ND filter zum Filmen

ND-Filter zum Filmen – Ein Übersicht über ND-Filter zum Filmen (Schraubfilter vs. Steckfilter)

Heute gibt es wieder einen Grundlagen-Artikel für euch. Und zwar beschäftigen wir uns mit ND-Filtern zum Filmen und warum man diese braucht, um zum einen die 180-Grad-Belichtungsregel einzuhalten und zum anderen die Belichtung und Schärfentiefe zu steuern. 

Inhaltsverzeichnis

Belichtung auf dem Sensor steuern

Wie wir bei dem Artikel Kamera-Check bereits geschildert haben, drehen wir in der Regel mit einem 180° Shutter. Dadurch kann man die Belichtung nur noch über die ISO oder Blende steuern. Wenn man jetzt noch bei der optimalen ISO für den Sensor (Native ISO), oder in RAW dreht (ISO nur Metadaten), kann man die Belichtung jetzt nur noch über die Blende steuern. 

Szenario 1: ND-Filter bei zu viel Licht

Jetzt hat man an sonnigen Tag ein Problem. Plötzlich ist es viel zu hell draußen und man müsste dann mit einer Blende von f16 drehen, damit man kein überbelichtetes Bild hat. So ist die niedrige Schärfentiefe aber weg. Man möchte aber mit einer geringen Schärfentiefe drehen, weil man den Hintergrund unscharf haben will. Man muss also die Lichtmenge, die auf den Sensor trifft, reduzieren. Das macht man mit einem ND-Filter.

die lichtfänger tiffen nd-filter
die lichtfänger tiffen nd-filter

Ein ND-Filter (Neutral Density Filter oder auch Graufilter) reduziert die Lichtmenge auf dem Sensor ohne dabei das Bild farblich zu verändern. Bei günstigeren oder vielen variablen ND-Filtern wird das Bild aber immer leicht farblich verändert. Dazu gleich mehr.

Szenario 2: Mit SlowMotion arbeiten

Es gibt aber noch ein zweites Szenario, bei dem man ND-Filter sehr gut gebrauchen kann. Zum Beispiel bei Werbedrehs mit Realzeit (z. B. 25p) und Zeitlupe (50p). Wir gehen hier wieder von einem 180°-Shutter aus. Man dreht nun einige Szenen in 25p und schaltet dann für einige Szenen auf 50p. Durch die Verdoppelung der Belichtungszeit (1/50 auf 1/100) verlieren wir auch eine Blende. Um die Belichtung hier gleich zu halten, müsste man jetzt die Blende um eine Blendenstufe weiter aufmachen (z. B. f4 auf f2,8). Hier ändert man natürlich die Schärfentiefe, was unter Umständen nicht gewünscht ist. 

Anstatt die Blende zu ändern, kann man hier auch mit einem 0,3 ND arbeiten. Ein 0,3 ND reduziert die Lichtmenge um eine Blende. Man leuchtet jetzt mit dem ND 0,3 und einer Blende von f4 bei 25p ein. Wenn man dann auf 50p umschaltet, nimmt man einfach den ND 0,3 weg und kann so die Blende von f4 beibehalten. 

Wann braucht man ND-Filter beim Filmen?

Kurze Antwort: Immer. Lange Antwort: Ich habe einen ND-Filter immer in der Kamera- bzw. Objektivtasche und kann dann bei Bedarf einen ND-Filter verwenden.
Falls die eigene Kamera interne ND-Filter, dann hat man ihn sowieso immer dabei. 

Mit unscharfem Hintergrund arbeiten

Man braucht ND-Filter, wenn man mit einer geringen Schärfentiefe arbeiten will. Gering ist hier relativ. Man könnte auch sagen, wenn wir draußen mit einer Blende f1,4 bis f8 arbeiten wollen. Kommt natürlich immer auf die Helligkeit an. Natürlich braucht man bei Innenaufnahmen auch öfters einen ND-Filter. Besonders, wenn man mit sehr hellen Lampen arbeiten muss, um gegen das Sonnenlicht, das von draußen in den Raum scheint, ankämpft. An sich braucht man ND-Filter immer, wenn die Sonne irgendwie im Spiel ist und bei unserem Slow-Motion-Beispiel aus dem vorherigen Abschnitt. 

