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Praxisbeispiel – Skatepark Ulm

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In diesem Artikel stellen wir euch den kompletten Prozess für die Entstehung eines Filmes vor, von Anfang bis Ende. Es geht um unseren neuen Film für den Skateboardverein Ulm. Seit mehreren Jahren kämpft der Skateboardverein für einen Outdoor Skatepark in Ulm. 2013 haben wir im Rahmen des „Go Skateboarding Day“ bereits einen Clip mit diesem Thema produziert. Ende 2015 war es nun endlich soweit, der Skatepark in Ulm wird offiziell eröffnet. Dieser Artikel könnte etwas länger laden, da wir sehr viele Bilder zeigen.

Erst einmal wollen wir euch den Film nicht vorenthalten:

Preproduction

Wir haben, sehr untypisch für uns, eher weniger Zeit in die Vorbereitungen investiert. Dies geschah mehr aus Zeitmangel und dem sehr spontanen Dreh und weniger wegen einer bewussten Entscheidung gegen die Preproduction. Über Facebook haben wir drei Tage vor der Eröffnung (an dieser Stelle danken wir Facebook für das Zeigen von „allen“ relevanten Inhalten) von der Eröffnung des Skateparks Ulm erfahren und konnten uns nicht sofort entscheiden, einen Film über dieses Event zu machen. Der Termin wurde auf 14 Uhr an einem Donnerstag gelegt, wir haben uns da schon gedacht, dass dieser Termin für viele berufstätige Skater eher schwierig ist. Bei uns war auch noch nicht komplett klar, ob wir zu diesem Zeitpunkt nicht einen anderen Termin hatten.
Zu Beginn war uns bereits klar, ein Eröffnungsfilm steht und fällt mit den Skatern, man braucht keinen Film über die Eröffnung eines Skateparks machen, wenn nur 5 Skater dabei sind. Der Park soll belebt aussehen und nicht verlassen. Aus Erfahrung können wir sagen, dass der Park am Wochenende und bei schönem Wetter sehr voll ist. Bei der Eröffnung waren wir uns, wie bereits geschrieben, nicht so sicher.
Ein Tag vor der Eröffnung konnten wir sagen, dass wir bei der Eröffnung dabei sein würden. Zunächst hatten wir die Idee, lediglich einen kurzen Clip über die Eröffnung zu machen: kurz die offizielle Eröffnung durch die Vertreter der Stadt und ein paar Skateboarder beim Fahren zeigen.
Zum Locationscouting muss man nicht viel sagen, ich (Josef) kenne den Park sehr gut und weiß, wie die Sonne läuft. Wir haben uns dazu entschlossen, am Drehtag etwas früher da zu sein und noch die letzten Perspektiven zu erkunden.
Bei den Kameras kamen zunächst unsere C300 und die 5D zum Einsatz. Leider konnten wir an diesem Tag die BMPCC + Gimbal nicht verwenden, weil diese auf einem anderen Dreh im Einsatz waren. Die 5D sollte ausschließlich für Zeitrafferaufnahmen verwendet werden.

Production

Am Donnerstag waren wir gegen 13 Uhr am Skatepark in Ulm. Bis auf zwei Kinder mit Fahrrädern war noch niemand am Park. Wir begannen zunächst, mögliche Positionen für die Zeitrafferaufnahmen auszukundschaften. Wir wollten bei hohem Betrieb drei unterschiedliche Zeitrafferaufnahmen vom Park machen. Danach begann das Warten auf die Teilnehmer. Gegen 13:30 trafen die ersten Skateboarder ein, gegen 13:45 die offiziellen Vertreter der Stadt Ulm und Blaustein. Um ca. 14Uhr gab es eine kleine Rede des Baubürgermeisters und von einem Vertreter des Skateboardvereins.

