2021 eine Pocket 4K kaufen?

Eine Blackmagic Pocket 4K im Jahr 2021 kaufen

Lohnt sich eine Blackmagic Pocket 4K im Jahr 2021 noch? Diese Frage bekomme ich öfters gestellt. Kurze Antwort: Jein. Wenn man Einsteiger ist und eine möglichst einfache Kamera mit vielen Features (lange Akkulaufzeit, Autofokus, etc.) haben will, dann ist die Blackmagic Pocket 4K keine geeignete Kamera. Wenn man dagegen günstig in die Cinema-Kamera-Welt einsteigen will und bereit ist manuell zu fokussieren, dann könnte die Pocket4K gerade jetzt eine gute Wahl sein. 

Inhaltverzeichnis

Einführung

Die Kamera wurde Ende 2018 vorgestellt und kam Anfang 2019 auf den Markt. Viele konnten Sie aber aufgrund von Lieferschwierigkeiten, die wir von Blackmagic ja gewohnt sind, erst Mitte/Ende 2019 in der Hand halten. Die Pocket4K war der lang erwartete Nachfolger der Pocket CinemaCamera. Endlich hatte sich Blackmagic erbarmt und den Nachfolger herausgebracht. Hierbei wurden viele Kinderkrankheiten der ersten Pocket Cinema Camera beseitigt. Ein größeres Display, Slowmotion, ein Touchscreen sind nur ein paar Neuigkeiten. Die Akkulaufzeit wurde aber nicht wirklich verbessert. Und der Name Pocket war auch nicht mehr wirklich zeitgemäß.

Meiner Meinung nach hätte man die Pocket4K auch CinemaCamera 2 nennen können. Da die Pocket4K eher an die erste Cinema Camera von Blackmagic erinnert. 

die lichtfänger Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K

Blackmagic Pocket Familie

Mittlerweile können wir uns bei der Blackmagic Pocket für 3 Modelle entscheiden – die 4K, 6K und die neue 6K Pro. Die beiden 6K-Modelle haben einen EF-Mount und die 4K einen MFT-Mount. Die 6K und die 4K unterscheiden sich kaum vom Kameragehäuse. Der EF-Mount der 6K ragt etwas weiter nach Vorne. Erst bei der 6K Pro hat Blackmagic das Gehäuse deutlich überarbeitet. Hier bekommt man interne ND-Filter und einen Klappbildschirm. 

4K vs. 6K und 6K Pro

Man könnte meinen, dass man jetzt nur noch die neueren 6K-Modelle kaufen soll. Viele haben auch ihre ältere Pocket4K verkauft, um auf die 6K umzusteigen. Ich habe meine „alte“ Pocket4K behalten und bin immer noch mehr als zufrieden mit der Kamera. Es kommt einfach immer auf den Einsatzzweck an. Man sollte sich auch nicht von zu viel Marketing beeinflussen lassen. Aber man denkt ja so oft, eine neue Kamera macht ein besseres Bild. 

4K vs. 6K Auflösung

Bei den 6K Kameras bekommt man natürlich mehr Auflösung. Wenn man jetzt zum Beispiel einen Film in 4K schneiden will, dann bekommt man mit der 6K-Auflösung ein sehr gutes 4K Bild (wenn man 6K auf 4K skaliert). Außerdem kann man dann auch das Material auf der 4K Timeline ohne Qualitätsverlust stabilisieren. Ähnlich wie bei 4K und 2K. Dafür muss bei der 6K-Aufnahme mit noch mehr Speicherplatzverbrauch rechnen. 

Ich arbeite bei 100 % meiner Filme immer noch auf einer 2K Timeline. Das 4K-Material skaliere ich dann passend. Zukunftssicherer ist natürlich 6K. Dann muss man aber auch überlegen, ob die eigenen Filme wirklich in Zukunft in 4K oder 6K angeschaut werden sollen. Ein Kurzfilm vielleicht ja, aber ein Produktfilm nicht unbedingt. 

