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DIE LICHTFÄNGER Bauvorhaben film Biberach

Praxisbeispiel – Filme über Bauvorhaben

In diesem Blogartikel möchte ich auch eine neue Referenz vorstellen. Habe mich entschlossen hierüber einen Artikel zu schreiben, da diese Projekt aus einer besonderen Situation entstanden ist. Als Filmemacher gehört es zu einer meiner Kernkompetenzen auf neue Situationen schnell zu reagierend und vor allem überhaupt reagieren zu können.

Aber erstmal zeig ich auch das entstandene Projekt. Es geht um den Film über die Quartiersmitte – Hauderboschen in Biberach.

Besondere Situation durch Covid-19

Wir haben ja in den letzten Monaten erlebt, was eine Pandemie auslösen kann.
Mir ging es natürlich nicht anders als den meisten Selbstständigen. Durch den Lockdown wurden erstmal alle Aufträge auf Eis gelegt oder abgesagt und so war ich wie viele erstmal sehr ratlos, wie es jetzt weitergehen soll.
Die gewonnene freie Zeit habe ich sinnvoll genutzt und mich in Sachen Kamera, Licht, 3D-Animation und Storytelling weitergebildet.

Wie bereits gesagt, hatten andere natürlich auch diese Probleme. Zum Beispiel die Stadt Biberach (an der Riß) und das Büro für Landschaftsarchitektur silands. Normalerweise werden die Pläne zu bestimmten Bauvorhaben in einer Präsentation den Bürgern vor Ort von den Architekten vorgestellt. Die Bürger können dann direkt Fragen zum Plan stellen. Dies war in letzter Zeit natürlich auch nicht möglich. Und so musste eine Lösung gefunden werden. Denn die Vorstellung des Planes für die neue Quartiersmitte Hauderboschen stand bevor.

Hier gab es dann die Idee den Plan mit einem Video vorzustellen.

Bebauungsplan mit einem Film vorstellen

Zunächst war die Idee, die geplante Präsentation von den Architekten abzufilmen und dann den Bürgern zur Verfügung zu stellen. Aber diese Idee wurde zum Glück verworfen. Die Landschaftsarchitekten von silands wollten den hochwertigen Plan auch mit einem hochwertigen Film vorstellen. Und hier kam ich ins Spiel.

Konzept für einen Bürgerinformationsfilm

Bei der Konzeption habe ich mir gedacht, dass man als Zuschauer natürlich den Bebauungsplan sehen will. Die Architekten sollten aber den Plan noch erläutern. Texteinblendungen fand ich aber zu langweilig und hier muss der Zuschauer wieder lesen und kann sich nicht den Plan anschauen.

Eine Stimme aus dem Off fand ich zu unpersönlich und so habe ich mir gedacht, dass man zwischendurch einfach den erklärenden Architekten zeigt.

Daher habe ich mich für ein klassisches Interview mit dem Landschaftsarchitekten Roberto Kaiser entschieden. Um sich dann noch mehr den Plan und die Möglichkeiten vorstellen zu können, wollte ich dann noch zusätzliche Schnittbilder (passend zum Plan) einblenden. Das knappe Budget hat leider nur für Stockfotos gereicht.

Um einen Überblick über das brachliegende Gelände zu bekommen, habe ich dann auch noch Luftaufnahmen von der derzeitigen Brachfläche gemacht. Diese Luftaufnahme sollte dann in den Plan überblendet werden, sodass der Zuschauer genau sieht, wie Plan und Realität übereinstimmen.

Produktion

Der Interview-Dreh hat ca. einen Tag gedauert. Morgens im Büro haben wir uns erstmal eine passende Location herausgesucht. Manchmal ist es gar nicht so einfach, einen passenden Platz für ein Interview zu finden. Durch zahlreiche Interviews, die ich in der Vergangenheit gemacht habe, haben wir aber dann einen guten Platz gefunden.

