die lichtfänger FollowFocus

FollowFocus – Warum man einen Follow Focus beim Filmen braucht

Heute stelle ich euch ein wichtiges Tool für Kameramänner und Kameraassistenten (Fokus-Puller) vor, den Follow Focus. Ein Follow Focus ermöglicht die präzise Einstellung der Schärfe und genaues Nachziehen des Schärfepunkts beim Filmen. 

Aber warum braucht man überhaupt einen Follow Focus? Viele Kameras zum Filmen haben ja einen internen Autofokus und mit dem 3D-Fokus von DJI gibt es eine externe Lösung für Autofokus. In diesem Artikel erkläre ich euch, warum der Follow Focus immer noch verwendet wird und stelle euch einige Modelle in unterschiedlichen Preissegmenten vor. 

Inhaltsverzeichnis:

Einführung

In meinem Eröffnungsstatement habe ich ja den Follow Focus etwas in Frage gestellt. Viele Kameras haben ja einen Autofokus. Wer meinen Blog kennt, weiß ja was ich von vielen Autofokus-Systemen halte. In den nächsten Abschnitten erkläre ich euch, warum ihr euch nicht unbedingt auf den Autofokus beim Filmen verlassen könnt. 

Autofokus im Wandel der Zeit

Der Autofokus ist an sich eine recht neue Erfindung. Zunächst wurde er bei vielen Camcordern und anderen Klein-Sensor-Kameras eingesetzt. Bei den Kino-Kameras gab es ihn aber in der Regel nicht. Hier hat man alles manuell gemacht. Die Amateure waren es aber meistens gewohnt, sich auf den Autofokus zu verlassen. 

DSLR-Revolution ohne Autofokus

Im Zuge der DSLR-Revolution ist der Autofokus dann zunächst komplett verschwunden. Bei den ersten DSLRs musste man immer manuell Fokussieren. Man konnte zwar mit einem Knopf einen Punkt automatisch scharf stellen lassen, aber die Schärfe wurde dann nicht mehr verändert (kein Continuous Autofokus). Gerade wenn man mit einer geringen Tiefenschärfe arbeitet, bringt einem diese sogenannte Push-to-Auto-Funktion fast nichts mehr. Hier wurden viele neue Filmemacher erst einmal aus der Bahn geworfen, weil man plötzlich alles von Hand scharf stellen musste. Schnell hat man gelernt, warum es bei professionellen Filmsets mehrere Leute an der Kamera gibt. 

Die neueren DSLRs und DSLMs haben einen durchgehenden Autofokus, der auch sehr gut funktioniert. Die neuen Kameras von RED (KOMODO, V-RAPTOR) haben Dank RF-Mount von Canon jetzt auch einen kontinuierlichen Autofokus. Manchmal sollte man aber trotzdem die Schärfe noch von Hand machen. 

Autofokus nicht verlässlich

Bei bestimmten Szenarien kann ein Autofokus die Arbeit deutlich leichter machen. Unter Umständen kann es aber zu vielen Aussetzern beim Fokussieren kommen. Oft müssen dann bestimmte Aufnahmen öfters wiederholt werden. Mir ist es schon passiert, dass der Autofokus bei sehr einfachen Kamerabewegungen (z. B. Dolly In) den Fokus verliert und plötzlich auf den Hintergrund fokussiert. So musste diese Aufnahme 3-4x wiederholt werden. Bei kleineren Sets kann dies noch lustig sein, aber sobald die Zeit oder der Kunde drängt, muss der Fokus immer sitzen. 

Daher kann man sich als Kameramann und Filmemacher nicht 100% auf den Autofokus verlassen. Hier kommt der Follow Focus zum Einsatz.

die lichtfänger follow focus vergleich

Follow Focus – Funktionsweise und Verwendung

Die Funktionsweise eines Follow Focus (Schärfezieheinrichtung) ist einfach: über Zahnräder wird die Schärfeneinstellung vom Objektiv entkoppelt und umgelenkt. Man muss also nicht mehr direkt das Objektiv beim Scharfstellen anfassen und somit Erschütterungen riskieren. Am Fokusrad kann man nun die Schärfe präzise einstellen und auch nachführen. Die Objektive müssen natürlich speziell für einen Follow Focus vorbereitet sein. Hier kommen die Zahnkränze (Gears), die man von Cinema-Optiken kennt, zum Einsatz. Cinema-Optiken haben diese Gears schon fest installiert, bei anderen Objektiven zum Filmen muss man diese Gears erst nachrüsten. 

