Nikon Zf im Test – mein erster Eindruck im Vergleich zur Fuji X100V und Canon 5D
In diesem Artikel möchte ich meine Erfahrungen mit der Nikon ZF (Amazon-Link) schildern. Ich hatte mich gerade verschrieben und Zikonf geschrieben und das gefällt mir sehr gut.
Ich möchte euch ein paar Gedanken zu meiner aktuellen Kamera-Situation mitgeben. Vielleicht kennt ihr das selbst: Man ist mit seiner Kamera eigentlich zufrieden, aber so richtig glücklich eben doch nicht. Kann man dieses Problem mit Technik lösen? Ich bezweifle es, aber finde wir es heraus.
Inhaltsverzeichnis:
Von der Fuji X100V zur Nikon ZF
In den letzten Jahren habe ich sehr viel mit der Fuji X100V gearbeitet in meinem Blogartikel „Die andere Art der Fotografie“ habe ich auch schon ausführlich darüber berichtet. Sie ist für mich eine Art „Immer-dabei-Kamera“: Egal ob bei Drehs als Making-of, bei Familienfeiern oder einfach, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin – die X100V hängt fast immer um meinen Hals. Sie ist leicht, unauffällig, liefert solide Ergebnisse und hat meine Liebe zur Fotografie wieder neu entfacht.
Für YouTube-Videos war die Fuji eine gute Alternative zu meiner Blackmagic Pocket, die zwar in Bildqualität top ist, aber eben keinen Autofokus hat. Sobald ich mich im Bild etwas bewege, bin ich bei der Pocket sofort unscharf. Die Fuji mit ihrem rudimentären Video-Autofokus ist da flexibler, aber eben nicht perfekt – man merkt ihr doch an, dass sie in erster Linie ein Fotoapparat ist (und das ist auch an sich gut so, wir müssen wieder weg von den Alleskönner-Geräten).
APS-C oder Vollformat?
Das Thema Sensorgröße lässt mich bei der Fotografie aber irgendwie nicht los. In meinem professionellem Videoalltag drehe ich meistens mit der RED KOMODO und bin auch sehr zufrieden mit dem Super35-Format. Aber in der Fotografie werde ich irgendwie nicht so warm mit APS-C, obwohl ich schon über 15000 Bilder mit der X100V in ca. 2 Jahren gemacht habe.
Eines meiner größten Themen ist der Bildlook. Für Porträts greife ich immer noch lieber zu meiner alten Canon 5D. Eine sehr gute Vollformat DSLR aus dem Jahr 2012. Vollformat hat einfach eine andere Anmutung, besonders im Studio. Auch wenn 23 mm an APS-C rein rechnerisch einem 35 mm Vollformat entsprechen – es sieht eben nicht gleich aus. Ein 23 mm-Crop wirkt anders als ein echtes 35 mm-Objektiv, und gerade bei Portraits stört mich das manchmal.
Hinzu kommt die Lowlight-Performance: Bei Theateraufnahmen oder schwachem Licht lande ich mit der Fuji schnell bei ISO 3200 oder 6400. Und sobald ich die Bilder groß am Rechner sehe, bin ich nicht mehr ganz zufrieden. Das ist Jammern auf hohem Niveau – natürlich.
Die 5D liefert mir in solchen Situationen teilweise die bessere Bildqualität. In den höheren ISOs hat man natürlich auch schnell diesen typischen HighISO-Digital-Look. Die 5D ist aber dennoch groß, schwer und schlicht unpraktisch, wenn man sie wirklich immer dabei haben will.
Theoretisch ist die Sensorgröße komplett egal, das habe ich ja auch schon in mehreren Blogartikeln gesagt. Aber dann gibt es die Grenzfälle bei denen man dann doch einen Unterschied hat.
Hier kommt die Nikon ZF (Zikonf)
Und damit kommen wir zur Nikon Zf. Ich habe schon länger ein Auge auf diese Kamera geworfen. Ich habe einfach eine Schwäche für Kameras mit klassischen Rädchen, Lederoptik und Retro-Design. Habe die Kamera mir dann für eine Woche ausgeliehen, um einfach mal zu Schauen, ob sie mir taugt.

Als ich sie das erste Mal in der Hand hatte, war der Eindruck sofort positiv:
- Haptik: Die Zf fühlt sich solide an. Die Einstellräder haben einen angenehmen Widerstand, deutlich besser als bei der Fuji, wo sich die Belichtungskorrektur oft von selbst verstellt.
