Hochwertige Online Meetings – DSLR/DSLM oder andere Kameras bei Onlinemeetings verwenden

In diesem Artikel zeige ich euch, wie ihr als Filmemacher in Online Meetings Eindruck schinden könnt. Ein gutes Bild und ein guter Ton sind nämlich nicht nur beim Film wichtig, sondern auch bei Videokonferenzen und Online Meetings. Aber es geht natürlich nicht nur um Eindruck schinden. Wenn man von seinen Gesprächspartnern besser gesehen und besser verstanden wird, vermeidet man Missverständnisse und unnötige Wiederholungen. Am Ende des Artikels habe ich noch einen Pro-Tipp für euch. 

Zusätzlich kann man dann noch bestimmte Features und Apps nutzen, um Online-Präsentationen für den Zuschauer besser zu machen. Schlussendlich wollen wir ja nicht Zeit von unseren Gesprächspartnern verschwenden. 

In diesem Artikel lernt ihr wie ihr aus diesem Bild …

… dieses Bild macht.

Einführung

Muss ich wirklich diese Einleitung schreiben? Wir wissen alle, warum ich diesen Artikel schreibe. 2019 hatte ich noch keine einzige berufliche Videokonferenz, 2020 haben diese natürlich schlagartig zugenommen. Ich glaube auch, dass uns die Videokonferenzen nach der Pandemie erhalten bleiben, weil sie einfach so praktisch sind und viele Unternehmen das auch jetzt erkannt haben. 

Videokonferenzen sparen Zeit

Mittlerweile genieße ich die Videokonferenzen, weil ich einfach nicht mehr so viel im Auto sitzen muss. Besonders die vermeintlichen kurzen Meetings in der eigenen Stadt entpuppen sich oft als Zeitfresser. Ich habe zum Beispiel aufgehört, Meetings in den RushHour-Zeiten (8-9 Uhr und 15-17 Uhr) zu planen bzw. zu vergeben. Mich hat es einfach immer gestört, dass man für ein 30-60 Minuten Video oft 30min im Auto sitzt. So ist schnell mal ein halber Tag verloren und ich hasse es im Verkehr zu stehen. 

Videoqualität der Videokonferenzen

Nach ein paar Meetings beschäftigt man sich als Filmemacher natürlich dann auch mal mit der Bildqualität. Man schaut, wie die Video- und Audioqualität der Gesprächspartner sind und vergleicht das mit dem eigenen Bild bzw. Ton. 

Ich habe dann sehr oft festgestellt, dass meine Video- und Audioqualität nicht arg viel besser ist, als von den meisten anderen Teilnehmern. Ich verwende ja schon immer Macs und hier kann man sagen, dass diese Computer in der Regel noch die besten Webcams haben. Aber der Unterschied ist wirklich nur marginal. Apple verbaut ja erst kürzlich Webcams mit 1080p-Auflösung. In meinem iMac von 2019 arbeitet auch nur eine 720 Webcam. 

Als Kameramann und Filmemacher ist das für mich natürlich untragbar. Eine Lösung musst her.

LiveStreaming

Die Lösung hat man natürlich direkt vor der Nase. LiveStreaming wird ja von vielen Youtubern und Twitchern schon seit Jahren gemacht. Die Hersteller von LiveStreaming-Geräten haben das natürlich auch erkannt. Anfang 2020 kamen daher auch viele Hersteller mit der Produktion ihrer Produkte nicht mehr nach. Das war natürlich auch dem Lockdown geschuldet, aber die Nachfrage hat eben auch angezogen. 

Videokonferenzen sind ja an sich nichts anderes als LiveStreaming, in abgespeckter Form, da mann nicht unbedingt tausende von Zuschauern hat. 

Jetzt muss man sich nur überlegen, wieviel Geld man in ein gutes Setup investieren will und welchen Aufwand man im Allgemeinen mit der Software betreiben will. 

Unterschiedliche Streaming-Lösungen für Online Meetings

Jetzt stelle ich euch unterschiedliche Streaming-Lösungen vor. Ich wollte zu Beginn auch noch nicht so viel investieren, da man immer den Kosten-Nutzen abwägen muss. Braucht man am Anfang unbedingt ein separates Gerät zum Streamen oder reicht evtl. die eigene Kamera aus. 

