Von der DSLR zur Lumix S5IIX – Warum diese Kamera fast meine 5D ersetzt hat
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf meinen fast endgültigen Umstieg von einer DSLR (Spiegelreflexkamera) auf eine DSLM (Spiegellose Kamera). Ich habe ja schon vor zwei Jahren im Jahr 2023 so einen Artikel geschrieben, aber jetzt ist es schlussendlich soweit, der DSLR „fast adieu“ zu sagen. Im Jahre 2025 bin ich wahrscheinlich einer der letzten verstaubten Dinosaurier, die überhaupt noch eine DSLR verwendet haben. Mittlerweile ist ja Hinz und Kunz mit einer modernen DSLM unterwegs. Oder sagen wir es genauer, mit einer „Sony A7 irgendwas“ oder „Sony FX irgendwas“.
Inhaltsverzeichnis:
Ein Abschied von der DSLR-Ära
Viele Jahre war die Canon 5D MK3 für mich der Fels in der Brandung – zuverlässig, robust, ein Werkzeug, das ich blind bedienen konnte. Auch, wenn ich die 5D monatelang nicht in der Hand gehabt hatte.
Hier ein paar Beispielbilder, die ich mit der 5D gemacht habe.



Diese Ära hatte Gewicht: Man wusste, was man in den Händen hielt, und die Bildergebnisse sprachen für sich. Aber irgendwann kam der Punkt, an dem ich merkte: Für die Arbeit, die ich heute mache, ist eine DSLR nicht mehr das richtige Werkzeug.
Gerade für meine Videoarbeit habe ich der alten 5D schon vor ein paar Jahren Lebewohl gesagt, Blackmagic war hier einfach die bessere Wahl. Die 5D wurde einfach als stinknormale Fotokamera eingesetzt. Das kann man sich heute teilweise gar nicht mehr vorstellen. Aber die ersten DSLRs mit den man auch filmen konnte, waren hauptsächlich auch nur Fotokameras und wenn wir ehrlich sind, dann sind alle neuen DSLMs auch eher Fotoapparate. Werden aber nicht mehr so verwendet.
Mit dem Kauf der X100V hatte die 5D noch weniger zu tun. Die X100V ist mein ständiger Begleiter und die 5D habe ich ca. 2x im Jahr aus dem Schrank geholt, um damit Porträts zu machen. Aber jedes mal hat es mich genervt, dass ich dann doch irgendwie immer zwei Kameras zu diesen Sessions mitgenommen habe (X100V und 5D).
Die Fuji hat auch meine Blackmagic Pocket 4K beim Thema YouTube abgelöst. Hier ist ein Video-Autofokus einfach sinnvoll.
Hier ein paar Beispielbilder SOOC aus der Fuji X100V. Es macht einfach so viel Spaß mit den Filmprofilen zu fotografieren und im Alltag spart man sich so viel an Nachberarbeitungszeit.



Vorerst bleibt die 5D
Als ich diesen Artikel angefangen habe, hatte ich schon die 5D für den Verkauf fotografiert und sie auch schon in die OVP verpackt. Irgendwie habe ich sie aber dann doch noch nicht bei Kleinanzeigen eingestellt. Ich hänge an der Kamera und ich weiß gar nicht warum. Vielleicht, weil ich so viel mit der Kamera gearbeitet habe.
Auf der Suche nach einer neuen Video-Kamera
Ich habe ja zum Thema Fuji X100V für Video ein Videoserie auf YouTube gemacht und auch auf die Komplikationen hingewiesen. Irgendwie war ich mit der X100V als YouTube-Kamera aber nie so zufrieden. Es ist und bleibt einfach eine exzellente Fotokamera und hier möchte ich sie im Moment auch nicht missen.
Die Suche nach einer Alternative beginnt. Ich wollte etwas, das nicht nur für YouTube taugt, sondern auch professionell genug ist, um es im Set neben meiner RED Komodo als B-Kamera zu nutzen.
Sony habe ich für mich irgendwie kategorisch ausgeschlossen. Ich arbeite teilweise mit den Kameras von Sony bei kleineren und größeren Drehs. A7Bla auf dem Gimbal und oft die FX6 auf dem Stativ oder aus der Hand. Und ich habe auch schon einen Spielfilm auf der FX9 gedreht.
Ich möchte aber keine Sony besitzen, das hat sich nach den unzähligen Drehtagen mit Sony herauskrisstalisiert. Die Kameras sind einfach so emotionslos perfekt. Technische Meisterwerke ohne jeden Anspruch an Ästhetik oder Bedienerfreundlichkeit. Das trifft natürlich mittlerweile auf die meisten DSLMs der großen Hersteller zu, aber irgendwie habe ich eine besondere Abneigung gegenüber Sony und ich besitze noch eine Sony VX1000.
