Fuji X100V Typ

Fuji X100V – Die andere Art der Fotografie

Die Fuji X100V hat mein Leben mit der Fotografie radikal verändert. Ich muss leider so einen reißerischen Eröffnungssatz schreiben, weil es einfach die Wahrheit ist (und ihr vielleicht auch jetzt weiterlest – Muhahah).
Seitdem ich die X100V habe, macht mir Fotografie wieder deutlich mehr Spaß und ich habe die Kamera einfach auch wieder dauernd dabei. Aber dazu jetzt mehr in meinem Artikel über die begehrte Fuji X100V.

Noch eine Info: Alle Beispielbilder sind natürlich mit der X100V mit unterschiedlichen Filmprofilen gemacht. Die Bilder von der Fuji sind noch mit meiner 5D gemacht, habe natürlich keine zwei X100V.

Einführung

In meinem Artikel „Zurück zur Casual Fotografie“ habe ich euch schon erläutert, dass ich seit ein paar Jahren keine kleine Fotokamera mehr hatte. Beim Umstieg auf die Blackmagic Pocket 4K habe ich fast alle anderen Kameras verkauft. Die Canon C300 MK1 war damals ja meine Hauptfilmkamera, sie ist aber einfach in die Jahre gekommen und wurde kaum noch verwendet. Die Pocket 4K ist handlicher und bietet mehr Möglichkeiten. Meine Sony A6300 habe ich auch verkauft, weil ich keine Sony-Kamera und Sonylinsen mehr wollte. Eine Zeit lang hatte ich eben nur die Blackmagic Pocket 4K und meine gute alte Canon 5D MK3 DSLR. Mitte 2021 ist dann noch meine RED KOMODO dazu gekommen. Größere Produktionen mache ich jetzt mit der RED, mittlere und kleinere Produktionen mit der Pocket4K und das eine oder andere Foto (hauptsächlich von Schauspieler/innen) mit der 5D.

Fuji X100V Beispielbild

Wenn ich draußen war (spazieren, reisen, etc.) oder auf einem Job hatte ich ab 2021 dann nur noch das iPhone 13Pro als Fotokamera. Ich dachte eine Zeit lang, dass mir das iPhone als Fotoapparat (Apparat ist hier auch optimistisch formuliert) reichen würde. Nach über einem Jahr mit dem iPhone und mehreren Jahren ohne echte Immerdabei-Kamera muss ich aber sagen, dass mir das iPhone einfach nicht reicht. Es hat durchaus seine Stärken. Ich mache sehr gern abstrakte Aufnahmen mit dem iPhone. Auch das eine oder andere schnelle Familienfoto geht gut mit dem Smartphone. MakingOf-Aufnahmen bei Jobs kann man auch sehr gut machen. Die Fotos sehen alle aber irgendwie immer gleich „gut“ aus. Das ist ja prinzipiell mal nicht schlecht. Die Bilder sind aber irgendwie Charakterlos, weil ja Apple mit der Software alles nachkorrigiert was geht. Nach einer Zeit wird es sehr langweilig. Jetzt könnte man natürlich wieder überlegen, ob man dann einen Filter vor dem iPhone verwendet oder nur noch mit einer bestimmten App fotografiert. Oder deutlich mehr Zeit in die Nachbearbeitung der Bilder steckt. Aber das hat mich alles irgendwie genervt. 

Fuji X100V Beispielbild

Lange Rede kurzer Sinn. Ich brauchte eine neue Immerdabei-Kamera. Schlussendlich hatte ich mich dann für die Fuji X100V entschieden. Ich habe euch ja bereits die X-T3 und die X-T30 in einem Artikel vorgestellt. An der X100V reizte mich die festverbaute 23mm Festbrennweite. Ich wollte nicht in die gleiche Falle wie mit einer DSLR oder DSLM tappen und dann dauernd Objektive mit mir herumschleppen.

Dann will man natürlich die Kamera bestellen und muss feststellen, dass man sie im Moment überhaupt nicht bekommt (das war im September 2022). Jetzt habe ich natürlich überlegt, ob ich einfach warte, bis die Kamera wieder lieferbar ist oder ob ich auf ein früheres Modell gehe oder ob ich eine ganz andere Kamera wähle. Meine Überlegungen hierzu gibt es im bereits genannten „Casual Fotografie“ Artikel. Ich habe mich also für eine Fuji entschieden.

