DLF Ein Jahr mit der RED KOMODO

Ein Jahr mit der RED KOMODO – Ein Erfahrungsbericht

In diesem Artikel möchte ich euch meine Erfahrungen mit der RED KOMODO mitteilen. Habe die Kamera jetzt seit einem guten Jahr und viele Projekte mit der Kamera gemacht. Zeit für ein kleines Fazit. 

Meine Artikelserie von der KOMODO ist aber noch nicht fertig, es fehlen noch die Teile 4, 5 und 6. Ihr merkt, dass ich diese Kamera deutlich länger verwende, bevor ich zum Teil 4 Belichtung komme. Ich bin im RED-Kosmos auch neu und brauche hier einfach noch etwas länger bei den Blogartikeln. Aber sie kommen irgendwann. In diesem Artikel bekommt ihr jetzt aber erst einmal ein kurzes Fazit. 

Sensor der KOMODO – Sehr gutes Bild 

Ich bin immer wieder begeistert vom Bild der KOMODO, es sieht oft einfach direkt aus der Kamera sehr gut aus. Es lässt sich auch schwer beschreiben, was an dem Bild so gefällt. 

DLF BØNKER KURZFILM
DLF BØNKER KURZFILM
Dynamik der KOMODO

Die Dynamik der Kamera ist nicht ganz so hoch wie bei den DSMC2-Modellen. Und auch kein Vergleich zur neuen V-Raptor. Manchmal wünsche ich mir auch etwas mehr Dynamik, aber in der Regel war dies nur der Fall, wenn man kein Licht setzen konnte oder das Licht in diesem Moment einfach nicht so optimal war. Wie bei jeder anderen Kamera muss man bei der KOMODO natürlich auch Licht setzen oder zum optimalen Zeitpunkt mit natürlichem Licht drehen. 

DLF Ein Jahr mit der RED KOMODO
DLF Ein Jahr mit der RED KOMODO
Codecs der KOMODO

REDRAW fühlt sich hervorragend an, man hat so viele Möglichkeiten mit dem Material. Ich bin natürlich noch nicht in alle kleinsten Details vorgedrungen, aber selbst in den Grundeinstellungen ist REDRAW ein exzellenter Codec, der aber sehr viele Daten generiert.  

Teilweise bin ich überrascht, wenn ich dann dagegen das Bild von der BMPCC4K bearbeite. Bei der BMPCC4K fällt mir deutlich das Chroma-Rauschen ins Auge, man muss natürlich auch bedenken, dass die Pocket4K „nur“ einen MFT-Sensor hat und keinen Super35. Klar, ich arbeite mit einem Speedbooster bei der Pocket4K, aber die Pixel auf dem Sensor werden dadurch auch nicht größer. 

Manchmal arbeite ich auch mit ProRes bei der KOMODO. Besonders bei Interviews. Hier spart man einfach deutlich mehr Speicherplatz und oft braucht man nicht die Flexibilität von raw. 

Ein großes Problem der KOMODO ist einfach der Speicherplatzverbrauch in raw. Es wird zwar allgemein behauptet, dass Speicherplatz nichts mehr kostet, die CFast-Karten, die entsprechende Kapazität auf der Schnittfestplatte und dem Server summiert sich aber. So muss man schnell noch pro Projekt ca. 500€ an Speicherplatz einplanen. 

GlobalShutter for the win

Der GlobalShutter der KOMODO beeindruckt mich immer wieder. Der nervige Wobble-Effekt nach dem Stabilisieren fällt sehr oft einfach weg. Aufnahmen aus der Hand lassen sich hervorragenden nachträglich stabilisieren. Wenn man mit einem Gimbal arbeitet, dann funktioniert das natürlich noch einmal besser. Man muss natürlich immer die jeweilige Kamerabewegung berücksichtigen. Alles kann man hier nicht stabilisieren. 