Ich habe mir jetzt über die Jahre ab und zu wieder eine DSLM für ein paar Tage geliehen und wollte einfach mal schauen, was mich anspricht. Canon R6, Nikon ZF, Fuji GFX100RF (an sich keine DSLM), Canon C70 (keine Fotokamera) aber irgendwie wollte der Funken nie so recht überspringen.
Dann haben sich die Lumix Kameras von Panasonic irgendwie mein Interesse geweckt. Ich habe viel mit der GH5s gearbeitet und dann Panasonic abgeschworen. War einfach nie Fan vom GH-System. Gleicher Sensor wie die Pocket4K, aber irgendwie alles so steril. Mit dem S-System hat sich hier einiges geändert. Das S-System mit dem Leica-Mount macht schon einiges richtig. Vollformat, gute Videocodecs, Standard-DSLM-Design. Ich war interessiert, aber die S5 I und S5 II haben nicht diesen Habenwollen-Effekt ausgelöst. Erst die S5IIX hat mich dann abgeholt. Das dunkle Design macht auf den ersten Blick was her und erinnert an die SL-Modelle von Leica. Natürlich kann man die Kameras nicht vergleichen. Die Kameras von Leica sind einfach schön, alle anderen (außer Fuji) eher funktional. Die S5IIX reduziert das Erscheinungsbild und das gefällt mir sehr. Ich habe bei vielen meiner Kameras die Logos und Typenschilder überklebt. Außerdem wurden die Videofeatures auch noch einmal aufgebohrt. Die Suche nach einer S5IIX beginnt.
Was die S5IIX anders macht
Ich habe seit ca. einem halben Jahr mehrere Suchaufträge bei Ebay, Kleinanzeigen und auch bei MPB habe ich des Öfteren nach der Kamera geschaut.
Habe dann bei Ebay ein gutes Angebot von einem Händler gesehen und zugeschlagen. Ich bin Fan von zertifizierten Gebrauchtgeräten, ich brauche nicht unbedingt eine Fabrikneue Kamera.
Mein erster Eindruck zur Lumix S5IIX als Video
Open Gate – das Feature, das mich sofort überzeugt hat
Die Möglichkeit, in 6K Open Gate (3:2) aufzunehmen, ist für mich ein sehr willkommenes Feature. Habe mich schon immer gefragt, warum nicht mehr Hersteller das ermöglichen. Die meisten DSLMs verwenden ja einen 3:2 oder 4:3 Sensor und kürzlich konnte man nur bei Panasonic den vollen Sensor im Videomodus nutzen. Mittlerweile gibt es das Feature auch bei Fuji, Sigma und Blackmagic. Nur die etablierten Größen Sony, Canon und Nikon bieten dieses Feature nicht an. Wohlgemerkt im Kinobereich bei ARRI, RED oder bei der SONY wird immer der volle Sensor ausgelesen.
Statt mich in festgelegte Formate pressen zu lassen, bekomme ich die volle Sensorfläche – und kann später in der Post frei entscheiden, wie ich das Material nutze. Für YouTube, Social Media oder als B-Cam im Cinema-Workflow ist das schlicht ideal. Man sammelt natürlich mehr Daten, das darf man nicht vergessen. Außerdem wird die Bildgestaltung auch schlichtweg schlechter, weil man mehrere Formate bedienen muss. Hier muss man immer Abstriche bei der Kadrierung machen.

Workflow wie bei den „Großen“
ProRes und All-Intra: Endlich professionelle Codecs direkt in der Kamera, ohne externe Recorder – naja fast.
Mittlerweile bekommt man zum Glück auch eine internen ProRes Aufnahme bei vielen DSLMs (außer natürlich Sony oder Canon), die „leichteren“ H264 oder H265 MP4 Codec sind zwar ganz nett für kleinere Projekte, aber bei größeren Projekten ist der ProRes Codec schon sehr angenehm. Frisst mehr Speicherplatz, schont aber die Performance und hat eine bessere Bitrate. Leider kann die S5IIX „nur“ FullHD in ProRes auf die SD-Karte aufzeichnen. Die höheren Auflösungen bekommt man nur über die SSD-Aufzeichnung. Schon verrückt dass man mittlerweile schreibt, dass man intern ProRes „nur“ in FullHD aufzeichnet. Da sehen wir mal wieder, wie schnell der Wechsel von FullHD auf 4K stattgefunden hat.
SSD-Aufnahme via USB-C: Die S5IIX bietet die Möglichkeit eine externe SSD für die Aufzeichnung der Daten zu verwenden. Das kennen wir ja bereits aus der Blackmagic Pocket4k. Keine ständigen Kartenwechsel, keine Kompromisse bei Datenraten. Aber natürlich der Nachteil, dass man ein weiteres kleines Gerät braucht, dazu gleich mehr.