Eine Fuji X100V oder Fuji X100F gebraucht kaufen

Eine gebrauchte X100V oder X100F kam für mich nicht in Fragen, weil die Preise einfach utopisch sind. Da meinen doch tatsächlich Leute, sie können eine zwei Jahre alte Kamera 500€ über dem Neupreis verkaufen. Klar, Angebot und Nachfrage, aber diesem Hype wollte ich mich nicht beugen. Ich habe die Kamera also im November bei Fotokoch vorbestellt und einfach gewartet. Bei meiner Auswahl habe ich mich auch gegen das Vorgängermodell X100F entschieden, weil ich dann doch einfach das Klappdisplay haben wollte. Eine gebraucht X100F kostet im Moment auch ca. 1200€ und hier ist der Abstand zur neuen X100V auch nicht mehr so groß.

X100V schlecht lieferbar

Es gibt natürlich auch Fotografen (oder die es werden wollen), die jetzt eine neue Kamera brauchen. Diese entscheiden sich aber meiner Meinung nach sowieso nicht für eine X100V. Die X100V ist schon eine Nischenkamera. Dazu später mehr im Artikel. Wer jetzt eine Kamera braucht, der holt sich besser eine DSLM. 

Ich hab also die Kamera im November bestellt und tatsächlich im Januar unerwartet eine bekommen. 

Fuji X100V Beispielbild

Auspacken und erster Eindruck der Fuji X100V

Die X100V kommt mit dem üblichen Zubehör in einer kleinen schwarzen Schachtel. Man hat natürlich viel zu viel Papierkram dabei, einen Akku, einen Schultergurt, den Objektivdeckel und eine CD-ROM (ja, eine CD-ROM). Wir wollen doch einfach nur die Kamera sehen, oder? 

Beim ersten Auspacken der Kamera fällt mir auf, dass sie deutlich kleiner als gedacht ist. Auf vielen Bildern wirkt die Kamera irgendwie größer. Ich hatte auch öfters mal die X-Pro2 von meinem Kollegen Andreas in der Hand und die Kamera wäre mir jetzt etwas zu groß für eine Jackentaschenkamera.

Von der Größe der X100V bin ich persönlich positiv überrascht, weil ich ja keine so großen Kamera für die Jackentasche wollte. Ich habe mir natürlich die Maße auf der Webseite angeschaut, aber schlussendlich muss man die Kamera immer erst in der Hand halten, um die Dimensionen wirklich zu sehen.

Haptik und Design

Fuji Kameras fühlen sich einfach gut an. Sie liegen gut in der Hand, zumindest bei mir. Ich habe aber auch nicht ganz so große Hände. Die Haptik ist wieder sehr hochwertig. Bei der Farbe habe ich mich für schwarz entschieden. Ich hatte ja damals bei der X-T3 und X-T30 die silbernen Versionen und wollte jetzt einfach mal wieder eine schwarze Kamera, die nicht sofort durch das Retrodesign auffällt. Ich hatte auch in anderen Blog gelesen, dass man mit den silbernen Fuji-Kameras öfters angesprochen wird und mit den Schwarzen nicht. 

Von Bekannten werde ich natürlich auch auf die Kamera angesprochen. Viele denken auch, dass es sich um eine alte analoge Kamera handelt. 

Fuji X100V
Fuji X100V
Fuji X100V
Knöpfe, Schalter und Rädchen

Man kann alle Kameraeinstellungen (Belichtungszeit, ISO, Blende, Belichtungskorrektur und den EVF über Rädchen und Hebel steuern. Das Verstellen der Kamera fühlt sich einfach gut an. Daher hatte ich mich auch für die Fuji entscheiden, weil es einfach Spaß macht, mit der Kamera die Einstellungen zu ändern. Hier arbeite ich auch ganz anders, wie mit meiner 5D. Meine 5D ist auf Schnelligkeit ausgelegt. Ich hasse den Begriff, aber die Fuji entschleunigt teilweise das Fotografieren sehr.
Man nimmt sich teilweise einfach mehr Zeit, um alles einzustellen. Mann kann die Fuji natürlich auch auf Schnelligkeit auslegen und alle Rädchen auf Auto machen und die Kamera dann eher wie einer klassische DSLR oder PointAndShoot bedienen. Ich brauche das aber bei der Fuji nicht, weil es im Moment keine Job-Kamera für mich ist. Ich habe die Fuji einfach immer dabei und mache nebenher ab und zu ein Bild. 

Fuji X100V Schalter
Fuji X100V Rädchen
Fuji X100V Blende

Die Knöpfe haben einen angenehmen Druckpunkt und der Q-Button ist auch besser platziert als bei der X-E2. Bei den älteren Fujis hat mich der Q-Button immer genervt, weil man oft aus Versehen auf den Knopf gekommen ist. 

