DLF Perfekte Kamera zum Filmen

Die Perfekte Kamera – Eine Anleitung, wie man die perfekte Kamera für sich findet

Ich habe sie gefunden, die perfekte Kamera. Sie kann alles, was man will!
In diesem Artikel stelle ich euch die perfekte Kamera zum Filmen vor. 

Natürlich gibt es keine perfekte Kamera, da ich aber jetzt eure Aufmerksamkeit habe, erkläre ich euch das eigentliche Thema. Es geht um das Finden der perfekten Kamera für eure Bedürfnisse. 

Inhaltsverzeichnis:

Einführung

Wie stellt ihr euch die perfekte Kamera vor? Welche technischen Anforderungen müssen erfüllt werden.  Wir machen ein Gedankenspiel.

Auflösung, Slowmotion, Dynamik

Die perfekte Kamera hat natürlich die größte Auflösung, die möglich ist. Man braucht ja heutzutage die größtmögliche Auflösung. Vielleicht 8K oder noch besser 12K, wie die Ursa Mini 12K. Der Sensor ist aber Vollformat, weil man ja derzeit ja auch einen Vollformatsensor zum Filmen braucht. 

Die Kamera nimmt natürlich 120fps in 8K/12K auf (siehe RED V-Raptor). Dabei verliert sie nicht an Dynamik und bietet echte 18 Stops Kontrastumfang. Der Sensor dieser Kamera ist natürlich stabilisiert. Verwackeln ist also fast nicht möglich. Dazu bekommt man noch einen exzellenten Autofokus, der auch bei Blende f1,2 die Wimpern bei einer extremen Close-Up scharf hält. 

Gehäuse, I/O und Bedienung

All das kommt in einem kleinen Würfel, den man natürlich optimal erweitern kann. Obwohl die Kamera nur ein kleiner Würfel ist, hat man zwei XLR Eingänge, zwei SDI Ausgänge, einen HDMI Ausgang und einen Timecode Ausgang. Man kommt also mit sämtlichen Signalen zurecht. Natürlich hat man bei dieser Kamera auch interne ND-Filter. Die Kamera ist so leicht zu bedienen, wie die Kameras von Blackmagic. 

die lichtfänger Blackmagic Pocket 4K Bild
Codec und Automatiken

Bei den Aufnamecodecs steht natürlich alles zur Verfügung, was man braucht: RAW-Video, ProRes, H.264/H.265. Die Kamera beherrscht natürlich alle Automatiken, so muss sich der Benutzer um nichts mehr bei den Einstellungen kümmern.

Preis

Kommen wir zum wichtigsten Punkt. Diese Kamera, die alles kann, kostet dann nur noch schlappe 3000 €. Wir sind es ja mittlerweile gewöhnt, dass die Technik immer günstiger wird und so bekommt man dieses Schmuckstück eben für 3000 €.

Ich glaube, jetzt haben alle verstanden, auf welches Problem ich hinaus möchte. Auf der einen Seite möchte jeder die perfekte Kamera und ist dabei der Meinung, dass diese Kamera möglichst alles können muss. Die eierlegende Wollmilchsau. Auf der anderen Seite möchte man natürlich für diese Kamera möglichst wenig bezahlen. Wir sind nun mal sehr vom Preis getrieben. Besonders, wenn man gerade mit dem Beruf anfängt. 

Hier ergibt sich auch ein Problem. Die Hersteller lassen sich bestimmte Features natürlich bezahlen. So werden bestimmte Kamerasegmente (z. B. DSLM) in der Technik beschnitten, um nicht Daseinsberechtigung der teureren Modelle (Cinema Camcorder) zu gefährden. Canon war lange bekannt dafür, dass bestimmte Features nur in den größeren Kameras (C300 MK3) zur Verfügung stehen, obwohl zum Beispiel der gleiche Sensor wie bei einer DSLM genutzt wird. Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Bei den größeren Kameramodellen kann man natürlich auch ganz anders mit der Hardware arbeiten, weil man einfach mehr Platz hat. 