Leider konnten nicht sehr viele Skater kommen. Viele gaben an, dass der Termin für sie echt sehr ungünstig gelegt worden war. Nach der Rede gab es noch einen Fototermin mit den Fotografen der lokalen Zeitungen. Die Fotografen wissen in der Regel, welche Bilder sie für die Zeitungen brauchen und haben die Skater dementsprechend angeleitet bestimmte Rampen zu befahren und Tricks zu machen. Wir haben während dieses offiziellen Teils ein paar Bilder von den Rednern und dann noch ein paar Bilder vom Fototermin eingefangen. Nach dem Pflichtprogramm sind alle offiziellen Vertreter der Stadt und der Presse relativ schnell wieder verschwunden. Wir hatten nun Zeit für unsere Filmaufnahmen. Wir wollen natürlich Skaten in Aktion zeigen.
Seit meiner (Josef) Jugend filme ich Skatevideos. Durch das Skaten bin ich zum Filmen gekommen, leider hatte ich in den letzten Jahren nur sehr wenig Zeit für die Filmaufnahmen beim Skaten. Beim Skaten zählen die Tricks und diese möchte man möglichst spektakulär in Szene setzen, oft verwendet man daher sehr weitwinklige Optiken oder Fisheyes, um noch näher an den Fahrer zu kommen. Wenn man einem Skater hinterher fährt, dann hält man die Kamera möglichst bodennah, so wird die Geschwindigkeit noch mehr verdeutlicht und alle Tricks sehen deutlich höher und spektakulärer aus. Ein Nachteil bei Skateboardaufnahmen ist der sehr hohe Zeitfaktor, der einkalkuliert werden muss. Man schafft einfach bestimmte Tricks oder Trickkombinationen nicht beim ersten Mal, man braucht also mehrere Versuche. Wenn die Tricks besonders schwer werden, dann können schnell zwei Stunden ohne einen gestandenen Trick vergehen. Zusätzlich zu den Aufnahmen der Tricks wollten wir das „Leben“ im Park einfangen – Leute schauen zu, lachen, man ist eine Gemeinschaft und das gehört auch zum Skatepark. Wir bereits erwähnt, waren leider nicht so viele Leute an diesem Tag am Park, praktisch jeder war gerade am Fahren. Diese Aufnahmen kamen also etwas zu kurz.

Schnitt I

Wieder zurück im lichtfänger Büro. Wir sichern das Material und legen das Premiere Projekt an. Wir verwenden natürlich unsere gespeicherte Ordnerstruktur und das Premiere Musterprojekt, so bleibt immer alles schön sortiert und man behält den Überblick (weitere Tipps zum Schnitt gibt es übrigens hier).

Dann beginnen wir mit dem Sichten des Materials. Wie bereits geschildert, können Skateboardaufnahmen etwas länger dauern und man sammelt hierbei sehr viele Clips. Am besten markiert man bereits beim Filmen den Clip mit dem gestandenen Trick. Viele halten nach dem gestandenen Trick und der Ausfahrt die Hand vor das Objektiv, so erkennt man dann im Schnitt schnell den gewünschten Clip. Wir haben dann den Clip grob geschnitten. Der Film sollte mit dem offiziellen Teil beginnen und dann zu den Skateaufnahmen übergehen. Der Entwurfsschnitt hat uns nicht vom Hocker gehauen, es wirkte einfach alles zu steif und langweilig. Beim Schneiden verwenden wir meistens eine grobe Entwurfsmusik für den Clip, so fällt das Schneiden leichter. Aber die Musik hat nicht so wirklich gepasst, wir haben dann etwas mehr Zeit in die Musiksuche investiert und bei Musicbed ein passendes Lied gefunden. Mit der passenden Musik wirkte der Entwurfsschnitt schon deutlich besser, aber wir waren trotzdem nicht zufrieden. Für einen reinen Eröffnungsfilm (wie Anfangs gedacht) hätte es gepasst, aber durch die neue Musik kamen uns ein paar neue Ideen und der Film sollte eine komplett neue Richtung bekommen. Wir haben uns dazu entschlossen, den Film einen Tag ruhen zu lassen, oft muss man wirklich eine Nacht darüber schlafen. Am nächsten Tag haben wir dann den Schnitt noch einmal angeschaut und wir waren uns einig, aus diesem Film kann man noch so viel mehr machen. Die Entscheidung für die Neuausrichtung war also gefallen. Wir wollten das Skaten im neuen Park an sich mehr zeigen, die Eröffnung würde dann mehr in den Hintergrund rücken. Wir hatten zwar genug Material von der Eröffnung und ein paar Tricks, um den Film zu füllen, aber für die Neuausrichtung fehlte noch Material. Relativ spontan mussten wir also einen weiteren Drehtag einlegen.