Hier liegt auch oft schon das Problem, wenn man keine Kamera zum Streamen hat, dann braucht man evtl. ja erstmal eine. Ihr fragt euch, welcher Filmemacher hat denn keine eigene Kamera? Das gibt es durchaus, lest euch hier mal meinen Artikel zu Kaufen vs. Leihen durch und wenn ihr direkt eine Kamera zum Filmen sucht, dann lest euch auch diesen Artikel durch. 

Ich gehe jetzt mal bei allen Lösungen davon aus, dass man eine eigene Kamera (DSLR, DSLM) hat. Wenn man keine Kamera hat, muss man den Anschaffungspreis hier noch dazu addieren. Man braucht ja nicht nur eine Kamera, sondern evtl. auch ein Objektiv, ein Stativ, ein Mikrofon und vor allem eine Lösung für Dauerstrom, da ja Meetings oft eine Weile gehen können. 

Low-Budget-Lösung

Eine kostengünstige Lösung ist, die eigene Kamera mittels Hersteller-Software für Videokonferenzen zu verwenden. Viele Hersteller haben nämlich im letzten Jahr ihre Kamera um das Streamen erweitert. Oft wurde einfach nur eine spezielle Software entwickelt. Diese kann man sich laden und dann die Kamera im Videokonferenz-Tool (Zoom, MS Teams, Skype) seiner Wahl verwenden.

Ein Beispiel hierfür ist das Canon Webcam Utility. Sobald man die Software installiert hat, kann man in der Konferenzsoftware bei Video – EOS Webcam Utility auswählen. Jetzt wird das Bild der Canon-Kamera mittels Webcam Utility zur Konferenzsoftware übertragen. Diese Art von Software gibt es natürlich von jedem Hersteller, egal ob Nikon, Fuji, Sony oder Panasonic. Einzig Blackmagic macht hier eine Ausnahme, die Kamera können nicht direkt mit dem Computer verbunden werden. 

Das war’s aber auch schon, der Ton der Kamera wird nicht unbedingt übertragen. Hier gibt es Einschränkungen durch die USB-Verbindung von der Kamera zum Computer. Jetzt hat man zwar in der Videokonferenz ein gutes Bild, aber unter Umständen einen schlechten Ton, wenn man zum Beispiel keine guten internen Mikrofone im Computer hat. 

Für einen guten Ton braucht man natürlich noch ein externes Mikrofon. Jetzt kann es sein, dass man auch schon an die Grenzen der Anschlüsse des eigenen Computers kommt. Wenn man zum Beispiel einen Kopfhörer verwendet, kann man oft kein Mikrofon mehr anschließen, weil der Klinkenanschluss schon belegt ist. Jetzt braucht man evtl. ein USB-Mikrofon. 

Jetzt gibt es aber oft ein Synchronitätsproblem, da die Kamera und der Ton aus zwei unterschiedlichen Quellen kommen. Zumindest hatte ich immer ein Problem mit der Synchronisation. Dabei war es egal, welches Delay ich eingestellt habe. 

Mit einer zusätzlichen Software (OBS) kann man jetzt das Bild- und Audiosignal sammeln und gegebenenfalls eine Verzögerung beim Audiosignal einbauen. 

Mittleres Budget

Wenn man etwas mehr investieren will, kann man sich ein separates Streaming-Gerät holen. Hier schließt man dann die Kamera und das Mikrofon an. Das Gerät sammelt dann den Input, wandelt es um und schickt ein Signal über HDMI oder USB raus. 

Ich hatte mich für das Elgato HD60S (Thomann-Link) entschieden. Da man hier Bild und Ton separat anschließen kann. Es gibt auch eine eigene Streaming-Software von Elgato. 