Bei der Ausleuchtung habe ich mich für eine simples Einlicht-Setup entschieden. Ich wollte Roberto nicht zu krass mit vielen Lichtern verunsichern. Gerade bei Menschen, die nicht sehr oft vor der Kamera stehen, kann ein aufwendiges Lichtsetup mit drei- oder mehr Lichtern schnell einschüchternd wirken. Professionelle Schauspieler sind das gewohnt und könnten daher anders auf die Situation reagieren.

Interviews ausleuchten

Mit nur einem Licht zu leuchten, bedeutet aber nicht, dass man hier Qualität verschenkt. Man muss sich einfach etwas mehr Gedanken zur Platzierung des Interviewpartners und den Kameras machen.

Für etwas mehr Kontrast habe ich eine Flag auf der rechten Seite von Roberto platziert (von der Kamera gesehen links). Diese Flag schattet die Person hab und erzeugt somit etwas mehr Kontrast im Bild. Manchmal ist es einfach sinnvoller Licht wegzunehmen, anstatt mehr Licht hinzuzufügen. Das Fenster im Hintergrund gibt übrigens noch eine schöne Spitze.

DIE LICHTFÄNGER Bauvorhaben film Biberach
Kameratechnik

Gedreht hab ich mit der Blackmagic Pocket 4K und der Ursa Mini 4,6K mit jeweils meinen Zeiss Linsen. Beide Kameras haben 4K DCI in ProRes aufgezeichnet. Ich wollte eine Halbnahe von Roberto und eine Nahe Einstellung haben. Die Halbnahe, um das Büro zu zeigen und so den Arbeitsplatz von den Architekten zu verdeutlichen. Die Nahe wollte ich dann für besonders wichtige Aussagen verwenden. Man ist hier deutlich näher an der Person und kann daher die Mimik deutlich besser erkennen.

DIE LICHTFÄNGER Bauvorhaben film Biberach
DIE LICHTFÄNGER Bauvorhaben film Biberach
Schnittbilder

In zusätzlichen Schnittbildern wollte ich auch noch die Pläne im Detail zeigen. Es war ja schon geplant, die Pläne als Bilder in den Film einzubinden, aber ich wollte die realen ausgedruckten Pläne auch noch zeigen, um die Hochwertigkeit der ausgearbeiteten Pläne zu unterstreichen. Roberto und Steffi von silands legen sehr viel Wert auf die ausgearbeiteten Pläne und im Film gibt es dann auch nochmal ein kleines Highlight von den Plänen am Schluss.

Die Aufnahmen der Pläne habe ich mit einem Kameraslider gemacht, um etwas mehr Bewegung ins Spiel zu bringen.

DIE LICHTFÄNGER Bauvorhaben film Biberach
DIE LICHTFÄNGER Bauvorhaben film Biberach

Produktion Luftaufnahmen

Die Luftaufnahmen habe ich an einem sonnigen Tag in Biberach gemacht. Der Dreh war relativ einfach – Drohne aufbauen, die Lage checken und abheben. Bei der Bildkomposition der Luftaufnahmen musste ich natürlich darauf achten, wie der Bebauungsplan aussieht, sodass ich später die Luftaufnahme und die Aufnahme vom Plan ineinander blenden konnte.

DIE LICHTFÄNGER Bauvorhaben film Biberach
DIE LICHTFÄNGER Bauvorhaben film Biberach
Mavic 2 Pro Drohne

Die Luftaufnahmen habe ich mit der Mavic 2 Pro von DJI gemacht. Diese relativ kleine Drohne macht atemberaubende Bilder und war genau richtig für dieses Projekt.

Postproduktion

Workflow für Postproduktion

Der Schnitt des Projektes lief nach meinem Standard-Workflow ab. Die Dateien werden projektspezifisch umbenannt. So findet man auch noch nach ein paar Jahren passende Aufnahmen. Dann erstelle ich die Ordner (Material, Audio, Grafiken, etc.) auf der Festplatte und kopiere das Filmmaterial in die jeweiligen Ordner. Gleichzeitig mache ich noch ein Backup auf meinen Server. Dieser Workflow hat sich über die Jahre sehr bewährt.