Production II

Für die neue Idee wollten wir Skateboarden ganz nahe und deutlich zeigen. Viele Tricks sind so schnell, dass jeder Nichtskater, keine Ahnung hat, was gerade mit dem Board passiert ist. Hier hilft die Slowmotion, man erkennt dabei deutlich, in welche Richtungen sich das Board dreht. Für den besonderen Slow-Motion Look reichen leider die 50 Bilder der Canon C300 nicht.
Kleine Randnotiz, die Canon C300 hat keine echten 50p und wird daher von vielen Kameraleuten zu Beginn bemängelt. Lediglich 50i stehen in FullHD zur Verfügung. Hier hilft Premiere, irgendwie schafft es Premiere das 50i Material der Canon C300 richtig zu interpretieren und es sieht aus wie 50p. Wir wissen leider nicht genau, warum das so ist. Aber wir sind nicht ärgerlich darüber, wenn man übrigens das 50i Material von der C300 in DaVinci Resolve betrachtet, dann sieht man wieder das interlaced Footage.

Die GoPro 4 kann bei 1080p 120fps, aber der sehr starke Weitwinkel schränkt einen etwas bei der Bildgestaltung ein. Für die typischen Skateboardaufnahmen aus der Verfolgerperspektive ist die GoPro super, aber für Aufnahmen aus der Ferne eignet sie sich nicht. Wir haben zum Glück cinematicz bei uns im Haus und haben kurzer Hand bei Hosam angefragt, ob wir für diesen Tag seine Sony FS700 ausleihen können. Für Hosam war das kein Problem, an dieser Stelle noch einmal vielen Dank. Mit der FS700 kann man ohne RAW-Recorder ca. 8 Sekunden Slowmotion mit 240fps in 1080p aufnehmen. 8 Sekunden sind nicht unbedingt lange, man muss sich also genau überlegen, wann man die Aufnahmen startet und wieder anhält. Hier kann ich natürlich mit meiner Erfahrung einschätzen, wie lange ein Trick oder eine Trickkombination braucht. Bei der FS700 haben wir das 16-35mm sowie das 70-200mm verwendet. Beide Objektive haben wir mit dem Metabones-Speedbooster adaptiert.
Wir haben einige Leute verständigt und so sicher gestellt, dass ein paar Leute am Park sein würden.
Samstag morgen, es ist leider noch sehr neblig, typisch für Ulm, wir hoffen, dass das Wetter gegen Mittag noch besser wird. Gegen Mittag hat sich der Nebel dann gelichtet und wir haben mit den Vorbereitungen (Equipment packen und FS700 ausleihen) beginnen können. Pünktlich um 13:45 haben wir mit den Aufnahmen am Skatepark angefangen. Ein kleiner Tipp für Slowmotionaufnahmen, schnelle Kamerabewegungen sehen in Slowmotion super aus. Während der Aufnahmen dreht man die Kamera sehr schnell, so verwackelt man nicht und in Slowmotion sieht es dann wie ein sehr ruhiger Kameraschwank aus. Mit dieser Technik kann man spektakuläre Kamerafahrten machen. Zusätzlich zu den verschiedenen Tricks haben wir noch das „Leben“ um den Skatepark herum aufgenommen, wir wollten einfach noch etwas mehr die Stimmung zeigen.
Nach den Aufnahmen haben wir noch das Intro gefilmt, dafür haben wir paar Leute gefragt, ob Sie zum Skatepark mit den Skateboards fahren können, dies haben wir dann auch in Slowmotion aufgenommen. Die Herausforderung bei diesen Aufnahmen war die Geschwindigkeit. Wir haben uns einen leichten Berg für die Aufnahmen herausgesucht, so müssen die Skater nur fahren und müssen nicht mit den Füssen antreiben. Natürlich wird man hier sehr schnell und so war es sehr schwierig, mit der Kamera nahe bei den Leuten zu bleiben. Wir mussten ab und zu die Anweisung geben, das man etwas langsamer starten sollte.
Gegen 17:00 haben wir die Aufnahmen abgebrochen, es war leider schon sehr dunkel, ein Nachteil bei SlowMotion Aufnahmen ist der hohe Shutter. Bei 240fps, muss man mindestens mit einem Shutter von 1/250 filmen, so kann die Kamera nur sehr wenig Licht aufnehmen. Gegen 17 Uhr war es bereits so dunkel, dass keine guten Aufnahmen mehr möglich waren, aber wir hatten genug Material von den Skatern und Tricks.

