Mit der Filmklappe arbeiten

Mit der Filmklappe arbeiten – Ein Überblick aus der Praxis

In diesem Artikel gebe ich euch Tipps zur Nutzung der Filmklappe und wie ihr auf dem Set mit ihr umgehen könnt. Falls ihr selbst im Filmbereich tätig seid, kennt ihr sie sicherlich – die Klappe, ein wichtiges Hilfsmittel beim Drehen von Szenen, besonders zur Synchronisation von Bild und Ton. Wenn ihr nicht im Filmbereich tätig seid, habt ihr die Filmklappe bestimmt schon einmal gesehen.

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Einführung

Falls ihr noch nie mit einer Filmklappe gearbeitet habt und plötzlich auf einem Set steht, ohne zu wissen, was ihr damit machen sollt, hoffe ich, dass euch dieser Artikel weiterhelfen kann. Dieses Beispiel klingt vielleicht lustig, aber ich habe es schon oft erlebt, dass eine unerfahrene Person die Klappe am Set bedient (gerade bei kleineren Indie-Produktionen ist das häufiger der Fall).
Bei kleineren kommerziellen Produktionen wie Image- oder Werbefilmen setze ich die Klappe nicht so oft ein, da es oft nicht so viele Shots gibt und teilweise ohne Ton gearbeitet wird.

Arbeit mit der Filmklappe gibt Struktur

Die Filmklappe hilft nicht nur beim Synchronisieren von Bild und Ton, sondern gibt dem gesamten Dreh auch Struktur. Ich spreche hier nicht nur von der Szenennummer und dem Take, sondern vom gesamten Ablauf mit der Klappe. Sie bringt Ruhe ans Set, und wenn die Klappe angesagt wird, sollte es still sein. Ich habe festgestellt, dass alle am Set deutlich strukturierter und professioneller arbeiten, wenn die Klappe verwendet wird.

1. Die Filmklappe richtig im Bild positionieren

Mein erster Tipp: Achtet darauf, dass die Klappe immer gleich groß im Bild ist. Das klingt simpel, aber beim späteren Sichten des Materials auf dem Computer hilft es enorm, wenn man die Klappe auf den Thumbnails sofort erkennen kann. Ist die Klappe zu weit im Hintergrund, musst du den Clip erst öffnen und hineinzoomen, um sie zu lesen. Eine einfache Faustregel: Nimm die Brennweite deines Objektivs, multipliziere sie mit zwei und setze das Ergebnis in Zentimeter um.

Mit der Filmklappe arbeiten

Beispiel: Bei einer Brennweite von 18 mm multiplizierst du mit zwei. Das ergibt 36 mm, was du in Zentimeter umwandelst (keine Umrechnung im mathematischen Sinne!). Es ergibt also 36 cm. Bei einer 18-mm-Optik hältst du die Klappe mit ca. 36 cm Abstand zur Kamera. Mit einer 50-mm-Optik hältst du die Klappe etwa einen Meter entfernt.

Mit der Filmklappe arbeiten

Halte die Klappe gerade ins Bild, sage alles an und drehe sie dann leicht zur Seite (von der Kamera aus gesehen im Uhrzeigersinn etwa 45° geneigt), sodass die Synchro-Sticks der Klappe sicher im Bild sind. Bei Nahaufnahmen kann das problematisch sein, hier kannst du kleinere Klappen verwenden (siehe Punkt 6).

2. Kamera erst starten, wenn die Klappe im Bild ist

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Kamera sollte erst dann laufen, wenn die Klappe im Bild ist. Läuft die Kamera bereits vorher, siehst du in der Postproduktion ein leeres Bild ohne Klappe. Das Sortieren des Materials wird dadurch schwieriger. Natürlich kann man in der Postproduktion die Thumbnails individuell anpassen, aber das bedeutet zusätzliche Arbeit.

Besprich das am besten mit deinem First AC (wenn vorhanden), damit dieser die Kamera erst startet, wenn die Klappe im Bild ist und zum Schlagen bereitsteht. Ohne First AC achte selbst darauf, dass die Klappe bereit ist, bevor du die Aufnahme startest.

Sonderfall: Schlussklappe

Die Schlussklappe kommt zum Einsatz, wenn am Anfang der Aufnahme keine Klappe gemacht werden kann. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Kamera an einer schwer erreichbaren Position ist oder ein Schauspieler in seiner Konzentration nicht gestört werden soll. Die Schlussklappe wird verkehrt herum ins Bild gehalten, dann geklappt und anschließend die Ansage gemacht.

3. Die Klappe offen ins Bild halten

Haltet die Klappe immer direkt offen ins Bild – nicht erst geschlossen und dann öffnen. Das spart Verwirrung beim Synchronisieren und beschleunigt den Prozess.

