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Kurzfilm mit der Blackmagic Pocket 4K drehen

In diesem Artikel stelle ich euch den Abschlussfilm von Philipp Linke und Lara Freigag vor und gehe dabei auf die Arbeit mit der Blackmagic Pocket 4K ein. Eine Sammlung aller Artikel über die BMPCC4K gibt es hier. Die Blackmagic Pocket 4K ist wunderbar für Kurzfilm und andere kleine Produktionen. Bin wirklich happy mit dem Ergebnis, aber ich nehme zu viel vorneweg. Jetzt erstmal das Inhaltsverzeichnis.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Beim Abschlussfilm von Philipp Linke und Lara Freitag geht es um einen einsamen Mann, der unerwarteten Besuch bekommt. Schaut euch einfach gleich mal den Film an.

Locationscouting

Für einen Dreh in einem Haus, braucht man natürlich erst einmal ein Haus. Philipp und ich haben uns dann unterschiedliche Drehlocations angeschaut. Im Kopf hatten wir ein altes Bauernhaus, mit vielen sichtbaren Balken. Daher waren wir auch im Bauernhofmuseum in Illerbeuren. Wir haben uns aber dann gegen das Bauernhofmuseum entschieden, da es mit der kompletten Drehplanung und Logistik sehr umständlich geworden wäre. Gerade bei LowBudget Projekten darf man das nicht vergessen.

Über einen Freund von Philipp sind wir dann an „das Haus“ gekommen. Das Haus stand leer und die Besitzer hatten keine Problem damit, dass wir in dem Haus ein paar Tage drehen.

Lara und Philipp haben gemeinsam das Drehbuch geschrieben und Philipp und ich haben dann den Look entwickelt. Ein Großteil wurde bereits von unserer Location vorgegeben. Wir haben fast alle Fenster abgedunkelt, sodass möglichst wenig Licht in das Haus kommt und der Hauptcharakter noch mehr von der Außenwelt ausgeschlossen ist. Basierend auf diesem Look haben wir dann das Storyboard, die Shotlist und den Drehplan erstellt.

Beim Dreh habe ich mich dann größtenteils um die Beleuchtung gekümmert und musste auch kurzfristig als 1st AC einspringen. Mit Johannes hatte ich aber einen erfahrenen Kameramann, der auch unseren vorgegebenen Look umsetzen konnte.

Wahl der Kamera

BMPCC4K for the win

Bei der Kamera haben wir uns für die Blackmagic Pocket 4K entschieden. Wir wollten eine kleine Kamera, die wir auf dem Gimbal montieren konnten (dazu gleich mehr) und trotzdem noch eine ordentliche Qualität für die Postproduktion abliefert. Klar eine Sony A7SIII oder GH5 kann das auch, aber nur mit externem Recorder. Wir wollten den zusätzlichen Aufwand mit Recordern möglichst vermeiden. Gerade, weil wir viel mit dem Gimbal gearbeitet haben. Hier zählt jedes Gramm.

BRAW vs. ProRes vs. H.264 Schrott

Ich gehe jetzt noch etwas auf die externen Recorder ein. Viele vergessen, dass man bei den meisten anderen Top-Kameraherstellern noch einen umständlichen externen Recorder braucht, um die maximale Bildqualität zu haben, die Pocket4K kann das alles intern. Ich habe es auch schon erlebt, dass das HDMI-Kabel vom externen Monitor nach einer Zeit etwas aus dem Anschluss gerutscht ist und somit Bildfehler verursacht hat.

Beim Codec haben wir uns für BRAW 5:1 entschieden, da wir die maximalen Möglichkeiten in der Postproduktion haben wollte (Highlight-Recovery ist einfach eine feine Sache). Die Komprimierung mit 5:1 ist eine gute Kombination aus Speicherbedarf und Bildqualität.

Die Pocket4K hat in ProRes eine super Qualität und das reicht für die meisten Unternehmensfilme locker aus. Leider hat die Kamera aber etwas weniger Dynamik und wir wollten das komplette Potenzial der Kamera ausnutzen. Wir hatten ein paar Außenszenen mit strahlendem Himmel und dunklen Schatten durch Bäume. Hier braucht man die maximale Dynamik der Kamera.

die lichtfänger Kurzfilm der aussenseiter
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Wahl der Optiken

Bei den Optiken haben wir uns für die guten alten Contax Zeiss entschieden. Wir hätten mit der Pocket4K auch auf den Meike Cinema Linsen drehen können, aber hier war uns der Look für den Film einfach zu clean. Und zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Meike 12mm T2,2. Die weiteste Brennweite wäre also eine 16mm gewesen. Bei meinen Zeiss konnten wir auf die 18mm zurückgreifen und in Kombination mit dem Metabones Speedbooster 0,64x landet man bei ca. 21mm (Kleinbild). Mit der 16mm Meike wären es ca. 30mm (Kleinbild) gewesen. Zu wenig Weitwinkel für den Film.

Wie legt man eine Brennweite fest

Wir haben ja schon bei der Look-Entwicklung festgelegt, dass das Haus einen entscheidende Rolle spielt und möglichst groß und weitläufig wirken soll. So dass der Charakter etwas verloren darin wirkt. Hier nimmt man am besten weitwinklige Optiken, um die Raumwirkung noch einmal zu verstärken.

Welche Optiken haben wir verwendet

Den Großteils des Films haben wir mit der Zeiss 28mm f2,8 und der Zeiss 18mm f4 gemacht. Bei einigen Close-Ups kam noch die Zeiss 50mm f1,4 zum Einsatz. Hier muss ich aber sagen, dass mir die 50mm in Kombination mit der Pocket und mit dem Abstand zur Schauspielerin nicht so gefällt. Ich denke die 35mm wäre hier die bessere Wahl gewesen. Leider hatte ich die 35mm aber noch nicht und in Ulm haben die meisten leider nur moderne Optiken.