Licht

Noch ein kurzer Ausflug zum Licht. Wir ihr wisst, spielt Licht für uns eine entscheidende Rolle (daher auch der Name), Licht gibt Stimmung und man kann so viel mit Licht vermitteln. Bei diesem Dreh haben wir komplett auf Kunstlicht verzichtet und nur mit dem sogenannten Available Light gedreht. Ein Vorteil des hellen Betonparks ist, dass das Sonnenlicht vom Boden reflektiert wird und somit direkt als Aufheller für die Gesichter dient. Daher kann man auch Gegenlichtaufnahmen machen, ohne dass die Gesichter komplett in den Schatten verschwinden. Wenn man mit Available-Light dreht, dann ist eine geschickte Kamerapositionierung entscheidend, man muss sich einfach die Szenerie anschauen und auf den Lichtverlauf achten und sich dann dementsprechend positionieren.

Production III

Zusätzlich zu den Slowmotion Aufnahmen wollten wir noch den Skatepark zeigen. Mit den vielen Nahaufnahmen von den Tricks und den Leuten kann man sich den Park noch nicht als Ganzes vorstellen, daher haben wir noch einen Zusatzdrehtermin für die Aufnahmen vom Skatepark eingeplant. Um die Aufnahmen etwas spannender zu machen, haben wir zwei Hyperlapses angefertigt. Bei einer Hyperlapse handelt es sich um einen bewegten Zeitraffer. Hierfür braucht man eine Fotokamera und ein Stativ, man sucht sich dann einen bestimmte Bildausschnitt und ein Objekt im Bild und macht ein Bild, dann verschiebt man das Stativ um ein kleines Stück und macht dann noch einmal ein Bild mit einem identischen Bildausschnitt. Diese Prozedur wiederholt man ca. 100 mal. Bei 25 Bildern pro Sekunde und 100 Bildern insgesamt, erhält man also 4 Sekunden Film. Bei einer Hyperlapse muss man sehr genau arbeiten und die Kamera möglichst immer gleich halten, sonst wackelt die Hyperlapse später im Film.

Flux-Engine von GoPro

Bei einigen Shots wollten wir noch mehr als die 200 Bilder pro Sekunde der FS700. Hierfür haben wir die Flux-Engine von GoPro-Studio verwendet. Wir haben die benötigen Shots für GoPro-Studio im Cineform-Codec exportiert und die Shots in GoPro-Studio mit der Flux-Engine verlangsamt und erneut exportiert. Der Export mit der Flux-Engine dauert sehr lange, da hier eine Menge Zwischenbilder berechnet werden müssen. Also nicht wundern, wenn der Rechner eine Zeit lang schwer beschäftigt ist.