MarkingDisc

Ein Follow Focus hat noch einen weiteren Vorteil. Auf der sogenannten MarkingDisc (weiße Scheibe) kann man sich bestimmte Schärfepunkt oder die Entfernnungsskala anzeichnen. Somit weiß man, bei welchem Bereich auf der Disk der entsprechende Bildbereich scharf ist. Gerade beim szenischen Arbeiten geht man oft so vor. Bei professionellen Systemen kann man auch die MarkingDisc wechseln und hat dann für jede Optik eine separate MarkingDisc. 

die lichtfänger FollowFocus
die lichtfänger FollowFocus
Follow Focus auf der linken oder rechten Seite

Viele Follow Focus-Systeme können rechts oder links an der Kamera angebracht werden. Wenn der Follow Focus auf der linken Seite angebracht wird, dann zieht der Kameramann meistens selber die Schärfe. Wenn der Follow Focus rechts angebracht wird, dann arbeitet man meistens mit einem Focus Puller, der auf der rechten Seite des Kameramanns steht (daher sind bei vielen CineOptiken die Entfernungsmarkierungen auf der rechten oder beiden Seiten der Optik). 

die lichtfänger FollowFocus
Drehrichtung des Follow Focus

Bei einigen Herstellern kann auch die Richtung des Follow Focus verändert werden. Man darf nicht vergessen, dass Objektive in unterschiedliche Richtungen von Nah auf Unendlich fokussieren können. Canon- und Nikonobjektive haben genau entgegen gesetzte Nah- und Unendlichgrenzen am Objektiv. Wenn man also bei einem Canonobjektiv auf Unendlich fokussiert, stellt man bei einem Nikonobjektiv die Schärfe mit der gleichen Drehbewegung auf Nah. Daher sollte man, wenn möglich ein einheitliches Objektiv-Set verwenden. Wenn man also unterschiedliche Optiken verwendet, sollte man über einen Reversible Follow Focus nachdenken. 

Drahtloser oder mechanischer Follow Focus

Zu Beginn meiner Karriere habe ich in der Regel noch mit mechanischen Follow-Focus-Systemen gearbeitet. Mittlerweile sind elektronische drahtlose System eher der Standard. 

Die Unterscheidung zwischen drahtloser und mechanisch ist nicht ganz korrekt, weil bei einem drahtlosen Follow Focus die Optik meistens auch noch mechanisch über einen kleinen Motor gesteuert wird. 

Ich schreibe hier auch bewusst „meistens“, weil es mittlerweile auch rein elektronische Linsen gibt, die auch über einen Follow Focus gesteuert werden können. Der DJI Ronin RS2 unterstützt zum Beispiel diese „Focus-by-Wire“-Optiken. 

Die Systeme sind aber drahtlos. Das heißt, dass der Kameraassistent nicht neben der Kamera stehen muss, um die Schärfe zu ziehen. Meistens hat er/sie einen eigenen Monitor auf einem Stativ und zieht die Schärfe über diesen Monitor. 

Mit einem drahtlosen System kann man die Kamera deutlich freier bewegen. Gerade bei sehr schnellen Szenen (Personen rennen, oder Kamera bewegt sich schnell), müssen nicht zwei Leute neben der Kamera herlaufen. Die Kamera kann sich frei bewegen und der Focus Puller zieht laufend die Schärfe. 

die lichtfänger Tilta Nucleus N

Unterschiedliche Anschaffungskosten

Nun zu den Anschaffungskosten. Wie bei allem Zubehör für Kameras gibt es sehr günstige Systeme ab 50€. Die günstigeren Modelle reagieren bei weitem nicht so präzise wie die teureren Vertreter (oft wird hier vom Backlash gesprochen). Die Zahnräder haben einfach etwas Spiel und reagieren nicht sofort auf die Bewegung am Fokusrad. Das mag vielen Leute egal sein, bei einer höheren Brennweite (und großer Blende), muss man die Schärfe aber sehr genau einstellen. Ungenauigkeiten in der Schärfe sieht man mit diesen günstigen System sofort. 

Kleines Budget (50€ – 150€)

Wenn man nur wenig Budget für eine Follow Focus hat, dann würde ich generell eher zu einem mechanischen System raten (für den Preis bekommt man aber auch selten ein kabelloses System). Ein mechanischer Follow Focus funktioniert immer und so werdet ihr nicht durch leere Batterien oder ähnliches überrascht. 

