BMPCC4k Teil 4: Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K belichten

BMPCC4k Teil 4: Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K belichten

So wieder ein Artikel über die Blackmagic Pocket Cinema Camera 4K (BMPCC4K). Dieses Mal geht es um die Belichtung der günstigen RAW-Kamera. Dieser Artikel hat jetzt etwas länger auf sich warten lassen, aber ich wollte die Kamera einfach bei mehreren Projekten verwendet haben, bevor ich etwas zum Thema Belichtung schreibe.

Gerade die Belichtung ist ein stark diskutiertes Thema bei vielen Kameraleuten:
Was ist die optimale Belichtung? Wo hat man am meisten Dynamik? Wo am wenigsten Rauschen? Wo sollten die Hauttöne liegen?

Ich gebe immer die Empfehlung die Kamera einfach zu verwenden. Man kann noch so viele Forenbeiträge oder Artikel wie diese studieren und wird dadurch nicht besser werden, weil einem einfach die Erfahrung mit der Kamera fehlt. Dieser Artikel soll einen Überblick über die Belichtung der BMPCC4K geben und vielleicht ein paar konkrete Tipps. Filmen müsst ihr dann schon selber und auch selber beurteilen welche Bilder euch besser gefallen.

1. Einführung

In diesem Artikel schauen wir uns speziell die ISO bei der BMPCC4K (Amazon-Link, Ebay-Link) an, weil es hier ein paar Besonderheiten gibt. Natürlich kann man die Belichtung der Kamera wie gewohnt über die Blende, die Belichtungszeit oder ND-Filter steuern. Wer noch einmal eine Auffrischung für die BMPCC4K braucht, der kann ich Teil 1 dieser Artikelserie durchlesen.

2. ISO

ISO ist nicht wie von vielen immer gesagt die Sensitivität vom Sensor. Bei meinen Einführungsworkshops zum Thema Filmen und Filmemachen verwende ich selbst oft diese vereinfachte Darstellung der ISO. Für Anfänger und Laien ist es oft einfacher zu verstehen. Aber an sich ist die ISO ein bestimmter Wert um Helligkeit zu messen. Ein bestimmter ISO Wert gibt einen bestimmten Wert für Middle Grey. Dieser Wert wird vom Hersteller festgelegt. Mit der Erhöhung der ISO wird der Wert für Middle Grey nach Oben oder Unten (auf dem Waveformmonitor) verschoben.

3. Dual ISO und Middle Grey

Die größte Neuerung bei der Blackmagic Pocket 4K ist wahrscheinlich der Dual-ISO Sensor. Immer mehr Hersteller verwenden mittlerweile Dual-ISO Sensoren in ihren Kameras.

Bei einer Kamera mit einem Dual-ISO-Sensor hat die Kamera vereinfacht gesagt zwei native ISOs. Einen nativen ISO-Wert für normales Licht und einen nativen ISO-Wert für wenig Licht. Bei der Blackmagic Pocket 4K sind diese Werte ISO400 und ISO 3200. Man könnte auch sagen, dass die Kamera zwei unterschiedlich empfindliche Sensoren hat.

4. Arbeiten mit dem Dual-ISO-Sensor

Die Arbeit mit dem Dual-ISO-Sensor ist eigentlich ganz einfach. Bei normalen Lichtverhältnissen bleibt man mit der ISO zwischen 100 und 1000. Im Low-Light-Bereich kann man zwischen 1250 und 6400 arbeiten. Durch die andere Signalverarbeitung im Low-Light-Bereich erhält man aber deutlich rauschärmere Bilder als bei einer Kamera mit einem Single-ISO-Sensor.

Jetzt kommen wir aber zu einer Besonderheit – Blackmagic empfiehlt auf die höhere ISO von 1250 zu schalten und etwas abzublenden, wenn man mit der ISO 1000 drehen muss. So erhält man ein Bild mit weniger Rauschen. Ich würde diese Handhabung aber nicht empfehlen, die Erklärung folgt im nächsten Abschnitt.