Aber man kann doch bei der 6K und 6K Pro auch mit 4K aufzeichnen 

Ja das kann man natürlich, unter Umständen muss man aber mit einem Cropfaktor rechnen, wenn man die Auflösung von 6K auf 4K stellt. Je nach Firmware kann es auch sein, dass man 4K nicht in BRAW aufzeichnen kann, sondern auf ProRes umschalten muss. In den neueren Firmware-Versionen kann man auch 4K BRAW aufzeichnen. 

Cropfaktor der Pocket4K und 6K

Schauen wir uns jetzt noch die Cropfaktoren der einzelnen Kameras an. Die Pocket4K mit dem MFT-Sensor hat ungefähr einen Cropfaktor von ca. 1,9, wenn man den vollen Sensor nutzt. Die Pocket6K und 6K Pro hat mit dem Super35-Sensor einen Cropfaktor von ca. 1,6, wenn man den vollen Sensor nutzt. Mit einer Canon 50mm Festbrennweite hat man also umgerechnet bei der Pocket4K eine 95mm und bei der Pocket6K eine 80mm. Die Pocket6K nutzt die 50mm besser aus. 

Wenn man natürlich einen Speedbooster auf der Pocket4K verwendet, gleicht sich dieser Unterschied wieder aus. Ich habe zum Beispiel den Metabones 0,64x Speedbooster für die BMPCC4K und habe somit bei der gleichen 50mm Optik den Bildausschnitt von einer 60mm Optik. 

Im Weitwinkelbereich wird dieser Unterschied noch deutlicher. Eine 18mm Optik auf meiner Pocket4K mit Speedbooster ist eher eine 22mm Optik. Bei der Pocket6K eine 28mm. 

Formfaktor der Pocket4K vs. 6K und 6KPro

Blackmagic hätte bei der neueren 6K den etwas gewöhnungsbedürftigen Formfaktor überarbeiten können. Haben sie aber nicht. Man bekommt immer noch eine sehr breite Kamera, die nicht unbedingt für den Gimbal optimiert ist. 

Erst mit der Pocket 6K Pro hat Blackmagic das Kameragehäuse leicht angepasst. Durch die internen ND-Filter und das Klappdisplay haben sich die Maße leicht geändert. Der grundlegende Formfaktor, sowie die daraus resultierenden Vor- und Nachteile, bleiben aber gleich. 

MFT-Mount vs. EF-Mount

Ein grundlegender Unterschied zwischen der BMPCC4K und der BMPCC6K (Pro) ist der Objektivmount. Bei der 4K setzte Blackmagic noch auf den universellen und neueren MFT-Mount, bei der 6K auf den älteren EF-Mount. 

Achtung Mutmaßung: Blackmagic wollte bei den 6K Modellen einen Super35mm Sensor verbauen und braucht hierfür einen passenden Objektivmount. Sie haben sich wahrscheinlich für EF entschieden, da EF-Optiken deutlich verbreiteter sind als Sony oder Nikon. Diese Entscheidung gab es wahrscheinlich aber schon viel früher, da die URSA-Kameras ja auch schon mit dem EF-Mount ausgeliefert werden. 

Man hat mit dem MFT-Mount einen kleineren Sensor. Dadurch ist sie nicht so lichtstark, da die einzelnen Sensel kleiner sind. Durch den Dual-Iso-Sensor hat man natürlich trotzdem sehr gute Ergebnisse bei wenig Licht.  

Dafür kann man sehr viele andere Optiken auf den MFT-Mount adaptieren. Von Metabones gibt es eine Vielzahl von Adaptern für den MFT-Mount. Somit kann man praktisch jede Optik mit der Pocket4K + Adapter verwenden. Beim EF-Mount sind die Adapter nicht so verbreitet. 

Akkulaufzeit der 4K vs. 6K

Die Pocket4K und 6K verwenden die gleichen LP-E6 Akkus von Canon. Die Pocket-Kameras waren noch nie besondere Akku-Wunder. Meistens bekommt man ca. 30min mit einem vollen Akku bei der Pocket4K. Der größere Sensor und die 6K-Aufnahme verbrauchen mehr Strom. Daher hat man bei der Pocket6K noch weniger Akkulaufzeit. 