Welchen ND-Filter zum Filmen?

Jetzt habe ich euch ein paar Szenarien gegeben, in den ihr Graufilter gebrauchen könnt. In diesem Abschnitt stelle ich euch noch unterschiedliche ND-Filter vor und wiese verwendet werden. Falls ihr noch mehr über andere Kamerafilter lesen wollt, dann empfehle ich euch den Artikel: Kamerafilter. Hier beschränke ich mir aber auf die ND-Filter. 

Runde Filter ND-Filter

Die meisten Objektive haben vorne an der Öffnung ein Gewinde. Hier kann man die runden Schraubfilter einschrauben. Die meisten Schraubfilter haben dann selber an der vorderen Seite auch noch einmal ein Gewinde. So kann man mehrere Filter übereinander verwenden. 

Größe von runden Schraubfiltern auswählen

Die Größe der Schraubfilter hängt von euren Objektiven ab. Wenn alle Objektive das gleiche Filtergewinde (z. B. 77mm) haben, dann könnt ihr Filter mit 77mm kaufen. Wenn eure Objektive unterschiedliche Größen haben, dann kauft einen Filter für das größte Objektiv (z. B. 82mm). Die anderen Optiken könnt ihr dann mit StepUp-Ringen auf die richtige Größe (82mm) bringen. 

Aus diesem Grund haben meine Contax-Zeiss Objektive alle die gleiche Filtergröße. Cinelinsen haben aus diesem Grund (und weiteren Gründen) auch die gleiche Größe. 

Schraubfilter mit fester ND-Stärke

Bei den ND-Filtern kann man nun Schraubfilter mit festen ND-Stärken kaufen. Zum Beispiel 0,3 ND oder 0,6 ND. Hier kann man natürlich auch mehrere Filter kombinieren und aus 0,3 ND + 0,6 ND, 0,9 ND machen. Natürlich hat man hier auch wieder den Nachteil mit dem Schrauben. Daher würde ich bei Schraub-ND-Filtern generell eher variable Filter empfehlen. 

Schraubfilter mit variabler ND-Stärke

Bei einem variablen ND-Filter hat man mehrere ND-Filter in einem. Durch Drehen am Filter kann man die Stärke des Filters beeinflussen. Es gibt unterschiedlich starke Filter. Manche gehen „nur“ von einer bis fünf Blenden. Manche Filter von einer bis zehn Blenden. Mehr Blenden ist hier nicht unbedingt besser. Bei vielen variablen ND-Filtern entstehen starke Farbverschiebungen bei hohen ND-Stufen. Hier kommt es immer etwas auf den Hersteller an. Ich würde aber eher empfehlen einen ND-Filter von 1-5 Blenden und einen Filter von 5-10 Blenden zu kaufen.

Tiffen Vari ND Filter Test 4
Tiffen Vari ND Filter Test 3

Vorteile von runden Schraubfiltern

  • man kann den Filter direkt am Objektiv verwenden
  • die Filter sind leicht und kompakt
  • günstiger als rechteckige Filter (weniger Glas)
  • genaueres Arbeiten (nur, wenn man feste Stärken nimmt)

Nachteile von runden Schraubfiltern

  • nicht so flexibel wie man denkt (wenn man zum Beispiel unterschiedliche Filter- oder Objektivgrößen hat)
  • nicht so schnell (aufschrauben und abschrauben dauert)
  • Gewinde sehr anfällig für Verschleiß (gerade wenn man viel die Filter wechselt)
  • nicht unbedingt für Matteboxen geeignet 
  • etwas ungenaueres Arbeiten (wenn man mit variablen ND-Filtern arbeitet)
Steckfilter

Die rechteckigen Steckfilter sind bei vielen Produktionen Standard. Hier weiß man oft, was man bekommt. Die Steckfilter werden in der Regel immer in Kombination mit einer Mattebox (auch Kompendium genannt) verwendet. Man braucht hier auch nicht unbedingt eine Mattebox, der Hersteller NiSi hat hier zum Beispiel auch ein kleines Filterhalter-System entwickelt. 

