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Kamera zum Filmen

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2011 haben wir unsere Serie Filmen mit Spiegelreflex zum ersten Mal veröffentlicht und 2016 noch einmal überarbeitet. Im Artikel „Das Erbe der HDDSLR“ haben wir schon kurz ein paar Kamerasystem vorgestellt. In diesem Artikel wollen wir aber genauer auf die einzelnen Kamerasystem eingehen und herausarbeiten, welche Kamera man zum Filmen nehmen kann.

Aber es ist Zeit das Thema Filmen mit Spiegelreflex abzuändern auf „Welche Kamera brauche ich zum Filmen“. Damals war die DSLR fast die einzige bequeme (wer hat noch mit 35mm-Adapter gefilmt? Zum Glück ist diese Zeit vorbei) und kostengünstige Möglichkeit um cineastischere Bilder zu bekommen. Das soll nicht heißen, dass eine geringe Tiefenschärfe gleich alles cineastisch aussehen lässt, aber mit den größeren Sensoren kann man deutlich mehr mit unterschiedlichen Tiefenschärfen spielen.

Mittlerweile hat sich die Welt natürlich weitergedreht. Der Markt bietet für jeden Geschmack und jeden Filmstil etwas an und wir wollen euch in diesem Artikel die unterschiedlichen Systeme vorstellen und die Vor- und Nachteile erläutern. Der Artikel spiegelt unsere Meinung wieder und muss nicht für jeden Sinn machen. Wir haben mittlerweile mit fast allen Kamerasystem gearbeitet und basieren unsere Einschätzungen auf unseren Erfahrungen. 

Zur Übersicht gibt es hier erstmal das Inhaltsverzeichnis:
Smartphone
Kompaktkamera
DSLR
DSLM
Actionkamera
Camcorder
Cinecamcorder
Kinokamera
Welche Kamera zum Filmen?

Smartphone

Die Immerdabei-Kamera schlechthin. Jeder kann heute mit seinem Smartphone hochwertige Fotos und Videos aufnehmen.
Ihr kennt ja unseren Artikel zur iPhoneography. Die neuen Smartphones könnten Videos mit 4K Auflösungen und 30p aufnehmen und auch 1080p Filme mit einer 120p Slowmotion. Und die Bildfrequenzen werden immer höher werden, die Technik entwickelt sich stetig weiter. Mit dem Bildstabilisator bekommt man wackelfreie Aufnahmen. Ich habe kürzlich mit dem iPhone X von meinem Bruder ein paar Aufnahmen gemacht und war erstaunt wie gut der Bildstabilisator ist, es kam mir so vor, als wäre das Smartphone auf einem Gimbal. 

Ein Nachteil vom iPhone oder anderen Smartphones ist die Ergonomie beim Filmen. Man hält es wie einen Fotoapparat, nur hat man an den schmalen Gehäusen nicht viel Punkte zum Greifen und das Smartphone liegt nicht wirklich sicher in der Hand. Es gibt aber Cages für Smartphones, der bekannteste ist wohl der Beastgrip. Mit dem Beastgrip hat man dann auch die Möglichkeit ein Licht, oder eine Mikrofon mit dem Smartphone zu verwenden. Bei anderen Fotohüllen kann man auch eine Sicherheitsschlaufe für das Handgelenk anbringen und hat so eine zusätzliche Sicherheit, wenn das Smartphone mal aus der Hand rutscht. 

Es gibt auch immer mehr Hersteller von Objektiven für das Smartphone. Moment Lens aus den USA bieten fünf Linsen für Smartphones an. Kürzlich haben sie sogar eine anamorphe Linse für das Smartphone vorgestellt. Ich habe die Kickstarter-Kampagne unterstützt und kann euch im September mehr zur anamorphen Linsen von Moment schreiben. 

Für das Filmen mit dem Smartphone braucht man unbedingt eine Film-App, die einem mehr Einstellmöglichkeiten als die vorinstallierte App vom Hersteller gibt. Man sollte schon die Möglichkeit haben die Belichtungszeit, die ISO und den Weißabgleich manuell einstellen zu können.
Außerdem sollte man sich ein externes Mikro für das Smartphone zulegen, das interne Mikrofon von Smartphones ist meistens nicht so hochwertig und vor allem zu weit weg vom Subjekt. Für guten Ton sollte das Mikrofon so nah wie möglich sein. Man kann sich zum Beispiel von RODE das SmartLav holen.
Man kann auch Spielfilme mit dem Smartphone drehen wie Steven Soderbergh mit seinem Film Unsane bewiesen hat. Es gibt natürlich noch viel mehr Filme, die mit einem Smartphone gedreht wurden.
Man sollte sich aber immer die Frage stellen, ob einem das Smartphone deutliche Vorteile beim Dreh bringt oder ob man nur auf dem Smartphone drehen will, damit man auf einem Smartphone dreht. Wenn man sich natürlich keine teure Kamera leisten kann (weder kaufen noch leihen) und sowieso ein Smartphone hat, dann sollte man natürlich die Kamera verwenden, die man hat. 