Besonders am Anfang der Filmemacher-Karriere kann man sich keine größeren Systeme leisten. Meist dreht man auch noch mit Fotooptiken und hier würde ich generell immer einen Follow Focus empfehlen. 

Falls man hingegen mit Vintage-Linsen (alte Fotolinsen) arbeitet, dann würde ich nicht unbedingt einen Follow Focus empfehlen. Hier fahrt ihr oft besser, wenn ihr direkt über die Optik fokussiert. Vintage-Linsen haben auch einen längeren Fokusweg, also die neueren AF-Fotooptiken. 

Für 100€ bekommt man schon den Mini Follow Focus von SmallRig (Link zu SmallRig). Dieser hat zum Beispiel verstellbare Hard-Stops für Autofokus-Linsen, natürlich kann man manuelle Linsen auch mit dem Follow Focus verwenden. Man kann in auf zwei Arten montieren und somit die Drehrichtung verändern. Man kann in auch mit Standard-Fokuspeitschen verwenden. Auf der SmallRig Seite steht auch, dass eine Fokus-Peitsche inklusive ist, aber beim Lieferumfang wird die Fokus-Peitsche dann nicht aufgeführt. Ich denke, dass es sich hier um eine falsche Übersetzung handelt. Tilta hat für 110€ auch einen Mini Follow Focus (Amazon-Link) im Angebot. Beide Modelle haben ein ähnliches Design. 

Problem bei diesen günstigen Follow-Focus-Systemen ist für mich immer die Montage über nur ein 15mm Rod. Der Fokus kann so mit leicht abrutschen. Ich bevorzuge immer eine Montage über beide 15mm Rods. 

Mittleres Budget (200€ – 1000€)

Im mittleren Budget könnt ihr schon auf kabellose System wechseln oder bekommt auch schon einen hochwertigeren mechanischen Follow Focus. 

Als kabelloses System kann ich euch den Nucleus-N (Amazon-Link) empfehlen. Hier bekommt ihr für 300€ ein Fokusmotor und eine einfache Handeinheit. Mit der Handeinheit könnt ihr den Motor steuern und mit dem richtigen Kabel auch die Kamera auslösen. In diesem Artikel stelle ich euch den Nucleus-N näher vor. 

die lichtfänger Tilta Nucleus N

Es ist auch immer die Frage, ob ihr wirklich ein kabelloses System braucht. Gerade, wenn man nur allein arbeitet und keinen Focus Puller hat. Hier bietet sich meiner Meinung nach eher ein mechanischer Follow Focus an. 

Wenn man natürlich für die Zukunft plant und direkt ein kabelloses System haben will, dann kann man sich direkt auch eines kaufen. Investiert dann aber noch in eine kabellose Videofunkstrecke. Es bringt euch nichts, wenn der Focus Puller die ganze Zeit neben der Kamera stehen muss, um in den Monitor der Kamera zu schauen. 

Ein mechanischer Follow Fokus im mittleren Budgetsegment ist der Z-Drive von Zacuto. Durch die Krümmung lässt sich der Follow-Focus gleichzeitig auch als Handgriff verwenden. Für kleine Fokusbewegungen, oder, wenn man mit einem AF-Objektiv arbeitet, kann dieses Design sinnvoll sein. Bei Cinelinsen muss man aber sehr viel Drehen und verwackelt dann unter Umständen die Kamera. Der Z-Drive wird auch nur über ein Rod befestigt. 

Schaut euch auch mal den Follow Focus von Manfrotto (MVA511FF – Amazon Link) oder den Follow Focus (FF-T03 – Amazon-Link) von Tilta an. 

Hohes Budget (1000€ – 10000€)

Natürlich gibt es beim Preis nach Oben kein Limit. Aber oft bekommt man auch einfach solide Technik für sein Geld. In diesem Budgetbereich leiht man sich die Technik natürlich auch oft. In meinem Artikel Kaufen vs. Leihen gehe ich näher auf diese Thema ein. 

Bezahlbar ist aber zum Beispiel das Nucleus-M-System (Amazon-Link) von Tilta. Hier bekommt hier je nach Kit, eine HandUnit, zwei Handgriffe, zwei Motoren und Kabel. Natürlich könnt ihr auch ein kleineres Kit nehmen und erst mit einem Handgriff und einem Motor starten. 