Mittlerweile hat Premiere ein vergleichbares Tools, mit OpticalFlow kann man bei Zeitlupen zusätzliche Zwischenbilder berechnet und somit langsamere Zeitlupen erhalten. Wir haben dieses Feature noch nicht ausreichend getestet.
In Premiere haben wir dann die „Flux-Shots“ eingebaut.

Schnitt II

Zurück in der Postproduktion. Das neue Material wird importiert und gesichtet. Wir können nun mit dem richtigen Rohschnitt beginnen. Zunächst bauen wir mit den Introshots Spannung auf. Zusammen mit der Musik, nimmt das Video an Fahrt auf. Bei den Schnitt achten wir außerdem auf die Musik, hört euch die Musik an und schneidet dann den Film auf den Rhythmus, das gibt dem Schnitt noch einmal mehr Spannung.

Ein Highlight sind die sogenannten Ramped SlowMotions. Hier wird das Bild nicht plötzlich langsamer oder schneller, sondern geht stufenlos von Realzeit in Slowmotion und in die andere Richtung über. Diesen Effekt kann man heute direkt in Adobe Premiere Pro machen, früher mussten man hier den Umweg für After Effects gehen. So erspart man sich viel Zeit. Bei Premiere klickt man den Clip an und kann dann bei Effekteinstellung die Zeitverzerrung aufklappen und ein Keyframe setzten. Dieses Keyframe legt fest, wo die Ramped SlowMotion ist. Man kann dann den Strich (links und rechts vom Keyframe) entweder nach oben (schneller) oder nach unten (ziehe langsamer) ziehen. Nun ändert der Clip genau am Keyframe die Geschwindigkeit. Für den stufenlosen Übergang muss man nur noch das Keyframe auseinander ziehen. So kann man die Länge des Übergangs bestimmen. Ein weiterer Vorteil von den Ramped Slowmotion in Premiere ist, dass man genauer arbeiten kann. Wenn die Slowmotion zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt einsetzen soll, dann kann ich den Punkt in Premiere genau verschieben. In After Effects müsste ich die Musik unter den Clip legen und so etwas umständlicher arbeiten, da After Effects nicht unbedingt für den feinen Schnitt geeignet ist.

Ein weiteres Highlight sind die Hyperlapses. In diesem Artikel gehen wir nur kurz auf die Anfertigung von Hyperlapses ein. Zunächst muss man die RAW-Bilder in Lightroom entwickeln, hieraus eine JPEG-Sequenz für After Effects erstellen. Die JPEG-Sequenz in AfterEffects als Quicktime exportieren und die fertige Hyperlapse in Premiere importieren. Wir gehen in einem Hyperlapse-Artikel noch näher auf das Erstellen von Hyperlapses ein.
Jetzt können wir den Schnitt weiter verfeinern, die Hyperlapse Aufnahmen dienen als Übergang zwischen zwei unterschiedlichen Schnitten. So gibt man dem Schnitt etwas mehr Tiefe und reiht nicht nur Bilder aneinander. Man muss einfach noch mehr auf die Musik achten, wie kann die Musik noch den Schnitt beeinflussen? Bei ca 2:20 fährt die Musik nach dem ruhigeren Teil noch einmal hoch, dieses Hochfahren, haben wir mit der Kamerafahrt, die vom Boden aus hochfährt, verbunden. So unterstützt die Musik das Bild und es wirkt runder.