Middle Grey Verschiebung durch ISO

Wie bereits in der ISO-Einführung erläutert, wird bei einer Veränderung der ISO der Wert für Middle Grey verschoben. Die Kamera legt dann fest wie viele Blendenstufen man oberhalb und unterhalb von Middle Grey zur Verfügung hat. Dabei gilt:

  • Je niedriger die ISO, desto mehr Blendenstufen in den Schatten
  • Je höher die ISO, desto mehr Blendenstufen in den Lichtern

Diese Regel gilt sowohl im Bereich von ISO 100 – ISO 1000 als auch im Low-Light-Bereich von 1250 – 6000. Folgende Grafik zeigt die Verschiebung der Blendenstufen.

bmpcc4k belichten - iso chart
ISO Chart von Blackmagic

Auf der Grafik sieht man, dass man mehrere Dinge. Zum einen sieht man, dass man bei ISO 100 9,6 Stops unterhalb von Middle Grey hat und nur 3,5 Stops in den Highlights. Je höher man jetzt die ISO schaltet, desto mehr Highlight-Stops bekommt man. Bei ISO 800 hat man fast gleich viele Stops oberhalb und unterhalb von Middle Grey. Dies gilt auch im Bereich von ISO 1250 – 6000. Je niedriger die ISO im Low-Light-ISO-Bereich (ab 1250) ist, desto mehr Schattenblendenstufen hat man.

Auf der Grafik kann man aber auch sehen, dass der Dynamikumfang der Kamera in den zwei unterschiedlichen ISO Bereichen abnimmt. Im Bereich von 100 – 1000 hat man 13,1 Stops und im Bereich von 1250 – 6000 „nur“ noch 12,3 Stops. Ab 8000 wird der Dynamikumfang konstant geringer.

Kommen wir zum Beispiel von Blackmagic. BM empfiehlt ja auf die höhere ISO 1250 zu schalten, wenn man mit 1000 arbeitet, um weniger Rauschen im Bild zu haben. Man verliert hier aber auch direkt 3 Stops in den Highlights und oft brennen dann Lichter/Himmel direkt aus. Wenn man in einem Szenario dreht, bei dem man alle Lichter verändern kann. Dann leuchtet mir die Empfehlung von Blackmagic ein. Wenn man aber Draußen dreht, dann würde ich eher bei ISO 1000 bleiben und lieber in der Post das Bild etwas entrauschen. Mit DaVinci Resolve kann man das Material ja sehr einfach ohne zusätzliche Software (wie NeatVideo) entrauschen.

Mit welcher ISO soll man drehen?

Ich habe jetzt schon von ein paar DPs gelesen, dass sie nur mit nativen ISO 400 drehen, um möglichst wenig Rauschen zu haben. Ich denke, aber dass es auf die eigene Arbeitsweise und vor allem auf das Szenario ankommt.

Wenn wir einen Wald ohne Himmel oder Gras filmen, dann sollte man eher im niedrigen ISO-Bereich (100-400) bleiben, weil man mehr Spielraum in den Schatten hat. Der Wald ist ja in der Regel sehr dunkel.
Wenn wir dagegen eine Landschaft ohne Wald und  vielleicht mit einem See und Himmel filmen, dann würde ich eher im oberen ISO-Bereich (600-1000) filmen.

Folgende Bilder (in ProRes aufgenommen) sollen den Unterschied verdeutlichen. Beide wurden ungefähr gleich belichtet (mit einem  Haida VariND-Filter). Das erste Bild wurde mit ISO und das zweite Bild mit ISO 1000 gemacht.

bmpcc4k belichten ProRes ISO 100
bmpcc4k belichten ProRes ISO 1000

Schaut euch einfach mal die Wolken an und wieviel Details bei ISO 100 vorhanden sind und wieviel Details bei ISO1000.

5. Belichtung der BMPCC4K in raw und ProRes

BRAW und CDNG

Wie auch schon bei der BMPCC ist die ISO nur ein Wert wie der Weißabgleich, wenn man in raw aufzeichnet. Hierbei spielt es keine Rolle, ob man noch mit der alten Firmware 6.1 und CDNG oder mit der neuen Firmware 6.2 und BRAW filmt. Die ISO kann im Nachhinein noch verändert werden.