Jetzt braucht man noch ein Programm, dass das Signal vom Elgato abgreifen und an die Online-Meeting-Software (MS-Team, Zoom) weitergeben kann. Hierfür habe ich OBS verwenden. OBS ist ein kostenloses Streaming-Programm. Bei OBS muss man dann das NDI-Plugin (NDI-Link) installieren, damit OBS das Elgato auch sehen kann. Hierfür gibt es viele Tutorials bei Youtube. Danach kann man bei OBS eine neue Quelle hinzufügen – NDI-Source. Jetzt sollte ihr das Kamerabild im OBS haben. Falls ihr ein Mikro beim Elgato angeschlossen habt, sollte dieses eigentlich auch erscheinen. 

Dieses Feature hat bei mir am Mac aber nicht funktioniert, egal welche Konfiguration ich gewählt habe. So habe ich zunächst das interne Mikrofon vom Mac verwendet. Hier gab es das schon erwähnte Synchronisationsproblem. Der Ton kam schneller an, als das Bild. Man kann in OBS zwar ein Delay bei der Audioquelle einstellen. Aber ganz synchron habe ich es nicht bekommen. 

Nach einer Zeit hat mich dieses System so genervt, dass ich es wieder verkauft habe und mir das Atem Mini von Blackmagic geholt habe. 

Versteht mich nicht falsch, mit deutlich mehr Zeitinvestment hätte man das Bild und den Ton bestimmt ordentlich synchronisiert bekommen. Ich hatte aber schon mehrere Stunden vergebens investiert und bevor ich noch ein paar Stunden vergeudet hätte, habe ich mich eher für einen kompletten Cut entschieden. 

Hohes Budget

Für noch etwas mehr Budget bekommt man separate Streaming-Switcher. Diese Geräte sind für das Übertragen von Bild- und Toninhalten optimiert. Mit diesen Geräten könnte man schon kleine TV-Shows realisieren. Weil man oft die Möglichkeit hat, mehrere Video- und Audioquellen zu verarbeiten und als ein gesammeltes Signal auszugeben. 

Ich habe mich für den Atem Mini (Thomann Link) von Blackmagic entschieden, weil ich sowieso schon die Blackmagic Pocket 4K habe und beide Geräte wunderbar miteinander arbeiten. Man kann natürlich auch den Atem Mini Pro nehmen, wenn man noch die Möglichkeit haben möchte, den Livestream parallel auf eine SSD aufzuzeichnen. Ich persönlich brauche das bei OnlineMeetings nicht. 

Das Schöne an der Pocket oder jeden anderen DSLM/DSLR ist, dass man auch die eigenen Wechselobjektive nehmen kann und so eine echte Tiefenschärfe bekommt. Viele Meetingprogramme können ja die Tiefenschärfe simulieren, aber das sieht meiner Meinung nach sehr schlimm aus.

Wenn man natürlich aufwendigere LiveStreams plant, die auch nach dem Stream noch bearbeitet werden sollen, würde ich direkt den Atem Mini Pro empfehlen. 

Beim Atem Mini kann man bis zu 4 Kameras über HDMI anschließen und zwei Mikrofone über Klinke. Der Atem Mini selbst wird mit USB-3 am Rechner angeschlossen. Jetzt kann man entweder die Atem Software Control oder OBS zum Stream verwenden. Ich verwende OBS, weil ich die meisten Sachen schon durch meine kleinen Elgato-Ausflug eingerichtet hatte. Ich musste jetzt nur noch die Videoquelle ändern. 

Beim Atem Mini kann man bis zu 4 Kameras über HDMI anschließen und zwei Mikrofone über Klinke. Der Atem Mini selbst wird mit USB-3 am Rechner angeschlossen. Jetzt kann man entweder die Atem Software Control oder OBS zum Stream verwenden. Ich verwende OBS, weil ich die meisten Sachen schon durch meine kleinen Elgato-Ausflug eingerichtet hatte. Ich musste jetzt nur noch die Videoquelle ändern. 

In OBS muss man dann noch unbedingt die virtuelle Kamera aktivieren. Sonst sieht man später im Zoom oder Teams nur einen OBS-Platzhalter und nicht das eigentliche Kamerabild. 