Vorteile Smartphone
– immer verfügbar
– gute Bildqualität für Größe und Gewicht
– Leicht und handlich
– einfach zu bedienen

Nachteile Smartphone
– etwas fummelig, interner Akku
– weniger Einstellmöglichkeiten
– sehr kleiner Sensor
– Cage oder Rig nötig wenn man professioneller filmen will
– schlechter Ton, externes Mikrofon nötig
– Clips müssen über Kabel übertragen werden (außer bei MicroSD-Karte)

Beispiel
– iPhone X
– iPhone 7 und 8 und die Plus-Modelle
– Google Phone 

Kompaktkamera

Eine Zeit lang galten Kompaktkameras als eher uncool, jeder wollte eine DSLR haben, die fallenden Preise der DSLRs haben dann den Rest erledigt. Man bekommt für knapp 380€ schon eine Einsteiger DSLR mit Kitobjektiv, ob diese immer besser als eine Mittelklasse Kompaktkamera ist, sei mal dahin gestellt. 

Aber die Kompaktkameras sind nicht vom Markt verschwunden und haben meiner Meinung nach auch eine gute Nische als Reisekamera gefunden.
Ich möchte immer weniger eine DSLR auf Reisen mitnehmen. Bei einer DSLR braucht man eine extra Tasche für die Kamera und die ganzen Optiken, schließlich muss man ja auch 5 Objektive einpacken, um dann festzustellen dass man nur eine Festbrennweite die ganze Zeit verwendet. Aber das ist ein anderes Thema. Kompaktkameras sind klein und leicht und passen fast in jede Jackentasche. Viele Kompaktkameras decken einen guten Brennweitenbereich ab und haben auch manchmal Features wie interne ND-Filter. Die RX-Modelle von Sony waren lange Zeit durch Features wie Slowmotion, die angesprochenen internen ND-Filter und weitere Videofeatures, markbestimmend. Ein weitere Einsatzzweck für Kompaktkameras sind Unterwasseraufnahmen. Durch den relativ geringen Anschaffungspreis sowohl bei der Kamera  (ca. 1000€) und beim Unterwassergehäuse ca. 300€) bekommt man schon eine sehr gebrauchsfertige Lösung. Da die kleinen Kameras mittlerweile auch relativ lichtstark (mit hohen ISOs) sind, kann man sie gut unter Wasser verwenden. 

Vorteile Kompaktkamera
– klein, leicht und handlich
– hat man praktisch auch immer dabei
– neue Kameraperspektiven durch geringe Größe

Nachteile Kompaktkamera
– kleiner Sensor, daher nicht so lichtstark (hält sich aber in Grenzen)
– nicht unbedingt professionelle Codecs
– wenig Knöpfe auf dem Body, daher viel in den Menüs suchen