Kameras synchronisieren

Bei diesem Projekt war das Synchronisieren der zwei Kameras auch relativ einfach, da es nur einen großen Clip pro Kamera gab. Am Anfang der Aufnahme mache ich mit der Filmklappe noch einen Klatscher. So sieht man auf der Audiospur einen starken Ausschlag und kann somit beide Kameras einfach synchronisieren. Das kann man natürlich auch von einer Software wie PluralEyes machen lassen, oder man synchronisiert die beiden Kameras über den Timecode.

4K vs 1080p Schnitt

Die Timeline des Projektes habe ich in FullHD angelegt. Wenn man in 4K dreht und in FullHD schneidet, hat man noch mehr Bildmaterial zur Verfügung, wenn man etwas den Bildausschnitt anpassen will.

Beim Schnitt habe ich darauf geachtet, dass die Aussagen von Roberto nicht zu schnell aufeinander kommen, sodass der Zuschauer dem gesprochenen Inhalt auch mühelos folgen kann. Zwischen den einzelnen Themenabschnitten habe ich auch etwas „mehr Luft“ gelassen. Die Bilder, der spielenden Kinder, sollten auch noch Zeit zum Wirken haben.

Natürlicher Look durch Farbkorrektur

Bei Farbkorrektur habe ich mich für einen natürlichen Look entschieden. Bei dieser Art von Film sollte nichts den Zuschauer vom Inhalt ablenken, eine zu starke Farbkorrektur oder ein „krasses“ Grading wären hier nicht sinnvoll gewesen. Hier muss man immer die Zielgruppe im Auge behalten.

Das 1. Bild zeigt das Rohmaterial direkt aus der Kamera. Das 2. Bilder ist mir Farbkorrektur.

DIE LICHTFÄNGER Bauvorhaben film Biberach
DIE LICHTFÄNGER Bauvorhaben film Biberach
Musikauswahl und Sounddesign mit Foleys

Beim Sounddesign (Musik + Soundeffekte) wollte ich auch Lust auf den kommenden Film machen. Die Soundeffekte untermalen die Bilder und lassen den Zuschauer noch einmal mehr in die Szenerie eintauchen.

An sich ist dieser Postproduktionsprozess sehr geradlinig, für mich gab es keine großen Überraschungen durch VFX oder aufwendige Retusche. Geschnitten habe ich übrigens mit DaVinci Resolve 16. Mache ja gerade den Wechsel von Premiere zu DaVinci und ich muss sagen, dass ich noch nie so wenig Projektabstürze hatte. Das muss man sich mal vorstellen, man bezahlt Adobe pro Monat sehr viel Geld und muss sich dann auch noch mit regelmäßigen Projektabstürzen herumschlagen.

Fazit

Mir hat dieses Projekt sehr viel Spaß gemacht. Mit ca. 3 Tagen reiner Produktionszeit (über 2 Wochen verteilt) konnte ich dieses Projekt auch schnell umsetzen.

Man sieht mal wieder, dass man für bestimmte Produktfilme überhaupt nicht viel braucht. Allein die Aussagen gepaart mit den passenden Bildern vermitteln den wichtigen Inhalt auf unterhaltsame Art.

Das Feedback der Bürger ist auch durchweg positiv zum Film. Die Stadt Biberach hat auch schon angekündigt, dass man diesen Ansatz der Planvorstellung mit einem Film weiter verfolgen wird.

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Hi, ich bin Josef und schreibe bei DIE LICHTFÄNGER über Kamera– ,
Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
DIE LICHTFÄNGER machen Imagefilme, Werbefilme und Produktfilme.
Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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die lichtfänger Josef Sälzle