Hybrid-Sucher

Ein Highlight für mich an der Kamera ist der Hybrid-Sucher. Ich komme ja noch aus der klassischen DSLR-Zeit und habe hier in der Regel mit dem Sucher gearbeitet. Ich mag es einfach beim Fotografieren die Realität zu sehen und kein elektronisches Bild der Realität. Beim Filmen stört mich das irgendwie nicht so. Beim Hybrid-Sucher der X100V kann man zwischen dem echten Bild und dem EFV wählen. Beim echten Bild, wird einem dann noch der Bildrahmen eingeblendet, weil die X100V ja keine Spiegelreflexkamera ist. Der Sucher ist ja leicht versetzt und zeigt daher nicht genau, was die Optik sieht. Hier muss man sich etwas dran gewöhnen. 

Fuji X100V Sucher
Fuji X100V Sucher
Fuji X100V Sucher

Einsatzgebiet

Ich verwende die Fuji als Immerdabei-Kamera und mache unterschiedlichste Bilder damit. Ich fotografiere Familien-Events, beim Spazierengehen oder einfach so Zuhause, wenn ich ein schönes Motiv oder Licht sehe. Außerdem nehme ich die Kamera auf jeden Filmjob mit und mache hier auch Aufnahmen über den Drehtag (wenn ich dazu komme). In Zukunft möchte ich auch alle Bilder aus dem Blog mit der Fuji machen. Bis jetzt habe ich hierfür meistens die 5D verwendet. 

Kann man die X100V auch auf professionellen Jobs verwenden? 

Diese Frage stelle ich mir häufiger. Wie Eingangs bereits geschildert, mache ich keine großen professionellen Fotojobs mehr. Ich mache aber noch Portraits für ausgewählte Kunden und Kundinnen. Hier muss ich aber sagen, dass ich dann doch eher zur 5D greife. Das war auch schon so, als ich noch die Fuji X-E2 oder die Sony A6300 hatte. Ich kenne die 5D und die raw-Bilder, die aus der Kamera kommen, sehr gut und weiß, was ich damit machen kann und was nicht. Bei der Fuji bin ich noch nicht geübt. 

An sich müsste man einfach ins kalte Wasser springen und einfach mal so einen kleinen Foto-Job mit der X100V machen. Dafür habe ich die Kamera aber auch noch nicht lang genug. 

Bedienung und Technik

Schauen wir uns jetzt etwas die technischen Aspekte der Kamera an. Hatte schon überlegt, ob ich dieses Kapitel einfach überspringe bei der Kamera, aber vielleicht ist es ja für den einen oder anderen interessant. 

Fuji X100V Blende
Wechsel zwischen Foto und Video

Die X100V ist primär auf Fotos ausgelegt. Das merkt man auch bei der Bedienung. Die X100V hat keinen gesonderten Videomodus, den man über ein Rädchen oder Kipp-Schalter schnell am Gehäuse erreichen kann. Die XT3 hat ja links am ISO-Rädchen noch einen Hebel, mit dem man die einzelnen Aufnahmemodi umstellen kann. 

Bei der X100V muss man auf den Drive-Button neben dem Hybrid-Sucher drücken und kann dann hier Video auswählen. Man sieht hier meiner Meinung nach deutlich, dass Fuji bei der X100V keinen so großen Wert auf Video gelegt hat. Es ist einfach mehr eine Fotokamera und das muss man eben wissen. 

Gerade, wenn man eine Hybridkamera sucht, ist die X100V glaube ich, nicht die richtige Wahl. Das heißt natürlich nicht, dass man keine Videos mit der Kamera machen kann. Das geht natürlich. Bei 4K 30p ist aber Schluss. Das ist ja für viele heute schon ein K.O. Kriterium.

Video-Qualität der X100V

Die Qualität der Videos ist ok, aber bei weitem nicht hervorragend. Intern nimmt die Kamera nur 8Bit auf. Extern über den Micro-HDMI bekommt man dann 10bit und 4:2:2. Aber wer möchte an dieser Kamera schon einen externen Monitor verwenden? Das ist meiner Meinung nach überhaupt nicht sinnvoll. 

Für ein schnelles Video zwischendurch reicht die Qualität aber aus. Meiner Meinung nach, kauft man sich aber auch nicht unbedingt eine X100V, wenn man damit Videos machen will. 

Individualisierbarkeit der Kamera

Insgesamt lässt sich die Kamera sehr gut individualisieren, die meisten Buttons und viele Rädchen können mit den eigenen Funktionen belegt werden. Hier kann man sich die Kamera schön auf seine eigenen Bedürfnisse anpassen. Ich würde aber empfehlen, dass man einfach eine Weile mit der Standard-Konfiguration fotografiert. Dann wird man merken, was einem bei der Bedienung nicht so gefällt und kann dann dementsprechend nachjustieren.