- Gewicht: Überraschend nah an der X100V – trotz größerem Sensor. Mit einem kleinen Cage an der Fuji gleichen sich die beiden fast aus.
- Bedienung: Hier merkt man sofort, dass es eine Hybridkamera ist. Die Menüs sind umfangreich, teilweise verschachtelt. Man findet vieles, aber eben nicht sofort. Da hilft nur: durchklicken, in die Anleitung schauen und die Kamera möglichst oft verwenden




Was mir fehlt: der Blendenring am Objektiv, den ich an der Fuji sehr mag. Bei Nikon muss man das über das Gehäuse steuern – nicht schlimm, aber ein Unterschied, an den man sich gewöhnen muss. Das kleine Display für die Blende an der oberen Seite der Kamera ist ein nettes Feature, teilweise aber nicht so gut lesbar. Gerade bei Dunkelheit sieht man hier nichts.
Bei der Fuji weiß man durch das Ertasten des Blendenrings ungefähr welche Blende man hat.

Erster Videotest in N-Log
Natürlich interessiert mich auch die Videofunktion. Ich habe die Zf direkt in N-Log getestet, mit offener Blende bei ISO 800. Der Autofokus hat mich dabei grundsätzlich gut verfolgt, aber die Einstellungen sind bei Nikon etwas gewöhnungsbedürftig. Im Vergleich fand ich Canon und Fuji in der Handhabung klarer.
Ein kleiner Wermutstropfen: Auf meinem externen Blackmagic Video Assist bekomme ich nur das Log-Signal ohne Rec.709-LUT. Auf dem internen Display zeigt die Kamera zwar eine Vorschau, aber für die externe Kontrolle muss man selbst nachhelfen und eine passende LUT auf dem externen Display verwenden.
Mein Zwischenfazit
Die Nikon Zf macht optisch richtig was her und fühlt sich sehr hochwertig an. Im Handling überzeugt sie durch gute Einstellräder und solide Haptik. Gleichzeitig ist sie komplexer in der Bedienung – man merkt, dass Nikon versucht, sowohl Fotografen als auch Videofilmer glücklich zu machen.
Alltagserfahrungen
Ich war dann eine Woche mit der Kamera im Urlaub und hatte sie jeden Tag dabei und habe bewusst die Fuji in der Ferienwohnung gelassen (natürlich mit einem weinenden Auge).
Das war aber die richtige Entscheidung, denn zwei Kameras gleichzeitig machen auf einer Wanderung oder im Familienurlaub keinen Sinn und ich wollte ja auch die Stärken und Schwächen der ZF kennenlernen.
Und genau so, wie ich sonst die Fuji nutze, habe ich die Nikon eingesetzt: beim Wandern, im Restaurant, in alltäglichen Situationen. Sie sollte sich beweisen, ob sie wirklich als Immer-dabei-Kamera taugt.







IBIS und ISO-Automatik
Viele interessieren sich bei der Zf für den Bildstabilisator (IBIS). Meine Erfahrung: Er ist da, aber er fällt kaum auf – was positiv ist. Gerade beim Filmen in Bewegung oder bei schnellen Schnappschüssen unterstützt er spürbar, ohne aufdringlich zu wirken.
Spannend fand ich die Arbeit mit der ISO-Automatik. Ich habe sie auf maximal ISO 3600 eingestellt, Basis bei 100. Funktioniert, aber es fühlt sich für mich ungewohnt an. Ich arbeite lieber klassisch: ISO manuell festlegen, Belichtungszeit und Blende darauf anpassen. So behalte ich den Bezug zur Lichtsituation.
Auffällig: Bei der Nikon habe ich oft wirklich auf ISO 100 gearbeitet – mit der Fuji lande ich meistens eher bei 400 oder 800. Das hat mir gezeigt, dass die Zf mich auch dazu bringt, meine Gewohnheiten zu hinterfragen.
Interne Codecs und ProRes-Workflow
Wieder zuhause habe ich die Kamera noch für einige Videotests verwendet und auch mal die externe Aufzeichnung über den Blackmagic Video Assist ausprobiert.