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Sonderfall: MOS-Klappe

Es gibt Aufnahmen mit TON und ohne Ton. Ohne Ton nennt man MOS (Mit ohne Sound). Bei diesen MOS-Aufnahmen wird die Klappe nicht geschlagen und auch nicht angesagt, weil es ja keinen Ton gibt. Man hält hier die Klappe in das Bild und lässt sein Hand zwischen den Sticks, so dass die Klappe überhaupt nicht geschlagen werden kann. Im Schnitt sieht man dann sofort, dass es sich hierbei um eine MOS handelt und man sucht hier dann nicht nach dem passenden Ton beim Syncen. Auf der Klappe kann man natürlich auch noch MOS vermerken.

4. Beschriftung der Klappe

Die Beschriftungen auf der Klappe wie Szene, Take und Roll sind selbsterklärend, aber es hilft, hier eine klare Konvention zu haben. Szene und Take sollten immer deutlich lesbar sein. Bei der Roll verwendet man im digitalen Bereich oft den Nahmen der Speicherkarte. Also A001 für die erste Speicherkarte der A Kamera.

Persönlich finde ich es besser, wenn man bereits geschriebene Tags hat und nicht die Zahlen direkt auf die Klappe schreibt. So sind die Zahlen und Buchstaben immer einheitlich, weil man ja als verantwortungsvoller AC bereits die Klappe vor dem Dreh in Ruhe vorbereitet hat.

5. Mikrofon zur Klappe bringen

Für den Ton gilt: Je näher das Mikrofon an der Klappe ist, desto besser wird der Sound aufgenommen. Gerade in Räumen mit starkem Hall sollte das Mikrofon so nah wie möglich an die Klappe gebracht werden, um den Ausschlag des Klapp-Geräusches deutlich zu erkennen. Erfahrene Tonleute wissen, dass das Mikro bei der Ansage möglichst nah bei der Klappe ist. Als AC könnt ihr aber auch darauf achten, dass das Mikro einfach nah bei euch ist.

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6. Kleine Klappen für Nahaufnahmen

Für Makro- oder Close-up-Aufnahmen ist die normale Filmklappe in der Regel zu groß, so sieht man die Klappe unter Umständen nicht komplett im Bild. Teilweise kann man sich aushelfen, in dem man die Klappe weiter weg hält, die Kamera dann umschwenkt, fokussiert und dann die Klappe gemacht wird. Das kostet aber auch Zeit, weil die Kamera neu positioniert werden muss und auch der Fokus wieder passen muss. Daher gibt es für solche Fälle (eben bei Close-Ups und Makro-Shots) kleinere Klappen.

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7. Klappenschlag je nach Einstellungsgröße anpassen

Ein kleiner, aber wichtiger Tipp: Je näher die Klappe am Schauspieler ist, desto leiser sollte der Schlag sein. Ein zu lautes Klappen kann die Darsteller aus der Konzentration bringen. Wenn ihr also die Klappe direkt vor das Gesicht einer Schauspielers haltet, sollte ihr nur einen ganz sanften Klapp machen. Das Mikro hört das trotzdem, wenn es schön nahe an der Klappe ist (siehe Punkt 5.)

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8. Klappe als Backup

Auch wenn moderne Technologien wie Timecode-Systeme (z. B. Tentacle) fantastisch sind, bleibt die Klappe ein wertvolles Backup-System. Sie gibt nicht nur Hinweise auf Szene und Take, sondern hilft auch, wenn Timecode-Systeme einmal ausfallen.

9. Klappe bei Filtereinsatz markieren

Falls ihr beim Drehen Filter einsetzt, kann es sinnvoll sein, das auf der Klappe zu vermerken. Ihr wisstdann später in der Farbkorrektur genau, welcher Filter verwendet wurde und könnt eventuelle Farbverschiebungen direkt einordnen. Ich weiß zum Beispiel dass mein fester ND-Steckfilter 0.9 einen Magentashift von +1 hat.

10. Welche Filmklappe sollte man kaufen?

Abschließend noch ein Tipp zur Auswahl der richtigen Klappe. Von günstigen Amazon-Klappen für 15–25 Euro bis zu professionellen Timecode-Klappen für mehrere hundert Euro ist alles möglich. Für den Einstieg reicht eine günstigere Klappe von Amazon vollkommen aus. Kleinere Macro-Klappen kann man auch aus dem 3D-Drucker bekommen. Wenn ihr merkt, dass ihr deutlich mehr mit der Klappe arbeitet, kann es sinnvoll sein, in eine etwas bessere Klappe zu investieren. Das Acryl ist hier oft besser und die Klappe lässt zwar Licht dann durch, aber nicht zu viel. Aber ganz ehrlich, in der Regel reichen die günstigeren Filmklappen.

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Zusammenfassung

Es gibt natürlich noch viele weitere kleinere Tipps, die jeder AC auch so bisschen für sich selbst macht. Teilweise habe ich es gesehen, dass ein AC Magnete an der Klappe und seinem Gürtel angebracht hat, und so einfach die Klappe immer an seinen Gürtel gehängt hat. Das hat mir sehr gut gefallen.

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Josef Sälzle DIE LICHTFÄNGER

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Mit meiner Filmproduktion DIE LICHTFÄNGER mache ich Filme
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