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die Lichtfänger 10 tipps Lichtgestaltung

10 Tipps für die Lichtgestaltung

Licht ist und bleibt eines der wichtigsten Gestaltungselemente bei Filmen. Soll der Film eher düster oder freundlich wirken? Sieht ein Schauspieler eher jung oder alt aus, nett oder böse? Dies kann man alles mit der richtigen Lichtsetzung lenken. 

Wie die meisten wissen, lege ich großen Wert auf die Lichtsetzung. Es macht mir einfach Spaß eine Szene mit den Darstellern auszuleuchten. Aus diesem Grund möchte ich euch mit diesem Artikel ein paar Tipps zum Thema Lichtgestaltung geben. Die unterschiedlichen Werkzeuge habe ich bereits in anderen Artikeln vorgestellt. Die Links gibt es am Ende des Artikels. 

1. Je größer die Lichtquelle ist, desto weicher wird das Licht

Die Überschrift sagt eigentlich schon alles. Je kleiner die Lichtquelle ist, desto härter werden die Schatten. Nehmen wir die Sonne als Beispiel. Einem sonnigen Mittag steht die Sonne im Zenit und strahlt direkt nach Unten (natürlich je nach Region), überall sieht man sehr harte Schatten auf dem Boden. Im Gegensatz dazu haben wir an einem Tag mit Hochnebel eine riesige Lichtquelle, die Schatten werden sehr weich und diffus. 

Wie bekommt man jetzt weiches Licht? Man vergrößert die Lichtquelle. Hierfür kann man Softboxen oder Rahmen mit Bespannungen verwenden. Außerdem kann man die Lichtquelle näher an das Subjekt stellen. 

die Lichtfänger 10 tipps Lichtgestaltung

Schönes weiches Licht macht zum Beispiel unser DIY-Chinaball.

2. Man kann bestimmte Lichtquellen dimmen

Kunstlichtscheinwerfer, HMIs und LEDs können gedimmt werden. Hierbei darf man aber nicht vergessen, dass man bei bestimmten Scheinwerferarten die Farbtemperatur ändert. Kunstlichtscheinwerfer werden wärmer, je mehr man sie dimmt. Das heißt, dass die Farbtemperatur abnimmt. 

die lichtfänger Lichtspieler Fresnel

HMIs können auch zu einem gewissen Maß gedimmt werden, werden dabei aber leicht kühler. Die Farbtemperatur nimmt zu. 

die lichtfänger HMI Lampen

Bei LEDs kann es auch sein, dass sich die Farbtemperatur ändert, das passiert aber meistens nur bei günstigeren Haushalts-LEDs. 

die lichtfänger walimex led

3. Man sollte auch Licht wegnehmen

Am Anfang meiner Karriere habe ich auch noch oft viel zu viel Lichter bei der Ausleuchtung verwendet. 

Gerade bei Personen habe ich mich sehr oft an die 3-Punkt Ausleuchtung (Hauptlicht, Fülllicht und Spitzlicht) gehalten. Mittlerweile leuchte ich aber öfters mit nur noch einer Lampe aus. Dann versuche ich mit Flags, Scrims und Folien das Licht so zu gestalten, dass es mir auf dem Set gefällt. 

die Lichtfänger 10 tipps Lichtgestaltung
die Lichtfänger 10 tipps Lichtgestaltung

Es gibt mehrere Vorteile, wenn man nur mit wenigen Lampen zu einem schönen Ergebnis kommt. Zum einen spart man sich einfach konkret Lampen ein und somit auch Budget, zum anderen hat man keine Doppelschatten, die sehr schnell verraten, dass eine Szene ausgeleuchtet wurde. 

4. Hauptlicht bestimmen (Near-Side / Far-Side)

Mit dem Hauptlicht legt man die allgemeine Stimmung in der Szene fest. Gerade, wenn man Personen ausleuchtet, kann man hier mit zwei verschiedenen Methoden arbeiten. Entweder setzt man das Hauptlicht auf die gleiche Seite (Near-Side) der Kamera oder eben auf die andere Seite (Far-Side-Lighting). 

die Lichtfänger 10 tipps Lichtgestaltung
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Wenn man das Hauptlicht auf der anderen Seite von der Kamera hat, bekommt man fast automatisch eine Lichtreflexion in den Augen bei der Person. Außerdem zeigt die Schattenseite der Person zur Kamera und man bekommt somit etwas mehr Tiefe im Bild. Ich achte mittlerweile sehr auf die Eye-Lights, da die Personen, dann deutlich lebendiger aussehen.

Im Allgemeinen sieht diese Lichtrichtung deutlich filmischer aus. Man sollte sich aber nicht unbedingt nur auf diese Lichtrichtung versteifen. Bei Brillenträgern wie mir, kann es sein, dass man hierdurch mehr Reflexionen in der Brille bekommt. Man muss das Hauptlicht dann sehr genau justieren.