Eine Mattebox hat sogenannte Filterhalter. In den Filterhaltern werden die Filter befestigt und dann in die Matte-Box eingeschoben/eingesteckt. Es gibt hier auch mehrere Standard-Größen, gebräuchliche Größen sind aber 4×4, 4×5,65 und 6×6. Die Angaben sind in Zoll. 

DIE LICHTFÄNGER SmallRig Mini Mattebox
die lichtfänger Kamerafilter

Das umständliche An- und Abschrauben der Filter fällt hier weg.  Man zieht einfach den Filterhalter aus der Mattebox und legt einen anderen ein Filterhalter ein (natürlich nur, wenn man mehrere Filterhalter hat). Der Wechsel der Filter ist eine typische Aufgabe des Kameraassistenten. 

Pro-Tipp: Wenn ihr immer den Überblick über die Filter, die gerade in der Mattebox sind, behalten wollt, könnt ihr etwas Tape an die Seite der Mattebox kleben und hier die Filter eintragen. Wenn ihr euch das Beschriften des Tapes sparen wollt, könnt ihr auch etwas Velcro bei der Mattebox aufkleben und euch feste kleine Plaketten für die Mattebox basteln. Fertige Tags könnt ihr hier auch bestellen. 

Größe von Steckfiltern auswählen

Hier kommt es zum einen auf die Größe eurer Mattebox und auf die Größe von eurem Sensor an. Mit kleineren Sensoren (MFT, Super35) kann man oft die kleineren 4×4 Filter verwenden. Die gewählte Optik spielt hier aber auch eine Rolle, je weitwinkliger die Optik ist, desto größer muss der Filter sein. Generell fährt man mit den 4×5,65 Filtern nicht schlecht. 

Vorteile Steckfilter

  • höhere Qualität der Filter
  • genaueres Arbeiten (feste Stärken)

Nachteile Steckfilter

  • deutlich teurer als vergleichbare Schraubfilter (viel mehr Glas)
  • bei manchen Filtern gibt es auch starke Farbverschiebungen (Tiffen ND 4×5,65)
  • Kamera wird durch Mattebox größer und auffälliger
  • oft braucht man ein separates Case für die Filter
Adapter mit ND-Filtern / Objektive mit ND-Filtern

Mittlerweile muss man hier noch eine dritte Kategorie bei den ND-Filtern aufnehmen. Durch die neuen spiegellosen Kameras konnten die Kamerahersteller das Auflagemaß reduzieren. Dadurch hat man zum Beispiel bei einem EF auf RF Adapter Platz für Kamerafilter (Canon EF-RF VariND Adapter – AmazonLink). Andere Hersteller bauen ND-Filter in die Objektive ein. 

Der Filter befindet sich somit hinter dem Objektiv und vor dem Sensor. Man kann also grob sagen, dass die Arbeit mit einem ND-Adapter so ähnlich wie mit eingebauten ND-Filtern ist. Wobei man mit dem ND-Adapter etwas flexibler ist, weil man variable ND-Filter, feste ND-Filter oder komplett andere Filter (Polfilter, Mist-Filter) verwenden kann. 

Bei den Filtern gibt es aber starke Qualitätsunterschiede. Ich verwende zum Beispiel bei meiner RED KOMODO den EF-RF-Adapter mit variablen ND-Filter und bei einer sehr starken ND-Stärke hat der Filter einen sehr deutlichen Braun/Rot-Stich. 

ND filter zum Filmen ND Adapter 01
ND filter zum Filmen ND Adapter 02

Vorteile ND-Adapter

  • handliches System
  • man braucht fast keine Schraub-ND- oder Steck-ND-Filter mehr
  • man kann nicht nur ND-Filter verwenden

Nachteile ND-Adapter

  • starke Qualitätsunterschiede bei den Filtern
  • Farbstich bei hohen ND-Stärken (zumindest bei meinem Canon-Modell) 
  • teilweise kann man keinen Speedbooster mehr verwenden (Platz wird von Filter verwendet)
  • kein einheitliches System (Hersteller können unterschiedliche Filteradapter bauen)
Kamera mit eingebauten ND-Filtern

Ich mache hier noch eine vierte Kategorie auf. Einige Kameras haben schon eingebaute ND-Filter. Meine C300 aus dem Jahr 2012 hatte zum Beispiel eingebaute ND-Filter und die Arbeit mit diesen internen ND-Filtern war einfach so angenehm.

die lichtfänger Canon C300

Eingebaute ND-Filter findet man aber nicht in allen Kameras. Oft muss man sich zwischen Kompaktkameras, CinemaCamcordern oder Cinema Cameras entscheiden. Die Preisunterschiede sind hier natürlich enorm. 