Beispiele 
– Sony RX100 Serie, ab Mark 3

DSLR

Der klassische Fotoapparat. Für viele professionelle Fotografen und Hobbyisten immer noch das Maß aller Dinge. Aber in den letzten Jahren hat die DSLR immer weniger Abnehmer gefunden. Du groß, zu schwer und oft auch zu teuer. Die spiegellosen Systemkameras sind auf dem Vormarsch und sind in vielen Hinsichten der klassischen DSLR überlegen. Gerade wenn man der Fokus auf Video liegt, hat die DSLR an sich keinen wirklichen Vorteil mehr. Der optische Sucher funktioniert im Videomodus nicht, die Akkulaufzeit ist auch nicht unbedingt besser als bei einer DSLM.
Canon verfolgt immer noch eine rückwärtsgerichtete Strategie und beschneiden ihre DSLR Modelle. Nikon schließt gerade auf und hat kürzlich zwei spiegellose Vollformatkameras (Z6/Z7) vorgestellt. Natürlich gibt es von Canon auch das spiegellose System Canon M, aber Sony ist hier im Moment noch Jahre voraus.
Sony gibt ihren Produkten viele Videofeatures wie Peaking, Slowmotion, 4K Aufzeichnung und mehr. Canon bietet einige Features erst im oberen Preissegment an und Peaking gab es noch nie in einer Canon DSLR. Hier hilft natürlich Magic Lantern.
Bei Fotos sieht es etwas besser für die DSLR aus, wenn man auf einen optischen Sucher und lange Akkulaufzeit Wert legt, dann führt fast noch kein Weg an der DSLR vorbei. Ich tue mir etwas schwer mit den elektronischen Suchern bei Fotos machen. Hier bleibe ich im Moment einfach noch lieber beim optischen Sucher, wobei ich sagen muss, dass Foto auch nicht unbedingt mein Fokus ist.
Beim Thema Autofokus bei Video führt Canon noch mit ihren DSLRs. Die 1DX Mark II hat den besten Autofocus in diesem Segment, aber Sony holt auf. Die 1DX kostet aber je nach Konkurrenzmodell das Doppelte oder Dreifache und bietet nicht unbedingt mehr Features oder eine bessere Bildqualität. 

Es klingt hart, aber im Moment würde ich keine DSLR zum Filmen empfehlen. 

Vorteile DSLR
– optischer Sucher für Foto (aber Geschmacksache)
– liegt gut in der Hand (auch eher ein Fotofeature)

Nachteile DSLR
– kein Fokus auf Videofeatures
– mechanischer Shutter (kann kaputt gehen, aber sehr selten)

Beispiele
– Canon 5D Mark 3
– Canon 5d Mark 4
– Canon 7D Mark 2
– Canon 1DX Mark 2

DSLM (Digital Single Lens Mirrorless)

Die DSLM ist auf dem Vormarsch und nicht erst seit gestern. Die großen Hersteller Canon und Nikon haben den Trend „spiegellose Kamera“ einfach verschlafen und hinken Sony und Panasonic weit hinterher. Der Spiegelmechanismus wird bei einer DSLM weggelassen und man hat dadurch einige Vorteile aber meiner Meinung nach auch Nachteile.
Zum einen kann man das Gehäuse deutlich kleiner bauen, weil ja viel Mechanik einfach wegfällt, man spart dadurch auch Gewicht. Für Personen mit großen Händen kann das kleinere Gehäuse auch ein Nachteil sein. Statt eines optischen Suchers hat man einen elektronischen Sucher und kann direkt die Belichtung des Bildes beurteilen. Hier scheiden sich auch gleich die Geister, ich persönlich fotografiere immer noch lieber mit einem optischen Sucher, ich komme irgendwie nicht wirklich mit dem digitalen Sucher beim Fotografieren zurecht, beim Filmen sieht es wieder anders aus.
Bei der Canon C300 habe ich oft nur den Sucher für die Bildgestaltung verwendet.
Durch das geringe Gewicht und die kleine Größe eignen sich DSLMs sehr gut zum Reisen. Wenn man eine MicroFourThirds Kamera hat, dann kann man auch problemlos mehrere Objektive mitnehmen und muss nicht fürchten zu viel Gewicht tragen zu müssen.
Die Bildqualität und die Features der DSLMs sind oft hervorragend. In der Regel hat fast jede DSLM Peaking, Zebras, oder andere Hilfsmittel zum Filmen.
Die DSLRs sind hier deutlich schlechter. Einige Kameras bieten auch LOG-Profile an und man kann somit noch mehr in der Postproduktion machen. Was mich bis jetzt immer an DSLMs stört ist oft die Bedienung, Panasonic und Sony schaffen es irgendwie nicht die Menüs der Kamera übersichtlich und nachvollziehbar zu gestalten. Oft frage ich mich auch noch nach Wochen warum ein bestimmtes Menüpunkt nicht an der anderen passenderen Stelle ist.

Blackmagic ist hier meiner Meinung nach eine Ausnahme. 