Bei eher statischen Over-the-Shoulder Einstellungen kann diese Lichtrichtung sehr schön sein. 

5. Folien reduzieren die Lichtstärke

Es kann sein, dass man bestimmte Lichtquellen folieren muss. Bei einer HMI verwende ich zum Beispiel gerne ein 1/4 CTO Folie, um sie etwas wärmer zu machen. Diese Folie schluckt natürlich auch etwas von der Lichtstärke. Mit einem Lichtmesser kann man den Lichtverlust auch genau messen. 

Wenn man sehr viele Folien verwendet, dann verliert man auch deutlich mehr Lichtleistung der Lampe. 

6. Wattzahl und Sicherungen im Auge behalten

Wenn man mit vielen stärkeren Lampen (1000W Kunstlicht, oder 2000W HMIs) arbeitet, dann kann es sein, dass man plötzlich einer Sicherung auslöst und im Dunkeln dasteht. Das sollte natürlich nicht passieren. 

Am besten schaut man sicher vorher den Sicherungskasten an und macht sich mit unterschiedlichen Sicherungsstärken vertraut. Je nach Sicherung kann man mehr oder weniger Watt auf einer Sicherung laufen lassen. In der Regel verwende ich nicht mehr als 2500W auf einer Sicherung. Man sollte auch immer etwas Puffer einplanen bei Stromschwankungen. 

7. Mit der Sonne arbeiten

Wenn man einen Außendreh hat, dann kann man mit der Sonne arbeiten. Ich nehme die Sonne meistens als Spitzlicht und helle von Vorne etwas auf. Wenn man jetzt die Aufhellung von Vorne etwas zur Seite nimmt, hat man direkt eine schöne Far-Side-Key Ausleuchtung. 

Man darf aber nicht vergessen, dass die Sonne wandert. So kann es sein, dass man sehr oft die Position wechseln muss. Außerdem ändert sich die Farbtemperatur je nach Tageszeit. 

8. Quadratgesetz kennen

Das Quadratgesetz beschreibt, wie sich die Lichtleistung zur Lichtentfernung verhält. Wenn man zum Beispiel den Abstand zum Subjekt verdoppelt, viertelt man die Lichtleistung. 

Wenn man also ein helles Licht haben will, sollte man es möglichst nahe zum Subjekt stellen. Dies gilt aber nur, wenn das Subjekt sich nicht viel in der Szene bewegt. Wenn das Subjekt viel in einem Raum mit einem sehr nahen Licht herumläuft, kann es sein, dass sich die Helligkeit auf dem Subjekt sehr stark ändert. 

Daher verwendet man bei großen Sets auch sehr starke Lampen, die sehr weit weg platziert werden können. Hier macht es nicht so viel aus, wenn sich die Person stark auf dem Set bewegt. 

9. Mit Flags arbeiten (Negative Fill)

In Punkt 3 haben wir ja besprochen, dass man auch mal Licht wegnehmen muss. Hierfür kann man natürlich weniger Lampen verwenden. Oft ist es aber so, dass man sich in einem Raum mit weißen Wänden befinden und so sehr viel Streulicht bekommt. Man hat dann oft schon ein ungewolltes Aufhelllicht. Die Szene wirkt flach und kontrastarm. 

die Lichtfänger 10 tipps Lichtgestaltung
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Hier kann man jetzt mit Flags arbeiten und das Subjekt von einer Seite abschatten und so mehr Kontrast im Gesicht erzeugen. 

10. Booklight kennen und lieben

Mit einem Booklight bekommt man ein sehr weiches Licht. Man richtet seine Lichtquelle auf einen Reflektor und stellt zwischen Subjekt und Reflektor noch einen Diffusor. Reflektor und Diffusor sind praktisch die Seiten eines Buches. 

Durch den Reflektor und Diffusor geht aber sehr viel bei der Lichtleistung verloren. Man sollte daher für Booklights sehr starke Lampen verwenden. 

Fazit

Das waren jetzt ein paar Tipps zur Lichtsetzung. Wir haben am Anfang das Licht auch etwas vernachlässigt (sprach nicht für unseren Namen), aber man muss einfach dran bleiben und sehr viele Räume und Personen ausleuchten. Und auch mal bewusst „falsch“ ausleuchten. Hier wird man nämlich feststellen, dass es nicht unbedingt eine falsche Ausleuchtung gibt. Die Ausleuchtung passt dann nicht unbedingt zur Szene, aber vielleicht zu einer anderen Szene. 

Natürlich gibt es noch viel mehr Tipps zum Licht. Aber irgendwo muss man ja mal anfangen. 

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die lichtfänger Josef Sälzle
Josef Sälzle // Gründer und Filmemacher

Hi, ich bin Josef, Kameramann und Filmemacher.
Ich schreibe in meinem DIE LICHTFÄNGER Blog über Kamera– , Lichttechnik und über alles was das Filmemachen angeht.
DIE LICHTFÄNGER machen Imagefilme, Werbefilme und Produktfilme. Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben.

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