Dabei muss man aufpassen in welchem ISO-Segment man filmt. Die BMPCC4K hat mehrere ISO-Segmente:

100-1000
1250-6400
8000
12500
25000

Dabei ändert sich der Kontrastumfang in den ersten beiden Segmenten kaum. Erst ab ISO 8000 nimmt es deutlich ab.

bmpcc4k belichten iso einstellen
ISO Vergleich in CNDG

Folgende Bilder habe ich jetzt mit der Still-Funktion der BMPCC4K gemacht. So erhält man ein CDNG. Das erste Bild wurde mit ISO 100 und das zweite Bilder mit ISO 1000 gemacht.

bmpcc4k belichten CDNG ISO 100
bmpcc4k belichten CDNG ISO 1000

Jetzt habe ich beide Bilder in DaVinci geöffnet und die Belichtung über den Waveformmonitor angepasst.

bmpcc4k belichten CDNG ISO 100 auf ISO 1000
bmpcc4k belichten CDNG ISO 1000 angepasst

Wie man sieht, erhält man ziemlich ähnliche Bilder. Das spricht wieder dafür, dass die ISO bei raw einfach nur ein Wert ist und nicht fest auf das Bild geschrieben wird. Jetzt habe ich die Bilder noch stark vergrößert. Hier sieht man, dass sich selbst das Rauschen gleich verhält.

bmpcc4k belichten CDNG ISO 100 rauschen
bmpcc4k belichten CDNG ISO 1000 rauschen
ISO in DaVinci anpassen

Wenn man in RAW (BRAW oder CDNG) filmt, dann hat man den Vorteil, dass man die ISO in DaVinci noch anpassen kann. Außerdem kann man Highlight-Recovery einschalten und bekommt somit einen sehr smoothen Highlight Rolloff. Bei ProRes hat man diese Option nicht.

Aber wie gesagt, man muss aufpassen in welchem ISO-Segment man war. Wenn man zwischen 100 und 1000 gedreht hat, dann kann man die ISO nachträglich nicht auf 1250 schalten.

Folgende Bilder zeigen die Highlight-Recovery-Funktion in DaVinci. Beim zweiten Bild wurde das Highlight-Recovery eingeschaltet.

bmpcc4k belichten highlight recovery
bmpcc4k belichten highlight recovery
bmpcc4k belichten highlight recovery
bmpcc4k belichten highlight recovery
Belichtung in ProRes

In ProRes sieht es etwas anders aus, da hier der ISO Wert „fest“ in das Material geschrieben (eingebacken) wird. Man kann hier keine ISO im Nachhinein verändern. Die Belichtung kann man natürlich anpassen. Aber oft sind bestimmte Bereiche einfach ausgebrannt. Highlight-Recovery steht hier nicht zur Verfügung. Wir empfehlen daher, in ProRes noch genauer auf den Waveform oder FalseColor Monitor zu achten. Überbelichtung und Unterbelichtung kann man nicht mehr retten. In RAW hat man hier mehr Spielraum.

6. Belichtungsmethoden

ETTR

Es gibt ja die Belichtungsmethode ETTR (Exposure to the right). Hierbei wird die Kamera bewusst überbelichtet, um möglichst viel Informationen in den Schatten zu haben. Die Highlights sollten natürlich nicht clippen. In der Postproduktion wird die Belichtung dann wieder auf den normalen Wert gebracht. Bis jetzt war diese Belichtungsmethode sehr gängig und wir auch von vielen Leute empfohlen. Ich habe aber einige Probleme mit dieser Art der Belichtung.

Probleme mit ETTR

Jetzt folgt meine persönliche Meinung zu ETTR, hier muss nicht jeder mit mir einer Meinung sein. Ich habe in meiner täglichen Arbeit als Kameramann aber gemerkt, dass mir ETTR nicht liegt.