RAW-Output: Für größere Projekte kann man die Kamera in einen High-End-Workflow integrieren. Damit rückt die S5IIX viel näher an eine Cinema-Kamera heran. Leider bekommt man die komplett Bildqualität nur über einen externen Recorder. Das ist einfach immer Grütze, egal wie gut die externen Recorder mittlerweile sind. Es ist einfach immer eine Fehlerquelle und am Ende hängen die Daten an einem HDMI-Kabel. Bei der Aufnahme über SSD ist das natürlich auch der Fall.
Ich habe viel mit der Pocket4K über SSD aufgezeichnet, bin aber wieder komplett davon weggekommen, weil ich teilweise einfach auch DroppedFrames hatte. Kleiner Kabelwackler und schon lief die Aufnahme nicht mehr. Daher bin ich froh, dass die S5IIX auch internes ProRes kann. Die Lumix kann übrigens ProRes Raw und BlackmagicRaw über den HDMI ausgeben. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich dieses Feature nutzen werde. Ich habe zwar einen Blackmagic VideoAssists 7“, aber eben nicht nicht die Variante, die auch BRAW aufzeichnen kann.
IBIS
Der Bildstabilisator ist heute fast nicht mehr wegzudenken und für viele DIE Funktion, die eine neue Kamera unbedingt haben muss. Ich muss aber sagen, dass ich ihn nur teilweise vermisst habe. Seit ich mit der KOMODO unterwegs bin, haben sich meine Aufnahmen aus der Hand enorm verbessert. Der fehlende RollingShutter macht das Bild einfach so viel besser und der GlobalShutter ist das Kaufargument der Komodo für mich. Die DSLMs hatten ja schon immer das Problem, dass sie einfach kleiner und handlicher sind. Nicht so handlich wie eine Kompaktkamera, aber mit einer kleinen Linsen schon deutlich kleiner wie eine DSLR. Diese Handlichkeit hat den Nachteil, dass man Mikrowakler bei der Aufnahme aus der Hand bekommt. Bei DSLRs war das auch schon immer ein Problem. Der IBIS der neueren DSLMs dämpft das ab.
IBIS ist keine Allheilmittel
Man darf hier aber auf keinen Fall Wunder erwarten, der IBIS arbeitet, aber manchmal arbeitet er zu viel und es gibt diese komischen Verwacklungsartefakte und Schwimm-Effekte, die man aus der Software-Stabilisierung kennt. Der IBIS der Lumix soll ja das beste System auf dem Markt sein, mich überzeugt er aber nicht. Wie schlecht müssen dann die anderen System sein?
IBIS ist einfach immer noch überschätzt. Ich spreche bewusst hier auch nur über den Videomodus. Im Fotomodus ist der IBIS durchaus sehr hilfreich.
Autofokus der S5IIX
Wer diesen Blog hier schon länger liest, der weiß, dass ich kein besonderer Fan von Autofokus bin. Hatte ja auch schon geschrieben, dass ich in letzter Zeit sehr häufig mit dem ach so perfektem Autofokus von Sony gearbeitet habe. Leider hat man immer noch die gleichen Probleme. Teilweise werden Gesichter dann doch wieder nicht erkannt und der Autofokus fängt das Pumpen an, teilweise nur leicht, aber die Aufnahme ist teilweise nicht mehr verwendbar. Da präferiere ich eher einen manuellen Fokus bei statischen Aufnahmen. Einzig bei bewegten Aufnahmen auf dem Gimbal ist der Autofokus durchaus nützlich. Er versagt natürlich auch regelmäßig, aber wenn man keinen Fokuspuller hat, ist es die bessere Alternative zum manuellen Fokus. Gerade, wenn man offenblendig arbeiten will.
Den Autofokus der Lumix muss ich noch genauer testen. In meinen YouTube Setups macht er schon einen guten und zuverlässigen Eindruck. Ich habe auch schon ein paar kommerzielle Projekte mit der S5IIX gemacht und auch teilweise auf den Autofokus zurückgegriffen. Er sitzt solide, aber einfach auch nicht immer.
Neben der RED Komodo
Natürlich bleibt die RED Komodo meine Hauptkamera. Gerade bei größeren Werbefilmen möchte ich mit keiner S5IIX und HDMI drehen. Das ist die KOMODO schon am Limit.
Ein Beispiel-Werbefilm aus meinem Portfolio. Gedreht mit der KOMODO und den Vespid Cinelinsen.
Aber: Ich habe die S5 IIX im direkten Zusammenspiel getestet – und sie fügt sich erstaunlich gut ein. Der Look lässt sich matchen, das Handling ist ok und für kleinere Setups ist sie eine unauffällige, aber leistungsstarke Ergänzung. Auch im YouTube-Kontext ist die super, hier ist die RED mir einfach zu groß.