DLF Ein Jahr mit der RED KOMODO
DLF Ein Jahr mit der RED KOMODO

Blackmagic hat ja jetzt beim neuen Firmware-Update bei den Pocket-Kameras die Gyro-Daten aktiviert. Diese werden jetzt in das BRAW-File geschrieben und können für die Stabilisierung verwendet werden. Soweit ich weiß, hat die KOMODO auch einen Gyro-Sensor. Wenn man diese Gyro-Daten auch noch in das REDRAW schreiben könnte, hätte man noch mehr Möglichkeiten bei der Stabilisierung. 

Update: Der Geschäftsführer von RED hat gesagt, dass die KOMODO noch keinen Gyro-Sensor verbaut hat. Erst die neue V-Raptor hat diesen Sensor.

Ein weiterer Vorteil vom GlobalShutter ist, dass Blitze durch Stroboeffekte vollständig vom Sensor belichtet werden können und man keine komischen Halbbilder bekommt. Bei der Pocket4K haben wir bei mehreren Kurzfilmen viel mit Stroboskop gearbeitet und hier musste ich dann jedes Frame, bei dem es nur eine halbe Belichtung gab, bearbeiten. 

Das ist natürlich auch ein Spezialfall, wer aber viele Musikvideos oder auf Konzerten dreht, der wird von den Aufnahmen begeistert sein. 

DLF Ein Jahr mit der RED KOMODO

Formfaktor der KOMODO – Individualisierbarkeit

Der Formfaktor der KOMODO war für mich einer der Kaufgründe. Blackmagic hatte ja bereits mit der Micro Cinema Camera eine kleine Würfelkamera im Angebot. Bei den neueren Pockets (4K, 6K und 6K Pro) hat sich Blackmagic ja für einen anderen Weg entschieden, ich habe ja in einem Artikel bereits ausführlich darüber geschrieben. Für meine Einsatzzwecke ist die Pocket4K dann doch etwas zu einseitig. 

DLF Ein Jahr mit der RED KOMODO

Die KOMODO hat sehr sehr viele Konfigurationsoptionen. In meinem Artikel KOMODO Teil 3: Rigging habe ich ja schon ein paar Konfigurationen vorgestellt. Mittlerweile haben sich für mich 2-3 feste Setups herauskristallisiert. Ich verwende die Canon BP-Akkus deutlich weniger als noch am Anfang und habe in der Regel die Tilta oder Bebob Batterieplatte an der Kamera. Hier bin ich aber auch am überlegen, ob ich die Platte von Tilta wieder verkaufe, in meinem Artikel über die bebob COCO MODO schreibe ich ja, welche Probleme ich mit der Platte von Tilta habe. 

Vielleicht sollte ich bei reinen Gimbal BRoll-Sachen wieder mehr die Akkus von Canon verwenden, weil die Kamera einfach wieder leichter wird und man direkt die HotSwap-Möglichkeit hat. 

Mittlerweile gibt es auch sehr viel Zubehör für die KOMODO von unterschiedlichsten Herstellern und in unterschiedlichen Preissegmenten. Man hat nicht nur RIG-Optionen, sondern auch Erweiterungen für die IO-Schnittstellen. 

Der Formfaktor der KOMODO ist im Moment für mich einfach unschlagbar. Der neue Ansatz von RED geht für mich voll auf. Teilweise hätte man noch etwas mehr Platz für einen zweiten EXT-Port lassen können, aber dazu dann mehr im Artikel über die Verbesserungsmöglichkeiten. 

DLF bebob coco-modo
Mehr Kabel am RIG

Bei der KOMODO verwende ich deutlich mehr Kabel am RIG. Bei der Pocket4K hatte ich eigentlich nur die V-Mount Adapterplatte und den Monitor angeschlossen. Ab und zu noch ein Tentacle für den Timecode. Bei der KOMODO hat man ein Monitorkabel, ein Steuerungskabel (Kamera über Monitor steuern), ein Start/Stop-Kabel, ein D-Tap-Kabel für den Monitor und dann auch noch ein Kabel für das Tentacle. 