Vorteile interne ND-Filter

  • sehr hohe Qualität der Filter (auf Kamera und Sensor abgestimmt)
  • Kamerasystem bleibt klein (man braucht nicht unbedingt eine Mattebox, ND-Adapter oder weitere ND-Schraubfilter)

Nachteile interne ND-Filter

  • nicht in jeder Kamera verfügbar 
  • kann in seltenen Fällen kaputtgehen (habe ich aber noch nicht erlebt)

Welchen ND-Filter zum Filmen soll ich kaufen?

Jetzt haben wir die unterschiedlichen Möglichkeiten durchgekaut und die verschiedenen Vorteile und Nachteile gesehen. Jetzt fragt ihr euch sicher, aber in welches System soll ich investieren. Was ist der beste ND-Filter zum Filmen? Bitte noch einmal an den Anfang des Artikels springen. Bei dieser Frage stellen sich mir immer die Nackenhaare auf, weil es einfach unterschiedliche System mit Vor- und Nachteilen gibt. 

Im folgenden Abschnitt habe ich euch drei grobe Kamera-Szenarien erstellt und meine Empfehlung für ND-Filter. Wenn ihr nicht wisst, was ein Cinema Camcorder oder Cinema Camera ist, dann empfehle ich euch folgenden Artikel: Kamera zum Filmen.

Kompaktkamera/DSLM

– eher Schraubfilter

Cinema Camcorder

– oft eingebaute Filter

Cinema Camera

– eher Steckfilter mit Mattebox oder Filterhalter

Verschiedene Hersteller von ND-Filtern zum Filmen

Es gibt einige Hersteller von ND-Filtern, natürlich in den unterschiedlichsten Preisklassen. Ich habe hier im Blog den variablen ND-Filter von Tiffen und von Haida schon vorgestellt. Beide Filter haben bei sehr starken ND-Stufen eine deutliche Farbverschiebung.

Zusammenfassung

Bei ND-Filtern könnt ihr Schraub- oder Steckfilter kaufen. Es kommt immer auf eure Kamera + Objektivwahl + Arbeitsweise an. Mit einer DSLM + Zoom + RunNGun fahrt ihr mit einem variablen Schraub-ND-Filter besser. Ihr müsst hier nicht in teurere Steckfilter investieren, weil ihr wahrscheinlich auch keine Mattebox habt. Falls ihr eine Mattebox habt, dann holt euch evtl. eine Mattebox bei der man auch Schraubfilter verwenden kann. Die Mini Mattebox von SmallRig kann das zum Beispiel. 

Wenn ihr mit einer kleinen Cinema Camera (BMPCC4K, KOMODO) oder großen Cinema Camera (RED DSMC2, ARRI Alexa, Sony Venice) arbeitet, dann solltet ihr eher Steckfilter kaufen. Aber in diesem Bereich leiht man ja auch oft die Kameras und die passenden Filter dazu. 

Wenn ihr natürlich eure eigenen Filter haben wollt, weil ihr mit unterschiedlichen Kameras (DSLM, Camcorder, Cinema Camcorder) und Objektiven arbeitet, dann würde ich euch eher ein Steckfiltersatz + 1-2 variable ND-Schraubfilter empfehlen. Also einfach alles. Danke an den Geldbeutel. 

*es handelt sich um Amazon-, EBay-, SmallRig oder Thomann-Affiliate Links.
Das bedeutet, ich bekomme eine Miniprovision, wenn jemand etwas kauft,
das Produkt wird dadurch nicht teurer.

die lichtfänger Josef Sälzle
Josef Sälzle // DIE LICHTFÄNGER Gründer und Filmemacher

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über Kamera– ,
Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
DIE LICHTFÄNGER machen Imagefilme, Werbefilme und Produktfilme.
Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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