Design & Handling
Ehrlich gesagt habe ich vom Design nicht viel erwartet. Die B-Kamera muss funktional sein, für gutes Aussehen habe ich meine Fuji. Man möchte aber trotzdem gerne mit einem Gerät arbeiten. Der vollständig schwarze Body sieht edel aus, er fühlt sich auch hochwertig an. Aber es bleibt eben eine moderne DSLM und das muss man auch nicht beschönigen. Die Arbeit mit der Lumix S5IIX ist ok, aber Welten von einer Fuji entfernt.
Die Menüs sind ok, mehr oder weniger unübersichtlich wie bei jeder anderen DSLM. Ich wünschte mir, dass die Hersteller eher den Weg von Blackmagic gehen würden, das kann doch nach all diesen Jahren nicht so schwer sein. Es wäre auch schön, wenn man einfach bestimmte Menüpunkte komplett ausblenden könnte. Natürlich kann man sich auch Custom-Menüs erstellen, aber der ganze andere Quatsch bleibt ja.
HDMI-Übertragung und Verzögerung
Was mich allerdings sehr stört, ist die Verzögerung des HDMI-Signals auf den Monitor. Man hat hier definitiv 2-3 Frames Unterschied. Das hört sich nicht nach viel an. Beim Filmen merkt man es aber, besonders, wenn man das Klappdisplay noch im Blick hat.
Was mich auch stört, man kann den Statustext nur auf dem internen oder auf dem externen Display haben. Wieso geht das nicht auf beiden Displays? Eine eine komplette Spiegelung. Die Menüs werden auch auf beiden Displays angezeigt.
Bildqualität
Aber wie sehen die Aufnahmen aus der Lumix S5IIX denn jetzt aus? Dieser Punkt fällt mir etwas schwer, weil ich noch nicht genügend Sachen mit der Lumix gedreht habe. Aber die OpenGate-Sachen gefallen mir schon sehr.


Das Bild wurde aber auch mit meiner DZOFILM Vespid 40mm gemacht. Linsen sind heutzutage einer der entscheidenden Faktoren bei der Lookentwicklung, weil eben die digitalen Sensoren alle fast gleich aussehen.
Im Vergleich zu einer Aufnahme aus der KOMODO muss ich aber trotzdem sagen, dass sich das RED-Material irgendwie besser anfühlt.


Natürlich kann man die beiden oberen Bilder nicht direkt miteinander vergleichen, weil wir eine komplette andere Szenerie haben und ich auch andere Linsen verwendet habe.
Aber ich finde, dass man schon einen Unterschied in den feinen Farbabstufungen sehen kann.
Warum der Umstieg fast richtig war
Das Angebot für die S5IIX war unschlagbar, trotzdem bin ich nicht ganz so glücklich mit der S5IIX. Auf dem Papier ist sie eine hervorragende Kamera. Durch die Arbeit mit professionellen Cinema Cameras ist man natürlich andere Standards gewohnt. DSLMs haben einfach immer noch viel zu viele Nachteile für die Videoarbeit. Für schnelle Sachen sind sie fast unschlagbar, aber hier holen die Smartphones immer mehr auf. Bei größeren Projekten mit Team möchte ich nicht mit einer DSLM arbeiten. Als B-Kamera vielleicht, für den einen oder anderen Shot. Aber auf keinen Fall, wenn man noch eine Videofunkstrecke und weiteres Zubehör verwenden will. So hat man eine sehr leistungsstarke Kamera und nutzt sie dann nicht komplett aus?
Schluss endlich muss das jeder für sich selbst entscheiden. Ich sehe die S5IIX als Spezial-Werkzeug, sie sollte eigentlich ein Alleskönner sein, ist sie aber nicht.
Ich verwende Sie für YouTube, gelegentlich als B-Kamera bei größeren Projekten und ich möchte sie in Zukunft bei kleineren Projekten als A-Kamera verwenden und wenn ich das Bildformat 3:2 nutzen möchte.
Kleine Optiken für die S5IIX
Ich habe mir für die Lumix S5IIX noch zwei kleine Optiken von TTArtisan geholt. Einmal die neue 40mm F2 und die 75mm F2.
Die Größe der Optiken ist mein größtes Problem mit den ganzen Vollformat Kameras. Es gibt einfach oft keine kleineren oder sogar Pancake Optiken mit großer Blende. Hier kommen die Linsen von TTArtisan ins Spiel. Aber mehr dazu im Video.
In diesem Video bekommt ihr einen ersten Eindruck von den beiden Optiken.
In diesem Video gehe ich etwas genauer auf die TTArtisan 40mm F2 für den L-Mount ein.