Gerade der EXT-Anschluss der KOMODO bietet einem sehr viele Möglichkeiten und mit der Tilta Advanced Plate hat man direkt noch mehr Anschlussmöglichkeiten. 

Investitionen in das RED-System

Die KOMODO ist mit Abstand der günstigste Einstieg in den RED-Kosmos, den man je bekommen hat (mal abgesehen von einer gebrauchten RED-One oder DSMC 1). Natürlich braucht man aber noch Zubehör für die Kamera und so bleibt man natürlich nicht beim Preis von ca. 5000€ (nur der KOMODO Body). Man braucht noch Akkus, Speicherkarten, einen SDI-Monitor, SDI-Kabel. Evtl. eine Akku-Adapterplatte, wenn man V-Mounts verwenden will und dann auch noch ein Rig (je nach Anforderungen mit TopHandle und Baseplate und Handgriffen). 

Ich habe dann auch noch in neue V-Mounts investiert. Meine V-Mounts für die Pocket4K waren für die KOMODO einfach zu groß, hier braucht man dann doch eher die Micro V-Mounts. 

dlf bebob micro

Die Möglichkeiten, die man mit der KOMODO hat, sind auch der größte Geldfresser. Bei der Pocket4K hatte ich nach einer Zeit ein relativ festes System und habe hier kaum noch etwas verändert. Bei der KOMODO fallen einem immer wieder neue Konfigurationen und Verbesserungen ein und so investiert man gefühlt andauernd in die Kamera. Das kommt natürlich auch wieder auf eure Arbeitsweise an. Wenn ihr ausschließlich mit dem Gimbal arbeitet, habt ihr wahrscheinlich ein eher festes System. Ich wechsel aber je nach Dreh von Gimbal, zum EasyRig oder zum Stativ. Die Optiken wechsle ich auch je nach Auftrage, teilweise braucht man PL-Optiken, dann wieder EF und mit RF-Optiken möchte ich auch mal etwas drehen. Hier braucht man natürlich dann auch wieder unterschiedliche Adapter.

Beim Preis der Pocket4K kann man sich oft zwei Bodies leisten und hat direkt zwei unterschiedliche Konfigurationen, zum Beispiel eine Studio-Kamera und eine Gimbal-Kamera. Bei der KOMODO muss man deutlich mehr investieren. 

Liste:

  • Body
  • Speicherkarte
  • Objektivadapter
  • Akku
  • V-Mount Adapterplatte 
  • Monitor
  • Cage
  • Baseplate
  • Handgriff
  • TopHandle
  • SDI-Kabel
  • Lemo-Kabel
  • TimeCode-Kabel
  • RS-Kabel

Bedienung der Kamera

Bei der Bedienung der Kamera haben sich für mich zwei Szenarien herauskristallisiert. Einmal steuere ich die KOMODO über den SmallHD 702 Touch mit dem optionalen Kabel und dem Software-Update, beim anderen Mal steuere ich die Kamera nur übers iPhone. 

Letztere Steuerungsoption mache ich hauptsächlich, wenn ich die Kamera auf dem Gimbal verwende. Natürlich könnte man auch noch den SmallHD am Gimbal befestigen, aber hier wird der RS2 Einhandgimbal auch schon wieder recht schwer. Das ist mein größtes Problem mit den Einhandgimbals, eigentlich sollte man das Setup so kompakt halten, dass man nicht so viel tragen muss, aber oft braucht man einfach sehr viel Zubehör um angenehm arbeiten zu können. 

Beim DJI RS2 verwende ich die kleine Smartphone-Halterung und steuere die Kamera komplett über das Smartphone. Man muss aber aufpassen, wo man sich befindet, weil teilweise die Bildübertragung gestört werden kann. In der Regel funktioniert es aber sehr zuverlässig. 