Man kann DSLMs auch riggen und somit auch größere Produktionen (bei denen auch mehr Personen an einer Kamera sind) machen. Natürlich ist es auch hier wie bei den DSLRs oft ein Gefrimmel und es funktioniert oft nicht so gut wie bei richtigen Cinemacamcordern oder Kinokameras.Gerade die internen ND-Filter fehlen den kleinen Systemkameras.
Ein weitere Vorteil der DSLMs ist der vergleichsweise günstige Preis. Man kann oft zwei oder drei Bodies kaufen und hat somit gleich eine A, B und C Kamera.
Für den gleichen Preis kann man oft nur einen Cinecamcorder kaufen. Als letztes muss man noch die freie Sensorwahl erwähnen, mittlerweile kann man DSLMs mit fast allen Sensorgrößen erwerben, von Super16 (BlackMagic Pocket), MicroFourThirds (GH4, GH5, GH5s), APS-C (Sony A6300 oder A6500) und Vollformat (Sony A7s). 

Vorteile DSLM
– kleine Größe
– geringes Gewicht
– viel Auswahl (Sensor, Videofeatures)

Nachteile DSLM
– oft umständliche Bedienung
– kleiner Body kann auch umständlich zum riggen sein

Beispiel
– GH5 + GH5S
– Blackmagic Pocket
– Blackmagic Pocket 4K
– Blackmagic Micro
– Sony Alpha 7

Actionkamera

Mittlerweile ist auch die GoPro nicht mehr die einzige brauchbare Actionkamera. Aber wir müssen sagen, dass uns die neueste GoPro immer noch am besten im Vergleich zu Konkurrenz gefällt. Aber mit dem Einzug der DSLM hat man nun auch die Möglichkeit Fisheyeoptiken auf sehr kleinen Kameras zu verwenden.
Der Vorteil von einer Actionkamera ist natürlich das Gehäuse, das geringe Gewicht sowie die kleine Größe. In der Regel werden die Actionkameras mit einem Outdoorgehäuse ausgeliefert.
Diese schützt vor Staub, Dreck und Wasser. Viele Actionkameras sind bis zu 60m wasserdicht, mehr als 10m werden eher weniger Leute brauchen. Es gibt aber auch Kompaktkameras, die diese Vorteile bringen. Die Actionkameras (vor allem die GoPro) sind aber meiner Meinung nach einfacher zu bedienen, es gibt meistens nicht so viele Einstellungsmöglichkeiten und den Fokus muss man in der Regel auch nicht anpassen. Die neueren GoPro-Modelle können auch über Sprache gesteuert werden, wir haben dieses Feature aber noch nicht wirklich gebraucht. 

Vorteile Actionkamera
– Klein und Handlich
– Wasserdicht und stosssicher mit Gehäuse
– Slowmotion

Nachteile Actionkamera
– oft kurze Akkulaufzeit
– festes Objektiv 

Beispiele
– GoPro 5
– GoPro 6
– Z-Cam 

Camcorder

Der gute alte Henkelmann fristet mittlerweile ein eher ungeliebtes Dasein. Klar es gibt immer noch eine Zielgruppe. Bei Sportevents oder ENG (Electronic News Gathering) macht der Formfaktor und ein festverbautes Servozoom Sinn, aber man hat durch die kleineren Sensoren einfach weniger kreativen Spielraum. Außerdem sieht das Material leider oft immer noch sehr nach Video aus. Für uns machen die Henkelmänner einfach keinen Sinn mehr. Im Skateboardbereich würde ich glaub immer noch mit einem kleinen Henkelmann arbeiten, da man direkt einen Griff und guten Autofokus hat, aber die GH5 ist hier mit Cage und nativem Objektiv ähnlich gut und deutlich leichter. 

Vorteile Camcorder
– hoher Brennweitenbereich
– kompakt (je nach Modell)
– All-In-One-Paket

Nachteile Camcorder
– Nicht immer lichtstark
– Videolook

Beispiele Camcorder
– Panasonic AG-DVX200
– Panasonic HC-X1000
– Canon XF400

Cinecamcorder

Die Cinecamcorder kamen kurz nach dem „Filmen mit DSLR-Boom“. Die Hersteller haben gemerkt, dass Video-DSLRs eine Marklücke sind, aber viele Nachteile mit sich bringen. Interne ND-Filter, Peaking, Zebras oder andere Belichtungshilfen wie Waveform konnten die DSLRs nicht bieten. Außerdem gab es keine vernünftigen hochwertigen Codecs. Mittlerweile bekommen die Cinecamcorder auch mehr Features aus dem Camcorderbereich. Der Autofokus war bei der ersten C300 noch sehr rudimentär. Die C300 Mark 2 hat jetzt fast den besten Autofokus auf dem Markt. Bei einem Cinecamcorder bekommt man also alle Vorteile von einem Camcorder und alle Vorteile von einer DSLR. Der Preis ist hier natürlich etwas höher. Cinecamcorder bieten aber meiner Meinung nach derzeit den optimalen Mix aus cineastischen Bildern und guten Features, man kann die Cinemacamorder bei Werbefilm, Imagefilmen oder auch bei Kurzfilmen oder Kinofilmen einsetzen und die Kamera je nach Einsatzort komplett riggen (Schulterrig, Mattebox, Followfocus) oder nur den Body mit einem Objektiv verwenden (Run N Gun Style).
Die C200 bietet zum Beispiel sehr gute Features ohne zusätzliche Recorder, da intern direkt der RAW-Light Codec über CFAST Karten zur Verfügung steht. 