Farbkorrektur

Bei der Farbkorrektur mussten wir zunächst alle Kameras angleichen. Da wir wieder mit vier (Canon C300 im C-Log, Sony FS700 mit SLog3, GoPro 4 im Flatprofile und 5D MK3 Fotos in RAW) unterschiedlichen Kameras gedreht hatten, hat die Farbkorrektur etwas länger gedauert. Zunächst muss man die Kontraste der Kameras angleichen, das SLog-Profile der Sony ist deutliche flacher als das C-Log-Profile der C300. Wenn man die Kontraste angeglichen hat, kann man sich um die Farbtemperatur kümmern, einige Aufnahmen, entstanden um ca. 14Uhr und einige erst ab 16:30. Nicht nur, dass sich das Licht etwas geändert hat, die Farbtemperatur hat sich auch geändert und wurde etwas kühler. Wir wollten dem Material insgesamt einen eher warmen Farbton geben. Skaten findet meistens im Freien statt und man freut sich hier besonders über strahlenden Sonnenschein und etwas Wärme. Das sollte in den Aufnahmen rüber kommen.
Die grundlegende Farbkorrektur haben wir in Premiere mit der Lumetri-Engine gemacht. Bei manchen Shots haben wir mit NeatVideo das Rauschen reduziert.
Die Schritte der groben Farbkorrektur decken sich mit unserem Artikel zur Farbkorrektur.

Den finalen Schnitt mit der Farbkorrektur haben wir dann als ProRes 444 für DaVinci exportiert. Man kann auch eine .xml von Premiere in DaVinci importieren, doch leider hat hier DaVinci nicht das Material der FS700 erkannt. Hier müsste man zunächst alle Clips von der FS700 wieder in ProRes umwandeln und dann wieder in DaVinci importieren.
Wir haben diesen Umweg nicht gemacht und lieber den gesamten Film in DaVinci importiert und dann über die Scene-Detection die Schnitte von DaVinci erkennen lassen. Die Scene-Detection funktioniert sehr gut, ab und zu muss man manuell nachjustieren.

Im Grading Modus von DaVinci Resolve haben wir dann noch jeden einzelnen Clip separat gegraded. Bei den Introshots haben wir das Gras etwas grüner gemacht und das gesamte Bild etwas wärmer gemacht.

Mit der letzten Note haben wir dann noch den starken Farbstich in den Schatten desaturiert, das Gesamtbild wird durch diesen letzten Schritt noch einmal harmonischer.

Musik und Sounddesign

Wie bereits erwähnt, haben wir ein passendes Musikstück von Tony Anderson gefunden. Das Lied hat ein schönes Intro und baut sich gut auf. So können sich die Bilder parallel zur Musik entwickeln.

Beim Sounddesign haben wir einen etwas anderen Weg eingeschlagen. Aber eins nach dem anderen. Zunächst wollten wir die typischen Skateboardsounds verwenden – Rollen auf dem Boden, Grinden auf Stangen, etc. Wir haben den Originalton verwendet und bei den Zeitlupenaufnahmen der FS700 den Originalton von anderen Aufnahmen dazu gemischt. Die FS700 nimmt keinen Ton während der Superslowmotion auf

Die gestandenen Tricks haben wir mit einem dunklen Bass verstärkt. Jedes mal wenn ein Skateboard auf dem Boden auftritt, dann hört man diesen Basston.

Animation/VFX

Wir haben zunächst keine aufwändigen Animationen bei dem Film geplant. Beim Schnitt sind uns aber bereits ein paar Shots aufgefallen, bei denen man etwas nachhelfen musste. Hierbei geht es nicht um starke Specialeffects, sondern nur um kleine Effekte um das Bild zu verschönern. Bei den Animationen wollten wir nur die bestehende Stimmung verstärken.
Da wir an mehreren Tagen gedreht haben, hatten wir natürlich nicht immer das gleiche Licht, es war zwar meistens sehr sonnig, aber genau bei den Aufnahmen für das Intro ist eine Wolkenbank sehr schnell aufgezogen und hat das Bild eher mau gemacht. Bei den Anfangsaufnahmen haben wir daher einen zusätzlichen Lensflare eingebaut.