X-Trans CMOS 4 Sensor

Die Fuji X100V hat auch den X-Trans Sensor. Wie bei der X-T4 bekommt man hier 26 Megapixel und eine maximale ISO von 51000. Weitere Infos zum Sensor bekommt ihr direkt bei Fuji. Mittlerweile finde ich die ganzen Werte überhaupt nicht mehr interessant, mich interessiert eher die Handhabung der Kamera und welche Bilder ich direkt aus der Kamera bekomme. 

Das Bild der Fuji X100V

Da ist es wieder, dieses Fuji-Gefühl. 

Sobald man die Filmsimulationen aktiviert, ist man wieder in einer anderen Fotowelt. Man hat einfach sofort einen schönen Look, der aber nicht negativ auffällt. Bei anderen Herstellern gibt es natürlich auch Looks, die man direkt auf die JPEGs schreiben kann, aber irgendwie haben die mir nie so getaugt. 

Fuji X100V Beispielbild
Fuji X100V Beispielbild
Fuji X100V Beispielbild
Fuji X100V Beispielbild
Fuji X100V Beispielbild
Fuji X100V Beispielbild
Fuji X100V Beispielbild
Filmprofile noch detaillierter anpassen

Man kann die einzelnen Filmprofile noch einmal genauer anpassen. Man kann hier nicht nur die Schärfe und die Rauschunterdrückung anpassen, sondern auch Filmkorn hinzufügen oder Color Chrome einstellen. Auf der Seite Fujiweekly.com bekommt hier sehr viele unterschiedliche Filmprofile und könnt diese dann bei eurer X100V einstellen. Hier gibt es natürlich unzählige Filmsimulationen und man verliert hier schnell den Überblick. Ich empfehle euch erst mit einem oder zwei anzufangen. Ich fotografiere im Moment mit Cine800T, Kodak T100Max und Porta400. 

Schattenseiten der X100V

Im Moment sehe ich noch keine Schattenseiten der X100V. Für viele wird wahrscheinlich die feste Brennweite von 23mm ein Nachteil sein. Das habe ich auch in vielen Foren gelesen. Aber gerade die fixe Brennweite ist für mich der größte Vorteil der X100V. Kein nerviges „Welche Optik nehme ich mit“ oder „Welche Optik kaufe ich als nächstes“. Wer natürlich unterschiedliche Brennweiten unbedingt braucht, der sollte sich nicht die X100V kaufen. 

Ein YouTuber hat sich auch über den APS-C Sensor beschwert, weil ja nur Vollformat das richtige zum Fotografieren ist … hust hust. 

Fuji X100V

Zubehör für die X100V

Es gibt ja ein paar Dinge, die von vielen als essenziell für die X100V empfohlen werden. Das ist zum Beispiel ein „roter“ Auslöseknopf, ein Daumengriff oder eine Augenmuschel. Ich hatte alles Zubehör und muss sagen, dass ich nur den etwas größeren Auslöseknopf behalten habe. Der Zubehör-Auslöseknopf macht das Auslösen der Kamera etwas angenehmer. Ich habe mich auch für schwarz entschieden, weil ich die Kamera nicht so auffällig haben wollte. Daumengriff fand ich eher kontraproduktiv, weil man schlechter an bestimmte Knöpfe gekommen ist. Eine Augenmuschel brauche ich auch nicht, weil mir der EVF eigentlich hell genug ist und ich meistens sowieso den echten Sucher verwende. 

Fuji X100V
Fuji X100V

Fazit

Mir hat die X100V (Link zu Fotokoch) sehr viel Freude an der Fotografie zurückgebracht. Gerade die Reduktion auf eine Brennweite macht einem vieles einfacher. Bewusste Einschränkung macht einen oft kreativer bei der Bildauswahl und man lernt seine Kamera und die Optik sehr gut kennen. Die Größe der Kamera ist für mich auch perfekt. Klein genug, dass man sie einfach mitnehmen kann. Aber auch so groß, dass sie noch sehr angenehm in der Hand liegt. 

Ist die X100V für jeden

Ich würde die Kamera nicht jedem empfehlen. 

Glaubt auch nicht, dass eure Bilder mit dieser Kamera besser werden. Alles was man sonst noch so bei der Fotografie „beachten“ muss/kann, gibt es natürlich weiterhin. Eure Bildgestaltung wird nicht auf Knopfdruck durch die Kamera besser. 

*es handelt sich um Fotokoch-, Amazon-, EBay-, SmallRig oder Thomann-Affiliate Links.
Das bedeutet, ich bekomme eine Miniprovision, wenn jemand etwas kauft,
das Produkt wird dadurch nicht teurer.

Josef Sälzle DIE LICHTFÄNGER

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über die Theorie des Filmemachens, schaue mir die Technik an
und gebe euch Tutorials zu unterschiedlichsten Themen.

Mit meiner Filmproduktion DIE LICHTFÄNGER mache ich Filme für Unternehmen sowie für Selbstständige. Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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