Die Pocket 6K Pro verwendet die NP-F Akkus von Sony. Hier bekommt man etwas mehr Akkulaufzeit. 

Preis der Pocket4K vs. 6K

Schauen wir uns jetzt noch den Preis der Pocket4K im Jahr 2021 an. Bei der Vorstellung der Kamera war der Preis noch bei ca. 2400€. Mittlerweile bekommt man aber eine Pocket4K für ca. 1200€ inkl. Davinci Resolve. Die Pocket6K kostet immer noch ca. 1800€ und die Pocket 6K Pro noch ca. 2300€. 

Jetzt kommt es natürlich auf die Optiken an. Wenn man bereits in MFT-Optiken investiert hat, dann sollte man natürlich eine Pocket4K kaufen. Wenn man dagegen sehr viele EF-Optiken hat, hat man wieder die Wahl zwischen 4K mit Speedbooster (zusätzlich 600 €) und der 6K. Bei der 6K kann man die EF-Optiken direkt verwenden, man ist natürlich dann auf EF-Optiken festgelegt. 

Ich verwende teilweise EF-Optiken bei der Pocket4K mit Speedbooster und teilweise meine MFT-Cineoptiken von Meike. 

die lichtfänger BMPCC4K Rig Handheld

Wenn man rein auf MFT-Optiken unterwegs ist, dann hat man den Vorteil, dass man sehr kleine Optiken verwenden kann. Man hat dadurch ein sehr kompaktes Setup. EF-Optiken sind in der Regel deutlich größer. 

Lohnt sich jetzt die Pocket im Jahr 2021 noch

Jetzt haben wir uns ja schon ausgiebig mit der Pocket4K, sowie den Vor- und Nachteilen gegenüber den 6K-Modellen beschäftigt. Aber lohnt sich jetzt die Pocket4K im Jahr 2021 noch? 

Meiner Meinung nach, kann man diese Frage nicht pauschal beantworten. Es kommt wirklich immer auf die persönlichen Bedürfnisse an. Genauso kann man Fragen, lohnt sich eine 3 Jahre alte Kamera jetzt noch? Natürlich bekommt man mit älteren Kameras nicht die neueste Technik. Dafür bezahlt man auch nicht mehr so viel. 

Und man glaubt es kaum, aber man auch noch mit älterer Technik Filme machen – Ja, das soll möglich sein. 

Wenn ich also die Frage „Soll ich mir jetzt noch eine Pocket4K kaufen?“ bekomme, dann frage ich immer „Warum nicht?“. Ok, ich sehe schon, das genügt euch noch nicht. Ich habe mir folgende Fragen und Szenarien überlegt. 

Mögliche Szenarien

„Ich bin komplett neu beim Filmen und möchte einfach ein System, dass ohne viel Schnick-Schnack funktioniert.“ 

Hier würde ich nicht unbedingt die Pocket4K als Einstiegskamera empfehlen. Mit einer Mittelklasse DSLM, wie der Canon EOS M50 oder der FUJI X-T30 bekommt man ein einfacheres All-In-One System und muss nicht unbedingt noch in zusätzliches Zubehör investieren. Gerade die Akkulaufzeit der Pocket4K ist hier kontraproduktiv.

„Ich möchte direkt ein schönes Kamerabild und möchte keine Farbkorrektur machen.“

Hier würde ich auch nicht unbedingt eine Pocket4K empfehlen. Man kann zwar in einem REC709-Profil aufzeichnen und hat somit direkt ein sehr schönes Bild. Das wahre Potenzial entfaltet die Pocket4K aber erst mit BRAW und im Film-Profil. 

„Ich habe gehört, dass die Pocket4K die beste Kamera ist und ein sehr schönes Bild macht.“

Kauf dir keine Pocket4K. 