DLF RED KOMODO Gimbal RIG

Im anderen Szenario (EasyRig, Stativ, Handheld, etc.) steuere ich die Kamera komplett über den SmallHD 702 Touch. Erst mit dem SmallHD 702 habe ich die Bedienung der Kamera so richtig lieben gelernt. Es funktioniert einfach alles so intuitiv und einfach. Kein Vergleich zum PortKeys BM5 WR III. Die Bedienung der Kamera über den SmallHD 702 Touch habe ich ja bereits in einem separaten Artikel vorgestellt. 

Professionelleres Tool

Dieser Punkt ist sehr subjektiv. Ich habe aber den Eindruck, dass man mit der KOMODO irgendwie bewusster und professioneller arbeitet. Das ist schwer zu erklären, aber ich überlege mir die Kamerapositionierung, die Brennweite und Blende noch einmal genauer und überprüfe die Belichtung und die Beleuchtung mehrfach. 

Mit der Pocket4K habe ich mir gefühlt nicht so viel Mühe gegeben. Das kann natürlich auch daran liegen, dass ich mich im letzten Jahr noch einmal mehr mit der Belichtung und dem Setzen von Licht auseinandergesetzt habe. 

Ganz klar ist aber, dass die Pocketkameras nicht so professionell aussehen wie eine RED. Es sind einfach noch sehr günstige Kameras aus Plastik und mittlerweile kennen auch viele die Pocket4k und haben selber eine zu Hause. 

Wie gesagt, dieser Punkt ist sehr schwammig und subjektiv. Ich bin auch kein Freund von dem Satz „jetzt habe ich eine RED, jetzt bin ich professionell“, aber irgendwie macht eine etwas teurere Kamera etwas mit einem. Und bei der RED ist es auch irgendwie etwas anders, ich hatte ja bereits die Canon C300 MK1 und die URSA Mini. Wahrscheinlich ist es einfach nur das Marketing und der Mythos von RED und ich bin komplett gebrainwashed. 

Zusammenfassung

Ich bin immer noch sehr zufrieden mit meiner Investition in die RED KOMODO. Sie ist keine perfekte Kamera, aber das gibt es einfach nicht. Der bessere Formfaktor hat sich bei mir aber bereits nach dem ersten Dreh ausgezahlt und ich wollte die Pocket4K fast nicht mehr in die Hand, besser gesagt auf den Gimbal nehmen. Jede Kamera hat natürlich eigene Vor- und Nachteile. 

Die Pocket4K ist einfach keine Gimbalkamera und ich hatte die Pocket auch seit ca. einem Jahr nicht mehr auf dem Gimbal. 

Ist die KOMODO für jeden? Nein, sicher nicht. 

Nutze ich die KOMODO voll aus? Nein. Ein Beispiel – Im Moment verwende ich zum Beispiel nur EF-Linsen, weil ich einfach kein RF-Linsen habe. Der RF-Mount ist neuer und hat ein kürzeres Auflagemaß. Dadurch kann man kleinere Linsen mit der gleichen Lichtstärke konstruieren. Ich würde zum Beispiel gerne mal die T1 Cinelinsen von diversen Herstellern testen.

Würde ich mir die KOMODO wieder kaufen? Ja, für mich gibt es im Moment keine vergleichbare Kamera in diesem Preissegment auf dem Markt. Blackmagic hat keine passende Kamera im Sortiment. Bei Z-Cam bin ich vorsichtig. Zurück zum DSLM-Formfaktor möchte ich nicht unbedingt.

Man bekommt ähnliche Ergebnisse mit anderen günstigeren Kameras. 

*es handelt sich um Amazon-, EBay-, SmallRig oder Thomann-Affiliate Links.
Das bedeutet, ich bekomme eine Miniprovision, wenn jemand etwas kauft,
das Produkt wird dadurch nicht teurer.

die lichtfänger Josef Sälzle
Josef Sälzle // DIE LICHTFÄNGER Gründer und Filmemacher

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über Kamera– ,
Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
Mit meiner Filmproduktion DIE LICHTFÄNGER mache ich Filme für Unternehmen sowie für Selbstständige. Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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