürlich immer noch. Es gibt aber bereits günstigere Systeme ab ca. 150€. Hier sollte man aber unbedingt immer den Ton konstant abhören (sollte man sowieso immer), da diese Systeme meistens auf den gleichen Frequenzen wie WiFi senden. In Bürogebäuden gibt es ja oft sehr viele WiFi-Sender, die das Tonsignal dann stören können. 

Wenn ihr euch auf einen störungsfreien Ton verlassen wollt, dann solltet ihr meiner Meinung nach eher eine kabelgebunden Tonangel (mit guten geschirmten Kabeln) verwenden oder direkt einen extra Person für den Ton dazubuchen. 

3. Mikrofonposition

Jetzt haben wir das Mikrofon näher an unser Subjekt bekommen, aber bei der Mikrofonpositionierung kann man auch noch einiges beachten. 

Generell kann man das Mikrofon über oder unter der Person positionieren, also praktisch an der oberen bzw. unteren Bildkante. Das gilt, wenn man mit einer Tonangel arbeitet. Hier kommt es immer etwas auf die Gegebenheit an. Wie wurde das Licht oder die Kamera positioniert? Welche Klangeigenschaften hat der Raum? Hat er besonders viel Hall oder ist er eher trocken. 

Draußen unter freiem Himmel kann es auch manchmal besser sein, wenn man mit dem Mikrofon von unten angelt und so die Stimme aufnimmt. Das Mikrofon ist dann auf den Himmel gerichtet, hier gibt es in der Regel keinen Hall. Natürlich zeichnet man Störgeräusche (Flugzeuge) auch wieder mehr auf. 

Generell sollte man mit dem Richtmikrofon auf der Angel auf den Mund des Interviewpartners zielen. Hier kommt es auch wieder auf das gewählte Setup an. Wenn unser Interviewpartner mit einer Person neben der Kamera spricht, muss man die Angel nicht wirklich nachjustieren. Wenn wir hingegen zwei Personen, die nebeneinander vor der Kamera stehen, filmen, muss man das Mikrofon auf den Sprechenden richten. Bei diesem Szenario sollte man auch eine extra Person für den Ton haben. Natürlich kann man hier auch mit Ansteckmikrofonen arbeiten. 

4. Mikrofoncharakteristik beachten

Schauen wir uns jetzt schnell noch die Mikrofoncharakterisik an. Jedes Mikrofon nimmt je nach Charakter unterschiedlich stark Geräusche von bestimmten Seiten auf. Ein Richtmikrofon nimmt wie oben bereits beschrieben Töne von vorne und von hinten auf und vernachlässigt eher die Seiten. Ein Kugelmikrofon nimmt deutlich mehr Geräusche von der Seite auf. Also zu allen Seiten gleich, wie bei einer Kugel. 

Jetzt kommt es immer etwas auf den Einsatzzweck an. Wenn ihr deutlich mehr mit einer Angel arbeiten wollt, empfiehlt sich eher ein Richtmikrofon zu verwenden. Wenn ihr sowieso nur mit Ansteckmikrofonen arbeiten wollt, dann gibt auch das Lavaliermikrofon die Charakteristik vor, weil die meisten Ansteckmikrofone eher eine Kugelcharakterisik haben. Bei einer Tonangel oder anderen externen Mikrofonen könnt ihr die Charakteristik deutlich besser durch die Wahl der Mikrofone steuern. 

5. Zusammenfassung

Mit diesen vier Tipps könnt ihr eure Tonaufnahmen deutlich verbessern. Ein externes Mikrofon ist bereits der erste Schritt für einen besseren Ton. Generell eine Empfehlung für ein konkretes Mikrofonsystem zu geben ist schwierig, weil die Anforderungen dann doch immer sehr unterschiedlich sind. 

Als Filmemacher würde ich mir wahrscheinlich eher eine Richtmikrofon mit Tonangel holen. Wenn ich Content Creator in einem Unternehmen wäre und Filme für SocialMedia erstellen soll, würde ich mir wahrscheinlich eher eine kabellose Funkstrecke holen. Die Teilnehmer können sich hier etwas freier bewegen und man muss nicht ganz so genau auf die Kopfbewegungen der Interviewpartner achten. Natürlich sollte es auch störungsfrei angebracht sein.

Welche Mikrofone verwende ich

Ich habe mittlerweile zwei Mikrofon-Setups für kleinere Drehs, bei denen ich keine zusätzliche Person für den Ton habe. Mit der Angel verwende ich ein RODE NTG-2 und als Funkstrecke verwende ich die RODE Wireless GO 2 mit den Ansteckmikrofonen von RODE. Andreas, mein Tonmann des Vertrauens, rümpft jetzt wahrscheinlich etwas die Nase. Aber oft reicht dieses Setups für kleinere Sachen vollkommen aus.

DLF 4 Tipps für einen besseren Ton

Mit dem NTG-2 bin ich nicht ganz so zufrieden, es klingt einfach nicht ganz so gut. Aber konzentriert euch hier eher auf eure Kernkompetenz, ich bin ja eher im Kamera- und Lichtdepartment unterwegs und buche mir Personen für den Ton dazu. 

*es handelt sich um Amazon-, EBay-, SmallRig oder Thomann-Affiliate Links.
Das bedeutet, ich bekomme eine Miniprovision, wenn jemand etwas kauft,
das Produkt wird dadurch nicht teurer.

die lichtfänger Josef Sälzle
Josef Sälzle // DIE LICHTFÄNGER Gründer und Filmemacher

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über Kamera– ,
Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
Mit meiner Filmproduktion DIE LICHTFÄNGER mache ich Filme für Unternehmen & andere Selbstständige. Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

Wenn euch der Artikel gefallen hat, dann abonniert doch einfach den RSS Feed

Wenn ihr den Blog unterstützen wollt, dann könnt ihr mir auch eine Spende machen. Mehr Infos gibt es hier: Jetzt den DIE LICHTFÄNGER BLOG unterstützen.