Teilweise ist man im Moment technisch nicht in der Lage bestimmte Sensoreigenschaften in einen einsatzfähigen Kamerabody zu packen. Höhere Auflösungen und FPS (Frames Per Second) brauchen mehr Rechenpower und es entsteht mehr Hitze. Diese Hitze muss auch irgendwie abgeleitet werden. Die Kamerabodies sollen aber immer kleiner werden.

Warum schreibe ich diesen Artikel?

YouTube-Technik Reviews

Ich schreibe diesen Artikel, weil mich mittlerweile die tausenden Kamerareviews bei YouTube nerven. Sobald eine neue Kamera auf dem Markt ist und die Review-Embargos ablaufen, gehen 50 gleiche Videos von unterschiedlichen YouTubern online – „die neue BlaBla, die perfekte Kamera …“ . Zuletzt konnte man es beim Ronin 4D gut beobachten. 

Ich habe ein Problem mit diesen Videos, weil sie meiner Meinung nach keinen Nutzen für die Zuschauer haben. Oft werden nur die technischen Aspekte der neuen Kameras runtergebetet, aufgefüllt mit etwas Testfootage. 

Die meisten YouTuber*innen bekommen die neuen Geräte ein paar Wochen vor dem Erscheinungsdatum und dann meistens nur für ein paar Tage. In dieser kurzen Zeitspanne müssen sie dann ein Review filmen. Wie soll man in dieser kurzen Zeit eine Kamera richtig kennenlernen? Mit „richtig“ meine ich, die Kamera in unterschiedlichsten Szenarien verwendet (heiß, kalt, Produktfilm, Werbefilm, VLOG, Handheld, Stativ, Gimbal, etc.).

Ich brauche für meine Kamera-Artikel ein paar Monate (siehe RED KOMODO Teil 1 und Teil2), weil ich die Technik auf realen Jobs und meinen freien Projekten verwende und so echte Erfahrungen sammeln kann. Das dokumentiere ich in diesen Artikeln. 

DLF Perfekte Kamera zum Filmen Komodo Setup
Suchmaschinenoptimierte Artikel

Ein anderes Phänomen ist mir auch aufgefallen. Suchmaschinenoptimierte Artikel mit wenig Substanz. Das ist natürlich nichts Neues. Schon zu Beginn dieses Blogs (vor 10 Jahren) gab es schon Suchmaschinen und man hat versucht, mit seinen Artikeln möglichst weit vorne zu landen. Mittlerweile hat es aber solche Ausmaße angenommen, dass es mich nervt. Wenn ich etwas zu einem bestimmten Thema suche, dann klicke ich oft direkt auf Seite 2 bei Google, weil hier oft die besseren Artikel zu finden sind. 

Googelt zum Spaß mal: Perfekte Kamera zum Filmen und schaut, wer weit oben ist. 

Welche Kameras werden in diesen Artikeln empfohlen? Komischerweise die Kameras, die die Autoren selbst benutzen, oder sich vielleicht auch in diesem Moment leisten können. Oft auch die Sony A6300, die ich selbst im Blog schon besprochen habe. Hier kann man nämlich noch eigene Bilder/Videos von der Kamera machen (weil man sie ja gerade zur Hand hat) und so noch einmal besser bei Google performen. Aber ist die genannte Kamera jetzt die perfekte Kamera? Natürlich nicht! Es ist die perfekte Kamera für den jeweiligen Autor, weil er sie aus bestimmten Gründen gekauft hat. Gründe könnten sein: Kamera liegt im Trend oder die Kamera war bezahlbar.

Versteht mich nicht falsch, zu Beginn meiner Blogs habe ich fast so ähnlich gedacht. Ich wollte einfach nur möglichst weit vorne bei Google landen, weil ich gedacht habe, dass mich dadurch mehr Leute finden können und mich beauftragen. Meine Einstellung hat sich hier geändert. 

Ich möchte meine Erfahrungen teilen, Einsteigern Tipps geben und Profis vielleicht auch das eine oder andere zeigen. Ich verarbeite in diesem Blog auch meine Erlebnisse auf den verschiedenen Filmsets, daher kann es sein, dass manche Artikel auch sehr zynisch geschrieben sind. So wie dieser hier. 

Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel, in dem ich ja die perfekte Kamera empfehle, etwas weiter vorne in den Suchergebnissen lande, um aufzuklären. Wenn ihr es bis hierhin geschafft habt, dann habe ich vielleicht euch schon erreicht. Ihr könnt diesen Artikel auch gerne teilen.

Keine OneFitsAll-Antwort

Meiner Meinung nach werden viele Leser mit diesen klassischen SEO-Artikeln in die Irre geführt wird. Ich weiß, viele Leser wollen eine einfache Antwort bei der Frage „Welche Kamera soll ich mir kaufen?“ Aber diese Antwort gibt es leider nicht. 

Ich bekomme von meinen Workshop-Kunden auch oft die Frage, welche Kamera sie kaufen sollen. Wir machen dann aber zunächst eine Bedarfsanalyse. Danach kann ich die Kameras eingrenzen und bestimmte Modelle empfehlen. Ich tue mir aber dennoch schwer, konkrete Modelle zu empfehlen. Weil die Bedienung bei den einzelnen Herstellern immer etwas anders ist. Hier muss man die Kamera in die Hand nehmen und schauen, wie man klarkommt. Am besten leiht man sich hier das gewünschte Modell für ein paar Tage aus. 

Es gibt keine perfekte Kamera

Schlussendlich muss man sagen, es gibt keine perfekte Kamera. Innerhalb einer bestimmten Kamera-Kategorie (Kompaktkamera, Actionkamera, DSLR, DSLM) ist es fast komplett egal, welches Modell oder welchen Hersteller man nimmt. Die Kameras sind alles sehr sehr ähnlich und können mitunter das Gleiche, besonders in den niedrigen Preissegmenten 200€ – 2000€. Im mittleren Preissegment 2000€ – 10000€ gibt es teilweise schon Speziallösungen. 

Ihr müsst die Entscheidung für eine bestimmte Kamera immer mit euren persönlichen Anforderungen treffen. Das ist am Anfang einer Karriere natürlich besonders schwer, weil man überhaupt nicht weiß, welche Anforderungen man denn selbst an eine Kamera hat. Was will man denn überhaupt? 

Wie finde ich die perfekte Kamera für meine persönlichen Bedürfnisse?

In diesem Abschnitt möchte ich euch ein paar mögliche Anforderungen an Kameras geben. So versteht ihr besser, nach welchen Kriterien ich eine Kamera für mich, einen Job oder einen Workshop-Kunden auswähle.  

Wie arbeite ich oder möchte ich arbeiten?

Hierbei geht es mir um die Planung und Durchführung von euren Filmprojekten. Vielleicht auch etwas um den damit verbundenen Aufwand.

  • Wollt ihr alle Kameraeinstellungen genau planen? 

Ihr wisst zum Beispiel direkt im Voraus, ob ihr ein Interview dreht oder nicht?

Hier könnte eure Kamera etwas größer sein, weil ihr genau wisst, was auf euch zukommt. Größere Kameras (z. B. Cinema Camcorder, Camcorder, oder Cinema Cameras) haben meistens eine längere Akkulaufzeit. So seit ihr nicht unbedingt vom Strom abhängig. Wenn ihr ein Statement dreht, wird die Kamera in der Regel statisch sein. Ihr könnt dann ein Stativ einpacken und müsst euch auch hier keine Gedanken über die Größe und das Gewicht der Kamera machen. 

Wenn ihr natürlich mit der Kamera reisen wollt, sieht es wieder anders aus. Je genauer ihr einen Job planen könnt, desto spezifischer kann die Kamera sein.

  • Wollt ihr sehr spontan arbeiten? 

Bei dieser Art von Job, wisst ihr nicht unbedingt, was auf euch zukommt. Hier müsst ihr auf möglichst viele Szenarien reagieren können. 