Ich bin auch richtig froh, dass ich mittlerweile fast nur noch mit Festbrennweiten arbeiten kann. Am Anfang denkt man sich, dass man ohne Zoom langsamer wird, da man bei jedem Objektivwechsel Zeit verliert. Aber man macht sich einfach so viel mehr Gedanken über die Wahl der Brennweite. Beim Zoom stellt man schnell von 18mm und 20mm und denkt sich nicht viel dabei… Aber man ändert den Look. Ich war ja schon früher Fan von Festbrennweiten, bei Unternehmensfilmen und anderen Auftragsarbeiten habe ich aber oft nur Zooms verwendet, weil man ja schneller ist. Mittlerweile nehme ich aber auch fast nur noch Festbrennweiten bei Image- und Werbefilmen.

Die Pocket 4K wurde Handheld, auf dem Gimbal und auf dem Stativ verwendet. Zwischen Handheld und Stativ waren die Umbauzeiten minimal. Beim Wechsel auf den Gimbal musste man die Kamera etwas kleiner machen.

Kamerafahrten

Blackmagic Pocket 4K auf dem Gimbal

Wir haben sehr viele Fahrten durch das Haus geplant. Die Größe des Hauses wird dem Zuschauer so besser vermittelt. Der Außenseiter muss lange Wege zurücklegen, um zum Beispiel vom Esszimmer in die Küche oder zur Haustüre zu kommen. Mit einem Dolly wäre dies nicht möglich gewesen, weil man auch mehrere Stufen überwinden musste. Da wir keinen separaten Steadycam-Operator hatten, mussten wir auf Gimbalfahrten zurückgreifen. Ich finde eine schöne Kamerafahrt mit einer Steadycam immer noch besser als Gimbalfahrten. Es hat einfach etwas Organisches.

Beim Gimbal hat uns Sven Vorreiter mit seinem Zhiyun Weebil ausgeholfen. Die Gimbalfahrten hätte man wahrscheinlich noch mit einem EasyRig optimieren können. Im Moment sieht man noch leicht eine Auf- und Ab Bewegung durch das Laufen. Etwas konnte in der Post herausgenommen werden.

Probleme mit dem Gimbal

Leider gab es wie immer Probleme mit dem Gimbal. Wie in meinem ersten Artikel zur Blackmagic Pocket 4K schon geschrieben, hat die Pocket4K einen sehr komischen Formfaktor. Durch die Breite des Gehäuses muss man die Kamera etwas umständlich auf dem Gimbal befestigen. Zum Glück hat der Zhiyun Weebil ordentlich Power und kann das alles ausgleichen.

Des Weiteren hatten wir keine Videofunktstrecke am Set und so mussten wir bei den Gimbalfahrten ein langes HDMI-Kabel für den 1AC verwenden. Unser 1AC ist dann einfach hinter dem Gimbal mit dem SmallHD + Nucleus-N hergelaufen und hat die Schärfe gezogen. Das ist natürlich eine sehr LowBudget-Lösung, aber es macht auch einfach Spaß mit wenig Geld große Bilder zu erzeugen.

Manchmal konnten wir aber nicht hinterherlaufen und so hat sich der 1AC (an diesem Tag war es ich) in eine Ecke gehockt und die Schärfe nur über das Display des Nucleus-N gezogen. Vor dem Take haben wir uns hierfür an unterschiedlichen Stellen die Schärfepunkte notiert.

Der schwierigste Shot mit dem Gimbal war die Treppenszene. Timo kommt aus dem Haus und hastet dann die Treppe hinunter. Johannes mit Gimbal vor ihm her und ich neben Johannes mit Monitor + FollowFokus.

Lichteinsatz

Wie bereits angesprochen, haben wir eher weitwinklig gearbeitet. Dadurch wird es auch schwerer Lampen auf dem Set zu verstecken. Daher haben wir einerseits die Shots nach dem vorhandenen Sonnenlicht geplant und anderseits mit starken HMI-Lampen von Außen in das Haus geleuchtet. Durch die Vorhänge hatten wir hier auch wieder wunderbar softes Licht. Dann noch etwas Haze mit der Nebelmaschine und fertig ist der Lack.

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Die Außenszenen an der Türe haben wir mit einer Kinoflo 4ft 2 Bank geleuchtet. Und die Konfrontation auf der Straße mit Reflektoren und Flags.

Fazit

Ich bin richtig zufrieden mit dem Ergebnis. Natürlich kann man immer etwas verbessern. Der Hintergrund bei der Konfrontation im Wohnzimmer gefällt mir nicht so. Hier hätten wir noch lange Vorhänge aufhängen können, sodass das Wohnzimmer einheitlicher aussieht. Aber wie so oft gab es hierfür einfach kein Budget.

Danke an das komplette Team von DER AUSSENSEITER.

written, directed & edited by Philipp Linke
co-director Lara Freitag
cinematography Josef Sälzle
camera operator Johannes Schupp
1st AC Sven Vorreiter / Josef Sälzle
set design Josephine Hasenjäger
hair and makeup Josephine Hasenjäger
costumes Marie-Therese Leidig
location sound Tobias Hörmann
color grading Philipp Linke & Josef Sälzle
soundtrack Felix Wolf

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Hi, ich bin Josef und schreibe bei DIE LICHTFÄNGER über Kamera– ,
Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
DIE LICHTFÄNGER machen Imagefilme, Werbefilme und Produktfilme.
Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

die lichtfänger Josef Sälzle