Kein schönes Bild

Gerade auf dem Set ist es wichtig, dass jeder genau weiß, mit welchem Bild man arbeitet. Man braucht hier unbedingt eine LUT für alle Beteiligten. Klar das Kameradepartment kann in der Regel mit unkorrigierten Bildern arbeiten. Aber bei der Regie oder Kunden hört es meistens schon auf. Habe es schon öfters erlebt, dass ein Kunde sich beim Set über das flache und helle Bild „beschwert“ hat. Man muss dann immer erst erklären, dass hier noch keine Farbkorrektur gemacht wurde… .

Diese zeitfressende Erklärung kann man sich mit einer Set-LUT sparen. So sieht man genau, was man bekommt. Ich verstehe sowieso nicht, wie man nur mit einem LOG Bild arbeiten kann, aber es gibt einige Filmemacher, die darauf schwören … .

Keine konstante Belichtung

Da man bei ETTR immer gerade so belichtet, dass die Highlights nicht clippen erhält man keine konstante Belichtung und dadurch unterschiedliche Kontrastverhältnisse. In der Farbkorrektur hat man jetzt dauernd das Problem, dass man viele Shots immer aufeinander anpassen muss. Da man manchmal ein helleres Bild hat und manchmal ein dunkleres. Bei Hauttönen fällt dies besonders auf. Bei ETTR hat man oft, dass die Hauttöne mal deutlich über und mal deutlich unter 18% liegen. Da freut sich der Colorist beim Graden … nicht.

Auch wenn man nicht mit einem Coloristen arbeitet, kann einen die unterschiedliche Belichtung in der Farbkorrektur zum Wahnsinn treiben. Am Set konnte man sich vielleicht die Werte noch merken, aber zu Hause ist das dann schnell vergessen.

Man kann ETTR natürlich etwas abmildern und immer konstant mit einer Blende überbelichten, dann hat man eine konstante Belichtung und auch konstante Kontrastverhältnisse.

Ein zusätzlicher Schritt in der Farbkorrektur

Was viele auch vergessen ist, dass man bei ETTR-Belichtung einen zusätzlichen Schritt in der primären Farbkorrektur hat. Man muss natürlich das überbelichtete Material wieder auf einen normalen Wert bringen. Das kostet Zeit und Ressourcen (Rechenpower).

Man verliert Licht

Durch das starke Überbelichten verliert man wertvolles Licht, da man ja für ETTR Überbelichten muss. Die meisten werden ja nicht mit den dicksten HMI-Lampen oder LEDs unterwegs sein und oft hat man einfach immer zu wenig Licht und dann muss man sich noch mit ETTR rumschlagen und noch mehr Licht auffressen. Belichtet einfach richtig und spart euch ETTR.

BMPCC4K braucht kein ETTR

Die Pocket4K hält die Farbwiedergabe sehr gut über die verschiedenen ISO-Werte. Warum sollte man dann überhaupt mit ETTR belichten? Wir belichten die Pocket4K „richtig“ (wie von Blackmagic empfohlen) und versuchen uns bei den Hauttönen bei 18% grau zu halten. Außerdem sollte man die Kamera nicht zu stark unterbelichten.

bmpcc4k belichten - false color

Mit dem FalseColor Monitor von Blackmagic oder SmallHD kann man immer einen Blick auf die Hauttöne werfen und die Belichtung überprüfen. Es gibt ein paar Unterschiede bei den Farben zwischen Arri False Color, SmallHD False Color oder Blackmagic False Color. Aber bei allen Herstellern sollten die Hauttöne ungefähr grün sein (wenn man mit sie auf 18% grau belichten möchte).

7. Zusammenfassung

Als Zusammenfassung können wir schreiben, dass man einfach etwas bei der Motivwahl und dem ISO-Wert aufpassen soll und den ISO-Chart im Hinterkopf behalten soll.
Als Faustregel:
Bei ISO 400-1000 (und 3200 – 4000) hat man mehr Spielraum in den Highlights
Bei ISO 100-400 (und 1250 – 2500) hat man mehr Spielraum in den Shadows

Je höher die ISO ist, desto mehr Rauschen hat man. Dieses Rauschen lässt sich aber leicht in der primären Farbkorrektur beseitigen.

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die lichtfänger Josef Sälzle

Hi, ich bin Josef und schreibe bei die lichtfänger über Kamera– , Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht. Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.