„Ich habe bereits eine DSLM und möchte mich Weiterentwickeln.“

Die Pocket4K könnte hier ein erster Schritt in die Welt der Cinema Kameras sein. Man muss sich auf ein paar Besonderheiten einstellen, wird aber mit sehr schönen Bildern (nach der Farbkorrektur) belohnt. 

„Ich habe bereits eine Canon C300 MK2 und brauche ein B-Kamera.“

Du kennst dich gut genug aus, entscheide selber, ob die Pocket4K für dich geeignet ist. Ich glaube niemand kauft sich einfach so eine C300 MK2. 

„Ich möchte mit dem szenischen Filmen anfangen und sehe mich in der Zukunft auch an einer Filmhochschule/oder möchte in größeren Teams arbeiten.“

Kauf die Pocket4K. Hier bekommst du einen günstigen Einstieg in die Welt der Cinema Kameras. Beschäftige dich aber auch mit dem notwendigen Zubehör (FollowFokus, V-Mount, Monitor, etc.).

Die Blackmagic Pocket 4K ist nicht für jeden geeignet

Bei den Pocket-Kameras handelt es sich um eine echte Cinema Kamera. Daher auch der Name Pocket Cinema Camera 4K. 

Man muss daher auf viele Sachen verzichten. Man hat keinen Autofokus und keinen stabilisierten Sensor. Man dreht im ProRes oder BRAW und braucht daher viel Speicherplatz. Man hat keine gute Akkulaufzeit mit dem internen Akku. Man braucht für die Arbeit unter Umständen viel Zubehör.

die lichtfänger BMPCC4K Rig Studio

Hier unterscheiden sich Cinema Kamera auch nicht sehr stark von Hersteller zu Hersteller.

Im Moment haben die meisten Cinema Kameras (ARRI, SONY, RED) keinen Autofokus und keinen stabilisierten Sensor. Canon bringt den Autofokus langsam ins Spiel und RED hat mir der neuen KOMODO auch eine Autofokus-Kamera auf dem Markt (die Funktion befindet sich aber noch im Beta-Status). Wenn man sich eine Pocket4K kauft, muss man sich einfach bewusst sein, dass man eine Cinema Kamera kauft und somit auf Funktionen verzichten muss. Dafür wird man mit einem sehr schönen Bild belohnt (wenn man weiß was man tut) und hat sehr viele Optionen in der Farbkorrektur. 

Man braucht keinen Autofokus und kein IBIS 

Aber ganz ehrlich. Man braucht überhaupt keinen Autofokus. Wenn ich mit einer Kamera mit Autofokus drehe, dann schalte ich das System meistens ab. Weil ich mich einfach noch nicht 100% auf die Technik verlassen kann. Auch wenn die Gesichtserkennung noch so gut ist, manchmal verliert die Kamera dann einfach das Gesicht und vermasselt den Fokus. 

Genauso verhält es sich mit dem stabilisiertem Sensor. Die meiste Zeit funktioniert die Stabilisierung sehr gut, aber bei bestimmten Kamerabewegungen kann es sein, dass die Stabilisierung das Bild zu stark beeinflusst. Die Kamerabewegung sieht dann nicht mehr wirklich flüssig aus. Das Bild beginnt zu Schwimmen. Vergleichbar mit einer zu starken Software-Stabilisierung. 

Fazit

Kann man sich also 2021 bedenkenlose eine Blackmagic Pocket 4K kaufen? 

Jein. Bitte wieder hochscrollen.

Eine BMPCC4K kaufen

*es handelt sich um Amazon-, EBay- oder SmallRig-Affiliate Links.
Das bedeutet, ich bekomme eine Miniprovision, wenn jemand etwas kauft,
das Produkt wird dadurch nicht teurer.

die lichtfänger Josef Sälzle
Josef Sälzle // DIE LICHTFÄNGER Gründer und Filmemacher

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über Kamera– ,
Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
DIE LICHTFÄNGER machen Imagefilme, Werbefilme und Produktfilme.
Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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