Vorteile Cinecamcorder
– großer Sensor
– sehr lichtstark über ISO
– guter Formfaktor
– All-In-One-Paket

Nachteile Cinecamcorder
– etwas höherer Anschaffungspreis
– manchmal etwas beschnittene Codecs (MP4 der C200)

Beispiele Cinemacamcorder
– Sony FS System (Sony FS5, FS7, FS700)
– Canon C-Serie (Canon C100, Canon C300, Canon C500)
– C700 ist schon eher Kinokamera, hat aber auch Vorteile von Cinecamcorder
– Panasonic EVA-1

Kinokamera

Für die meisten Filmen ist eine RED Weapon oder ARRI Alexa Mini wahrscheinlich das Non-Plus-Ultra. Die meisten Kinofilme werden ja mit diesen Kameras gefilmt und die Filme sehen ja meistens hervorragend aus. Ein gutes Bild entsteht aber nicht nur in der Kamera, alle anderen Gewerke wie Kostüm, Maske, Requisiten, Set, Objektivwahl, ColorGrading etc. tragen zum Gesamtkunstwerk bei. Trotzdem gehen die meisten immer noch davon aus, dass die Kamera alleine für das Bild verantwortlich ist. Aber dieser Artikel soll ja keine Grundsatzfrage beantworten.
Kinokameras liefern in der Regel die beste Bildqualität. Ich rede nicht allein von den gefilmten Megapixeln. Die Dynamik, der Codec und der Postproduktionsworkflow kommen auch noch hinzu, aber auch die Punkte Verlässlichkeit, Verfügbarkeit und Service.
Bei den Kinokameras sind in der Regel alle Punkte auf einem sehr hohen Niveau. Natürlich liefern mittlerweile auch deutlich günstigere Kameras exzellente Bilder, aber wie sieht es bei den kleinere DSLRs oder DSLMs mit der Verlässlichkeit aus? Einer Alexa wird nachgesagt unverwüstlich zu sein und es gibt auch Sets auf denen die Alexa mehrere Meter auf den Boden gefallen ist und trotzdem ohne Probleme weiter funktioniert. Bei anderen Kameras wäre ich mir da nicht so sicher. Der Servicegedanke ist auch wichtig, repariert der Hersteller meine Kamera überhaupt oder empfiehlt er mir nach 2 Jahren das neuere Modell zu kaufen. Natürlich liegt der Anschaffungspreis einer Kinokamera deutlich höher, aber gerade in unserer Wegwerfgesellschaft ist die Reparierbarkeit für mich ein wichtiger Punkt. 

Der Wiederverkaufswert ist natürlich auch ein Punkt, eine gebrauchte Alexa Classic kostet auf dem Gebrauchtmarkt meistens immer noch mehr als 8000€, obwohl diese Kamera bereits mehr als 8 Jahre alt ist. 

Vorteile Kinokamera
– gute Bildqualität
– etablierter Workflow
– standardisierter Zubehör einfach anbringbar
– Preisstabilität
– hochwertige Verarbeitung (stabiler Body)

Nachteile Kinokamera
– sehr hoher Anschaffungspreis
– je nach Modell deutlich größere Body als zum Beispiel DSLM
– kein Autofokus (aber bei großen Produktionen auch nicht so wichtig)
– nicht so lichtstark über ISO (wird aber immer besser, siehe RED Gemini)

Beispiele
– Arri Alexa
– Arri Alexa Mini
– Red Weapon
– Kinefinity Terra 4K
– Blackmagic Ursa Mini Pro

