2022 DSLR kaufen

Sollte man 2022 noch eine DSLR zum Filmen kaufen?

In diesem Artikel schauen wir, ob man im Jahr 2022 noch eine DSLR zum Filmen kaufen sollte. Ich gebe euch ein paar Gründe, die dafür und dagegen sprechen und dann könnt ihr selbst entscheiden. 

Kurzzusammenfassung: Wenn ihr die neueste Technik (Bester Autofokus, IBIS) haben wollt, dann ist eine DSLR nichts für euch. Wenn ihr hingegen gute Technik günstiger erwerben wollt, dann könnte eine gebrauchte DSLR für euch geeignet sein. 

Inhaltsverzeichnis:

Einführung

In meinem letzten Artikel zum Thema Filmen mit DSLR habe ich ja schon angekündigt, dass die klassische DSLR aussterben wird. Sämtliche großen Kamerahersteller (Canon, Nikon, Sony) haben mittlerweile angekündigt, die DSLR nicht mehr weiterzuentwickeln und sich ausschließlich auf spiegellose Systeme (DSLM) zu konzentrieren. Demnächst werden die Hersteller die Produktion der DSLRs auch einstellen und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis man keine Ersatzteile für die Kameras mehr bekommt (meiner DSLR von 2012 funktioniert noch ohne Probleme …). 

Die Frage ist jetzt natürlich, lohnt es sich jetzt noch eine DSLR zu kaufen, wenn das System bald vom Markt verschwindet? 

DSLR zum Filmen kaufen

Die Frage ist natürlich etwas provokanter formuliert. Wir Filmemacher neigen ja dazu, immer das neueste Equipment zu haben, haben zu wollen oder wir sind der Meinung, dass man immer das neueste Equipment zum Filmen haben muss. Dem ist natürlich nicht so. Vor 10, 20 oder 100 Jahren wurden genauso gute Filme produziert. Vielleicht nicht unbedingt in 4K, aber man muss auch nicht immer in 4K filmen.

DSLR ist „veraltete“ Technik

Ein Grund, der gegen den Kauf einer DSLR spricht, ist, dass die DSLRs heute eine eher veraltete Technik haben. Mittels eines Spiegels wird das Bild in den Sucher gespiegelt. Beim Auslösen der Kamera muss der Spiegel jedoch hochgeklappt werden, damit der Sensor belichtet werden kann. Beim Filmen mit einer DSLR ist der Spiegel dauerhaft hochgeklappt und der optische Sucher kann nicht mehr verwendet werden. Wenn man die DSLR ausschließlich zum Filmen verwenden will, dann ist der Spiegel überflüssig und nur zusätzliches Gewicht (mehr Gewicht muss auch nicht unbedingt immer schlechter sein, der Body einer DSLR ist deutlich größer und liegt deutlich besser in der Hand).

Die heutigen EVF (Electronic Viewfinder) sind so gut, dass man überlegen kann, ob man wirklich noch einen optischen Sucher braucht. 

Des Weiteren ist der Spiegel natürlich ein mechanisches Teil, das mit der Zeit auch kaputtgehen kann. Ich habe das aber noch nicht erlebt, aber ich habe natürlich nicht so viele Auslösungen auf der Kamera wie ein Sport- oder Eventfotograf. Aber wie gesagt, beim Filmen mit einer DSLR ist der Spiegel sowieso nutzlos. Er wird hier auch weniger gebraucht und so gibt es weniger Verschleiß. 

DLF DSLR stirbt aus

Ein weiterer Grund, der gegen die DSLR zum Filmen sprechen könnte, ist die Größe der Kamera. Vielen ist eine DSLR mit Zoomobjektiv einfach zu groß und zu schwer. Die neueren DSLMs sind deutlich kleiner. Gepaart mit einer Festbrennweite, ist man hier sehr kompakt unterwegs. Hier kommt es natürlich immer auf den gewählten Kamerabody und die Optik an. Eine Vollformat DSLM mit großer Zoomoptik unterscheidet sich im Gewicht und in der Größe kaum vom DSLR-Äquivalent. Die Hersteller wollen uns hier natürlich eine andere Geschichte verkaufen. 

DSLM im Trend

Der Trend geht ganz klar zu kleineren Systemen, egal ob man aus der Hand, vom Stativ oder auf dem Gimbal arbeitet. Bei der Arbeit mit Gimbals ist weniger Gewicht natürlich ein Vorteil, weil man den Gimbal einfach länger schmerzfrei halten kann. Wenn man mit dem Stativ arbeiten will, dann kann man mit einer DSLM auch ein kleineres Stativ (weniger Traglast) verwenden. Einzig bei der Arbeit aus der Hand ist weniger Gewicht oft eher hinderlich. Man sieht hier sofort jeden Mikrowackler. 