Hier braucht ihr wahrscheinlich eine etwas kleinere Kamera (DSLR, DSLM). Kleinere Kameras haben nicht so eine lange Akkulaufzeit, da die Akkus viel kleiner sind. Packt also genügend Akkus für einen Tag ein. Mit einer kleinen Kamera kann man auch schnell mal aus der Hand ein Interview machen. Man darf aber nicht vergessen, dass eine Handkamera einen ganz anderen Eindruck wie eine Kamera auf dem Stativ hat. Vielleicht wollt ihr auch schnell mal eine Person verfolgen oder die Kamera auf einen Gimbal packen. Mit kleinen Kameras seid ihr deutlich flexibler. Oft muss man aber bei den professionellen Features (XLR-Anschluss, interne ND-Filter, lange Akkulaufzeit) ein paar Abstriche machen. 

Vielleicht braucht ihr für so kleine spontane Geschichten aber eher einen klassischen Camcorder. Hier könnt ihr auch mal schnell ein XLR-Mikrofon anschließen. Der Autofokus der Camcorder kann euch auch beim Fokussieren helfen. Nachteil der Camcorder ist, dass man keinen großen Sensor hat. Dadurch hat man generell weniger Tiefenschärfe. 

Welche Bildqualität möchte ich haben?

Hier geht es mir nicht nur um die Auflösung (1080p, 4k), sondern auch um die Aufnahmeformate. Brauche ich unbedingt raw-Video oder ProRes? Reicht mir vielleicht auch einfach h.264/h.265. Oft erschließt sich die Antwort direkt aus der Frage. Wenn ich noch nicht weiß, ob ich ProRes oder raw brauche, dann brauche ich es wahrscheinlich noch nicht. Kommt natürlich immer auf eure Ambitionen an. 

Wenn ihr unbedingt raw-Video haben wollt, dann könnte eine Cinema Camera für euch in Frage kommen. Lest hier mal meinen Artikel zur Pocket4K durch. Hier bekommt ihr eine günstige Kamera, die raw-Video und ProRes aufnehmen kann. Ihr müsst aber Abstriche beim Formfaktor machen. Es gibt natürlich nicht nur die Kameras von Blackmagic in diesem Segment, Sony hat mir der FX-Serie auch kleinere bezahlbare Cinema Cameras auf dem Markt. 

Wie wichtig ist Farbkorrektur für mich?

Dieser Punkt wird teilweise auch über die Bildqualität festgelegt. Mit raw-Video hat man natürlich die meisten Möglichkeiten in der Farbkorrektur, aber auch nur, wenn man weiß, wie man mit raw-Video umgeht. 

  • Wenn man das Bild komplett selbst entwickeln möchte, dann könnt ihr euch ein raw-Video Kamera holen. 
  • Wenn ihr euren Bildern einen Look geben wollt und die Belichtung (ohne viel Qualitätsverlust) anpassen wollt, dann könnt ihr in eine Kamera investieren, die ProRes aufzeichnen kann 
  • Wenn ihr euch überhaupt nicht für Farbkorrektur interessiert und vielleicht mal etwas den Kontrast anpassen wollt, dann holt euch eine Kamera, die in H.264/H.265 aufzeichnet.

Das waren jetzt drei grobe Szenarien für die Auswahl der richtigen Kamera. Es gibt natürlich noch viele mehr – Dynamik der Kamera, Formfaktor, Erweiterbarkeit, Service des Herstellers, Verfügbarkeit, Autofokus usw. 

Generell müsst ihr euch erst einmal persönlich darüber klar werden, was ihr überhaupt machen wollt. Hier kann ich euch natürlich auch unterstützen. 

Die perfekte Kamera zum Filmen

Was ist denn jetzt die perfekte Kamera zum Filmen? Ganz klar, die Sony A7SIII *Ironie*

Ernste Antwort: Lest meinen Artikel „Kamera zum Filmen“ durch und schaut euch dann noch einmal diesen Artikel an.

*es handelt sich um Amazon-, EBay-, SmallRig oder Thomann-Affiliate Links.
Das bedeutet, ich bekomme eine Miniprovision, wenn jemand etwas kauft,
das Produkt wird dadurch nicht teurer.

die lichtfänger Josef Sälzle
Josef Sälzle // DIE LICHTFÄNGER Gründer und Filmemacher

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über Kamera– ,
Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
DIE LICHTFÄNGER machen Imagefilme, Werbefilme und Produktfilme.
Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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