Wenn man den Entschluss gefasst hat sich eine ARRI Alexa oder eine RED Weapon zuzulegen, dann muss man schon sehr tief in die Tasche greifen. Ein Einstieg in das jeweilige System kann schnell ca. 30000€ kosten. Diese Investition muss sich natürlich auch erstmal amortisieren. Viele Kameramänner leihen daher Kinokameras. Man hat hier den Vorteil, dass man alle Vorteile einer Kinokamera bekommt und auf den hohen Anschaffungspreis verzichten kann. Den Mietpreis kann man in seinen Tagessatz einberechnen. Natürlich kommt es immer auf den eigenen Standort an. Wenn man wie ich genau zwischen München und Stuttgart ist, dann kommt nicht so schnell und spontan an eine Alexa, man muss immer die Fahrt nach München oder Stuttgart einplanen oder auf einen Versandverleih zurückgreifen. Die Flexibilität leidet etwas, wenn man nur mit Leihgeräten arbeitet. Aber in der Regel kann man ja seine Drehs genau planen und somit auch den Equipmenteinsatz. 

Es gibt aber auch ein paar neue Kinokameras auf dem Markt, die um ein vielfaches billiger als RED oder ARRI sind. Blackmagic hat mit der URSA Mini Pro eine Kinokamera mit einer super Bildqualität und anderen Features im Produktsortiment. Kinefinity startet gerade mit der Terra 4K und der Mavo.
Bei den genannten Marken hat man aber noch keine „Langzeit Studien“. ARRI und RED sind seit Jahren etabliert und man weiß was man bekommt. Blackmagic hat am Anfang eher durch lange Lieferzeiten potentielle Käufer abgeschreckt. RED musste sich die Stellung im Markt aber auch erst erarbeiten und die erste RED One galt als eher unzuverlässig. Sie war aber deutlich billiger als die Konkurrenz.
Aber heute ist es viel einfacher eine günstige Kinokamera zu besitzen und alle Produktionen (selbst Kindervideos :-D) mit dieser Kamera zu machen. 

Welche Kamera jetzt zum Filmen?

Kommen wir zu Eingangsfrage. Welche Kamera soll ich mir jetzt zum Filmen kaufen?
Kommt auf den Einsatzbereich an, ich würde für den Start eine DSLM empfehlen. Hier bekommt man bereits enorm viel Ausstattung für vergleichsweise wenig Investment. Natürlich darf man die unterschiedlichen Optiken nicht vergessen, die man evtl. brauchen könnte. Derzeit ist die GH5 oder GH5s sehr aktuell. Wenn man mehr Videofeatures (im Sensor) haben will, der sollte zur GH5s greifen.
Wenn man einen etwas größeren Sensor haben möchte und weniger ausgeben will, der kann getrost zur Sony A6500 oder dem Vorgänger A6300 greifen (oder man kauft einen Speedbooster für die GH5). Die Sonys sind klein Kameras mit einer sehr guten Bildqualität und auch die Möglichkeit 100p Slowmotion (mit Crop) aufzunehmen.
Wenn man noch bis zum 3. Quartal 2018 wartet dann die Blackmagic Pocket 4K kaufen. Die Blackmagic Pocket 4K wird meiner Meinung nach an den Erfolg der ersten Blackmagic Pocket anknüpfen. Das Paket von Blackmagic passt einfach und der fehlende Autofokus stört meiner Meinung nach nicht. Dafür bekommt man 4K 50p in RAW, ProRes und zusätzlich noch das Schnitt und ColorGrading Programm DaVinci Resolve.
Canon DSLR im dreistelligen Bereich würde ich nicht mehr empfehlen, Videoqualität in 1080p ist einfach nicht mehr zeitgemäß.
Die 5D MK4 ist ähnlich gut wie die 1DX MK2, ein paar Aufnahmeformate stehen aber nicht zur Verfügung. Wer viel Fotos macht, der sollte sich meiner Meinung nach die 5D MK4 anschauen. Wer mehr basteln will dann eine 5D MK3 mit Magic Lantern.
Wenn man von einer DSLR oder DSLM upgraden will und mehr Videofeatures braucht, dann sollte man zum  Cinecamcorder greifen, man bekommt Autofokus, Interne NDs, in der Regel besserer Codecs und einen guten Formfaktor. Im Moment würde ich wahrscheinlich zur Sony FS5 (mit Odyssey Recorder) oder zur Canon C200 greifen.
Kinokamera wenn man hochwertig produzieren will, nicht nur corporate sondern eher auch szenisch. Über Leihmöglichkeit nachdenken, A Kamera leihen und B-Kamera besitzen.