Die Nikon zeichnet intern in H.265 mit 10 Bit auf. Das ist praktisch für Speicherplatz und schnelle Clips, aber wer aus dem Blackmagic- oder RED-Umfeld kommt, merkt sofort die Einschränkungen. H.264/H.265 sind komprimierte Formate, die sich nur bedingt für längere Projekte eignen – Schneiden und Grading machen damit weniger Spaß, da viel Rechenleistung ausgelagert wird.
Darum habe ich parallel ein externes ProRes-Signal aufgezeichnet. Das gibt mir beim Schnitt deutlich mehr Flexibilität. Auch wenn man ehrlich sein muss: Die spiegellosen Hybriden sind nun mal nicht dafür gedacht, interne RAW- oder hochwertige ProRes-Codecs zu liefern. Mit den S-Modellen von Lumix und der neuen Nikon ZR bekommt man einen ersten Eindruck, was eine interne ProRes oder RAW-Aufzeichnung möglich macht. Ich bin ja Fan von der internen Aufzeichnung, weil man einfach nicht so viele Kabel hat. Trotzdem – allein die Option über HDMI erweitert die Einsatzmöglichkeiten.
Display und Kabelsalat
Wenn wir schon beim Thema nervige Kabel sind. Ein Thema, das mir sofort aufgefallen ist: das Klappdisplay. An sich praktisch, gerade wenn man sich selbst filmt oder im Selfie-Modus arbeitet. Aber sobald HDMI- und Tonkabel angeschlossen sind, blockieren sie schnell die Sicht. Im Alltag ist das einfach unpraktisch.
Die Fuji-Lösung mit dem seitlich kippbaren Display gefällt mir da besser, gerade wenn man spontan aus der Hüfte fotografieren will. Das Klappdisplay der Zf ist nett, aber für die Bildbeurteilung oder Fokuskontrolle brauche ich sowieso einen größeren Monitor daneben.
JPG-Rezepte
Bei der Nikon Zf sind natürlich auch die JPEG-Rezepte interessant. Ganz an das Niveau von Fuji kommt Nikon hier zwar noch nicht heran, aber es gibt bereits eine solide Auswahl, mit der man arbeiten kann. Die Standard-Looks wirken für meinen Geschmack manchmal etwas zu kräftig, fast schon überzeichnet, doch das lässt sich zum Glück gut in den Griff bekommen. Über die Nikon-Software hat man die Möglichkeit, die Profile sehr fein anzupassen und sich so eigene Rezepte zu erstellen, die besser zum persönlichen Stil passen. So entsteht ein gewisser Spielraum zwischen „out of the box“ und komplett maßgeschneidert, auch wenn Fuji in dieser Disziplin weiterhin die Nase vorn hat.
Nikon arbeitet natürlich auch weiter und hat kürzlich mit einer Firmware den Grain bei den JPG-Rezepten nachgeliefert. Als ich die ZF hatte, stand mit der Grain natürlich noch nicht zur Verfügung. Das war vielleicht auch so ein Grund, warum ich nicht ganz so zufrieden mit den Rezepten von Nikon war. Ich mag die interne Grainsimulation von Fuji schon sehr
Fazit nach einer Woche
Nach einer Woche mit der Nikon Zf kann ich sagen:
- Sie ist eine sehr gute Hybridkamera, die sich sowohl für Foto als auch für Video eignet.
- Im Alltag überzeugt sie durch gute Haptik und einen angenehmen Retro-Look.
- Die Codec-Situation bleibt ein Schwachpunkt, aber mit externem ProRes kann man das umgehen.
- Das Display ist Geschmackssache – für Vlogger nett, für Videografen mit Kabel-Setup eher unpraktisch.
Im Moment kann ich sagen, dass die Nikon ZF meine Fuji X100V nicht ablösen wird. Dafür mag ich den Formfaktor der Fuji einfach viel zu sehr. Ich bin auch kein Fan mehr vom typischen SLR-Design mit dem erhöhten Höcker für den Sucher bzw. EVF. Da gefällt mir das Messsucher-Design viel mehr. Es ist einfach schlichter und unauffälliger.
Die neue Nikon ZR hat hingegen doch einiges ins Rollen gebracht und hier überlege ich tatsächlich, ob ich mein Hauptkamerasystem (bestehend aus RED KOMODO und Lumix S5IIX) gegen ein reines Nikon/RED-System austausche, aber das ist ein Thema für einen anderen Blogartikel.