Ich schreibe bewusst Handgriff, weil die Handunit meiner Meinung nach nur in Kombination mit einer Videofunkstrecke sinnvoll ist. Ihr habt sonst wieder das Problem, dass ihr euch als Kamera nicht wirklich frei bewegen könnt, weil ja der Focus Puller auch noch euer Bild sehen muss. 

Bei den mechanischen Follow-Focus-Systemen bekommt ihr auch wirklich solide Technik. Mit dem FF-5 von ARRI habt bekommt ihr einen zweiseitigen Follow Focus, der präzise auf kleinste Bewegungen reagiert (im kleinen und mittleren Budget ist dies oft nicht der Fall).

Wenn ihr natürlich selbst Focus Puller werden wollt, dann ist es durchaus sinnvoll in ein solides System zu investieren, dass auch noch standardmässig in der Branche verwende wird. Das ist die WCU-4 oder die neue Hi-5 von ARRI. 

DLF Follow Focus Arri WCU4

Welchen Follow Focus soll ich kaufen?

Kommen wir zur Fragen, welchen Follow Focus ihr euch kaufen sollt.

Wenn ihr gerade am Anfang seid und erst einmal in die Technik reinwachsen wollt, würde ich euch den Mini Follow Focus von SmallRig (Link zu SmallRig) empfehlen. Ihr könnt bei diesem kleinen Follow Focus auch die Zahnräder tauschen und ihn so an eure Objektive anpassen. Autofokusobjektive haben oft einen größeren Durchmesser und kurzen Fokusweg. Hier empfiehlt sich ein kleineres Zahnrad.  

Ich empfehle hier am Anfang bewusst nicht den Nucleus-N, weil man die Vorteile eines kabellosen Follow Focus einfach nicht nutzen kann. Man hat aber die Nachteile: leere Batterien, Linsentausch dauert länger (Fokusmotor muss immer neu kalibriert werden), Übertragungsprobleme. 

Ich sehe sehr oft Kameraleute, die einen Nucleus-N am Rig befestigen und ihn nie abnehmen. 

Ich persönlich bin ja bei vielen kleineren Drehs komplett ohne Follow Focus unterwegs. Vor ein paar Jahren habe ich immer einen mechanischen Follow Focus verwenden. Aber mittlerweile bin ich auch sehr präzise mit der Hand am Objektiv. Die älteren Zeiss-Linsen bieten sich hier auch an. Weil der Fokusweg nicht so lang ist, wie bei Cinelinsen und nicht so kurz wie bei AF-Objektiven. 

Wenn ihr vielleicht so wie ich schon ein paar Jahre Erfahrung habt und in ein besseres System investieren wollt, dann holt euch das Tilta Nucleus-M System (Amazon-Link). Denkt aber direkt noch an eine Videofunkstrecke. Die Videofunkstrecke sollte auch ohne große Latenz das Bild übertragen. 

Zusammenfassung

Es gibt unterschiedliche Systeme in unterschiedlichen Preissegmenten – was für eine Erkenntnis. Eigentlich sollte die Überschrift des Artikel heißen: Warum man einen Follow Focus beim Filmen braucht und warum man keinen Follow Focus braucht. 

Ihr müsst mal wieder auf eure eigene Arbeitsweise achten und viel ausprobieren. Zieht doch einfach eine Weile mal die Schärfe nur über die Optik (wenn ihr eine alte Fotooptik habt). Wie oft liegt ihr daneben? 

Dann holt euch mal den günstigen Follow Focus von SmallRig oder Tilta. Natürlich braucht ihr dann auch wieder Zubehör (Cage). Das Zubehör werdet ihr aber wahrscheinlich so brauchen. 

Eins gilt aber, nur weil ihr einen Follow Focus (egal ob wireless oder rein mechanische) verwendet, sehr ihr nicht professioneller aus. Dafür ist die Mattebox da. 

*es handelt sich um Amazon-, EBay-, SmallRig oder Thomann-Affiliate Links.
Das bedeutet, ich bekomme eine Miniprovision, wenn jemand etwas kauft,
das Produkt wird dadurch nicht teurer.

die lichtfänger Josef Sälzle
Josef Sälzle // DIE LICHTFÄNGER Gründer und Filmemacher

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über Kamera– ,
Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
Mit meiner Filmproduktion DIE LICHTFÄNGER mache ich Filme für Unternehmen & andere Selbstständige. Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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