Gegenüber den „klassischen“ Camcordern oder Cinema Cameras ist die DSLR schon sehr klein. Hier hat man auch schon deutlich die Mikrowackler gesehen. Bei der DSLM wird dieser Effekt noch verstärkt. Natürlich gibt es stabilisierte Optiken und Sensoren, aber alle ungewollten Bewegungen werden hier auch nicht gefiltert. 

DSLR auf dem Gebrauchtmarkt 

Schauen wir uns jetzt ein paar Argumente an, die für das Filmen mit einer älteren DSLR sprechen. Viele Filmemacher haben in den letzten Jahren von DSLR auf DSLM gewechselt und werden in den nächsten Wochen und Monaten wechseln. Aus diesem Grund gibt es sehr viele gebrauchte DSLRs auf dem Markt (Ebay, Ebay-Kleinanzeigen, Asgoodasnew, etc.). Bei Canon DSLRs ist mir das besonders aufgefallen, weil viele Canon-Filmer zu Sony, beim Wechsel von DSLR auf DSLM, umgestiegen sind. Natürlich bekommt ihr hier nicht die neueste Technik, aber ich habe ja schon öfters gesagt, dass nicht die Kamera einen guten Film ausmacht. 

Hier könnt ihr wirklich ein paar schöne Schnäppchen machen. Ein Canon 5D MK 3 bekommt man oft schon für unter 700€. Bei der 5D MK3 kann man zusätzlich noch Magic Lantern installieren und ist somit auch nicht nur auf den H.264-Codec beschränkt. Mit der 5D MK3 kann man raw Video aufnehmen. Das bekommt man bei einer neuen DSLM-Vollformatkamera nur zu einem viel höheren Preis. 

DSLRs mit APS-C Sensor sind sogar noch günstiger. Ein Canon 7D bekommt man für unter 300€. Ihr bekommt also für sehr wenig Geld eine Kamera mit Wechselobjektiven und könnt damit erst einmal starten. 

DSLRs sind verlässlich 

Ich muss sagen, dass ich mit einer DSLR noch selten Probleme gehabt habe. Die Technik hat sich mehrere Jahrzehnte bewährt. Meine 5D MK3 begleitet mich seit ca. 10 Jahren. Teilweise hatte ich natürlich auch Abstürze, das lag aber meistens eher an Magic Lantern. Hierbei handelt es sich natürlich um eine nicht offizielle Software. Daher muss sich hier auch mal auf den einen oder anderen Fehler einstellen. Aber man muss ja auch nicht mit Magic Lantern arbeiten. Das normale FullHD mit H.264 und 8 Bit ist zwar nicht mehr Up to Date, aber mit diesem Format wurden auch Kinofilme produziert. 

Zusammenfassung

Lohnt sich also eine DSLR heute (derzeit Anfang 2022) noch? Ja und nein. Wenn ihr die neueste Technik (IBIS, EVF, H.265, 10Bit) haben wollt, dann seid ihr mit einer DSLR nicht gut beraten. Wenn ihr hingegen evtl. am Anfang eurer Karriere seid und einen günstigen Einstieg in die Video- und Fotografie sucht, dann könnte eine gebrauchte DSLR die richtige Wahl für euch sein. Es kommt immer etwas auf eure Arbeitsweise an. Ich habe beim Fotografieren immer mit einem optischen Sucher gearbeitet, mit dem Bildschirm oder EVF zu fotografieren fühlt sich immer noch komisch an. Das ist natürlich nur eine Sache der Gewöhnung. 

Lasst euch von niemanden sagen, womit man Filmen kann und womit nicht. Lasst euch vor allem nicht sagen, dass Vollformatkameras viel besser als APS-C oder MFT-Kameras sind. Jedes System hat Vor- und Nachteile. Ihr braucht euch auch nicht verstecken, wenn eure Kamera  vielleicht schon 10 Jahre alt ist. Ihr müsst auch nicht unbedingt in 4K filmen. FullHD reicht in der Regel völlig aus. Im Moment ist sogar SD und 8mm-Trend. Last euch also nicht sagen, dass man nur in 4K filmen kann. 

E-Book Filmen mit DSLR & DSLM

Wenn ihr euch jetzt für eine DSLR entschieden habt und mit dem Filmen anfangen wollt, dann empfehle ich euch mein E-Book Filmen mit DSLR & DSLM. Mit diesem E-Book bekommt ihr einen umfassenden Überblick und einige Tipps zum Thema Filmen mit Spiegelreflexkameras (und natürlich auch spiegellosen Kameras).

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die lichtfänger Josef Sälzle
Josef Sälzle // DIE LICHTFÄNGER Gründer und Filmemacher

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über Kamera– ,
Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
Mit meiner Filmproduktion DIE LICHTFÄNGER mache ich Filme für Unternehmen & andere Selbstständige. Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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