Die Nikon ZF kann man kaufen
Ein interessanter Punkt ist natürlich auch die Verfügbarkeit der Kamera. Die Fuji-Modelle sind ja in der Regel immer sehr schnell vergriffen und werden dann zu horenden Preisen auf dem Gebrauchtmarkt verkauft.
Die Nikon ZF (Amazon-Link) kann man heute direkt so kaufen und man bekommt sie auch recht schnell und muss kein halbes Jahr auf die Kamera warten.
Update Oktober 2023
Nikon hat Ende Oktober die Firmware 3.0 für die Nikon ZF veröffentlicht. Das Update beinhaltet:
Note: The changes listed below under “Still Photography”, “Video Recording”, “Playback”, “Controls”, “Displays”, and “Network” are detailed in the Supplementary Firmware Update Manual.
Note: Due to the addition of new menu items, some Custom Settings menu items have been renumbered.
■ Still Photography
- • Added [Film grain options] to the photo shooting menu. You can use it to take grainy pictures that simulate the look of traditional film photography.
- • Added a [C15] high-speed frame capture + release mode option.
■ Video Recording
- • Added [Film grain options] to the video recording menu. You can use it to take grainy videos that simulate the look of traditional film photography.
- • Selecting [ON] for [Hi-Res Zoom] in the video recording menu now displays a focus point on the detected subject in the shooting display.
■ Playback
- • The [Record camera orientation] item in the playback menu now has separate options for [Photos] and [Video]. The camera orientation for video recording and time-lapse video recording can also be saved.
■ Controls
- • Added a [Maximum aperture Lv] item to the [CUSTOM SETTINGS MENU] in position of a13.
- • Added a [Focus limiter setting] item to the [CUSTOM SETTINGS MENU] in position of a15.
- • Added a [Minimum] option to Custom Setting c2 [Self-timer] > [Interval between shots] in the [CUSTOM SETTINGS MENU].
- • Added assignable roles to the custom controls via the following items in the [CUSTOM SETTINGS MENU].
- – f2 [Custom controls (shooting)]
- – g2 [Custom controls]
- • Exposure compensation and ISO sensitivity can now be assigned to the command dials in mode M using g2 [Custom controls] > [Command dials] > [Exposure setting] in the [CUSTOM SETTINGS MENU].
- • Added [Automatic monitor display switch] to the [SETUP MENU].
- • Contents of [Camera sounds] in the [SETUP MENU] have been changed. Now you can select whether the camera makes an electronic shutter sound during high-speed frame capture + or pixel shift shooting. The electronic shutter sound volume can also be adjusted.
■ Displays
- • Added an [Only during zoom] option to a12 [Focus peaking] in the [CUSTOM SETTINGS MENU].
- • Added a framing grid option of 4:3 to d16 [Grid type] in the [CUSTOM SETTINGS MENU].
- • Added a framing grid option of 9:16 to g14 [Grid type] in the [CUSTOM SETTINGS MENU].
■ Network
- • Added [USB streaming (UVC/UAC)] to [USB] in the [NETWORK MENU].
- • Changed some messages and the default values related to Nikon Imaging Cloud.
- • A new method for adding Picture Controls from Nikon Imaging Cloud is now available.
- • Added [Wi-Fi connection (STA mode)] which allows you to connect the camera to the smart device via a wireless LAN access point.
■ Other Changes
- • [Pixel shift shooting] options can now be set when the self-timer mode is selected.
- • Pre-Release Capture is now available from compatible Bluetooth remote controllers.
- • Aperture is no longer restricted when recording videos in mode S (Shutter-priority auto).
- • The tonal characteristics have been changed when [ON] is selected for Custom Setting g13 [View assist] in the [CUSTOM SETTINGS MENU].
- • The headphone volume level can now be adjusted in the “i” menu during video recording.
- • Voice memo recording is now available with external microphones.
- • Changed the specifications for uninterrupted video output to HDMI devices such as external monitors when recording ended.
- • Fixed the following issues:
- – The camera displayed the message “The shutter is closed. To start shooting, press the shutter-release button.” in rare circumstances, when single frame shooting was repeated with the monitor closed.
- – The [Maximum aperture] values set for [Lens number] at positions 18 and 19 in the non-CPU lens data feature were not correctly applied when shooting.
Besonders interessant finde ich den Punkt Grain im Foto- und Videomodus.




















