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Belichtungszeit – 180Grad Shutter Regel

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Seit die Kamera von Blackmagic auf dem Markt sind ist der Begriff 180Grad Shutter deutlich mehr Personen ein Begriff. Aber Blackmagic hat diesen Wert natürlich nicht erfunden. Da sich Blackmagic aber sehr stark auf der Filmseite (also Analogfilm) beim Filmemachen sieht, haben sie auch bei der Belichtungszeit die Angabe in Winkel hinzugefügt. Bei der neuen Panasonic GH5/GH5S oder Canon C200 kann man übrigens die Belichtungszeit auch in Grad angeben. Bei der C300 war dies noch nicht möglich. 

Inhaltsverzeichnis:
Geschichte
Kürzere Belichtungszeiten
Aufnahmen der 180Grad Shutter Regel
Konstant die 180Grad Shutter Regel einhalten
ND-Filter
Flags und Nets

Geschichte

Der 180Grad Shutter geht auf die Erfindung der Arriflex von ARRI zurück. Diese 35mm-Spiegelreflexfilmkamera hat einen rotierenden Verschluss, eine Umdrehung sind genau 360°. Der Verschluss sieht aus wie ein Halbkreis und bei einer halben Umdrehung (180Grad) wird der Film bei 24 Bildern pro Sekunde genau 1/48 Sekunde belichtet. Wenn der Film gerade nicht belichtet wird, wird das Bild aus dem Objektiv über den Spiegel in den Sucher geworfen. 

Folgendes Bild von Wikipedia verdeutlich die Funktionsweise.

Bei 25fps haben wir unsere gewohnten und oft empfohlenen 1/50. An diesen Look haben wir uns jetzt über 100 Jahre gewöhnt und irgendwie hat er auch etwas magisches – Bewegungen sehen flüssig aus, aber nicht zu flüssig, dass sie ihren Zauber verlieren. 

Kürzere Belichtungszeiten

Das hört sich immer etwas komisch an, aber das beste Beispiel für einen „schlechten“ und zu realen Filmlook ist die Hobbit Trilogie in HFR. Hier wurde mit 48 Bildern pro Sekunde gefilmt und der Shutter lag soweit ich weiß bei 1/64. Das Bild sieht einfach zu real aus. Man sieht, dass der Stab von Gandalf eine Filmrequisite ist, der Zauber ist weg und an sich schaue ich genau deswegen Filme, ich möchte in eine andere Welt eintauchen und mir etwas vorspielen lassen. Wenn ich die Realität sehen wollen würde, dann kann ich auch aus dem Fenster schauen. 

Bei Sportaufnahmen (Ballsport, Actionsport und andere Inhalte mit schnellen Bewegungen) funktioniert der höhere Shutter kombiniert mit einer höheren Framerate sehr gut, weil man die Bewegungen besser nachvollziehen kann.
Folgendes Beispiel soll nur die Bewegungsschärfe verdeutlichen, streng genommen wurden die Aufnahmen nicht mit unterschiedlichen Shutterwerten aufgenommen.

Aber im szenischen Film heißt es für mich weiterhin 180Grad Shutter. 

Ausnahme der 180Grad Shutter Regel

Stilistische Ausnahme
Natürlich kann man unter Umständen auch mal von der 180Grad Shutter-Regel abweichen. Das Beispiel, dass immer und immer wieder genannt wird, ist die Strandszene aus Der Soldat James Ryan. Diese Szene wurde mit einem 90° Shutter gedreht, also mit einer Verschlusszeit von 1/96 und wirkt dadurch sehr unangenehm und sehr real auf den Zuschauer und das ist auch gewollt von Spielberg. Die Bewegungen sind zackig und sehr scharf, es wird nichts beschönigt. Aber Spielberg verwendet den 90° Shutter nur bei einer Szene und nicht im ganzen Film. Und so sollte man auch den Shutter einsetzen.