Streaming mit der Pocket4k und einem angeschlossenen Rode NTG-2

Ich habe diese Lösung Anfang 2021 gefunden und leider habe ich mir nicht alle Fehler und Lösungen genau für diesen Artikel aufgeschrieben. Ich versuche daher meine Lösung noch zu rekonstruieren. Ich arbeite an einem Mac, bin mir also nicht 100% sicher ob meine Lösung auch bei Windows funktioniert. Aber evtl. gibt es bei Windows ja kein Ton-Problem mit dem Atem Mini und der Pocket4K.

Bei mir am Mac hat die Audioübertragung von der Pocket4k ins OBS und weiter zu Zoom nicht funktioniert. An der Kamera habe ich mein Rode NTG-2 angeschlossen.

Nach etwas Recherche bin ich dann auf folgendes Tool gestoßen: VB-Cable A/B und iShowU AudioCapture. 

VB-Cable ist ein virtuelles Audiokabel, mit dem man Eingangssignale zu Ausgangssignalen umwandeln kann. Dieses Plugin kostet auch nur 5€. So wie ich es verstanden habe, bekommt VB-Cable A ein Signal und leitet es weiter an VB-Cable B. So kann man VB-Cable A als Eingangssignal verwenden (Stimme wird mit Mikro aufgenommen) und VB-Cable B als Ausgangssignal. 

Danach hab ich im Audio-Midi-Setup von OSX ein neues „Gerät mit mehreren Ausgängen erstellt“. Folgender Screenshot zeigt dieses Gerät. 

In OBS. Dieses Gerät heißt bei mir USB Advanced Audio Device. Ich habe am Mac noch ein Thunderbolt-Dock hängen 

Wenn ich ein OnlineMeeting habe, dann stelle ich meinen Ton auf das USB Advanced Audio Device. Jetzt läuft der Ton vom Rechner auf meinen Kopfhörern. 

Im Zooms oder MS-Teams stelle ich das Mikrofon auf VB-Cable A und Tonausgabe auf USB Advanced Audio Device.

Zusammenfassung

Mittlerweile gibt es ein paar Lösungen für hochwertige OnlineStreams auf dem Markt. Nach meiner kleinen Odyssee zu den verschiedenen Streaminggeräten würde ich euch zwei Lösungen empfehlen. Wenn ihr wenig Aufwand haben möchtet, dann streamt über die Kamerasoftware, falls eure Kamera das unterstützt. 

Wenn ihr euch etwas mehr mit dem Thema auseinandersetzen wollt, dann holt euch direkt das Atem Mini. Dann könnt ihr festlegen ob ihr über die Atem Software oder OBS arbeitet. 

Pro-Tipp für OBS: Ich habe ja schon erwähnt, dass ihr die virtuelle Kamera in OBS aktivieren müsst, wenn das Bild zur Meeting-App übertragen werden soll. Wenn ihr die virtuelle Kamera deaktiviert habt, schickt OBS ein Platzhalterbild an die Meeting-App. Dieses Platzhalterbild könnt ihr anpassen. Beim Mac geht ihr zu folgendem Ordner: /Volumes/Macintosh HD/Library/CoreMediaIO/Plug-Ins/DAL/obs-mac-virtualcam.plugin/Contents/Resources/placeholder.png
Die Placeholder.png ersetzt ihr mit eurer selbsterstellten Bild (gleicher Name natürlich). Jetzt wird euer Platzhalterbild angezeigt, wenn die virtuelle Kamera deaktiviert ist. Wirkt noch einmal professioneller.

Bei jedem Update müsst ihr aber dieses Bild neu ersetzen.

*es handelt sich um Amazon-, EBay-, SmallRig oder Thomann-Affiliate Links.
Das bedeutet, ich bekomme eine Miniprovision, wenn jemand etwas kauft,
das Produkt wird dadurch nicht teurer.

die lichtfänger Josef Sälzle
Josef Sälzle // DIE LICHTFÄNGER Gründer und Filmemacher

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über Kamera– ,
Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
Mit meiner Filmproduktion DIE LICHTFÄNGER mache ich Filme für Unternehmen & andere Selbstständige. Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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