Das Outro sollte die Logos vom Skateboardverein und von uns auf dem Boden zeigen und man fährt praktisch an den Logos vorbei. An sich keine schwierige Animation. Man muss lediglich einen bestimmten Punkt im Raum tracken und dann das Logo an diesem Punkt ausrichten, mit wenigen Handgriffen kann man so ein Logo im Raum schweben lassen. Der Belag des neuen Skateparks in Ulm ist einer der besten Beläge im Umkreis, ein sehr glatter und harter Beton. Zum Fahren super, für Filmaufnahmen eher weniger geeignet, es gibt einfach keine starken Kontraste oder markante Stellen. Der Outroshot ist von der Farbgebung vom Kontrast fast homogen, der 3D-Kamera-Tracker von After Effects hat leider keine Ergebnisse geliefert. Durch die glatte Oberfläche und die monotone Farbgebung erkennt der Tracker keine Perspektive. Schon bei der Analyse haben wir uns gedacht, dass das keine einfache Animation werden würde. Wir haben die Kontraste bei diesem Shot für den Tracker angehoben, aber leider auch ohne Erfolg.
Mit Hilfe von Mocha (Kostenlose Version für After Effects) haben wir den Shot noch einmal getracked. In Mocha kann man besser perspektivisches Tracken einstellen. Der Tracker von Mocha merkt sehr gut, wie die Kamera sich ändert und passt dementsprechend die Trackpunkte und die Perspektive an. Leider haben wir hier auch nach mehrmaligen Versuchen mit unterschiedlichen Einstellungen und Trackpunkten keine zufriedenstellenden Ergebnisse erhalten. Man kann zwar die Logos auf dem Boden verankern, leider wackeln diese dann doch ab und zu hin und her und machen die Animation unbrauchbar.

Nach einigen Stunden Arbeit haben wir uns gegen das Outro mit den verankerten Logos entschieden, der Tracker lief einfach nicht schön und so haben die Logos immer etwas geruckelt. Man hätte wahrscheinlich noch zwei Tage Arbeit allein in das Outro stecken müssen. Jeder Trackpunkt hätte von Hand angepasst werden müssen oder man hätte direkt beim Dreh Trackingpunkte am Boden anbringen müssen um dann anhand dieser Punkte zu tracken.

Manchmal muss man sich auch von einer Idee verabschieden. Mittlerweile war schon ca. 1 Monat vergangen und wir wollten nicht länger mit der Veröffentlichung des Filmes warten.

Was haben wir aus diesem Projekt gelernt?

– man kann auch mit wenig Vorbereitungszeit einen ansprechenden Film machen, aber man darf die Konzeption und die Planung nicht vergessen. Wir hätten uns etwas mehr Zeit für die Konzeption und Planung gewünscht um noch mehr aus der Idee heraus zu holen. Im Nachhinein würden wir bestimmt einige Shots anders machen oder den Film anders aufbauen, aber nur so lernt man.

– Bei glatten Böden sollte man Trackingpunkte anbringen, diese könnten zum Beispiel grüne Post-Its sein, diese muss man natürlich in der Nachbearbeitung wieder entfernen. Hier hätte man einen Vorteil durch 4K. Man filmt die Trackingpunkte so, dass sie am äußeren Bildrand sind, bei einer 1080p Timeline kann man dann einfach das Stück mit den Trackingpunkten vom Bild ausschließen, ohne Qualität zu verlieren

– Wir haben es wahrscheinlich etwas mit den Superzeitlupen übertrieben, aber ich (Josef) habe schon so lange keine Skateboardaufnahmen mit der FS700 mehr gemacht und ich kann mich an den Aufnahmen einfach nicht satt sehen.

Wir hoffen, euch hat diese neue Art von Artikeln gefallen, mehr Erfahrungen aus der Praxis kann man fast nicht mehr geben. Wir wollen in Zukunft mehr solche Praxisbeispiele für den Blog machen, leider können wir nicht zu allen Projekten so einen ausführlichen Bericht schreiben, da diese Berichte immer sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und wir die eigentliche Arbeit (Filmproduktion) nicht vernachlässigen dürfen.

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