Mit längeren Belichtungszeiten kann man das Bild verwischen und zum Beispiel einen Rausch visualisieren. Kaum jemand wird das aber 90 Minuten durchhalten.

Technische Ausnahme
Die stilistische Ausnahme beschäftigt sich mit einem bestimmten Look, den man erzeugen möchte.
Bei der technischen Ausnahmen ist mir folgendes Szenario eingefallen. Nehmen wir an, wir möchten aus einem Video noch ein scharfes Foto exportieren. In den Zeiten von 4K bekommen wir schon ansehnliche Fotos aus dem Videostream. Das einzige Problem ist hier die Bewegungsunschärfe bei 1/50. Die Chance ein scharfes Foto exportieren zu können ist relativ gering. Das Subjekt (zum Beispiel ein Darsteller) muss sehr ruhig im Bild stehen, damit man ein scharfes Einzelbild hat. Mit einer kürzere Belichtungszeit ist jedes einzelne Bild im Video deutlich schärfer und so kann man einfacher ein einzelnen Bild exportieren.
Man muss meiner Meinung nach trotzdem abwägen, welches Medium einem wichtiger ist und da wir ja hier ein Filmblog sind, ist uns natürlich der Look vom Film wichtiger. Ich würde daher nicht generell mit einem sehr hohen Shutter drehen um noch die Möglichkeit von scharfen Fotos zu haben.

Konstant die 180Grad Shutter Regel einhalten

Das häufigste Problem, das viele Filmen haben, ist zu viel Licht wenn man bei Tageslicht und freiem Himmel mit offener Blende arbeiten möchte. Die ISO möchte man möglichst bei der nativen ISO für den Sensor lassen, wenn man mit einem Cinemacamcorder filmt oder möglichst niedrig haben wenn man mit einer Spiegelreflex filmt. Draußen hat man aber oft so viel Licht, dass man die ISO nicht mehr weiter nach unten stellen kann. Viele passen dann den Shutter an und belichten kürzer und schon haben wir das Problem, dass die 180 Grad Regel nicht mehr eingehalten wird und Bewegungen nicht mehr schön aussehen, sondern abgehakt und sehr scharf – der Zauber von Film ist vorbei (drastisch ausgedrückt).

Ich habe es ja schon oft gesagt, jetzt helfen nur noch ND-Filter oder Gripequipment wie Flags oder Nets. 

ND-Filter
Mit einem ND-Filter kann man das Licht, dass auf den Sensor trifft verringern, ohne dabei die Farbe dabei zu ändern. Das trifft übrigens nicht bei jedem ND-Filter zu, viele ändern leicht die Farbtemperatur ab. Gerade die sehr beliebten variablen ND-Filter haben je nach Stärke einen unterschiedlichen Look. Das sollte man im Hinterkopf behalten und vorher den ND-Filter mit unterschiedlichen Einstellungen testen. Gute farbneutrale ND-Filter kosten daher einiges. 

Flags und Nets
Mit Flags kann man das Licht, dass auf unser Subjekt fällt, abschwächen, da die Flags Schatten erzeugen. Das funktioniert je nach Einstellungsgröße mehr und weniger gut, bei einer Close-Up kann man bereits mit einer kleinen Flag arbeiten, bei einer Totalen sieht es schon anders aus. Man sollte auch auf den Hintergrund achten, man kann zwar die Belichtung auf unserem Subjekt abschwächen, der Hintergrund bleibt aber oft gleich hell und somit evtl. überbelichtet. 

Nets sind Netze, die ähnlich wie ND-Filter die Belichtung verringern. Man hängt sie in der Regel hinter das Subjekt und kann so die Belichtung vom Hintergrund reduzieren. In Kombination mit einer Flag auf unserem Subjekt funktioniert das an sich ganz gut. Man muss nur wieder auf die Einstellungsgröße aufpassen, in einer Close-Up mit geringer Tiefenschärfe sieht man das Netz nicht mehr. Bei höherer Tiefenschärfe könnte man es erkennen.